Montag, 31. Juli 2017

[REZENSION] Als wir fast mutig waren


Redakteur: Anette Leister

Titel: Als wir fast mutig waren (OT: Survival Strategies For The Almost Brave)
Autor: Jen White
Übersetzer: Sylke Hachmeister
Verlag: Carlsen
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 320 Seiten
empfohlenes Alter: ab 12 Jahre


Autor:
Jen White wollte schon immer Schriftstellerin werden. Zu ihrem Debütroman hat sie ein Erlebnis aus ihrer Kindheit inspiriert, als sie – aus Versehen – an einer Tankstelle vergessen wurde. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und fünf Kindern in Kalifornien.


ALS WIR FAST MUTIG WAREN

"Als wir fast mutig waren" ist die Geschichte der 12jährigen Liberty und ihrer 8jährigen Schwester Billie, die von ihrem Vater an einer Tankstelle mitten in der Wüste zurückgelassen werden.
Die Mutter der beiden ist vor kurzem bei einem Unfall ums Leben gekommen, danach wohnten sie eine Weile bei ihrer Nachbarin Julie, die gleichzeitig die Chefin und beste Freundin ihrer Mutter war, bis sie letztendlich von ihrem Vater abgeholt werden, den sie seit sechs Jahren nicht mehr gesehen haben. Er will mit ihnen den ganzen Sommer im Camper durch die USA fahren und seiner Arbeit als Fotograf nachgehen.
Liberty ist mit ihren 12 Jahren bereits sehr erwachsen, da ihre alleinerziehende Mutter sie oft auf Grund ihrer Arbeit mit ihrer kleinen Schwester allein lassen musste. Billie ist jedoch eine normale 8jährige, beziehungsweise kommt sie einem in der Geschichte eher jünger als 8 Jahre vor, da ihre große Schwester einfach so viel weiter entwickelt ist als eine normale 12jährige, die eine behütete Kindheit und ein heiles Elternhaus genießen darf. Liberty möchte Wissenschaftlerin werden und schreibt alles in ein Notizbuch auf, welches sie wie einen Schatz hütet, so liegt es nur nahe, dass sie die bedrohliche Situation, sich mit ihrer Schwester verlassen von allen Bekannten und Freunden an einer Tankstelle im Nirgendwo zu wissen, mit Hilfe ihres Notizbuches aufarbeitet. Jedes Kapitel des Buches ist deshalb mit einer Überlebensstrategie betitelt und es finden sich zahlreiche kurze Listen darin, wie man am besten weiter vorgehen muss, um zurück zu Tante Julie zu kommen oder den Vater wieder zu finden.
Der Gedanke sich allein an einem unbekannten Ort zu wissen ist schon schlimm genug, dass dieses einem Kind passiert, welches zusätzlich Verantwortung für eine jüngere Schwester tragen muss, ist kaum auszudenken! Um zu überleben und zurück in ihre Heimatstadt zu kommen, schreckt Liberty auch vor Diebstahl nicht zurück. Zusätzlich zu ihrer denkbar ausweglosen Situation kommt das Verhalten ihrer jüngeren Schwester Billie, die auf Grund von Müdigkeit, Hunger oder Angst des öfteren zu Tobsuchtsanfällen neigt.
Libertys überlegtes Handeln und einige glückliche Zufälle bewahren die beiden vor dem Schlimmsten, trotzdem ist die Geschichte durchweg spannend und man spürt die Sorgen der beiden hautnah, weil das Buch aus der Sicht Libertys geschrieben ist. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten und in einer einfachen Sprache, die sehr gelungen die Sicht und Ausdrucksweise einer 12jährigen wieder gibt. Das alles führt dazu, dass die Seiten nur so an einem vorbeifliegen, zudem man ja unbedingt erfahren will, warum der Vater die beiden nach sechs langen Jahren zu sich geholt und dann von jetzt auf gleich an einer Tankstelle zurückgelassen hat, zudem ist es sehr merkwürdig, dass Liberty Julie telefonisch nicht erreichen kann. Hat diese die beiden nur aus Pflichtbewusstsein gegenüber der Mutter die erste Zeit nach deren Tod betreut? Die Antworten auf diese Fragen erhält man erst ganz am Ende des Buches. Tatsächlich hätte ich auf Grund der Spannung am Ende mit teils spektakuläreren Auflösungen gerechnet, aber es passt zu einem Kinderbuch für die anvisierte Zielgruppe und löst das Geschehen sinnvoll auf.

Das Buch lässt sich sehr gut lesen, in die beiden Mädchen kann man sich sehr gut hineinversetzen, nur über die beiden Elternteile hätte ich gerne noch mehr erfahren als dem Leser in diversen Rückblenden mitgeteilt wird.
"Als wir fast mutig waren" ist eine beeindruckende und sehr spannend erzählte Geschichte über ein Mädchen, dass auf Grund ihrer familiären Lage viel zu schnell erwachsen werden muss und das in einer Ausnahmesituation über sich hinaus wächst.


MUSS ICH HABEN!


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Kommentare:

  1. WOW eine wirklich spannende,rührende und doch angsterfüllte Geschichte weil ich da gleich an meine Tochter denken muss!
    VLG Jenny

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    1. ja, wirklich schlimm, wenn man sich vorgestellt, dass sowas dem eigenen Kind passieren könnte.

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  2. Eine tolle rezension, die mich sehr neugierig auf das Buch macht!
    Liebe Grüße
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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  3. Eine tolle Rezension, die neugierig auf dieses Buch macht,
    Liebe Grüße Jutta

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