Sonntag, 20. März 2016

[REZENSION] Heringsmord

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Heringsmord
Autor: Sina Beerwald
Übersetzer: -/-
Verlag: Emons
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 192 Seiten



Autor:
Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, wanderte vor acht Jahren mit zwei Koffern und vielen kriminellen Ideen im Gepäck auf die Insel Sylt aus und lebt dort seither als freie Autorin. Seitdem sind sieben erfolgreiche Romane und der Erlebnisführer »111 Orte auf Sylt, die man gesehen haben muss« erschienen. Sie ist Preisträgerin des NordMordAward und des Samiel Award.
Mehr unter: www.sina-beerwald.de


HERINGSMORD

Frieda und Ernst Schmälzle wollen sich eigentlich nur ihren lang gehegten Traum, ihr Rentnerdasein auf Sylt zu verleben, erfüllen. Doch als sie sich auf dem Kampener Campingplatz wieder- und einfinden, scheint sich eine Krise anzubahnen, die sie in über 40 Ehejahren noch nicht erlebt haben. Plötzlich wird ein Platznachbar ermordet und Frieda fürchtet, ihr Ernst könne der Täter sein, möglicherweise sogar sie selbst. Daher tut sie alles in ihrer Macht stehende, um die Vorkommnisse zu vertuschen und sucht nach Spuren, die zur Entlastung beitragen können...

Wer träumt nicht von einem kleinen Häuschen auf Sylt, ob als zwischenzeitlichen Rückzugsort oder Dauerdomizil? Entsprechend gut kann man sich in die Gedankengänge des Ehepaars Schmälzle hineinversetzen, wenn es um Für und Wider und vor allem die Kostenfrage geht. Ob nun schlussendlich bei jedem die Entscheidung auf ein Wohnmobil fällt sei dahingestellt, Fakt ist jedoch, dass es auf dem Campingplatz allerhand zu erleben gibt.

Die Geschichte braucht ein wenig Zeit, um Fahrt aufzunehmen, ihr liegt zunächst eine Gemütlichkeit zugrunde, die allerdings schon darauf hindeutet, dass es sich hierbei nur um die Ruhe vor dem Sturm handelt. Am liebsten würde man das Ehepaar packen und ordentlich schütteln, damit sie einmal Klartext miteinander reden, doch käme man dann nicht in den Genuss der wahnwitzigen Ermittlungen. Erzählt wird das Geschehen abwechselnd aus der Sicht von Frieda und Ernst. So hat man einerseits die Möglichkeit ein- und dieselbe Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, andererseits aber auch an zwei Orten gleichzeitig zu sein, da das Ehepaar zwangsläufig nicht immer gemeinsam unterwegs ist.

Als es zu dem tödlichen Vorfall kommt, glaubt der Leser nicht, dass Ernst der Täter ist, diese Annahme wäre doch viel zu durchschaubar. Oder etwa doch nicht? Durch geschickt platzierte manipulative Elemente wird der Leser plötzlich unsicher und ist gar nicht mehr so hundertprozentig überzeugt von seiner Unschuld. Daher versucht man zusammen mit Frieda herauszufinden was wirklich geschehen ist, bevor die Polizei oder gar die Mit-Camper Wind von der Sache bekommen.

Es liegt eine gesunde Mischung von Humor, Tragik und Spannung vor, die ein paar Stunden Lesevergnügen mit Rätselanteil verspricht. Die ein oder andere Situation mag vorhersehbar sein, andere dafür umso überraschender, auch diese Anteile sind gut ausgewogen. Vor allem die finale Auflösung birgt noch das ein oder andere Geheimnis. Und vielleicht gibt es ja noch mehr vom Ehepaar Schmälzle zu lesen...

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