Mittwoch, 5. April 2017

[REZENSION] Die Abbieger

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Abbieger
Autor: Thomas Schweres
Verlag: Grafit
Reihe: Band 4
Ausführung: Taschenbuch, 285 Seiten


Autor:
Thomas Schweres ist 38 Jahre alt und gefangen im Körper eines 55-Jährigen. Der gebürtige Essener hat Jura, Germanistik und Anglistik studiert. Leider vergeblich. Zur zeitweisen Beruhigung seiner Eltern hat er wenigstens das Volontariat bei Axel Springer abgeschlossen. Seitdem treibt er sich auf dem Boulevard herum. Erst einige Jahre für die große Zeitung und jetzt schon viele Jahre für den großen Fernsehsender, beschreibt und verfilmt er Sachen, die bei anderen schiefgegangen sind.


DIE ABBIEGER

In kaum einem Bundesland scheinen die Menschen so oft im Stau zu stehen wie in Nordrhein-Westfalen. Vor allem im Ruhrgebiet gibt es Ballungszentren, die tagtäglich hoch frequentiert werden, so dass maximal Schritttempo angesagt ist. Zwei Staugegner haben sich nun zusammengetan, den Chef von Straßen.NRW entführt, damit er am eigenen Leib erfährt wie es ist jeden Morgen und jeden Abend die immer gleiche Situation vorzufinden. Gleichzeitig geben sie Anweisungen wie dem Problem entgegengewirkt werden könnte oder Baustellen effektiver bearbeitet werden. Kommissar Georg Schüppe muss in diesem Fall Vorsicht walten lassen, es darf nichts nach außen dringen, sonst bezahlt der Entführte mit seinem Leben. Gemeinsam mit Reporter Tom Balzack, der seine Nase nur schwerlich heraushalten kann, versucht er die Täter ausfindig und dingfest zu machen, bevor es zum Äußersten kommt...

Die Beweggründe, die die beiden Charaktere zu Tätern werden lassen, kann vermutlich nahezu jeder nachvollziehen, der mehrmals im Monat, vielleicht sogar am Tag, im Stau steht, neben sich Baustellen ohne Personal oder vollkommen sinnlose Zufahrtsregelungen, die nur noch mehr Stau, bis in die Innenstädte, provozieren. Kein Wunder, wenn man solche Situationen, wie im Buch beschrieben, zweimal täglich erlebt, dass es irgendwann zu einer Kurzschlusshandlung kommt. Ob diese nun tatsächlich zu Ende gedacht wurde, sei dahingestellt, ein Zeichen wurde allemal gesetzt.

Trotz dessen, dass dem Leser die Täter von Anfang an bekannt sind, schafft Thomas Schweres es auch im vierten Band der Reihe eine ordentliche Ladung Spannung aufzubauen. Schließlich ist durch die eigene Kenntnis noch lange nicht gewährleistet, dass die Polizei den Tätern auf die Spur kommt oder die Geisel befreit werden kann. Außerdem kommt es zu diversen Zwischenfällen, die weder geplant noch vorhersehbar sind, Überraschungsmomente stehen entsprechend hoch im Kurs. Sicherlich gibt es ebenso Passagen, die ein wenig kürzer und knackiger hätten erfasst werden können, im Großen und Ganzen wirkt sich dies aber auf die schlussendlich Bewertung nicht allzu stark aus.

Wie bereits in den vorangegangenen Fällen gleicht das Zusammenspiel von Kommissar Georg Schüppe und Reporter Tom Balzack einer Gratwanderung. Ein offizielles Miteinander darf es nicht geben, ohne geht es aber auch nicht. Gespickt mit einer ordentlichen Portion intelligentem Humor (manches Mal muss man wahrlich konzentriert bei der Sache sein, um die Spitzen zu erkennen), entspinnt sich ein Tanz sondergleichen, der jedwede Richtung einschlagen könnte, zumindest solange die Spuren noch warm sind. Wird es dem Team gelingen die Geisel zu befreien oder ist alle Mühe umsonst?

Reihen-Info:
Band 1: Die Abtaucher
Band 2: Die Abräumer
Band 3: Die Abdreher


MUSS ICH HABEN!


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ebook:

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