Montag, 4. Juli 2016

[REZENSION] Für immer in deinem Herzen

Redakteur: Christiane Demuth (14.06.2016)

Titel: Für immer in deinem Herzen (OT: The Charm Bracelet)
Autor: Viola Shipman
Übersetzer: Anita Nirschl
Verlag: Fischer
Reihe: -/-
Ausführung: Broschur, 384 Seiten



Autor:
Viola Shipman arbeitet regelmäßig für People.com, Entertainment Weekly und Coastal Living sowie öffentliche Rundfunkprogramme. Sie schreibt im Sommer in einem Ferienort, inspiriert von der grandiosen Kulisse des Michigansees. Das Armband ihrer eigenen Großmutter brachte sie auf die Idee zu diesem Roman.


FÜR IMMER IN DEINEM HERZEN

Viel zu lange war Arden fort, nicht einmal den Sommer hat sie in den letzten Jahren bei ihrer Mutter, in ihrem Heimatort, verbracht. Als sie nun spürt, dass ihre Mutter Lolly beginnt, Dinge zu vergessen, schnappt sie sich ihre Tochter Lauren, nimmt Urlaub und fährt zum Lost Land Lake. Sofort prasseln die Erinnerungen auf sie ein, alte wie neue Eindrücke, die erst einmal verdaut werden müssen. Derweil schwelgt Lolly in Geschichten von früher und von ihrem Bettelarmband, denn jeder einzelne Anhänger erzählt eine wundervolle Geschichte...

Erinnerungen sind etwas wunderbares, egal, ob sie lustige, traurige, peinliche oder einfach nur alltägliche Geschichten erzählen. Durch sie bleibt jeder Augenblick einzigartig und jeder Mensch lebendig. Man muss nicht unbedingt für jede Erzählung einen physischen Gegenstand besitzen, so wie es bei Lollys Anhängern der Fall ist, die schönsten Bilder hat man im Kopf und überhaupt bleibt alles fest im Herzen verankert, wenn man es nur zulässt.

Gefühle zulassen und Ängste überwinden sind ebenfalls Themen, mit denen vor allem Arden zu kämpfen hat. Jeder wird Situationen kennen, in denen das eine oder das andere gefordert war, entsprechend gut kann man sich in ihre Person hineinversetzen und würde ihr manches Mal ebenso gerne einen kleinen Stups in die richtige Richtung geben. Der Weg ist bereits geebnet, sie muss ihn nur noch erkennen und bereit sein diesen auch zu gehen. Gebannt verfolgt man die Entwicklung ihrer Figur, die natürlich nicht ohne Rückschläge auskommt, aber gerade dadurch wirkt die Geschichte authentisch.

Überhaupt geht man gerne mit den drei Generationen auf Spurensuche, nicht nur in der Vergangenheit. Denn auch die Gegenwart hat einiges zu bieten, wie sich immer wieder zeigt, häufig verwischen die Grenzen sogar. Die Erlebnisse der Frauen könnten manches Mal unterschiedlicher nicht sein, und doch verbindet sie dieselbe Emotion. Der Leser ist nah am Geschehen und ebenso emotional stark dabei, die Gefühle strömen nur so aus der Geschichte und laden die Atmosphäre spürbar auf. Dennoch hat man nicht den Eindruck gefangen in Erinnerungen zu sein, sondern ganz besondere Wege verfolgen zu dürfen, die eigentlich für einen intimeren Kreis bestimmt sind.

„Für immer in deinem Herzen“ berührt den Leser von der ersten Seite an und regt gleichzeitig zum Nachdenken über das eigene Leben, Denken, Fühlen und Handeln an.



Redakteur: Julia Ehrenberg

Lolly lebt schon ihr ganzes Leben lang am Lost Land Lake. Hier hat sie viel erlebt, viele glückliche Erinnerungen gesammelt und einige Schicksalsschläge überstanden. Immer begleitet wurde sie dabei von ihrem Bettelarmband. Jeder der Anhänger hat eine Geschichte, eine Botschaft. Und die würde sie gerne an ihre Tochter Arden und Enkelin Lauren weitergeben. Doch die haben sie schon lange nicht mehr besucht. Arden wollte die Kleinstadt ihrer Kindheit immer nur hinter sich lassen und hat sich in einem stressigen Job, in dem ihre Arbeit nicht geschätzt wird, selbst verloren. Lauren studiert, aber nicht Kunst, wie sie eigentlich möchte. Richtig glücklich sind beide nicht, aber vor allem Arden merkt das erst, als sie ihre Mutter besucht.
Lolly beginnt, ihnen die Geschichten ihres Lebens zu erzählen und auf einmal lernen sich die drei Frauen viel besser kennen und verstehen. Ihr Leben beginnt sich zu verändern.

Das Buch ist eingeteilt in Abschnitte, die aus mehreren Kapiteln bestehen und sich jeweils um einen Anhänger von Lollys Bettelarmband drehen. In diesen Abschnitten erfährt man die Geschichte des Anhängers, bekommt also Rückblicke zu lesen, aber es passiert auch einiges im hier und jetzt.

Das ganze Buch ist voller Weisheiten, vollgepackt mit emotionalen und wunderschönen Geschichten. Es regt zum Nachdenken über das Leben und sich selbst an. Es ist eine Geschichte zum darin Versinken. Ich habe sie ganz langsam gelesen, genossen, wollte nicht fertig werden. Ich hatte so viel Freude daran, die Frauen der Familie Lindsey zu begleiten. Ich fand wirklich alle Teile des Buches gut. Die Gegenwart, die die Frauen vor ganz neue Probleme stellt, habe ich gespannt verfolgt. Aber besonders genossen habe ich die vielen Rückblicke, die geschickt in das Buch eingewoben wurden. Man hat einen kompletten Rundumblick auf die Familiengeschichte bekommen, hat etwas über Lollys Vorfahren, über ihre Kindheit aber auch über Ardens Kindheit erfahren. Und so lernt man die Frauen im Laufe des Buches immer besser kennen und verstehen und schließt sie in sein Herz.
Lolly erobert die Herzen sowieso sehr schnell, ist sie doch eine lebenslustige Frau, die im örtlichen Süßwarenladen im Schaufenster Fudges herstellt und stündlich die Touristen mit Showeinlagen unterhält. Aber auch die unnahbare Arden lernt man über die Rückblicke besser kennen und kann so verstehen, warum sie so wurde, wie sie ist.

Das Buch ist mein bisheriges Jahreshighlight und ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen, der Geschichten über Freundschaften mag. Es ist ein wunderschönes Buch, das einen zum Lachen und zum Weinen bringt und das mich tief bewegt hat. Ich werde noch lange an das Buch zurückdenken und es gehört zu den wenigen Büchern, die ich gerne noch einmal lesen möchte.

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