Montag, 14. März 2016

[REZENSION] Nahtod

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Nahtod
Autor: J.J. Preyer
Übersetzer: -/-
Verlag: Gmeiner
Reihe: Christian Wolf 3
Ausführung: Taschenbuch, 273 Seiten



Autor:
J. J. Preyer lebt und schreibt im österreichischen Steyr. Er studierte in Wien Germanistik und Anglistik. 1996 gründete er einen Verlag, in dem er vor allem Kriminalromane C. H. Guenters und literarische Texte Steyrer Autoren herausgab. In den letzten Jahren veröffentlichte J. J. Preyer eine Vielzahl von Kriminalromanen bei deutschen und österreichischen Verlagen, darunter auch Beiträge zur Serie »Jerry Cotton«.


NAHTOD

Mehr aus Pflichtbewusstsein denn tatsächlichem Interesse begleitet Chefinspektor Viktor Grimm seinen Freund zur Lesung Nora Furtners, deren Roman ihn interessiert, aber auch verstört zurücklässt. Als das Ehepaar Furtner kurz hintereinander zu Tode kommt und sich eine tiefere Verbindung zu Grimms Freund David abzeichnet, lässt der Chefinspektor sich vorsorglich beurlauben und taucht ab. Journalist Christian Wolf ist nicht nur daran gelegen Viktor Grimm zurückzuholen, sondern auch den Fall zu lösen, egal welche Enthüllungen dieser bereithalten wird...

Wolf, der die Chance erkannt hatte, die die Beurlaubung des Polizisten für die Lösung des Mordfalles bedeutete, versuchte es mit einer plumpen List, indem er meinte: „Also, würde man mich fragen, welche Spuren man verfolgen sollte … Aber mich fragt ja niemand.“ (S. 100)

„Nahtod“ ist der dritte Fall für den Journalisten Christian Wolf und seinen guten Freund Viktor Grimm, Chefinspektor der Steyrer Polizei. Wer bereits einen oder beide Vorgänger gelesen hat, weiß ob der Besonderheit der Sprache, die hier gewählt wird. Eine eher melancholische Grundstimmung untermalt gekonnt das Geschehen, dem es dennoch nicht an Spannung fehlt. Vielmehr besinnt der Leser sich auf Grund der Basis immer wieder der Ruhe und Entspannung, die notwendig sind, um seine Gedanken zu ordnen. Denn nur dann ist es möglich den wahren Tathergang zu rekonstruieren und den Täter zu stellen.

Ein wichtiger Aspekt sind immer auch die Charaktere und ihr Leben. Man taucht regelrecht ein in eine Gemeinschaft, die sich mitunter selbst gerade erst besser kennenlernt. So bekommt man einen tieferen Einblick in die Denkweise der Protagonisten, wie es ansonsten selten der Fall ist. Ob man sich mit einzelnen Figuren identifizieren kann sei dahingestellt, nichtsdestotrotz ergeben sich durch die Zusammenkünfte und Ermittlungsansätze der Gruppe diverse Hinweise, bei denen es sich durchaus lohnt einmal genauer hinzuschauen und der ein oder anderen Spur zu folgen.

„Sie befürchten weitere Gewalttaten?“
David Gründler nickte stumm, dann sagte er: „Ich schätze Viktor außerordentlich, auch als Polizisten. Seine Stärke ist das Forschen, das Sammeln und die innere Ruhe, mit der er gewissen Entwicklungen begegnet. In diesem Fall jedoch ist schnelles, mutiges Handeln vonnöten, und ich fürchte, das gehört nicht zu seinen Stärken. […]“ (S. 192)

Die Spannung entwickelt sich, passend zur Atmosphäre, eher gemächlich, aber dennoch stetig. Zwar kommt man ziemlich rasch einer Ahnung näher, wie sich alles abgespielt haben könnte, es fehlen allerdings noch einige Erkenntnisse im Hinblick auf das Motiv, so dass man im Grunde eher von einem Bauchgefühl denn einem tatsächlich begründetem Verdacht sprechen sollte. Auch wenn so manches Ereignis vorhersehbar erscheint, ist man doch häufig überrascht ob der Wendungen, die sich hin und wieder anschleichen und einen überrumpeln.

J. J. Preyer hat mit Christian Wolf und Viktor Grimm ein Gespann erschaffen, das man gerne noch während weiterer Fälle begleiten möchte.


Reiheninfo:
Band 1: Mörderseele
Band 2: Hassmord

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