Montag, 13. Februar 2017

[REZENSION] Der Proband

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Der Proband
Autor: Guido Kniesel
Übersetzer: -/-
Verlag: -/-
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 274 Seiten


Autor:
Als am 30. November 1964 um 5 Uhr 45 in der Kleinstadt Oberndorf am Neckar das grelle Neonlicht von der Decke der Geburtsstation in seine Augen blitzte, bekam Guido Kniesel eine erste Ahnung davon, was THRILL bedeuten könnte. Wenige Jahre später, als er im Bilderbuch Struwwelpeter mit ansah, wie dem Daumenlutscher Konrad mit der Schere - klipp und klapp - beide Daumen abgeschnitten wurden und das arme Kind Paulinchen lichterloh mit Haut und Haar verbrannte, bekam auch das Wort HORROR eine erste Bedeutung für ihn. Und selbst die Kindergartenzeit in der Obhut katholischer Ordensschwestern hielt die eine oder andere grausame Bibelgeschichte bereit. Er war also hinsichtlich des Genres schon früh infiziert worden und so wundert es ihn auch nicht, dass er beim Schreiben von Spannungsliteratur gelandet ist.


DER PROBAND

Paul Amon ist am Ende. Glücklicherweise kann er es sich finanziell erlauben eine Auszeit zu nehmen, doch seine Alkoholsucht hat ihn so fest im Griff, dass er Frau und Tochter bereits verloren hat, obwohl er doch geschworen hatte für sie da zu sein. Als er auf eine unscheinbare Zeitungsannonce stößt, keimt Hoffnung in Paul auf. Eine kleine Gruppe Berliner Hirnforscher stellt ihm ein Verfahren vor, welches ihn von seiner Sucht befreien kann, ohne dass er jemals rückfällig wird. Trotz anfänglicher Bedenken willigt Paul schlussendlich doch in das Experiment ein, zu groß ist sein Wunsch, seine Tochter aufwachsen zu sehen. Schnell zeigt die Therapie ihre Wirkung, doch die wahren Folgen bleiben noch einige Zeit im Verborgenen...

Da der Leser bereits von Beginn an, auf Grund der beobachtenden Erzählperspektive, verfolgen kann, was es mit dem Experiment, zumindest in Teilen, auf sich hat, ahnt man schon im Vorfeld, dass nicht alles so laufen wird wie erhofft. Welche Auswirkungen konkret zu erwarten sind und was die Wissenschaftler möglicherweise anstreben, weiß man allerdings zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht. Sicher ist aber, dass man Paul Amon am liebsten davon abraten wollen würde sich in die Höhle des Löwen zu begeben, auch ohne explizite Hinweise auf den weiteren Verlauf.

Trotz der räumlichen Nähe, die zwischen Leser und Protagonisten schnell aufgebaut wird, bleibt eine gewisse emotionale Distanz vorhanden. Man betrachtet das gesamte Geschehen von außen, hofft und bangt ebenso wie die Figuren, stellt aber keine tatsächliche Verbindung her. Die zahlreichen Szenen- und Perspektivwechsel hingegen treiben dem Leser schnell den Puls in die Höhe, denn viele Kapitel enden mit wahren Cliffhangern, die man am liebsten sofort aufgelöst wissen möchte. Entsprechend spannend gestaltet sich das Geschehen, auch wenn sich manches Mal, ob der wissenschaftlichen Fachbegriffe, nicht ganz erschließen lässt was die Forscher nun wieder planen.

Im Großen und Ganzen hat „Der Proband“ einiges zu bieten, von einer interessanten Grundidee, über einen spannenden Verlauf der Ereignisse, bis hin zu einem Finale, das in dieser Weise wohl niemand erwartet hätte. Einzig ein paar wenige Passagen, die die Handlung zeitweise stagnieren lassen, da sie zu ausschweifend dargestellt sind, trüben das Lesevergnügen ein bisschen.


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