Donnerstag, 10. November 2016

[INTERVIEW] Buchmesse Frankfurt 2016: Interview mit Anna Woltz


Redakteur: Anette Leister, Julia Ehrenberg


Als Vorbereitung auf die diesjährige Frankfurter Buchmesse und insbesondere auf den Ehrengast "Flandern und die Niederlande" habe ich einige Titel von Autoren aus dem niederländischen Sprachraum gelesen - und bin auch über die Buchmesse hinaus noch mit einigen Titel beschäftigt, deren Rezensionen nach und nach auf dem Blog folgen werden.


Heute geht es um die Autorin Anna Woltz, von der ich in Vorbereitung auf die Buchmesse "Gips" gelesen habe, im Frühjahrsprogramm von Carlsen erscheint ihr erstes Jugendbuch auf Deutsch unter dem Titel "Hundert Stunden Nacht".


Nach einer kurzen Begrüßung fragt Anna, ob wir das Interview auf Deutsch oder Englisch führen wollen. Nachdem wir uns darauf geeinigt haben, es auf Deutsch zu führen und bei Problemen auf Englisch auszuweichen, geht es los.

Anna: Katze mit Buch, das ist ein toller Name!

Anette: Bei uns gab es früher eine Sendung von einem Marionettentheater, die hieß "Katze mit Hut", und weil ich die so gerne mochte, habe ich den Blog dann "Katze mit Buch" genannt.

Anna: Ach so, ja *lacht* Toll!

Anette: Ich hatte mich jetzt dieses Jahr speziell mal umgeguckt, was es so an niederländischen und flämischen Autoren gibt. Vorher hätte ich spontan fast gar niemanden benennen können. In dem Zuge bin ich dann auch auf deine Bücher gestoßen. Das Buch "Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess" war mir schon im letzten Jahr aufgefallen, weil das eine sehr bekannte Illustratorin hier in Deutschland ist, die das Cover gemacht hat.

Anna: Ja, Regina Kehn ist wunderbar!

Anette: Ja und wie gesagt, dann habe ich mir das aktuelle Buch beosrgt und kurz vor der Messe gelsen. Ich habe gesehen, außer Gips, Tess und Kükensommer gibt es auf Deutsch noch gar nichts von dir?

Anna: Nein, es gibt jetzt 3 Bücher und im Frühling erscheint dann "Hundert Stunden Nacht". Das ist ab 12, also für etwas ältere Leser.

Anette: Das heißt, das ist jetzt kein neues Buch von dir, sondern schon länger im Original erschienen?

Anna: Ja.

Anette: Und da die bereits erschienen Bücher auf Deutsch gut laufen, kommen dann noch ein paar Titel mehr?

Anna: Ja, ich habe jetzt 21 Bücher auf Niederländisch geschrieben und meine letzten 4 oder 5 sind jetzt bereits erschienen oder werden auf Deutsch übersetzt.

Anette: Gibt es einen Titel von den drei der bisher übersetzten, der am Besten in Deutschland läuft? Wobei "Gips" jetzt ja noch nicht solange draußen ist.

Anna: Ja, "Gips" ist sehr neu. "Meine wunderbare seltsame Woche mit Tess" ist wirklich sehr populär und hat wunderbare Rezensionen erhalten und von "Kükensommer" gibt es auch ein Hörbuch und ein Taschenbuch. Ich denke, dass alle Bücher ziemlich populär sind.

Anette: Gibt es ein Buch von dir, woran dein Herz speziell hängt oder bei dem du dir ganz besonders wünschst, dass es auf den deutschen Markt kommt?

Anna: Ja, mein neues Buch, "Alaska", es ist vor zwei Wochen in den Niederlanden veröffentlicht worden. Ich liebe diese Geschichte sehr. Ich liebe "Meine wunderbare seltsame Woche mit Tess", aber das ist auch ganz speziell für mich, aber "Alaska" handelt von einem Hund und ich liebe Hunde. Carlsen hat "Alaska" schon gekauft, also erscheint es in ein oder zwei Jahren auch in Deutschland.

Anette: Sehr schön. Ich habe gerade gesehen, das Originalcover von "Gips" ist ja sehr ähnlich zu der deutschen Veröffentlichung, warum hat der Verlag sich dann entschieden, trotzdem einen neuen Entwurf dafür zu machen?

Anna: Meinst du, dass sie ähnlich sind?

Anette: So vom Grundprinzip her schon. Weil, war das Tess oder Kükensommer?, das ist ja grundverschieden zum Original.

Anna: Ja, ich weiß nicht genau, .. Wechselt ins englische. In the Netherlands, when a book is published, I can say a lots about the cover, there really is a dialogue between me and the publisher and they’ve a idea well we’re going to ‘you like this and this and this’ they send me all these proposals and maybe we can do the letters a bit bigger or smaller. With all my foreign publications- my books are now translated into 9 different languages – I have nothing to do with the foreign covers and of course maybe the children in the Netherlands like different covers than children in Germany. So, it’s not my point with kind of cover the book has. And I love this cover with the whole thing with plasters and this was my idea, this is real plaster, well not real but…

Wenn in den Niederlanden ein Buch veröffentlicht wird, kann ich viel mitsprechen bei den Covern, da ist wirklich ein Dialog zwischen mir und dem Verlag. Sie haben eine Idee und dann fragen sie: Magst du dies und dies und dies und sie schicken mir Vorschläge und vielleicht kann man die Schrift noch etwas größer oderkleiner machen. Bei den ausländischen Veröffentlichungen – meine Bücher wurden jetzt in 9 verschiedene Sprachen übersetzt – habe ich nichts mit den Covern zu tun. Und vielleicht mögen die niederländischen Kinder andere Cover als die deutschen Kinder. Es ist nicht mein Einfluss, welches Cover das Buch hat. Ich liebe das Cover mit den Pflastern und das war meine Idee mit den echten Pflastern, nun, nicht echt, aber…

Victoria: Warum heißt das Gips?

Anette: Da musst du das Buch mal lesen, dann weißt du, warum es Gips heißt.

Anna: Es spielt in einem Krankenhaus.

Anette: Was gibt es denn im Krankenhaus aus Gips?

Victoria: Beine, Kopf…

Anette: Ja, wenn man sich die Beine oder den Arm gebrochen hat…

Anna: Die Hauptfiguren klauen Gips. Das Mädchen hat ihren Eltern erzählt, dass es sich den Arm gebrochen hat. Das stimmt nicht. Ihr Arm ist ok, deshalb klaut sie Gips und sie gipst ihren eigenen Arm ein und dann kann sie sagen: Guck mal, ich habe meinen Arm gebrochen.

Victoria: Verstehe ich nicht.

Anette: Dann musst du es bald mal ganz lesen.
Es war mir jetzt auch neu, dass es in einem Land so ein großes Mitspracherecht am Cover gibt, denn von deutschen Autoren kennen wir es eigentlich nur, dass die nie irgendetwas dazu sagen dürfen.

Anna: Wirklich?

Anette: Die kriegen es dann halt mal gezeigt und entweder sind sie glücklich damit oder sie haben halt Pech, das entscheidet hier der Verlag im Prinzip immer alleine.

Anna: Bei meinem ersten Buch war das: Guck mal, so sieht das Buch aus, aber jetzt darf ich so viel sagen über meine Cover, für mich ist das auch sehr wichtig, wie ein Buch aussieht.

Anette: Was mir ja auch aufgefallen ist, es werden ja unheimlich viele Lizenzen aus Amerika eingekauft. Dafür, dass ja die Niederlande direkter Nachbar sind, also ich habe jetzt vor der Buchmesse eigentlich gar keinen niederländischen Autor gekannt. Was meinst du, woran das liegt, dass die deutschen Verlage dann eher immer so ganz weit nach Amerika gucken und nicht mal so drum herum in den Ländern, was da so erscheint?

Anna: Ich weiß nicht genau, ob das stimmt. Es gibt ziemlich viele niederländische Bücher in Deutschland. Guus Kuijer, Joke van Leeuwen, Edward van de Vendel… In den Niederlanden sind wir sehr stolz, dass so viele niederländische Bücher übersetzt werden. Aber natürlich, die englischen Bücher, amerikanischen Bücher sind überall sehr populär, auch in den Niederlanden. Die Kinder lesen niederländische Bücher und amerikanische und englische Bücher, in den Niederlanden kennen die meisten Kinder auch keine deutschen Bücher. Ich denke, dass doch ziemlich viele niederländische Bücher übersetzt werden.

Anette: Edward van der Vendel macht ja sehr viel im Bereich Bilderbuch und Jugendbuch, der ist hier sehr stark vertreten.
Hier in Deutschland ist es ja jetzt so die letzten 5, 6 Jahre so, dass die Bloggerszene immer größer wird. Vor einigen Jahren war es wirklich noch so, dass man von Verlagen belächelt wurde. In Amerika gibt es das schon länger mit der Bloggerszene, wie ist das bei euch in der Niederlande? Gibt es da auch schon eine richtige Bloggerszene, dass die Verlage sagen, wir nutzen die wirklich für Werbung?

Anna: Mehr und mehr. Das hat sich in den letzten 5 oder 2, 3 Jahren wirklich geändert. Es gibt Blogs in den Niederlanden, die wirklich sehr sehr wichtig sind. Ein Blog mit Rezensionen, der ist wirklich genauso wichtig wie die Zeitungen. Das hat sich geändert.

Anette: Da ist bei uns noch ein langer Weg. Was halt auch ist, die Belletristik, die Erwachsenenliteratur, die hat ein viel größeres Sprachrohr als die Kinder- und Jugendliteratur. In Duetschland sind die Kinder- und Jugendbuchautoren auch wirklich total dankbar, dass das mit der Bloggerszene hochkam, weil sie kaum in der Zeitung besprochen werden.

Anna: Das ist in den Niederlanden genauso.

Anette: Dann ist die Wertschätzung für Kinder- und Jugendliteratur bei euch also auch noch nicht auf dem Level, wie wenn man für Erwachsene schreibt.

Anna: Ja.

Anette: Du schreibst aber ausschließlich für das junge Publikum?

Anna: Ja, für Kinder und Jugendliche. Ich habe auch manche Bücher ab 12 und ab 14. Ich liebe Kinder als Publikum und Kinder sind auch sehr interessant als Hauptfiguren. Kinder erleben alles zum ersten Mal, entdecken die Welt, alles ist ganz neu.

Anette: Gehst du viel auf Lesereisen oder an Schulen und stellst deine Bücher vor?

Anna: Sehr viel. In den Niederlanden besuche ich etwa an 50 Tagen pro Jahr Schulen und Buchhandlungen und jetzt mit 9 Büchern in 9 Sprachen gibt es sehr viele Lesereisen. Im Juli war ich in München beim White Ravens Festival, das war wunderbar. Im Frühling war ich in Slowenien, wo mein slowenischer Verlag ein Festival hatte. In New York war ich, als "Hundert Stunden Nacht" in Amerika veröffentlicht wurde. So viele Reisen, jetzt weiß ich kaum noch, wann ich schreiben soll.


Anette: Was ja heute auch noch ansteht: Die Verleihung vom Deutschen Jugendliteraturpreis. Da wird seit Jahren diskutiert, warum er deutscher Jugendliteraturpreis heißt, aber auch Übersetzungen, also Lizenzen aus dem Ausland, nominiert werden. Es ist auch immer die Frage, weil Kinder- und Jugendbuch nicht auf der Stufe mit Erwachsenenliteratur steht. Es gibt einfach zu wenig Preise und Wertschätzung. Gibt es in den Niederlanden auch so einen Preis und gibt es dann Preise speziell für euch niederländische Autoren?

Anna: Der wichtigste Preis in den Niederlanden ist der Griffel und jedes Jahr gibt es 10 silberne Griffel und auch Übersetzungen können einen silbernen Griffel gewinnen. Aber der goldenen Griffel ist für ein nicht übersetztes Buch. Vor zwei Wochen hat "Gips" den goldenen Griffel gewonnen.

Anette: Glückwunsch!

Anna: Das ist wirklich wunderbar. Das ist für ein wirklich niederländisches Buch.

Anette: Das finde ich toll, das ist im Prinzip ja auch eine Idee für den deutschen Jugendliteraturpreis, ein Sonderpreis für deutsche Bücher, dass man einen gewissen Heimvorteil hat, weil es ja schon so viele internationale Preise gibt.

Anna: Für die Niederländer ist es wirklich wunderbar, dass es möglich ist, den deutschen Jugendliteraturpreis zu gewinnen. *lacht*

Anette: Für die deutschen Autoren ist das halt doof. Ihr habt euren eigenen Preis und nehmt den deutschen Autoren noch ihren Preis weg.*lacht*

Anna: Autoren von Flandern können den goldenen Griffel auch gewinnen. Der ist für ein originalsprachiges niederländisches Buch.



Am Samstag fand auf der Kids Stage eine Podiumsdiskussion in zwei Teilen statt.
Hier von links nach rechts im Bild: Ute Wegmann, Simon van der Geest, Andrea Kluitmann und Anna Woltz.
Simon stellte seinen Titel "Krasshüpfer" vor, Anna ihr Buch "Gips".

1 Kommentar:

  1. Hallo und guten Tag,

    interessant was in den Niederlanden und Flandern für Preise gibt....der Griffel...

    LG..Karin...

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Hallo ihr Lieben,
schön, dass ihr uns in der Lies-und-Lausch-WG besucht. Wir freuen uns über jeden Kommentar von Euch :)
Viele Grüße die Katze mit Buch und ihre Mitbewohner