Samstag, 9. Juli 2016

[REZENSION] Glits


Redakteur: Julia Ehrenberg

Titel: Glits (OT: Glits)
Autor: Robert Wolfe
Übersetzer: Thorsten Nötges
Verlag: Thienemann
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 13 Jahren
Ausführung: Broschiert, 288 Seiten




Autor:
Robert Wolfe wurde 1967 in Sydney geboren und lebte in England und Schottland, bevor er mit sieben Jahren nach Holland zog. Er hat Wirtschaft und Internationale Beziehungen studiert, ist um die Welt gereist und hat schon in London und Polen gearbeitet. Wieder in Australien machte er den privaten Flugschein. 1999 kehrte er in die Niederlande zurück, wo er momentan als Lehrer für Improvisationstheater arbeitet.



GLITS

Die Aufregung bei der niederländischen Sicherheitsbehörde ist groß, als plötzlich aus dem Nichts ein Wesen auftaucht, das seltsame Geräusche von sich gibt. Was ist das bloß? Es ist kein Mensch und kein Tier, soviel ist klar. Aber was ist es, was will es und ist es eine Bedrohung? Es gibt Leute in der Behörde, die wollen es gleich beseitigen. Und doch entschließt man sich, der Sache auf den Grund zu gehen.

Auf dem Display erschien eine weiße Gestalt auf einem Stuhl in einem ansonsten leeren Raum. Zuerst wirkte das Wesen wie ein Zwerg in einem weißen Anzug. Die Kamera zoomte heran, und es sah eher wie ein weißgeschminkter Clown aus, dem die Farbe verlaufen war. Es hatte einen Rumpf, einen Kopf und Gliedmaßen wie ein Mensch, aber die Proportionen stimmten nicht wirklich.
Langsam kam das Gesicht ins Bild. Die Kamera hatte Mühe, scharf zu stellen, denn es schien aus einem durchsichtigen Gelee zu bestehen, das konstant in Bewegung war. (S. 15)

Das fremde Wesen sieht nicht nur seltsam aus, nein, es gibt auch seltsame Töne von sich. Eine Art Summen, faszinierend und hypnotisierend zugleich. Doch was sollen diese Töne bedeuten? Warum verstehen auch die größten Sprachexperten das Wesen nicht? Als der Sicherheitsdienst beschließt, die Öffentlichkeit einzuschalten und die Klänge des Wesens im Fernsehen abspielt, erleben die Experten eine Überraschung. Eigentlich hatte keiner an einen Erfolg geglaubt, doch es gibt tatsächlich Menschen, die das Wesen verstehen. Einige 14- und 15jährige Jugendliche hören alle den gleichen Satz: „Kann ich bitte einen Bleistift?“. Auch Außenseiter Jay versteht das Wesen, und so beginnt für ihn die seltsamste Zeit seines Lebens. Zusammen mit Rachel, einem verschlossenen gereizten Mädchen, und zwei weiteren Jugendlichen soll er für die Behörde übersetzen, was das Glits (so nennen die Jugendlichen das seltsame Wesen) sagt. Und schnell ergibt sich eine ganz besondere Bindung zwischen dem Glits und den Jugendlichen. Man kann es nicht in Worte fassen, aber das Glits strahlt etwas aus. Es verändert die Menschen, die mit ihm zu tun haben, die sich auf es einlassen. Vor allem Jay und Rachel sind vom Glits fasziniert. Und als die Behörden es beseitigen wollen, beginnt eine aberwitzige Flucht. Eine Flucht, die vor allem in sie selbst führt.

Glits ist ein besonderes Buch. Schon von außen erkennt man, dass es wohl anders sein wird als die meisten Bücher. Das Cover ist seltsam orange mit einem Pinkstich, grell und schlicht. In großen silbernen Lettern steht auf dem Cover das Wort GLITS, ansonsten findet man nur noch den Namen des Autors, umgeben von Strichen, die einem das Gefühl geben, dass die Schrift verschwimmt, dass man nicht mehr richtig sehen kann. Ein Cover, das auffallen soll, manche potentiellen Leser aber sicher auch abschreckt.

Auch innen ist das Buch etwas Besonderes. Die Geschichte ist abgefahren und extrem abstrus. Sie ist kein bisschen realistisch und man kann sie sich auch nur schwer vorstellen. Trotzdem ist sie unglaublich faszinierend. Der Schreibstil ist geprägt von kurzen Sätzen, die den Leser in ihren Sog ziehen. Sie üben eine Faszination auf die Leser aus, die sich darauf einlassen können. Schafft man es, in der Geschichte zu versinken, dann folgt man gespannt dem Weg von Rachel und Jay. Beide sind nicht besonders sympathisch, beide sind nicht perfekt. Aber perfekt ist auch keine der anderen Figuren, höchstens der Glits. Das macht aber gar nichts, dass die jugendlichen Hauptpersonen des Buches unglaublich viele Schwächen haben. Das macht es nicht weniger spannend und faszinierend, sie auf ihrem Weg zu begleiten, einen Weg, der vor allem zu ihnen selbst führt. Ein Weg, der unglaubwürdig und unrealistisch ist, der aber gleichzeitig viele wahre Botschaften vermittelt und zum Nachdenken anregt. Das Buch führt vor Augen, wie die Menschheit lebt und agiert. Die Erwachsenen des Buches handeln recht vorhersehbar, und das leider nicht im positiven Sinne. Sie denken nicht nach, glauben nur, was sie sich erklären können, wollen andere Sachen nicht wahrhaben oder zulassen.

Glits ist ein Buch, auf das sich sicher nicht jeder einlassen kann. Aber wer abstruse Geschichten mag, der sollte Jay und Rachel auf ihrer Reise zu sich selbst begleiten und sich dabei auch selbst ein wenig kennenlernen. Ein besonderes Buch, das diejenigen, die es schaffen, sich darauf einzulassen, zum Nachdenken anregt. Ein Buch, das viele hassen und manche lieben werden. Man sollte ihm eine Chance geben!

Kommentare:

  1. Huhu,

    hm, also ich glaube diesen, durchaus ungewöhnlichen Roman habe ich auch gelesen. Aber mein Cover war eindeutig rot...

    Diese Wesen, die plötzlich aufgetaucht sind.

    Ist das jetzt ein anderer Roman oder wurde das Cover jetzt nur anderster gestaltet...

    LG..Karin...

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    1. Dass das Cover online in der falschen Farbe angezeigt wird, habe ich nun oft gehört. Schon seltsam...

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