Samstag, 30. April 2016

[REZENSION] The Gracekeepers

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: The Gracekeepers
Autor: Kirsty Logan
Übersetzer: -/-
Verlag: Vintage
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 304 Seiten



Autor:
Kirsty Logan is a writer, performer, literary editor, writing mentor and book reviewer. Her first book, The Rental Heart & Other Fairytales, won the Scott Prize and was longlisted for the Frank O’Connor International Short Story Award. She regularly performs her stories at events and festivals throughout the world. She lives in Glasgow with her fiancée and their rescue puppy.


THE GRACEKEEPERS

Es ist eine Welt, in der das Wasser sich wieder Platz verschafft hat, Landstriche gibt es nur noch vereinzelt. Zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, als kämen sie aus zwei Welten, und sich doch irgendwie verbunden fühlen als sie aufeinander treffen. North lebt mit ihrem Bären bei einem Zirkus und verdingt sich dort als Attraktion. Callanish fristet ein sehr einsames Dasein, denn sie übergibt die Toten dem Meer. Was mag es mit der Verbindung dieser beiden wohl auf sich haben?

Liest man das Buch im englischen Original (bisher ist es noch nicht übersetzt), so braucht es eine gewisse Zeit, bis man sich zurechtgefunden hat, vor allem, da mitunter Worte genutzt werden, die es im Grunde gar nicht gibt, eine Übersetzung daher schwierig bis unmöglich ist. Hilfreich ist der Wechsel zwischen diversen Perspektiven, denn über jedem Kapitel steht um wen es sich auf den Folgeseiten handeln wird. So erhält man immer weitere Einblicke in die Lebensweisen der verschiedenen Protagonisten und kann sich ein immer besserer Bild von ihnen machen. Doch so geordnet wie diese Beschreibungen ablaufen, um so kurioser verhält es sich mit der Handlung als solcher.

Hier hat man häufig das Gefühl, der rote Faden fehle. Die Autorin verliert sich gerne in detaillierten Darstellungen, die, so schön sie sprachlich auch sein mögen, den Lesefluss ins Stocken geraten lassen. Generell liegt zwar überhaupt eine recht ruhige Atmosphäre zugrunde, es scheint aber fast als würde das Tempo zeitweise nicht nur gedrosselt, sondern komplett eingestellt. Nicht selten fragt man sich wo die Reise hingehen soll, was die Autorin nun tatsächlich ausdrücken möchte und ob das Geschehen am Schluss tatsächliche Antworten und Erklärungen geben wird.

An sich birgt die Idee einiges an Potential, wackelt allerdings in der Umsetzung. „The Gracekeepers“ schafft es leider nicht über die gesamte Länge ungeteilte Aufmerksamkeit zu erlangen, da es in einigen Bereichen zu Schwankungen kommt.

Freitag, 29. April 2016

[REZENSION] Mörder unser (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Mörder unser
Autor: Markus Topf
Sprecher: Rita Engelmann, Joachim Tennstedt u.a.
Übersetzer: -/-
Verlag: Contendo Media
Reihe: Morgan + Bailey 3
empfohlenes Lesealter: ab 16 Jahren
Ausführung: Hörspiel, ca. 60 Minuten, 1 CD



Sprecher:
Rita Engelmann, Joachim Tennstedt, Bodo Wolf, Hartmut Neugebauer, Arianne Borbach, Michael-Che Koch, Nils Kreutinger, Yvonne Greitzke, Louis F. Thiele, Pat Murphy, Frank Felicetti, Tim Caspers, Uwe Jellinek, Judy Winter, Lutz Mackensy, Thomas Schmuckert, Anita Hopt, Marion von Stengel, Lea Kiernan, Patrick Mölleken, Theresa Schulte, Max von der Groeben


MÖRDER UNSER

Pfarrer Morgan steckt wahrhaftig in der Klemme, denn das Beichtgeheimnis zwingt ihn zu Schweigen, auch wenn ein Mitglied seiner Gemeinde ihm einen Mord gesteht. Dennoch möchte er die Tat natürlich nicht stillschweigend hinnehmen, so dass er seine Kollegin Rose Bailey darum bittet, sich dieser Sache anzunehmen. Noch ahnen sie nicht, welche Lawine sie mit ihren Nachforschungen lostreten, denn das Opfer ist die Tochter von Polizeichef Stanley...

Im dritten Fall für Morgan und Bailey sucht sich das Geschehen quasi einen direkten Weg zu den Geistlichen, indem vom Täter während der Beichte ein Geständnis abgelegt wird. Nun gilt es im Grunde genommen, das Pferd von hinten aufzuzäumen, denn Pfarrer Morgan hält sich natürlich an seine Pflicht und verletzt das Beichtgeheimnis nicht. Umso schwieriger wird es für die beiden Hobbyermittler zunächst einen brauchbaren Ansatz zu kreieren, damit die Ermittlungen in Schwung kommen und schlussendlich hoffentlich Fahrt aufnehmen können.

Für den ein oder anderen Protagonisten steht der Täter schnell fest, doch weder Hörer noch Morgan oder Bailey sind von dessen Schuld überzeugt. Das wäre zu einfach und überhaupt gar nicht nachvollziehbar, warum gerade derjenige welcher sich des Mordes schuldig gemacht haben sollte. Doch weitere Verdächtige lassen sich zunächst nicht so einfach ermitteln, hier gilt es präzise hinzuschauen und die richtigen Fragen zu stellen, um Täter und Motiv auf die Spur zu kommen.

Bei jeder Aussage überlegt man hin und her, ob es sich um die Wahrheit oder eine Lüge handelt, um Hinweise zu entdecken, die in die richtige Richtung führen, doch stellt sich dies schwieriger als gedacht dar. Nicht jeder spielt mit offenen Karten, so dass manches Mal Intuition gefragt ist, um nicht ins Stocken zu geraten. So begibt man sich auf eine spannende Reise ins Ungewisse, denn man muss auf alles gefasst sein, es könnten einige Überraschungen auf einen warten.

Trotz recht ruhiger Atmosphäre fesselt auch der dritte Fall für Morgan und Bailey die Hörer ab der ersten Sekunde. Man darf sich keinesfalls von der vorherrschenden Stimmung täuschen lassen, unter der Oberfläche sieht es gleich ganz anders aus, und mit Sicherheit nicht so wie man es sich vorgestellt hat.

Donnerstag, 28. April 2016

[TTT] Top Ten Thursday #258 (Anette)


Der Top Ten Thursday ist eine wöchentliche Aktion von Steffis Bücherbloggeria.

Das Thema diese Woche lautet:
10 Bücher mit besonders langen/ausgefallenen Titeln

Ein Titel muss nicht zwingend lang sein, um ausgefallen zu sein oder um aufzufallen. Natürlich fallen lange Titel insbesondere durch - eben - ihre Länge auf, aber ein besonders ausgefallener Titel ist für mich beispielsweise der Einworttitel "Zorgamazoo", schmeckt eindeutig nach mehr, was der Inhalt denn auch zu bieten hat ;) Außerdem habe ich nicht gezielt nach langen Titeln gesucht, von denen ich hier oder da gehört hatte, sondern wollte mich auf bereits gelesene Bücher beschränken. So gibt es mit Sicherheit viel ausgefallenere oder längere Titel zu finden als sie in meiner Aufzähluing auftauchen:

1. Endres, Brigitte - Der Tag, an dem mein Meerschweinchen zum Kriminaloberkommissar wurde
9. Weston, Robert Paul - Zorgamazoo

Gelesen, aber nie rezensiert, hatte dieses Buch damals hauptsächlich wegen des Titels mein Interesse geweckt:
 
10. Purschke, Ulrike - Hendrikje, vorübergehend erschossen

Das Thema für den 05. Mai 2016 lautet:
Deine 10 Bücherhighlights aus 10 verschiedenen Genres

Mittwoch, 27. April 2016

[REZENSION] Zickenalarm auf Internat Bernstein

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Zickenalarm auf Internat Bernstein
Autor: Andrea Russo
Illustrator: Elisabeth Bruder
Übersetzer: -/-
Verlag: Coppenrath
Reihe: Internat Bernstein 3
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Ausführung: Hardcover, 240 Seiten



Autor:
Andrea Russo, geboren im November 1968, studierte Kunst und Germanistik. Sie lebt mit Mann und Labradorhündin in Oberhausen. Die Inspirationen für ihre Kinderbücher verdankt sie ihrer mittlerweile schon erwachsenen Tochter, die früher jede Menge Flausen im Kopf hatte - und den Schülern und Schülerinnen einer Förderschule, in der sie als Lehrerin arbeitete. Andrea Russo schreibt seit 2009 für verschiedene Verlage.

Illustrator:
Elisabeth Bruder, geboren 1980 in der Pfalz, hat schon als kleines Mädchen sehr gerne Bildergeschichten gezeichnet. Seit dem Studium in Schottland und Freiburg arbeitet sie als Grafikerin und Illustratorin. Sie lebt mit ihrem Mann und einem Stall voller Tiere im Pfälzer Wald.


ZICKENALARM AUF INTERNAT BERNSTEIN

Es wird voll auf Internat Bernstein, denn die Schüleraustauschwoche steht an. Alle, sogar die Lehrer, sind aufgeregt und nicht nur Paulina und Shanti sind gespannt mit welchen italienischen Mädchen sie sich bald für eine Woche das Zimmer teilen. Die Jungs, bei denen ein solcher Austausch nicht ansteht, sind nach wie vor auf großer Schatzsuche und entdecken weitere geheime Gänge, die ganz schön gefährlich sind. Paulina und Shanti bleibt kaum Zeit ihre neuen Freundinnen kennenzulernen, denn schon bald brauchen die Jungs ihre Hilfe...

Inzwischen hat Paulina sich richtig gut auf Internat Bernstein eingelebt und freut sich auf die italienischen Austauschschülerinnen. Sicherlich ist dieser dritte Band auf ohne jegliche Vorkenntnisse verständlich, da auf vergangene Ereignisse nochmals kurz eingegangen wird, schöner ist es aber allemal die gesamte Entwicklung verfolgt zu haben, denn so ergibt sich eine noch engere Bindung zu dem ein oder anderen Protagonisten. Dass es trotz Ablenkung durch die Italienerinnen spannend wird ist von vornherein klar, denn noch immer ist der Internatsschatz nicht aufgetaucht und die Jungs sind wild entschlossen dies zu ändern.

Gemeinsam mit Paulina und ihren Freunden begibt man sich in ein neues, teilweise gefährliches, Abenteuer, denn natürlich möchte man auch selbst wissen, ob es diesen ominösen Schatz überhaupt gibt. Gleichzeitig müssen die Mädchen sich um ihre Austauschschülerinnen kümmern und versuchen, diese nicht ebenfalls in Gefahr zu bringen. Natürlich dürfen außerdem die Streitigkeiten unter den Internatsbewohnern nicht fehlen, schließlich kann man sich nicht mit jedem gut verstehen. Da aber dieses Mal wirklich einiges zusammenkommt kann man gut verstehen, dass Paulina manchmal nicht mehr weiß wo ihr der Kopf steht. Wie würde man selbst in ihrer Situation handeln? Eine Frage, die man sich während dieser Lektüre des öfteren stellt, aber nicht unbedingt immer zu einer Antwort kommt.

Bis zum Schluss bleibt es spannend, denn nicht nur das Ergebnis der Schatzsuche ist unsicher, es steht noch ein weiteres Projekt an, dass sich in der Theorie absolut genial anhörte, den Mädchen in der Umsetzung aber einiges abverlangt. Aber mit Zusammenhalt und Disziplin wird man doch wohl auch dieses Vorhaben erfolgreich über die Bühne bringen, oder? Fakt ist auf jeden Fall, dass man die Internatsbewohner mehr und mehr ins Herz schließt und hofft, noch einige Abenteuer mit ihnen erleben zu dürfen.


Reiheninfo:
Band 1: Gestrandet auf Internat Bernstein
Band 2: Das Rätsel von Internat Bernstein

Dienstag, 26. April 2016

[BLOGTOUR] Herz verloren, Glück gefunden von Christiane von Laffert: Gewinnauslosung


Die Blogtour ist vorbei und nachdem ich bis einschließlich gestern unterwegs war, kam ich heute endlich zum Auslosen des Gewinners. Auf den einzelnen teilnehmenden Blogs konnte man jeweils ein Buch gewinnen.

Die Gewinnerin des Exemplars von Herz verloren, Glück gefunden ist Tina Sack.
Herzlichen Glückwunsch! Bitte schicke deine Adressdaten an julia@katzemitbuch-forum.de. Ich werde diese dann an die Agentur Literaturtest weitergeben, die das Buch versenden wird.

[REZENSION] Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969
Autor: Frank Witzel
Sprecher: Frank Witzel
Verlag: Audiobuch
Ausführung: Gekürzte Autorenlesung, ca. 760 Minuten, 10 CDs



Autor und Sprecher:
Frank Witzel wurde 1955 in Wiesbaden geboren und lebt in Offenbach. Er ist Schriftsteller, Zeichner und Musiker. Zuletzt veröffentlichte er die Romane "Bluemoon Baby" (2001), "Revolution und Heimarbeit" (2003), "Vondenloh" (2008).
Für seinen Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" erhielt er den Deutschen Buchpreis 2015.


DIE ERFINDUNG DER ROTEN ARMEE FRAKTION DURCH EINEN MANISCH-DEPRESSIVEN TEENAGER IM SOMMER 1969

Sollte ein Teenager sich nicht eher mit belangloseren Dingen den Tag vertreiben als sich über Politik Gedanken zu machen? Mit Freunden harmlose Streiche aushecken anstatt über Krankheit und Tod zu referieren? Vielleicht liegt es aber auch einfach an der Zeit, in der sich das Geschehen abspielt, voller Umbruch und Wandel, dass man gar nicht ein solches Teenagerleben führen konnte wie es heutzutage gemeinhin, manches Mal auch klischeebehaftet, angesehen wird...

Frank Witzel hat in Printform einen wahrlichen Wälzer vorgelegt, dem man schon ein wenig Respekt entgegen bringt und sich lieber zweimal fragt, ob man sich wirklich an das Werk herantraut. Das Hörbuch, vom Autor selbst gelesen, ist zwar gekürzt, mit 760 Minuten auf 10 CDs aber immer noch beachtlich und sollte nicht unterschätzt werden.

Schon früh wird klar, dass man sich voll und ganz auf das gesprochene Wort einlassen muss und zunächst nicht alles hinterfragen sollte, sonst ist man gleich verloren. Der rote Faden nämlich ist zwar durchaus vorhanden, auch wenn einem das erst reichlich spät klar wird, nur eben nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Fast wirkt die Erzählung zusammengestückelt, ohne Hand und Fuß, von A nach B über C und D hüpfend. Auch nach einer wahrhaftigen Aussage wird lange Zeit gesucht. Es ist nicht so, dass Inhalt oder Interpretation schlecht wären, vielmehr hat man als Hörer das Gefühl nicht der angesprochenen Zielgruppe zu entsprechen, vielleicht sogar manche Zusammenhänge nicht zu begreifen, selbst wenn man sie mehrfach hört.

Am ehesten lässt sich dieses Werk wohl als außergewöhnlich betiteln. Sämtliche Emotionen werden während des Hörens angesprochen, hin und wieder ist man sogar mit sich uneins was man denn nun fühlen soll. Bis man allerdings darüber nachgedacht hat, ist der Autor bereits drei Schritte weiter, was aber egal ist, man wird sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal darauf zurückkommen.

Kommt es zu Beschreibungen tatsächlicher geschichtlicher Ereignisse, fühlt man sich plötzlich sicher, denn damit befindet man sich auf einem Terrain, das man einschätzen kann. Aber auch hier darf man sich niemals zu sehr treiben lassen, denn die Übergänge zum Abstrakten sind fließend. Was ist Realität, was Fiktion und wobei handelt es sich um Wahnvorstellungen? Nicht immer wird man dahinterkommen womit man es gerade zu tun hat, aber einen Versuch ist es wert. Sprachlich wird eine arg bedrückende Atmosphäre übermittelt, die zwar großartig zum Inhalt passt, dem Hörer aber mehr und mehr aufs Gemüt schlägt, so dass man zwischenzeitlich sogar geneigt ist etwas anderes, aufbauenderes hören zu wollen.

Montag, 25. April 2016

[REZENSION] Rache und roter Schnee

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Rache und roter Schnee
Autor: Elias Haller
Übersetzer: -/-
Verlag: -/-
Reihe: Erik Donner 2
Ausführung: Taschenbuch, 330 Seiten



Autor:
Elias Haller, Jahrgang 1977, lebt mit seiner Familie in einer sächsischen Großstadt. Der Zündstoff für seine Thriller sind seine beruflichen Erfahrungen im Umgang mit Rechtsbrechern und Opfern von Straftaten. Dank der langjährigen Leidenschaft für das Schreiben kann Elias Haller (kaltblütige) Mörder und (tragische) Helden aufeinander loslassen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.


RACHE UND ROTER SCHNEE

Nach seinem traumatischen Erlebnis will Kriminalkommissar Erik Donner eigentlich nur noch eins: Zurück zur Mordkommission. Stattdessen wird er mehr und mehr aufs Abstellgleis geschoben. Seinen persönlichen Tiefpunkt glaubt er erreicht zu haben, als er mit der Bewachung des Weihnachtsmarktes betraut wird. Doch plötzlich wird eine übel zugerichtete Leiche gefunden, ausgerechnet im Sack des Weihnachtsmanns. Dass es sich hierbei nur um den Auftakt einer mysteriösen Reihe von Morden handelt, ahnt noch niemand, doch Donner weiß was er will: Ermitteln!

Jetzt musste sie schmunzeln, als sie daran dachte, wie der verkrüppelte Kriminalhauptkommissar auf die Bühne gesprungen war. Und sie hatte mitbekommen, wie im Eifer des Gefechts jemand diesen Donner mit Monster angeredet hatte.
Monster! Narbengesicht! Scarface! (S. 57)

Nachdem das Schicksal Erik Donner im ersten Band, „Tod und tiefer Fall“, alles andere als gut gesonnen war, könnte man meinen ihn nun vollkommen unmotiviert und desinteressiert anzutreffen. Wer würde es ihm verübeln. Doch nichts davon ist der Fall, natürlich hat das Erlebte seine Spuren hinterlassen, innerlich wie äußerlich, und doch ist und bleibt Donner eine Kämpfernatur. Nicht immer sind seine Methoden konventionell und schon gar nicht abgesegnet, aber das Herz sitzt am rechten Fleck, auch wenn er selbst kaum noch glaubt eins zu besitzen.

Nichts ist langweiliger als 08/15-Ermittler, deren Verhalten schon meilenweit im Voraus zu erkennen. Gut dass Erik Donner alles andere als berechenbar ist, auch wenn man dadurch das ein oder andere Mal gehörig nach Luft schnappen muss, wenn er sich wieder einmal zu einem seiner Alleingänge auf den Weg macht. Glücklicherweise gibt es doch einige wenige Personen, denen er ebenfalls ans Herz gewachsen ist und die ihn nicht sehenden Auges ins Verderben laufen lassen wollen. Dass sie noch immer zu ihm halten, selbst wenn er sie gehörig vor den Kopf stößt, zeugt von wahrer Freundschaft, die er unbedingt benötigt, sei er noch so hart im Nehmen.

Trotz Donners Einmischung in den vorliegenden Fall kommt die Polizei nicht so recht weiter. Jeden Tag müssen sie befürchten eine weitere grausam inszenierte Szene vorzufinden, alle bisherigen Spuren führen ins Leere. Dem Leser geht es nicht anders. Zwar erhält man den ein oder anderen Hinweis, allzu weit vorwärts bringt einen das dennoch nicht. Das wahrhaftige Ausmaß des Falls vermag man kaum greifen zu können, am Anfang ahnt man nicht einmal den schrecklichen Zusammenhang der einzelnen Taten. Mit Spannung verfolgt man das Geschehen, das mehr und mehr Puzzleteile zutage fördert, die sich im weiteren Verlauf zu einem Gesamtbild zusammensetzen lassen, das einen wahrlich nicht kaltlassen wird. Es besteht eher die Gefahr gedanklich abzudriften und eine Gratwanderung zu vollziehen, die hoffentlich auf der richtigen Seite endet...

Auch der zweite Fall für Erik Donner, „Rache und roter Schnee“, zieht den Leser sofort in den Bann. Nicht nur der eigenwillige Ermittler, sondern auch der, bis ins kleinste Detail, verworrene Fall lassen einen nicht mehr los. Nur gut, dass es bereits einen dritten Band gibt und auch danach vermutlich noch nicht Schluss sein wird.


Reiheninfo:
Band 1: Tod und tiefer Fall

Sonntag, 24. April 2016

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW16


Anette:
Die kreisrunde Reise des Ika Wendou, Michael Beisteiner (RE)

Christiane:
Sehnsucht nach Zimtsternen, Katrin Koppold (RE)
Remember Mia, Alexandra Burt (RE)
Krähenmädchen, Erik Axl Sund (GK)
Steinroller, Hörbuch, Martin Lassberg (RE)
Der Zirkus der Stille, Peter Goldammer (RE)
Küstenstrich, Hörbuch, Benjamin Cors (RE)
Oscar Wilde & Mycroft Holmes 01. Zeitenwechsel, Hörspiel (RE)
Team Undercover 17, Hörspiel (RE)
Gespenster-Krimi 08, Hörspiel (RE)
Pala 01. Das Spiel beginnt, Marcel van Driel (GW)

Samstag, 23. April 2016

[REZENSION] Im Land der Wolken

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Im Land der Wolken
Autor: Alexandra Helmig
Illustrator: Anemone Kloos
Übersetzer: -/-
Verlag: Mixtvision
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 3 Jahren
Ausführung: Hardcover, 32 Seiten



Autor:
Alexandra Helmig, 1975 in Düsseldorf geboren, arbeitet als Schauspielerin, Sprecherin und Autorin. Mit ihren preisgekrönten Theaterstücken wurde sie zu zahlreichen Festivals eingeladen. Außerdem schreibt sie Bilder- und Kinderbücher. Sie lebt mit ihrer Familie in München.

Illustrator:
Anemone Kloos, geboren 1986, hat Kommunikationsdesign an der Hochschule Augsburg studiert. Seit 2012 arbeitet sie als freiberufliche Illustratorin. Sie entwickelt surreale Bildwelten, die durch wunderliche und fantastische Charaktere lebendig werden. Lua und die Zaubermurmel ist ihr erstes Kinderbuch.


IM LAND DER WOLKEN

Die Bewohner im „Land der Wolken“ kenne keine Langeweile, wissen nicht was Nichtstun ist und können sich im Grunde auch nichts darunter vorstellen. Nur Henry hat keine Lust immer noch mehr, noch größere, noch schönere Wolken zu sammeln, die voller Ideen stecken. Deshalb bleibt er immer außen vor, bis Sara neu in die Stadt zieht und sich dafür interessiert was Henry eigentlich den ganzen Tag so macht...

In der heutigen Zeit, in der alles immer schneller gehen muss, alles besser sein muss als noch eine Sekunde zuvor, gibt es im Grunde keinen Stillstand. Das wirkt sich nicht nur auf die Arbeit oder Schule aus, sondern schlussendlich auch auf das Privatleben. Irgendwann weiß niemand mehr wie man sich alleine beschäftigt, wenn einmal nicht alles in Bewegung und man ständig unterwegs ist. Dabei ist es gerade wichtig, sich auch mal eine Auszeit zu nehmen, Zeit für sich selbst, aber auch gemeinsam mit seinen Liebsten, ohne den stressigen Alltag.

Obgleich ein sehr farbenfrohes Bilderbuch, so zeigt es doch auch indirekt die düsteren Seiten, die das Leben, welches im „Land der Wolken“ gelebt wird, haben kann. Entsprechend fühlen sich auch Erwachsene Betrachter angesprochen, denn es wird Zeit mit allen Sinnen zu genießen und zu entspannen, um sich nicht urplötzlich in einer Gesellschaft wiederzufinden, die nicht mehr weiß wie Nichtstun geht. Sich treiben lassen ist das Ziel, darüber nachzudenken ein erster Schritt in die richtige Richtung. Beim nächsten Mal wird man es vielleicht sogar wagen einmal auszuprobieren...
Für die Kleinen, also die eigentliche Zielgruppe, sind die Bilder und die Geschichte natürlich nicht in einer solchen Form tiefgründig wie für Erwachsene, und doch spüren auch sie das Besondere, das Geschehen und Visualisierung zugrunde liegt.

Wundervoll illustriert wurde Alexandra Helmigs Geschichte von Anemone Kloos, die mit ihren Bildern eine Atmosphäre erschafft, der man sich nicht entziehen kann. Auf der einen Seiten verwaschene Grenzen, auf der anderen Seite wieder konkrete, klare Konturen, ein Stil, den man so schnell kein zweites Mal findet und vor allem nicht vergisst. Absolut gelungen und passend zum Inhalt.

Freitag, 22. April 2016

[REZENSION] Herz verloren, Glück gefunden

Redakteur: Julia Ehrenberg

Titel: Herz verloren, Glück gefunden (OT: -/-
Autor: Christiane von Laffert
Illustrator: -/-
Übersetzer: -/-
Verlag: Goldmann
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 384 Seiten




Autor:
Christiane von Laffert wurde 1975 in einer niedersächsischen Kleinstadt geboren und schrieb bereits in ihrer Schulzeit leidenschaftlich gern Geschichten für ihre Familie und Freunde. Nach einer Banklehre und einem Studium der Betriebswirtschaft arbeitete sie in einer PR-Agentur, bevor sie sich im familieneigenen Unternehmen um die Öffentlichkeitsarbeit kümmerte. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und Zwillingen in Hamburg. »Herz verloren, Glück gefunden« ist ihr erster Roman.



HERZ VERLOREN, GLÜCK GEFUNDEN

In der Ehe der zweifachen Mutter Victoria kriselt es. Sie fühlt sich von ihrem Mann Hubertus nicht wirklich ernst genommen und geliebt. Für ihn scheint sie einfach nur funktionieren und seine Kinder großziehen zu sollen. Als ihre Freundin Emily ihr anbietet, mit in ein Skigebiet zu kommen, wo diese eine Reportage über die Schönen und Reichen für ein Society-Journal schreiben soll, sagt sie kurzentschlossen zu. Unter falschem Namen taucht sie dort in eine fremde Welt ein. Verlieben war dabei nicht eingeplant und das Auftauchen des attraktiven Constantin wirbelt ihr Leben ordentlich durcheinander. Nach dem Kurztripp ordnet Victoria es daher neu, auch wenn das gar nicht so einfach ist. Zusammen mit ihren Kindern zieht sie in eine WG und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen.

„Herz verloren, Glück gefunden“ ist ein lustiger Roman rund um das sich selbst finden. Protagonistin ist dabei keine Jugendliche oder junge Frau, sondern eine zweifache Mutter, die eigentlich fest im Leben steht. Nach einigen Jahren Ehe hat sich allerdings ein Alltagstrott ergeben, und Victoria merkt, wie unglücklich sie ist. Nach der Trennung von ihrem Mann kann man sie dabei begleiten, wie sie sich weiterentwickelt und neu entdeckt. Dabei schließt man Victoria, mehr aber noch ihre neuen Mitbewohner, ins Herz. Denn Victoria landet mit ihren beiden Kindern in einer ungewöhnlichen WG. Der Schreiner Kristian, die junge Anna und vor allem der Künstler Manfred sind schon ganz besondere Personen. Während Victoria lernen muss, ihre Vorurteile abzulegen, wird der Leser in eine bunte Welt entführt.

Manchmal war mir Victoria etwas zu steif, etwas zu zögerlich oder vorurteilsbehaftet, aber meinen Lesespaß hat dies nicht getrübt. Zumal die außergewöhnlichen und sympathischen Nebenfiguren, allen voran der ungehobelte brummige Manfred, das mehr als Wett gemacht haben.

Es ist ein Buch voller verschiedener Persönlichkeiten, das es schafft, ganz normalen Alltag lustig darzustellen. Ein Buch voller schillernder Personen, nervigen Nachbarn, Kindergartenproblemen, Freundschaften und natürlich rund um die große Liebe.