Sonntag, 22. Mai 2016

[REZENSION] Amrum sehen und sterben

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Amrum sehen und sterben
Autor: Dagmar Fohl
Übersetzer: -/-
Verlag: Gmeiner Digital
Reihe: -/-
Ausführung: eBook, 31 Seiten



Autor:
Dagmar Fohl absolvierte ein Studium der Geschichte und Romanistik in Hamburg und arbeitete mehrere Jahre als Kulturmanagerin. Heute lebt sie als freie Autorin in Hamburg und schreibt Romane über Menschen in Grenzsituationen. Psychologisch fundiert zeichnet sie die Seelenzustände ihrer Protagonisten mit ihren Lebens- und Gewissenkonflikten und beleuchtet gleichzeitig die gesellschaftlichen Verhältnisse und Probleme der jeweiligen Epoche.


AMRUM SEHEN UND STERBEN

Amrum, wie auch andere Inseln und Orte am Meer im Allgemeinen, Idylle pur. Weite Landschaften, die raue See, Ruhe und Entspannung... oder etwa doch nicht? Anna Andersen gönnt sich jährlich mehrere Tage Auszeit auf der schönen Insel und macht schon im Zug nach Dagebüll regelmäßig Begegnungen mit Menschen, die ebenfalls in diese Richtung unterwegs sind. Doch ihre Reisebekanntschaften können mitunter mehr als nur nervenaufreibend sein. Als sie eine solche auf der Insel wiedertrifft und es zu einem tödlichen Zwischenfall kommt, glaubt Anna nicht an Zufall. Doch kann es wirklich sein, dass sie die Menschen, denen sie begegnet, ins Verderben schickt? Oder ist doch alles ganz harmlos?

„In der Kürze liegt die Würze“, besagt schon ein altes Sprichwort. Doch ist es mitunter schwierig sich kurz zu fassen und doch alle relevanten Informationen zu liefern, die der Gegenüber benötigt. Was schon in der persönlichen Kommunikation so manch einen an die Grenzen bringt, wird sicherlich nicht leichter, wenn man es verschriftlicht und eine Kurzgeschichte beziehungsweise einen Kurzroman entwirft. Immer muss überlegt werden, wie bestimmte Sätze beim Leser ankommen könnten und ob Zusammenhänge tatsächlich konkret sichtbar sind, wenn sie es sein sollen. Oder schiebt man doch lieber noch einen erklärenden Satz ein? Überlegungen, die zwangsläufig dazu führen, dass man sich fragt, ob es in diesem Punkt nicht „einfacher“ ist, ein umfangreicheres Werk abzuliefern.

Dagmar Fohl hat sich für die kurze Variante entschieden und macht dabei eine gute Figur. Der Ort des Geschehens, Amrum, ist bereits eine gute Wahl, verbindet man doch gemeinhin mit diesen Gefilden Einsamkeit, Ruhe und Entspannung, schwerlich vorzustellen, dass es zu Verbrechen kommen könnte. Und überhaupt, davon wird auch eigentlich gar nicht konkret gesprochen. Vielmehr ist es so, dass es zahlreiche Andeutungen gibt, die der Leser in seinem Kopf sortiert und eigene Interpretationen anstellt. Doch ist man sich nicht schlüssig darüber, ob die dargestellten Geschehnisse tatsächlich stattgefunden haben, oder ob es sich um ausgedachte Ereignisse seitens der Ich-Erzählerin handelt. Und doch ist man gewillt dem auf den Grund zu gehen, schließlich muss es doch irgendwo einen Hinweis darauf geben was sich wirklich um und auf Amrum abspielt.

Gekonnt zieht die Autorin den Leser in den Bann und wartet mit einer Geschichte auf, die nicht nur Kürze, sondern auch Würze hat.


Hinweis: Bei diesem Titel handelt es sich um ein eBook Only aus dem Gmeiner-Verlag, d.h. es liegt zur Zeit nur in digitaler Form vor.

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