Mittwoch, 9. März 2016

[REZENSION] Silent Scream

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Silent Scream (OT: Silent Scream)
Autor: Angela Marsons
Übersetzer: Elvira Willems
Verlag: Piper
Reihe: Kim Stone 1
Ausführung: Broschur, 464 Seiten



Autor:
Angela Marsons ist im Black Country, einer von Bergbau und Industrie geprägten Region Englands, geboren und aufgewachsen. Mit ihrer Partnerin lebt sie auch heute noch dort. Sie arbeitete lange Jahre in der Sicherheitsbranche, schreibt seit ihrer Jugend und veröffentliche mehrere erfolgreiche Kurzgeschichten. Mit »Silent Scream« legte Angela Marsons ihr beeindruckendes Krimidebüt vor, "Evil Games" ist der zweite Band dieser Krimireihe.


SILENT SCREAM

Als DI Kim Stone zu einem neuen Fall gerufen wird, ahnt sie noch nicht was sich daraus entwickeln wird. Doch schon bald gibt es ein zweites Opfer, das in Verbindung zu der ersten Leiche stand. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist klar, dass mit weiteren Taten zu rechnen ist, wenn die Ermittler den Fall nicht schnellstmöglich aufklären. Hinzu kommt die Suche nach dem Motiv, dass sich vermutlich in der Vergangenheit befindet. Während der Nachforschungen stößt Kim Stone nicht nur auf Unglaubliches, sondern mitunter an ihre Grenzen, denn auch ihre eigenen Erinnerungen treiben mehr und mehr an die Oberfläche...

Ein knapp zwei Meter hoher Zaun bildete eine ordentliche Eingrenzung um das Gebäude und schützte das Erdgeschoss vor Einblicken. Kim schaute nach Westen und schüttelte den Kopf. Wie tröstlich für die Kinder, die verlassen, missbraucht und vernachlässigt worden waren, dass sie aus dem Fenster auf ein Gräberfeld schauen konnten. (S. 98f.)

Der Prolog beschreibt in all seiner Kürze ein ungeheuerliche Tat, der der Leser beiwohnt, allerdings ohne zu ahnen, wer die Protagonisten sind und worum genau es eigentlich geht. Doch sollte man das dort dargestellte Ereignis immer mal wieder präsent halten, denn im weiteren Verlauf gibt es Hinweise auf den konkreten Hergang der Geschehnisse.

Angela Marsons pflegt einen flüssigen und wahrlich angenehmen Schreibstil, der den Leser schnell einfängt und in seinen Bann zieht. Im Zusammenspiel mit dem Inhalt ergibt sich somit eine spannungsgeladene Atmosphäre, der man sich kaum mehr entziehen kann. Auch wenn sich mit der Zeit mehr Fragen ergeben als Antworten auftauchen, ist man gewillt, dem Rätsel weiter auf den Grund zu gehen, ungeheuerliche Funde bestätigen die Annahme, dass etwas Schreckliches vorgefallen ist und über einen langen Zeitraum vertuscht wurde. Gleichwohl müssen die Zeichen richtig gedeutet werden, doch an der Seite von Kim Stone ist der Leser absolut zuversichtlich das gesamte Ausmaß des Geschehens aufdecken zu können.

Er beugte sich vor und durchbohrte sie mit seinem Blick. „Im Moment nicht, aber irgendwann wird all das Negative Sie beeinträchtigen, und dann funktionieren Sie nicht mehr.“
Das bezweifelte Kim. Es war einfach ihre Art, mit Dingen umzugehen. Das Schlechte wurde in Schachteln gepackt und versiegelt. Der Trick war, diese Schachteln niemals zu öffnen, und die einzige Frage, die sich ihr stellte, war die, warum nicht mehr Leute das so machten. (S. 272)

Mit der Zeit erfährt man immer mehr private Details aus dem Leben der Ermittlerin und kann somit noch besser nachvollziehen, warum ihr gerade dieser Fall so am Herzen liegt. Sie bedient sich mitunter unkonventioneller Methoden, für die man jedoch ebenfalls Verständnis hat, manchmal ist es eben notwendig auf seinen Bauch zu hören, langwierige Dienstwege, obwohl es sie natürlich nicht ohne Grund gibt, wirken manches Mal einfach störend. Kim Stone ist kein Übermensch und wird auch nicht als solcher dargestellt, vermutlich baut der Leser dadurch von Anfang an eine gewisse Bindung zu ihr auf, die bis zum Schluss nicht abreißt.

Die Beschreibungen sind authentisch und realitätsnah, so dass man kaum zu sagen vermag, ob es sich wirklich um reine Fiktion handelt. Bis zum Schluss hat man nahezu jeden verdächtigt der Täter zu sein und ebenso viele Motive gesponnen, doch auf die wahrhaftige Auflösung war man so nicht gefasst. Hier zeigt sich wieder einmal, dass bei Weitem nicht alles ist wie es auf den ersten Blick scheint und mit allem gerechnet werden muss. Eine absolut unberechenbare Lektüre und genau deswegen empfehlenswert.

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