Freitag, 29. September 2017

[REZENSION] Die Wölfe kommen

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Wölfe kommen (OT: Les loups à leur porte)
Autor: Jérémy Fel
Übersetzer: Anja Nattefort
Verlag: dtv
Reihe: -/-
Ausführung: Broschur, 400 Seiten


Autor:
Jérémy Fel, geboren 1979 in Le Havre, Drehbuchautor und ehemaliger Buchhändler, ist ein großer Fan amerikanischer Literatur und US-amerikanischer Drama-Serien. Sein grandioses Romandebüt ›Die Wölfe kommen‹ war für Kritik und Leser die Entdeckung der Rentrée 2015 und wurde auf dem Quais du Polar, dem größten Krimifestival Europas, mit dem »Prix Polar en Séries 2016« ausgezeichnet.


DIE WÖLFE KOMMEN

Alles beginnt mit einem Feuer – oder loderten die Flammen schon viel länger in ihm? Doch nicht nur Daryl, der vor mehreren Jahrzehnten sein Elternhaus niederbrennt, trägt Wut und Verzweiflung in sich. Jeder könnte sich getrieben fühlen, äußerliche wie innerliche Faktoren spielen dabei eine Rolle. Es ist und bleibt nur die Frage, inwiefern es diversen Charaktereigenschaften gelingt ans Tageslicht zu gelangen...

In seinem Episodenroman setzt Jérémy Fel in jedem Kapitel eine andere Figur in den Mittelpunkt. Dem Leser ist natürlich sofort klar, dass sich mitunter Schnittpunkte zwischen den Ereignissen ergeben werden. Diese können mal nur nebensächlich, aber manchmal auf sehr konkret auftauchen. Je näher man dem Höhepunkt kommt, desto mehr ahnt man, dass noch etwas bevorsteht, was alles andere in den Schatten stellen soll. Doch wird dies gelingen?

Spannung und Tempo stehen und fallen mit den einzelnen Episoden sowie ihren Protagonisten. Manche Geschichten werden in einer solch fesselnden Art und Weise erzählt, dass man reflexartig den Atem anhält, um keine Silbe zu verpassen. Dann aber gibt es auch zähere Passagen, bei denen das Weiterlesen nicht unbedingt flüssig vonstatten geht, man möglicherweise sogar zwischenzeitlich unterbricht. Daher ergibt sich ein nicht einheitliches Niveau, wodurch gleichzeitig der Gesamteindruck geschmälert wird.

Die Idee, die hinter diesem Roman – ihn als Thriller zu bezeichnen, würde tatsächlich etwas zu weit gehen – steckt, bietet sehr viel Potential, das leider nicht konsequent umgesetzt werden konnte. Jérémy Fel zeichnet ein Bild diverser Persönlichkeiten, ihrer Ängste, Wünsche und Träume, aber auch der Abgründe, die sich innerhalb der menschlichen Seele auftun können. Einige Figuren sprechen den Leser sofort emotional an, andere wiederum hat man leider fast sofort wieder vergessen. So bleiben auch die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Episoden nicht immer im Gedächtnis, manches Mal muss man zurückblättern, um sich die Zusammenhänge in Erinnerung zu rufen.

Hier zeigt sich, dass eine pfiffige Grundidee mit ordentlichem Tiefgang allein leider nicht immer ausreichend ist. Ein eher mittelmäßiges Debüt, welches aber Hinweise darauf gibt, was alles möglich ist und dass der Autor durchaus zu mehr in der Lage ist.


MUSS ICH HABEN!


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