Samstag, 27. Mai 2017

[REZENSION] Danger Express

Redakteur: Anette Leister

Titel: Das Tesla-Beben (OT: The Boundless)
Autor: Kenneth Oppel
Übersetzer: Anja Hansen-Schmidt
Verlag: Aladin
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Ausführung: Hardcover, 384 Seiten



Autor:
Kenneth Oppel wurde 1967 in Port Alberni auf Vancouver Island geboren. Schon mit 12 begann er, Science-Fiction-Romane zu schreiben. Seitdem hat der kanadische Autor über 30 Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlicht. Viele wurden ausgezeichnet, einige verfilmt. Heute lebt Oppel mit seiner Frau und seinen drei Kindern Toronto.


DANGER EXPRESS

Die Bücher von Kenneth Oppel in Summe sind wie eine Schachtel Pralinen mit unterschiedlichen und unbekannten Füllungen, bei denen man sich aber einer Sache gewiss sein kann: jede Füllung ist ein Treffer!

"Danger Express" lässt sich wohl am ehesten mit einem klassischen Abenteuerroman vergleichen, der in meinen Augen junge und erwachsene Leser gleichermaßen anspricht, denn Kenneth Oppel beherrscht die Kunst eine Geschichte auf mehreren Ebenen zu erzählen und in einem offensichtlichen Kinderroman Elemente zu verarbeiten, die in ihrem Facettenreichtum das Kind und den Entdecker in uns Erwachsenen ansprechen.
So erzählt er in seinem Roman nicht nur die Geschichte des jungen Will, der seinen Vater an Bord des längsten Passagierzugs der Welt begleiten darf, er verarbeitet darin auch historisch belegte Hintergründe und lässt Zeitzeugen wie Sandford Fleming, den Mann, der die Zeitzonen eingeführt hat, auftreten, so dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen und ich mich manchmal fühlte, wie im interessantesten Geschichtsunterricht aller Zeiten, von denen sich meine früheren Lehrer eine dicke Scheibe hätten abschneiden können. Aber nicht nur der Geschichte wird eine Hommage gewidmet, auch Klassiker der Weltliteratur haben hin und wieder einen Cameoauftritt in Oppels Geschichten, wobei ich hier verschweigen werde, welchem Buch hier ein Auftritt gewidmet wird, da ich die Auflösung zu genial fand und das Ganze zudem weit gegen Ende der Geschichte stattfindet. Wobei Kenneth Oppel offensichtliche Spuren bis zur Auflösung auslegt, vielleicht kommt daher die Wendung vielleicht für findige Leser nicht so überraschend wie für mich ;)
Aber zurück zur eigentlichen Geschichte: als Junge wohnt Will der Eröffnung der Trans-Kanada-Strecke bei, an der sein Vater als Arbeiter mitgewirkt hat. Will hat das Glück den letzten Gleisnagel in die Schienen einschlagen zu dürfen, was diesen geschichtsträchtigen Moment unvergesslich für ihn macht. Jahre später hat sich sein Vater hochgearbeit und ist nun kein einfacher Arbeiter mehr, sondern hat einen führenden Posten in der Eisenbahngesellschaft inne, so kommt es, dass Will ihn auf der Jungfernfahrt des Trans-Kanada-Express begleiten darf. Als der Junge Zeuge eines mörderischen Komplotts wird, zwingen ihn die Umstände dazu, den Luxusabschnitt des Zuges, den sein Vater bewohnt, zu verlassen, und auf der Flucht vor den skrupellosen Männern, die auch vor einem Mord nicht halt machen, lernt Will so nach und nach die unterschiedlichen Menschen und die teilweise extremen Bedingungen an Bord des 7000 Passagiere fassenden Zuges kennen. Die isolierte Umgebung, die einen besonderen Reiz ausübt, da sie an sich mobil ist, aber die Personen während der Fahrt dort eingeschlossen sind, erhöht die Gefahr, der sich Will gegenüber sieht. Er kann ja nur innerhalb des Zuges seinen Verfolgern davon laufen und muss sich durch alle Abteile kämpfen, um zurück zu seinem Vater zu gelangen. Hilfe erhält er dabei von Seiten einiger Zirkusleute, die ebenfalls an Bord des Zuges sind. Dies sind zum einen die junge Maren, sowie der Direktor. Doch kann Will den beiden tatsächlich vertrauen oder verfolgen sie eigene Ziele?

Kenneth Oppel spinnt eine zauberhafte, abenteuerliche und lehrreiche Geschichte, um die magische Welt des Zirkus, sagenhafte Gestalten wie den Sasquatsch, geschichtliche Hintergründe und eine mörderische Jagd, zu einem fantastischen Lesevergnügen, wie es für mich nur ganz wenige Autoren vermögen.
Will steht auf der Schwelle zum Erwachsenwerden und ist dabei sich von seinem dominanten Vater zu lösen, für seine eigenen Ziele einzutreten und seine eigene Geschichte zu schreiben:

Aber er denkt oft daran, was Van Horne ihm am Bahnhof von Farewell gesagt hat: dass man eine gute Geschichte braucht. Eine Geschichte, die nur einem selbst gehört. (S.57)

Zum Glück behält Kenneth Oppel seine wunderbaren Geschichten nicht für sich, sondern teilt sie mit uns Lesern. Für mich ist er ein Ausnahmeautor, wie es sie nur selten gibt!

Freitag, 26. Mai 2017

[REZENSION] Heiße Phase

Redakteur: Anette Leister

Titel: Heiße Phase (OT: Gone wild)
Autor: Robert Muchamore
Übersetzer: Tanja Ohlsen
Verlag: cbt
Reihe: Rock War 3
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre
Ausführung: Taschenbuch, 352 Seiten



Autor:
Robert Muchamore, Jahrgang 1972, lebt und schreibt in London. Als Teenager träumte er davon, Schriftsteller zu werden. Er wusste nur nicht, worüber er schreiben sollte. Daher arbeitete er dreizehn Jahre als Privatdetektiv, doch als sich sein Neffe eines Tages darüber beschwerte, dass es nichts Vernünftiges zu lesen gäbe, beschloss er, das Schreiben wieder aufzunehmen. Seine Agentenreihe TOP SECRET wurde in über 28 Länder verkauft und zum internationalen Millionenbestseller. Die Idee zu ROCK WAR kam ihm, als er bemerkte, dass die Fans in seinem Online-Forum mehr über X Factor sprachen als über seine Bücher.


HEISSE PHASE

Der zweite Band der Rock War Reihe endete mit einem fiesen Cliffhanger. "Heiße Phase" schließt zum Glück nahtlos an den Vorgänger an, so dass der Leser schnell in Kenntnis gesetzt wird, wie es mit den Figuren nach den Ereignissen am Ende von "Das Camp" weitergeht.
Robert Muchamore setzt weiterhin seine Karten auf eine ausgezeichnete und ausgefeilte Figurenzeichnung. Dabei kommt keine der Hauptfiguren zu kurz, obwohl er sich mehreren widmet, die abwechselnd in den einzelnen Kapitel die tragende Rolle spielen. Dafür treten einige der Nebenfiguren weitestgehend in den Hintergrund, aber das fand ich nicht weiter tragisch.
In "Heiße Phase" beschäftigt sich der Autor zudem mit den Hintergründen einer Fernsehproduktion und den korrupten Machenschaften, die teilweise hinter den Kulissen stattfinden, von denen der Zuschauer im besten Fall natürlich nichts mitbekommt. So sind Bewertungen der Teilnehmer gekauft und Sieger von Talentwettbewerben und Songcontests stehen oft im Vorfeld fest. Man sollte sich wirklich kritisch mit diesen Formaten auseinandersetzen. Schlechte Acts kommen nicht zwingend weiter, weil eine größere Fanbase vorhanden ist, sondern weil Gelder in bestimmte Richtungen fließen oder die Macher größeres (finanzielles) Potential in manchen Acts sehen als der Zuschauer dies tut.
Mit dem Bekanntheitsgrad und dem Erfolg kommen die Jugendlichen mehr oder weniger gut zurecht. Auch hier zeigt es sich, dass Talent allein nicht alles ist, um sich im Anschluss an ein solches Format zu behaupten. In diesem Band findet der Wettbewerb sein Ende, in den letzten Kapiteln erlebt der Leser bereits die Weiterentwicklung einiger ehemaliger Teilnehmer mit, was sicherlich im abschließenden Band der Reihe "Crash Landing" noch weiter ausgeführt wird.

Die Rock War Reihe liest sich unheimlich spannend und kurzweilig. Robert Muchamore schafft die Gratwanderung zwischen jugendlicher Unterhaltung mit einer humorvollen Note und harter Kritik an der Fernsehwelt.

Bleibt zu hoffen, dass es nicht nur für die Gewinner aus den ersten drei Büchern erfolgreich weitergeht, sondern die "gefallenen Helden" im Abschluss der Reihe ebenfalls die Kurve bekommen. Wie beim ersten und zweiten Band lässt Robert Muchamore seine Leser auch bei "Heiße Phase" wieder mit einem Cliffhanger im Regen stehen, so dass man es kaum erwarten kann endlich den Reihenabschluss lesen zu dürfen!

Reihen-Info:
Unter Strom
Der Wettbewerb (Kurzgeschichte)
Das Camp
Heiße Phase
Crash Landing, Oktober 2017 (dt. Ausgabe noch ohne Titel und Erscheinungsdatum)


Weitere erhältliche Ausgaben:

EBOOK

Donnerstag, 25. Mai 2017

[REZENSION] Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer

Redakteur: Anette Leister

Titel: Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer
Autor: Mario Fesler
Verlag: Magellan
Reihe: Lizzy Carbon 1
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Ausführung: Hardcover, 240 Seiten



Autor:
Mario Fesler, geboren 1978, war seine gesamte Schulzeit umgeben von cleveren und schlagfertigen Mädchen. Daher wusste er ziemlich genau, wie die Heldin seines ersten veröffentlichten Romans auszusehen hatte. Er lebt, arbeitet und moderiert nebenher Quizveranstaltungen in seiner Wahlheimat Berlin.


LIZZY CARBON UND DER KLUB DER VERLIERER

Mario Feslers Roman um die Protagonistin Lizzy Carbon und den Klub der Verlierer dreht sich um ein Thema, dass wohl jeder (ehemaliger) Schüler kennt. Es ist wohl gang und gebe, dass sich während der Schulzeit Gruppen und Cliquen entwickeln aus mehr oder weniger angesagten und beliebten Schülern und den Außenseitern, den Nerds, den Randgruppen, Jugendliche, die nirgends so richtig reinpassen oder vielleicht nicht reinpassen wollen. Besonders bemerkbar machen sich diese Unterschiede bei Mannschaftswahlen im Sport oder - wie es in diesem Buch thematisiert wird - willkürlichen Gruppenzusammenstellungen zur Organisation eines Schulfestes. Die Gruppen wurden nicht von den Schülern gewählt, sondern von den Lehrkräften zusammengestellt, so dass fast jeder ein Teammitglied an Bord hat, dass zum Spülen, für Botengänge oder andere ungeliebte Aufgaben missbraucht wird. Als Lizzy das Thema zur Sprache bringt, verdonnert ihr Lehrer sie dazu mit den anderen "Verlierern" ihrer Stufe eine eigene Projektgruppe zu gründen und damit ist der "Klub der Verlierer" geboren. Allerdings ist es alles andere als einfach ohne Konzept und gegen die Vorurteile der anderen Schüler und auch Lehrer ein Projekt auf die Beine zu stellen. Zu zerbrechen droht das ganze, als einzelne Mitglieder des Klubs wegbrechen, aber bis zu diesem Punkt hat Lizzy entgegen des ersten Wiederwillens der Ehrgeiz gepackt und sie zeigt der ganzen Schule, dass keiner den Stempel eines Verlierers verdient hat...

Der besondere Reiz des Buches liegt an der Stimme der dreizehnjährigen Lizzy, die das Buch im Tagebuchstil in der Ich-Form erzählt und ihre Tagebucheinträge zählen im Cowndown bis zum Tag des Schulfestes herunter. So kann man sich direkt in die Rolle des Verlierers hineinversetzen, auch wenn es für meinen Geschmack zu Beginn eine Weile dauert, bis man zur Gänze in der Geschichte Fuß gefasst hat. Wenn der Klub jedoch erstmal richtig an Fahrt aufnimmt und im späteren Verlauf zu zerbrechen droht, kann man das Buch jedoch kaum noch aus der Hand legen. Besonders die Entwicklung zum Ende hin, sei es was einzelne Figuren aus der Geschichte angeht oder das neuaufgestellte Konzept von Lizzys Projektgruppe, die sich nach dem Wegfall einiger Teammitglieder etwas neues einfallen lassen müssen, war sehr überzeugend und mitreißend erzählt.

"Lizzy und der Klub der Verlierer" ist sicherlich ein humorvoller Teenagerroman, vor allem aber ist es ein überzeugendes Plädoyer dafür, dass man sich nicht in Schubladen stecken lassen muss und auch im Kampf gegen Windmühlen etwas reißen kann, wenn man zu seinen Ideen und Zielen steht! Mit ihrem Elan und ihren Ideen überzeugt Lizzy letzten Endes sogar die größten Skeptiker von ihrem Projekt und ihrem Klub und stellt damit andere Projektgruppen klar in den Schatten.

Reihen-Info:
Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer
Lizzy Carbon und die Wunder der Liebe (13. Juli 2017)

Mittwoch, 24. Mai 2017

[REZENSION] Klassenschlamassel oder Wie wir die grüne Wurst einfingen

Redakteur: Anette Leister

Titel: Klassenschlamassel oder Wie wir die grüne Wurst einfingen
Autor: Timm Milan
Illustrator: Susanne Göhlich
Verlag: Thienemann
Reihe: Granola 2
empfohlenes Lesealter: 8-10 Jahre
Ausführung: Hardcover, 144 Seiten



Autor:
Timm Milan wurde in Wuppertal geboren und lebt auch heute noch in seiner Heimatstadt. „Du musst mal hier rauskommen“, riet ihm ein Freund nach dem Abi. „Besonders, wenn du Schriftsteller werden willst!“ Timm Milan zog das zwar in Erwägung, er blieb jedoch. Das Fernweh braucht er für seine Geschichten über Diebstähle und wilde Freundschaften. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit engagiert sich Timm Milan in einer Grundschule, wo er zwischen Schulhoflärm und Klassenzimmerproblemen immer wieder auch Inspiration für seine Bücher findet. "Kaninchenschmuggel oder wie ich Mehlchen vor dem Verschimmeln rettete" ist sein erstes Buch bei Thienemann.

Illustrator:
Susanne Göhlich, geboren 1972 in Jena, studierte Kunstgeschichte in Leipzig. Neben dem Studium gestaltete sie Plakate und zeichnete. Seit 2004 arbeitet sie als freie Grafikerin und Illustratorin in Leipzig.


KLASSENSCHLAMASSEL ODER WIE WIR DIE GRÜNE WURST EINFINGEN

Granola, das Mädchen mit dem Namen eines Schokoladenkeks aus "Kaninchenschmuggel" ist zurück! Wer die erste Geschichte von Granola kennt, weiß sicher noch, dass sie an einer Grammatikintoleranz leidet. So verdreht sie öfter mal ganze Wörter oder einzelne Buchstaben. Im Anhang befindet sich deshalb eine Übersetzung Granolisch-Deutsch für die Leser, hier kann man die Bedeutung einzelner Wörter nachlesen, wenn man sich nicht sicher ist, was Granola eigentlich meint.

In ihrem neuen Abenteuer "Klassenschlamassel" fährt Granola auf Klassenfahrt. Eigentlich hätte sich Granolas Schwester während ihrer Abwesenheit um Granolas Kaninchen Mehlchen kümmern sollen, aber wie auch immer das passieren konnte: auf der Bahnfahrt zur Jugendherberge entdeckt Granola ihr Kaninchen in der Reisetasche. Nun ist es natürlich zu spät an der Tatsache etwas zu ändern, dass Mehlchen mit auf Klassenreise geht und Granolas Freundinnen Jule und Vanessa helfen den blinden Passagier geheim zu halten. Der ungewöhnliche Mitreisende sorgt natürlich im Laufe der Handlung noch für einigen Wirbel und Missverständnisse und zu allem Übel droht ein böser Streit die Freundschaft der Mädels zu zerstören...

"Klassenschlamassel" ist nach "Kaninchenschmuggel" wieder eine kurzweilige Geschichte über die liebenswerte Granola, die man einfach liebhaben muss mit ihrer schusseligen Art, ihrer Lernschwäche und ihren Problemen, manche Sachen zu verstehen. Durch ihre Art entstehen natürlich Reibungspunkte innerhalb der Klassengemeinschaft, aber Timm Milan schafft es mit seiner Heldin Mobbing und Anderssein zu thematisieren, ohne, dass man sich peinlich berührt fühlt.
Abgesehen davon ist Granolas neues Abenteuer eine Geschichte, die entweder Erinnerungen an vergangene Klassenfahrten weckt oder Lust darauf macht, zum ersten Mal selbst auf Klassenfahrt zu gehen.
Wanderungen bei Wind und Wetter, Süßigkeiten aus dem Automaten, Essen im Speisesaal, unerlaubtes Ausbüchsen in der Nacht in andere Zimmer, Streitereien zwischen Freundinnen... Man meint beim Lesen beinahe, selbst mit auf Klassenfahrt zu sein.

Die Geschichten von Granola sind nicht nur wunderbar geeignet für Leser ab acht Jahre, sondern ein Leseerlebnis für die ganze Familie. Ich hoffe sehr, dass es noch weitere Geschichten von Granola und ihrem Kaninchen Mehlchen geben wird.

Reihen-Info:
Kaninchenschmuggel oder Wie ich Mehlchen vor dem Verschimmeln rettete
Klassenschlamassel oder Wie wir die grüne Wurst einfingen

Dienstag, 23. Mai 2017

[REZENSION] Lou und ihr Männerballett

Redakteur: Anette Leister

Titel: Lou und ihr Männerballett (OT: Goldfish)
Autor: Nat Luurtsema
Übersetzer: Ute Mihr
Verlag: cbt
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre
Ausführung: Klappenbroschur, 336 Seiten



Autor:
Nat ist Comedian, Autorin und Schauspielerin. Sie war sechs Jahre lang Stand-up Comedian und Mitglied der Sketch-Gruppe Jigsaw. Aber nach sechs Jahren mit durchgearbeiteten Nächten und verschlafenen Tagen, fing sie an ein wenig seltsam zu werden. Für ihre Drehbücher wurde Nat schon für den BAFTA, den British Academy Film Award, nominiert. Sie schreibt heute für Filme, Bücher und schauspielert in London. Und sobald es ihr gelingt, eine Pflanze am Leben zu erhalten, wird sie sich eine Katze zulegen.


LOU UND IHR MÄNNERBALLETT

"Lou und ihr Männerballett" ist ein lustiger und spritzig geschriebener Roman, der auf Grund seiner Leichtigkeit und auch der Thematik perfekt in die Sommermonate passt:
Lou ist 15 Jahre alt und nicht nur auf Grund ihrer Leidenschaft des Leistungsschwimmens eine Außenseiterin in der Schule im Gegensatz zu ihrer älteren Schwester Lavender. Lou hat genaugenommen nur eine Freundin, Hannah, die genau wie sie Mitglied des Schwimmteams ist. Als Lou jedoch im Gegensatz zu Hannah die Qualifikation für die Vorentscheidungen für die Olympiade verpatzt, zerplatzen nicht nur Lous Träume einer Schwimmkarriere, sondern es droht auch fast die Freundschaft mit Hannah daran zu zerbrechen. Denn Freundschaft hin oder her... wenn man selbst seinen Traum nicht leben kann, ist es manchmal gar nicht so einfach diesen anderen zu gönnen. Bevor Lou völlig an ihrem Selbstmitleid zu Grunde geht, naht Abwechslung von unerwarteter Seite: sie soll drei Jungs für einen Talentwettbewerb im Synchronschwimmen trainieren!

Das Buch hat mich direkt auf Grund seines Titels angesprochen. Ich fand es irgendwie schräg, dass Jungs mit einem selbst für Mädels im Teenageralter eher untypischen Act bei einer Talentshow teilnehmen wollen und freute mich auf absurde Situationen und darauf, dass das Fernsehformat der Talentshows auf die Schippe genommen wird. Beides habe ich bekommen und darüber hinaus noch einiges mehr! Das Training von Lou und den Jungs und ihr Weg durch die Castings sorgt wirklich für schräge und skurrile Momentaufnahmen und eine Liebesgeschichte fehlt hier auch nicht. Wobei die richtig süß ist und die eigentliche Handlung nicht in den Hintergrund drängt. Die Figuren sind abwechslungsreich und richtige Charaktere. Egal, ob Lou mit ihrer altklugen Art, ihre etwas ungewöhnliche Familie, die auf der einen Seite ganz unterschiedliche Menschen sind, um dann im Notfall doch fest zusammenzuhalten, oder die drei Jungs Roman, Pete und Gabe, in denen Lou im Laufe der Geschichte richtige Freunde findet. Aber auch das Kapitel Hannah ist mit ihrem Einzug ins Leistungscamp nicht abgeschlossen... Hier nimmt die Geschichte einen Verlauf, der etwas ernstere Töne anklingen lässt, und hautnah vermittelt, wie sehr Menschen an Leistungsdruck zerbrechen können und wie wichtig es ist, auch für einen Traum nicht alle anderen Lebensinhalte zu vernachlässigen. Zum Glück schafft Lou es samt ihrer durchgeknallten, aber herzlichen Familie und ihren neuen Freunden das Ruder für Hannah nochmal herumzureißen.

Wer nach einer lockerleichten Sommerlektüre sucht, die es tatsächlich schafft ernste Themen ganz nebenbei in den Handlungsstrang einzubauen, ohne die Geschichte beschwert wirken zu lassen, und auf verrückte Charaktere - ich liebe sowohl Lous Familie als auch ihre Synchrontanz-Jungs! - steht, der findet in "Lou und ihr Männerballett" das passende Buch!


Weitere erhältliche Ausgaben:

EBOOK

Montag, 22. Mai 2017

[REZENSION] Auge um Auge (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Auge um Auge
Autor: Markus Topf / Timo Reuber
Sprecher: Rita Engelmann, Joachm Tennstedt u.a.
Übersetzer: -/-
Verlag: Contendo Media
Reihe: Morgan + Bailey 6
empfohlenes Lesealter: ab 16 Jahren
Ausführung: Hörspiel, ca. 65 Minuten, 1 CD



Sprecher:
Rita Engelmann, Joachim Tennstedt, Christoph Piasecki, Bodo Wolf, Wolfgang Bahro, Pat Murphy, Hennes Bender, André Beyer, Jürgen Holdorf, Katharina von Keller, Martin Sabel, Robert Missler, Tatjana Auster, Merete Brettschneider, Judy Winter, Sven Kläschen, Tim Caspers, Jürgen Thormann, Daniel Wandelt, Angela Quast, Erik Schäffler, Daniel Faust, Thomas Schmuckert, Wolfgang Rositzka, Leon Aubrecht, Claudia Urbschat-Mingues, Boris Tessmann, Markus Pfeiffer, Ulrike Stürzbecher, Klaus Dittmann


AUGE UM AUGE

Als Pfarrer Morgan abgeführt und des Mordes verdächtigt wird, steht die gesamte Gemeinde unter Schock. Natürlich zweifelt niemand an der Unschuld des Geistlichen, und doch sieht Rose Bailey sich sofort gezwungen in die Bresche zu springen. Gemeinsam mit ihrem Neffen Liam macht sie sich daran die Wahrheit zu ergründen, wobei ziemlich schnell deutlich wird, dass sie jemandem gehörig auf die Füße getreten sind. Glücklicherweise lassen sich weder die Pastorin und ihr Enkel, noch der Rest der Dorfbewohner so schnell einschüchtern, so dass zumindest Hoffnung auf Gerechtigkeit besteht...

Als Hörer, der man die Reihe bis hierher verfolgt hat, hegt man ebenfalls keinen Zweifel daran, dass der Pfarrer unschuldig ist. Und doch gibt es einige Ungereimtheiten, die berechtigterweise darauf schließen lassen könnten, dass Charles Morgan mehr weiß als er zuzugeben bereit ist. Zumindest scheint es eindeutig, dass ihm jemand das ihm vorgeworfene Verbrechen anhängen will. Wer aber sollte so sehr auf Rache sinnen und warum gerade jetzt? Hat die Tat womöglich etwas mit seiner Vergangenheit, über die er kaum bis gar nicht spricht, zu tun?

Gebannt verfolgt der Hörer die Ermittlungen von Rose Bailey und Liam, die sich einmal mehr als Dreamteam herausstellen, wenn sie auch das ein oder andere Mal ein wenig plump agieren. Nichtsdestotrotz wirkt der vermittelte Kampfgeist sich positiv auf die Atmosphäre auf, die gleich um einige Grad wärmer und somit hoffnungsvoller erscheint. Aufgeben ist definitiv keine Option, auch nicht als das Gespann selbst Opfer diverser Angriffe wird.

Auch wenn versucht wird einige Spuren einzustreuen so wird doch relativ schnell klar wer für den Mord verantwortlich ist. Das Motiv scheint ebenso schnell gefunden, obwohl noch die ein oder andere kleine Frage offen bleibt. Die Hobbyermittler lassen sich ebenso wenig wie der Hörer in die Irre führen, so dass nur noch ein Schlupfloch gefunden werden muss, den wahren Verbrecher zur Strecke zu bringen. Hier allerdings ist nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch Kreativität gefragt.

Trotz einer recht vorhersehbaren Geschichte wieder eine gelungene Folge, die zwar diesmal in der Hauptsache nicht mit Spannung, sondern mehr mit Teamgeist besticht. Außerdem gibt es Einblicke privater Natur in Pfarrer Morgans Vergangenheit, durch die das bisher von ihm entstandene Bild noch um einige Erkenntnisse erweitert wird.

Sonntag, 21. Mai 2017

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW20


Anette:
Antonia rettet die Welt 1: Papageienparty, Katrin Zipse (GT)
Ein Lied für Jemmie, Adrian Fogelin (GT)
Flora und Ulysses - Die fabelhaften Abenteuer, Hörbuch, Kate DiCamillo (GT)
Marshmallow-Winter, Polly Horvath (GT)
Meister der Angst - Der Doppelmord in der Rue Morgue, Hörbuch, Edgar Allan Poe (GT)

Christiane:
Der Galgen von Tyburn, Ben Aaronovitch (RE)
Hinter dem Café das Meer, Phillipa Ashley (RE)
Die drei !!! 49. Skandal auf dem Laufsteg, Hörspiel (RE)

Donnerstag, 18. Mai 2017

[FILM-REZENSION] Bob, der Streuner

Redakteur: Anette Leister

Titel: Bob, der Streuner
Regie: Roger Spottiswoode
Darsteller: Luke Treadaway, Ruta Gedmintas, Joanne Froggatt, Anthony Head, Darren Evans u.a.
Studio: Concorde
Reihe: -/-
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 99 Minuten



BOB, DER STREUNER

Im Frühjahr 2007 treffen der Straßenmusiker James Bowen, der zu diesem Zeitpunkt in einer Sozialwohnung im nördlichen London lebt und sich einem Drogenentzugsprogramm unterzieht, und ein roter Streuner aufeinander. Dieses zufällige Aufeinandertreffen ist der Beginn einer einzigartigen Freundschaft.
Nach mehreren Romanen und einen Triumphzug über den ganzen Erdball, war es nur eine Frage der Zeit, bis dieser Stoff auch den Weg auf die Kinoleinwand finden würde.

Im Film wird James Bowen von Luke Treadaway verkörpert, Bob spielt sich selbst. Meiner Meinung nach hätte auch keine andere Lösung gefunden werden dürfen. Dadurch, dass Bob sich selbst spielt, kommt die Verfilmung mit einer Authentizität beim Zuschauer an, die sonst wohl kaum erreicht worden wäre. Gerade zu Beginn enthält der Film öfter Kameraeinstellungen aus Katzenebene, wodurch alles noch authentischer und wenig gestellt und trainiert wirkt.

Die Verfilmung hält sich eng an die Buchvorlage. So kommen auch in der Verfilmung alle wichtigen menschlichen Weggefährten James' vor, wobei seine Familiengeschichte im Gegensatz zum Buch etwas zu kurz geraten ist. Auf der aktuellen Zeitebene spielt die Beziehung zu seinem in England lebenden Vater zwar eine große Rolle, aber seine Mutter und sein früheres Leben in Australien finden leider kaum Erwähnung, was schade ist, denn hier erklärt sich vieles, warum James in England in die Drogenszene abgerutscht ist. Auch sein beruflicher Werdegang bei der Big Issue, für die er arbeitet, nachdem er nicht mehr als Straßenmusiker auftreten kann und die dort auftretenden Probleme mit seinen Kollegen, die ihm und Bob den Erfolg und die Unterstützung durch die Touristen nicht können, wird zwar angeschnitten, aber recht kurz abgehandelt. So ist es zwar einerseits positiv zu erwähnen, dass kein Handlungsstrang des Buches im Film unerwähnt bleibt, aber um einen tieferen Einblick in James' Leben vor Bob zu erhalten und damit überhaupt Verständnis für seinen Drogenkonsum zu erhalten, empfiehlt sich auf jeden Fall die Lektüre des Buches. Persönlich weiß ich nicht, ob ich alleine anhand des Films so stark mit James mitgefühlt hätte, wie es bei dem Buch konnte.

Sehr positiv sind mir die individuell auf den Film und die Story zugeschnittenen Songs aus dem Soundtrack aufgefallen und die vielen Stadtszenen aus London, so dass es sich beinahe so anfühlt, als wäre man mit Bob und James in der Stadt und den Bussen unterwegs und würde ihnen nicht nur vorm Fernseher aus zusehen.

Wie schon das Buch ist natürlich auch der Film sehr gelungen auf Grund der einzigartigen und bedingungslosen Freundschaft zwischen Mensch und Tier, die zwischen James und Bob besteht. Vorteil des Filmes gegenüber dem Buch ist, dass man hier die Interaktionen zwischen den beiden (beziehungsweise James-Film-Ich Luke Treadaway) erleben kann, der Nachteil liegt wie erwähnt in der Nacherzählung von James' Lebensgeschichte bevor er auf Bob traf, auf die im Buch weitaus detaillierter eingegangen wird, wodurch es mir persönlich einfacher fiel Sympathie zu James aufzubauen trotz dessen Drogenproblemen.
Trotzdem eine klare Empfehlung, und wem der Film gefällt, sollte im Anschluss auf jeden Fall zum Buch greifen, insofern er dies nicht schon gelesen hat!

Anmerkung zum Anschauen mit Kindern: Die FSK12 ist wahrscheinlich in der Drogenthematik begründet, die im Film doch einigen Raum einnimmt. Damit hatte meine Tochter jedoch weniger Probleme als bei den Straßenszenen, in denen Bob unruhig wurde, weil Hunde in der Nähe waren. Einmal büchste Bob sogar aus und ich wurde gefühlte hundert Male gefragt, ob James Bob wiederfindet. Nur so als "Warnhinweis" ;)

[GEWINNSPIEL] BOB, DER STREUNER - ab 18. Mai als DVD, Blu-ray und digital

Redakteur: Anette Leister

Am 18. Mai erscheint die Literaturverfilmung zu dem gleichnamigen Roman "Bob, der Streuner" von James Bowen als DVD, Blu-ray und digital.


INFOS

Concorde // Regie: Roger Spottiswoode // Darsteller: Luke Treadaway, Ruta Gedmintas, Joanne Froggatt, Anthony Head u.v.a. // Bastei Lübbe Verlag (Buch)


INHALT

Das Letzte, was James (Luke Treadaway) gebrauchen kann, ist ein Haustier! Er schlägt sich von Tag zu Tag als Straßenmusiker durch, und sein mageres Einkommen reicht gerade, um sich selbst über Wasser zu halten. Und jetzt auch noch das: Als es eines Abends in seiner Wohnung scheppert, steht da nicht wie vermutet ein Einbrecher in der Küche, sondern ein roter ausgehungerter Kater. Obwohl knapp bei Kasse beschließt James, den aufgeweckten Kater aufzupäppeln, um ihn dann wieder seines Weges ziehen zu lassen. Doch Bob hat seinen eigenen Kopf und denkt gar nicht daran, sein neues Herrchen zu verlassen. Er folgt ihm auf Schritt und Tritt. Für James ist nichts mehr, wie es war. Bob und er werden unzertrennliche Freunde, und James findet dank Bob nach und nach den Weg zurück ins Leben …
 

© Concorde Home Entertainment

Meine Rezension zur Buchvorlage findet ihr HIER, meine Rezension zum Film folgt heute im Laufe des Tages.

Bei wem nun die Lust an der Geschichte geweckt wurde und den Film entweder im Kino verpasst hat oder aber so begeistert im Kino war, dass er den Film auch zuhause sehen möchte, kann den Film hier auf DVD gewinnen.

Was ihr dafür tun müsst? Nur zwei leichte Frage beantworten und mir die Lösung per Mail zukommen lassen:
An welchem Tag lief der Film in den deutschen Kinos an?
Für welche Obdachlosenzeitschrift arbeitet James in London?

Das Gewinnspiel läuft eine Woche, inkl. dem 25.05., am nächsten Tag wird der Gewinner in diesem Blogpost ergänzt und per Email benachrichtigt.
Der Gewinner braucht eine Postadresse in Deutschland und bei einem Alter unter 18 Jahren eine Einverständniserklärung der Eltern für die Teilnahme.

EDIT: Herzlichen Glückwunsch an Jörg B. aus H.!

Link zur Homepage des Films (http://www.bobderstreuner-film.de/home/)
Link zur Facebookseite des Films (https://www.facebook.com/BobderStreuner.film)