Donnerstag, 25. August 2016

[REZENSION] George

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: George (OT: George)
Autor: Alex Gino
Übersetzer: Alexandra Ernst
Verlag: Fischer KJB
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Ausführung: Hardcover, 208 Seiten



Autor:
Alex Gino, geboren und aufgewachsen in Staten Island, New York, mag die Natur und Geschichten, die die Vielfalt des Lebens widerspiegeln. Heute lebt Alex Gino mit Partner und zwei Katzen in Kalifornien, USA. Alex Gino ist seit über zwanzig Jahren in der queeren und transgender Bewegung aktiv. Persönliche Erfahrungen und das Wissen, dass transgender Kinder Romane brauchen, die sie bestärken und ihnen Mut machen, waren der Anlass George zu schreiben.


GEORGE

Eigentlich weiß George ganz genau was sie will, nur mit der Umsetzung könnte es Schwierigkeiten geben. Als es darum geht, dass die vierte Klasse in der Schule ein Theaterstück aufführen soll, wünscht George sich nichts sehnlicher als die weibliche Hauptrolle zu spielen und probt dafür fleißig mit ihrer besten Freundin Kelly. Das Vorsprechen klappt tadellos, doch Georges Lehrerin ist geschockt, denn George ist doch eigentlich ein Junge...

Mit gerade einmal 10 Jahren weiß George schon ziemlich genau darüber Bescheid wer sie ist und wie sie sein will. Doch niemand sonst ahnt was tagtäglich in ihr vorgeht. Es muss ziemlich an die Substanz gehen, wenn man niemandem sagen kann was man wirklich denkt und fühlt. Kein Wunder also, dass Kelly bald eingeweiht wird. Und diese verhält sich einfach großartig und vor allem genau so, wie man es sich von einem Freund wünscht. Sie steht George zur Seite und stärkt ihr Selbstvertrauen, damit sie schon bald den Mut fassen kann, auch ihre Mutter und ihren Bruder mit den Neuigkeiten zu versorgen.

Es mag auf den ersten Blick seltsam anmuten, dass der Hauptcharakter ein recht junges Alter aufweist. Und doch, je tiefer man einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt Georges erhält, umso besser lässt sich einiges nachvollziehen. Nichtsdestotrotz bleibt die Frage bestehen, inwieweit das Buch tatsächlich für die eigentliche Zielgruppe geeignet ist. Sicherlich sollte in sämtlicher Hinsicht Aufklärung betrieben werden, sogenannte Tabuthemen sollten der Vergangenheit angehören. Aber wie sieht es in der Realität aus? Kann ein 10-jähriges Kind wahrhaftig die gesamte Tragweite der Geschichte nachvollziehen, ohne weiterführende Erklärungen? Die Botschaft, zu sich selbst zu stehen und (auch) anderen Respekt und Akzeptanz entgegen zu bringen, egal welche Thematik betreffend, ist natürlich einleuchtend und eindeutig. Vermutlich muss, wie so häufig, individuell entschieden werden, ob ein junger Leser mit „George“ bereits zurecht kommt oder (noch) überfordert ist.

Obwohl durchaus Problematiken betrachtet werden, so scheint es doch im Großen und Ganzen, als liefe für George alles glatt. Zu glatt? Auch wenn man es ihr und Menschen, die sich in ebensolcher oder ähnlicher Situation befinden, wünschen würde, kann man sich kaum vorstellen, dass nicht noch einige Hürden mehr gemeistert werden müssten. Die Realitätsnähe wirklich einschätzen kann aber im Grunde nur jemand, der ähnliches durchmacht oder durchgemacht hat.

Trotz kleinerer Kritikpunkte lässt „George“ sich leicht lesen und dringt in die Köpfe von Jung und Alt ein, so dass ein nachhaltiger Eindruck entsteht, der möglicherweise zum (Um)Denken anregt.


Weitere erhältliche Ausgaben:

   EBOOK  

HÖRBUCH

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