Mittwoch, 1. November 2017

[INTERVIEW] Jacqueline und Daniel Kauer von KaleaBook

Redakteur: Anette Leister

Auf der Messe bot sich uns die Gelegenheit Daniel und Jacqueline zu interviewen, die mit ihrem Verlag KaleaBook auf der Messe zugegen waren und dort unter anderem das frisch erschienene Duftbuch "Kräuterhexe Thymiana beim Koboldkönig" vorstellten.
Das Buch hat nicht nur unsere Rezensentin Sabrina begeistert, wie ihr in ihrer Rezension nachlesen könnt, ich sah am Stand in den ganzen Tagen nur begeisterte Gesichter und dass bei Daniel und Jacqueline am Stand immer etwas los war, lag meiner Meinung nach nicht nur an ihren tollen Büchern, sondern auch an der wunderschönen Präsentation und ihrer herzlichen Art.


Wie kamt ihr darauf, ein Duftbuch zu machen?

Jacqueline: Weil wir Kräuter über alles lieben und wir einen riesigen Kräutergarten hatten und jetzt als wir umgezogen sind in eine riesige Dachwohnung haben wir dort wieder einen Kräutergarten angelegt. Und wir wollten eigentlich schon das erste Buch 2011 mit Duft machen, das hat dann aber leider nicht geklappt. Auf auf der einen Seite ist das sehr sehr teuer, auf der anderen Seite darf man viele Duftvarianten auch nicht haben wollen, weil man dann die Druckmaschinen sehr gut waschen muss und das ist ein großer Aufwand und die Druckerei riecht dann nach Düften. Wir sind danach auf die Suche gegangen nach einer Druckerei, die das macht, wurden dann fündig und jetzt ist der Duft im Buch.


Vor allem stelle ich mir vor, man braucht ja auch mehr Ansprechpartner als wenn man ein duftloses Buch druckt, weil der Verlag ja nicht das Wissen hat, wie bringe ich den Duft in das Buch. An welche Firmen oder Industrie muss ich denn dann noch rangehen, damit ich das umsetzen kann?

Jacqueline: Das ist schon so, wir haben sehr sehr lange gesucht. Die anderen Bücher haben wir bei einer Druckerei bei Westermann Druck in Deutschland gedruckt. Die konnten das nicht, obwohl sie sehr sehr groß sind oder wollten es nicht. Düfte sind halt sehr sehr schwierig. Es gibt auch wenige Dufthersteller, ich denke nur 1 oder 2 in Deutschland und in Europa, die dann wirklich alle Druckereien, die so etwas drucken, bedienen. Wir haben dann wirklich im Internet gesucht, gegooglet, Anfragen gestartet, bis wir dann ein OK erhalten haben und dann die Offerten noch verglichen. Es ist schon eine sehr teure Angelegenheit, so ein Duftbuch, aber das war es uns wert, weil wir eben wirklich schon lange diesen Traum des Duftbuches hatten.


Wie kam die Idee, dass ihr nicht nur die guten Gerüche benutzt sondern auch Pups oder Stinkesocke?

Jacqueline: Ja so ist das Leben. Es riecht nicht immer alles gut und ich habe eine sehr sehr sehr sehr feine Nase, ich rieche wirklich manchmal zu gut, was eben nicht immer gut ist. Und deshalb liebe ich nicht die guten Düfte, weil das dann vielleicht die anderen Düfte überdeckt oder neutralisiert und ja, es gehört zum Leben.

Daniel: Die Kinder lieben es natürlich, wenn ein Überraschungseffekt kommt plötzlich wie ein Pupsgeruch.

Jacqueline: Ja, gerade der Pupsgeruch, so einen Pups macht man ja nicht und darf man nicht und wenn, dann im geheimen, und dann ist im Buch so eine große Seite, die einfach Pupsgeruch hat, das finden die Kinder natürlich toll. Es wird dann auch richtig groß gerieben daneben.

Stand von vornherein fest, dass die Protagonistin eine Kräuterhexe werden soll, weil das eben so gut zu dem Thema Duft passt? War erst das Duftthema da und ihr habt überlegt, mit wem setzen wir die Geschichte um, oder gab es die Hexe schon vorher und es passte einfach gut mit dem Thema?

Jacqueline: Eigentlich war das fast gleichzeitig. 

Daniel: Die Kräuterhexe war schon vorher da. Mit der Trülilü wollten wir schon ein Duftbuch machen 2011 und hatten nach verschiedenen Herstellern gesucht, haben aber nichts gefunden, was gepasst und funktioniert hat. Die Thymiana war da schon im Kopf, sie hat damals noch ganz anders ausgesehen. Sie hatte z.B. kurze orangene Haare, hatte aber schon einen lilanen Hut, und die hat sich dann entwickelt. Wir wussten, wir wollten das Duftbuch machen, und dann hat sich das automatisch so ergeben, dass sie die ideale Figur für ein Duftbuch ist. 

Jacqueline: Es ist so, Kräuter können ja auch die Stimmung beeinflussen, gerade Zitrone und die Zitrusfrüchte, die machen einen leichter, geben ein wenig Lebensfreude, es ist auch gut für die Kommunikation. Dann Schokolade, natürlich genießen, hinlegen, relaxen. Die Düfte, die sind ja schon wichtig im Leben. Nicht nur die Farben wirken psychologisch, sondern auch die Düfte. Sie können wirklich auf das Nervensystem wirken.

Wie kam es dazu, dass sie eine Spinne bekommen hat? Das passt ja schon gut zur Hexe, aber wenn man spontan ein Hexenhaustier nennen sollte, würde mir vermutlich erst einmal eine Katze oder eine Eule einfallen.

Jacqueline: Genau das wollten wir eben nicht. Es sollte wirklich etwas anderes sein und vor Spinnen haben ja viele Angst oder ekeln sich davor und deshalb sollte die Spinne süß und knuddelig und lieb sein, so dass man vielleicht auch die Angst etwas abbauen kann, weil jetzt der beste Freund eine Spinne ist.

Daniel: Ja, sie hat einfach einen speziellen Charakter, das sieht man im Buch, dann ist sie ein bisschen eingeschnappt, dann lächelt sie, sie hat so eine ganz eigene kleine Nebengeschichte.


Wie sind die bisherigen Rückmeldungen, ist das Buch auch für Erwachsene interessant durch die Rezepte die enthalten sind?

Daniel: Alle die kommen, sind fasziniert, dass das überhaupt funktioniert mit den Düften darin. Die Erwachsenen sehen schon auch die Seiten mit den Rezepten drin und finden das super, dass man das dann mit den Kindern machen kann. Bisher gab es wirklich sehr gute Rückmeldungen, von Erwachsenen und von Kindern. Viele sagen das ist toll für meine Kinder, dass ich es mit ihnen diskutieren kann eben mit den verschiedenen Düften und Rezepten, was denn Kräuter sind, wofür man sie gebrauchen kann, als Diskussionsthema mit den Kindern finden sie es super.

Jacqueline: Als kleine Geschenke für Omi kann man was rausnehmen von den Rezepten.
Für die ganz kleinen, da liest man halt vor, die können dann riechen und die größeren können schon selber lesen und die Seiten auslassen, die sie nicht so mögen. Deshalb finden wir, das ist für Kinder ab 4 – oder sogar zweijährige haben das schon gesehen oder mehr gerochen und die Bilder angeschaut und die kleinen Details gesucht.


Ist schon ein weiteres Duftbuch geplant?

Daniel: Wir lassen es mal auf uns zukommen, wie das jetzt ankommt, bisher sieht es sehr gut aus. Es ist gut möglich, dass es noch mal ein Duftbuch gibt. Vielleicht auch mit natürlichen ätherischen Ölen statt synthetischen Düften, ein Bio-Duftbuch sozusagen, das wäre natürlich genial, auch vom Umweltfaktor her. Ob es dann wieder die Thymiana wird, wissen wir noch nicht. Wir sind eigentlich eher die, die dann wieder neue Figuren machen und nicht unbedingt Folgebücher. Aber noch steht alles offen, wir lassen das auf uns zukommen.

Was mich noch interessiert: Welche Haltbarkeit hat ein Duft im Buch? Duftet das Buch auch noch, wenn man es in 5 Jahren aus dem Regal zieht? Oder verfliegt der Geruch nach einiger Zeit und man hat nur noch die Bilder, die Geschichte und die Rezepte?

Daniel: Irgendwann riecht es wahrscheinlich nicht mehr. Aber solange man nicht reibt, bleibt der Duft in den Kapseln erhalten. Wenn man 5 Jahre jeden Tag am Buch reibt, sind die Düfte natürlich irgendwann weg. Wir haben bei der Geschichte drauf geschaut, dass sie auch ohne Düfte funktioniert, dass die Geschichte also nicht von den Düften abhängig ist. So kann man es dann weiterhin jahrelang benutzen. Die Düfte sollen die Geschichte unterstützen, aber es ist nicht so, dass da irgendetwas steht wie jetzt muss man reiben, so dass die Geschichte keinen Sinn mehr ergibt.
Wir haben aber auch andere Duftbücher zu Hause, und wir haben zwei Kinder, die riechen auch immer an den Büchern und wir haben welche, die haben wir seit 3 oder 4 Jahren, die duften immer noch. Das kommt auch immer auf die Nutzung an.

Jacqueline: Auch auf den Duft. Es riechen nicht alle Düfte gleich stark, gleich intensiv und gleich lange. Gerade die Beeren, Erdbeeren, Himbeeren…, die mag ich super gerne riechen, aber die halten einfach zu wenig, sind zu wenig intensiv. Deshalb haben wir darauf verzichtet. Z.B. Himbeerblättertee ist etwas sehr gutes und nützliches, aber darauf haben wir jetzt verzichtet, weil es sehr schade wäre, wenn dann diese Düfte nicht so bleiben würden.
Schokolade oder eben der Pups, der riecht dann wirklich lange.

Daniel: Wir haben ein Duftmuster von einem Duft, ein Zwiebelduft, der ist so intensiv, der überdeckt die vorderen 3 Seiten, das ist dann auch wieder kontraproduktiv.
Es ist nicht einfach zu wissen, welche Düfte halten länger, welche weniger, welche funktionieren, aber ich denke wir haben da eine gute Mischung gefunden.
Wir beginnen mit der Rose, die ist etwas leichter, die ist nicht so intensiv, dann kommt die Pfefferminze, die etwas stärker ist, dann schwächt es wieder etwas ab, dann wieder etwas stärker…

Gab es auch Rückschläge in der Umsetzung? War irgendetwas gar nicht umsetzbar?

Jacqueline: Eigentlich nicht. Was einfach war, die Druckerei, mit der wir schon zusamengearbeitet hatten, die haben zuerst gesagt, sie können das machen und kurz bevor wir dann in Druck gingen haben sie gesagt: Nein, machen wir doch nicht. Das war natürlich etwas mühsam, denn man findet nicht so schnell eine Druckerei, der man dann auch vertraut und weiß, die machen das gut. In der Schweiz ist das auch noch schwieriger, denn der Markt ist dort noch kleiner, deswegen mussten wir fast nach Deutschland oder Österreich gehen. Dann so schnell, schnell noch eine Druckerei zu finden, das war eigentlich der einzige Punkt.

Daniel: Ja, das war die größte Schwierigkeit, eine Druckerei zu finden, die das auch umsetzen kann.

Jacqueline: Ja und dann eben wir hatten das Buch schon länger angepriesen und wir hatten so so viele Vorbestellungen und so viele Mails, die von den Buchhandlungen kamen, ja wann kommt denn das, unsere Kundin hat wieder nachgefragt… Auf der einen Seite war das natürlich total schlimm, der Druck stieg, und wir dachten ja jetzt müssen wir, sonst sind wir gar nicht mehr glaubwürdig. Auf der anderen Seite war es auch toll zu hören, dass Leute darauf warten, die sagen, nein, das ist etwas ganz neues, da warte ich jetzt, auch wenn es zwei Jahre sind.
Und ja, es hat sich gelohnt. Es war dann schon sehr sehr viel denn die Illustrationen sind sehr aufwendig. Da waren sehr sehr viele Stunden und Nachtschichten drin. Aber es hat sich gelohnt und stimmt so für uns.

Vielen Dank für das Interview!

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