Montag, 12. Februar 2018

[NEWS] "Schattengesicht" von Antje Wagner in neuem Gewand erschienen!

Redakteur: Anette Leister

Die Bücher von Antje Wagner begleiten meinen Blog und mich nun bereits seit einigen Jahren. Das erste Buch, das ich von Antje gelesen habe war im Herbst 2010 "Schattengesicht", welches damals gerade neu im Quer Verlag erschienen war. Danach erfolgte eine Neuauflage bei Bloomoon, bevor es dann einige Zeit vergriffen war und nicht mehr nachgedruct wurde. Doch nun ist eine Neuauflage im Ulrike Helmer Verlag erschienen und ich hoffe, meine Rezension aus dem November 2010 kann Neugierde auf dieses Kleinod wecken und dem Buch noch weitere Leser bescheren:

Würde M. Night Shyamalan (Regisseur von "The Sixth Sense", "The Village") Bücher schreiben, dann solche wie Antje Wagners "Schattengesicht". Noch meisterlicher, wie der für seine unvorhersehbaren Enden bekannte Filmemacher, schafft sie es den Leser am Ende des Buches schockiert, perplex und nachdenklich zurückzulassen.
Über den Inhalt will ich an dieser Stelle gar nicht viel verraten, den jedes Wort zu viel geht auf Kosten des außergewöhnlich gestrickten Plots und könnte zukünftigen Lesern den Lesegenuss nehmen: "Schattengesicht" ist die düstere und traurige Geschichte der beiden jungen Frauen Milana und Polly. In zeitlich umgekehrter Reihenfolge von der Gegenwart bis zurück in die Kindheit werden Episoden aus ihrem Leben geschildert, in denen sie fast jedes Mal eine Leiche zurücklassen. Die Morde wären beinahe schwarzhumorig, würde nicht etwas Ungreifbares und Rätselhaftes die beiden Frauen umgeben: Warum schrecken Menschen vor Pollys Stimme zurück?
Antje Wagner hat mit "Schattengesicht" etwas geschafft, was schon lange keinem Buch mehr gelungen ist: ich habe es in einem Stück VERSCHLUNGEN! Sie spielt mit der Wahrnehmung des Lesers, lässt ihn zwischen den Zeilen Dinge herauslesen, die gar nicht real sind. Zum ersten Mal bin ich Antje Wagner auf den Leim gegangen, was den Begleiter von Milana und Polly anging und sie hat es bis zum Schluss wieder und wieder geschafft mich an der Nase herumzuführen. Immer nur bruchstückweise macht sie Anspielungen auf das düstere Geheimnis der beiden Frauen, gerade genug, um die Neugier bis auf ein schier unerträgliches Maß zu steigern. Man versucht dem Rätsel auf die Spur zu kommen, liest schneller und schneller, weil man nicht ans Ende spicken und somit der Überraschung vorgreifen will, ist wie gefangen vom Sog der Geschichte. Immer wieder habe ich mir Gedanken über die Lösung gemacht und am Schluss saß ich da wie vor den Kopf gestoßen. Ja, ach ja... die Puzzleteile fügten sich zu einem völlig schlüssigen Bild zusammen, und trotzdem hat Antje Wagner es geschafft, dass sich mir das bedrückende Rätsel eines einsamen Lebens erst auf den aller letzten Seiten offenbarte!
"Schattengesicht" ist vielmehr ein Psychogramm als ein Krimi oder Thriller, sprachlich ein Hochgenuss, beklemmend und ohne Effekthascherei.


Titel: Schattengesicht
Autor: Antje Wagner
Verlag: Ulrike Helmer
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 190 Seiten


Autor:
Antje Wagner, geboren 1974, studierte deutsche und amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften und lebt in Potsdam. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nahm sie 2012 in den Kanon der 20 besten deutschsprachigen Schriftsteller unter 40 Jahren auf. Bislang erschienen u.a. ihre Romane "Unland" (ver.di Literaturpreis 2010, Prädikat "Beste 7 Bücher für junge Leser" (DeutschlandRadio/Focus)), "Schattengesicht" und "Vakuum" (u.a. ausgezeichnet mit dem Leipziger Lesekompass 2013).

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