Freitag, 19. Februar 2016

[REZENSION] Digby #01

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Digby #01 (OT: Trouble is a Friend of Mine)
Autor: Stephanie Tromly
Übersetzer: Sylke Hachmeister
Verlag: Oetinger
Reihe: Digby 1
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 368 Seiten



Autor:
Stephanie Tromly wurde in Manila geboren, wuchs in Hongkong auf und war nach ihrem Universitätsabschluss als Drehbuchautorin in Los Angeles tätig. „Digby“ ist ihr Debüt als Autorin.


DIGBY #01

Zoe ist neu auf der Schule, Anschluss zu finden oder gar neue Freunde fällt ihr schwer. Doch eigentlich will sie das auch gar nicht, denn sie möchte schnellstmöglich zu ihrem Dad ziehen, um der staatlichen Schule zu entfliehen. Mit Digby allerdings hat sie nicht gerechnet. Er taucht ständig auf und spannt Zoe für die unmöglichsten Dinge ein, die ihr nicht einmal im Traum eingefallen wären. Er will endlich erfahren was vor fast einem Jahrzehnt mit seiner Schwester geschehen ist, als diese entführt wurde. Zoe und Digby schlittern von einer gefährlichen Situation in die nächste und legen sich dabei mit Typen an, mit denen nicht zu spaßen ist...

„Aber du bist neu – sie wissen noch nicht, was für eine du bist. Für dich gibt es noch Hoffnung“, sagte er. „Ich? Ich bin eine bekannte Größe. So was wie ein Unberührbarer. Da können meine coolen Tricks mich auch nicht mehr retten.“
„Werde ich nicht auch zu einer Unberührbaren, wenn ich mit dir abhänge?“
„Der Stress, den die Leute in dieser Stadt mit mir haben, ist ziemlich speziell. Ich glaub nicht, dass das ansteckend ist.“ (S. 50)

Digby ist nicht nur speziell, er ist beinahe undurchschaubar. Er lässt Zoe und den Leser ganz bewusst nur einen Teil seiner Persönlichkeit sehen und wählt aus welche Aspekte das sind. Entsprechend kann man sich seines Handelns nie sicher sein und muss mit allem rechnen wie sich schnell zeigt. Gleichzeitig hat er eine Art an sich, die anziehend wirkt und nicht zulässt, dass man sich seinem Einfluss entzieht. Irgendwie scheint es teilweise als wüsste er genau was er tut, andere Male scheint mehr als nur ein bisschen Glück im Spiel zu sein. Da Zoe die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt fühlt der Leser sich als wäre er hautnah dabei. Die Darstellungen sind authentisch und lebendig, und egal wie abwegig sie auf den ersten Blick erscheinen, man kann sich dennoch gut vorstellen wie die Protagonisten sich in den jeweiligen Situationen fühlen.

Auch wenn Digbys Bemühungen teilweise recht unkoordiniert wirken, verfolgt er einen konkretes Ziel, dass sich erst mit der Zeit abzeichnet und infolgedessen so manche Aktion in einem anderen Licht erstrahlen lässt. Auf Grund dessen, dass man sich nie sicher sein kann was als nächstes kommt, ist das Überraschungsmoment definitiv auf Digbys Seite und innerhalb der Erzählung entsprechend häufig vorhanden. Diese unvorhergesehenen Wendungen tragen dazu bei, dass die Spannung enorm ansteigt, von der ersten bis zur letzten Seite.

„Wir haben ungefähr drei Minuten Zeit zum Suchen“, sagte Digby.
„Wie willst du einen leeren Raum durchsuchen?“, sagte ich.
„Völlig leer ist er nicht. Das hier lag unten im Wandschrank.“ Digby hielt ein einzelnes geröstetes Maiskorn hoch und schnupperte daran.
„Nacho-Geschmack.“
„Du willst es essen, hab ich recht?“, sagte ich. (S. 178)

Mit viel Humor, ohne jedoch albern zu werden, wird die Geschichte aufgelockert, die eigentlich mehr als nur ein ernstes Thema behandelt. Manchmal kann man sich vor Lachen kaum noch auf dem Stuhl halten, niemals jedoch wird das eigentliche Ziel aus den Augen verloren. Mit den Protagonisten wird man ziemlich schnell warm, wodurch sich eine emotionale Bindung ergibt, von der man glaubt, dass sie schon jahrelang bestünde.

Bis zum Schluss kann man sich des Ausgangs nicht sicher sein, und das soll man auch gar nicht. Denn es ist noch lange nicht vorbei...




Redakteur: Anette Leister

Digby #01 ist der rasante Auftakt einer Mischung aus Young Sherlock Holmes und Bridget Jones - wobei Digby beide Personen und noch ganz andere Facetten in sich vereint ;)

Psychisch labil, immer mit einem Arsenal Tabletten ausgestattet und auf der Suche nach potentiellen Mitstreitern kürt er sich Zoe als Ermittlerin aus, die neu auf seiner Schule landet und anscheinend einiger seiner Probleme teilt. Aber egal, ob man sich Digby mitteilen möchte oder nicht... einmal mitgehangen ist mitgefangen, und so findet so Zoe bald wieder zwischen Strafarbeiten, Polizeigewahrsam, einer mysteriösen Sekte und neuen - schrägen - Freunden. Der rote Faden der Geschichte ist Digbys vor Jahren entführte vierjährige Schwester und ein Teenager, der ebenfalls vor ein paar Jahren verschwunden ist. Das rasante Erzähltempo erreicht die Autorin durch die vielschichtigen Charaktere, deren familiären Problemen, wie die weiteren kleineren und größeren Vergehen, die Hand in Hand in den Erführungsfällen mitgehen.

Setting und Figurenausarbeitung haben mich begeistert, Geschwindigkeit und Verwirrung der Handlung hingegen wurden mir irgendwann zu viel... So schwanke ich hin und her in der Bewertung von erfrischenden interessanten Personen, die die Handlung tragen, und Handlungssträngen, die teilweise zu einer heillosen Überladung des Ganzen geführt haben. Wer die klassischen Ermittlungsmethoden des Sherlock Holmes in einem ganz neuen Gewand erkunden möchte, sollte zu Digby greifen, wer die Ermittlungen in Ruhe und altertümlicher Besinnlichkeit durchführen möchte, bleibt lieber dem klassischen Ermittler treu.

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