Donnerstag, 23. März 2017

[REZENSION] Das Adenauer-Komplott

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Das Adenauer-Komplott
Autor: Sebastian Thiel
Übersetzer: -/-
Verlag: Gmeiner
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 311 Seiten



Autor:
Sebastian Thiel, Jahrgang 1983, lebt in Tönisvorst am Niederrhein. Durch seine Arbeit als IT-Manager an Nachtschichten gewöhnt, schreibt er auch heute noch am liebsten nachts. Als Basis seiner Romane dienen historische Ereignisse und Personen, die er zu fantasievollen Geschichten verwebt. Seit mehreren Jahren ist Sebastian Thiel freiberuflicher Autor und widmet sich komplett dem Schreiben.


DAS ADENAUER-KOMPLOTT

Durch unbedachte Aussprüche in der Gegenwart der falschen Personen wird Maximilian Engel, ehemaliger Kampfpilot, von der Gestapo abgeführt und findet sich im Gefängnis wieder. Als er Besuch und ein mehr oder minder undurchsichtiges Angebot von der geheimnisvollen Luisa erhält, die ihn von Anfang an fasziniert, bleibt Max nicht viel Zeit mögliche Konsequenzen zu betrachten oder abzuwägen welcher Weg der richtige ist. Er willigt ein, dem ehemaligen Bürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, zur Flucht zu verhelfen, verbleibt im Zuge dessen weiterhin in dessen Diensten und sieht dem weiteren Verlauf der Geschichte ins Auge...

In seinen Träumen war er wieder in der Luft.
Keine Kampfhandlung, kein Formationsflug, kein Ausbilder, der ihm im Rücken saß, sondern nur er, die Geräusche der Motoren und die Wolken, die er durchbrach.
Pure Freiheit. (S. 53)

Sebastian Thiel, im Krimi- und Thrillerbereich wahrlich kein Unbekannter, wagt sich erneut an eine historische Thematik, die sicherlich einiges an explosivem Stoff bietet, denn wer weiß schon wirklich, was unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit alles geschah. Bereits auf den ersten Seiten vermag es der Autor den Leser ins Geschehen zu ziehen, eine Atmosphäre und ein Bild zu erschaffen, das authentischer nicht sein könnte. Man fühlt sich in der Zeit zurück versetzt, jedoch gleichzeitig mit dem Wissen, diese glücklicherweise nicht live miterleben zu müssen.

„Das Adenauer-Komplott“ folgt keiner klaren Linie, was einerseits darin begründet ist, dass zahlreiche Charaktere ihre eigenen Ziele verfolgen, andererseits soll der Leser nicht schon zu Beginn erahnen können in welche Richtung sich das Geschehen entwickelt. So wird man hin und wieder in Sackgassen geführt, kann diverse Handlungen zunächst nicht ein- oder zuordnen und fragt sich ein ums andere Mal wem man nun bedingungslos vertrauen kann. Doch zu einer klaren Antwort kann man sich nicht durchringen, so sehr man es auch möchte, denn jeder scheint eine Rolle zu spielen, fragt sich nur auf welcher Seite. Nichtsdestotrotz ist man bestrebt den gelieferten Ausführungen weiter zu folgen, vielleicht versteckt sich doch noch der ein oder andere Hinweis zwischen den Zeilen.

Ein wenig stolpert man zuweilen über diverse Zeitsprünge. In der Zwischenzeit vermag zumeist nichts relevantes geschehen zu sein, wenn doch wird es erwähnt, dennoch versucht man die Lücken zu füllen, Gedankensprünge zu erklären und Antworten auf offene Fragen zu finden. Da dies jedoch generell mit der Haupthandlung nicht im Zusammenhang steht, verliert man sich und den Bezug zum Geschehen zunehmend. Es bedarf einiger Konzentration, um den Blick erneut auf wesentliche Situationen und Ereignisse zu richten, ohne sich ein weiteres Mal ablenken zu lassen.

Dem Autor gelingt im Großen und Ganzen ein spannender Kriminalroman, dem eine fundierte Recherche sichtbar zu Grunde liegt. Selbst in Passagen, die vermeintlich blass und für das Vorankommen der Handlung nicht von Bedeutung sind, wird der Leser unterschwellig zum Nachdenken animiert, so dass man durchweg neugierig ob des weiteren Verlaufs ist.


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