Montag, 31. August 2015

[REZENSION] School's out - Jetzt fängt das Leben an!

Redakteur: Anette Leister

Titel: School's out - Jetzt fängt das Leben an!
Autor: Karolin Kolbe
Verlag: Thienemann
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: 13-16 Jahre
Ausführung: Taschenbuch, 304 Seiten



Autor:
Karolin Kolbe, 1993 in Kassel geboren, denkt sich Geschichten aus, seitdem sie Kassetten aufnehmen und Buntstifte halten kann. Mit der Grundschulzeit begann das Aufschreiben und lässt sie nun nicht mehr los. Nach ihrem Abitur zog sie für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr nach Berlin, wo sie nun studiert. Die Autorin liebt interessante Menschen, gute Gespräche, spannende Bücher und Filme, bunte Farben, blühende Natur und die Sonne.
www.karolin-kolbe.de


SCHOOL'S OUT - JETZT FÄNGT DAS LEBEN AN!

Aus Puzzleteilen ihrer eigenen Erlebnisse und denen ihrer Freundinnen im ersten Jahr nach dem Abitur hat Karolin Kolbe mit "School's Out!" einen Jugendroman geschrieben, der vier Geschichten in einer vereinigt.
Die Geschichte beginnt mit einem Wiedersehen in Lottes Garten, wo sich vor genau einem Jahr die Freundinnen Anni, Marlene, Clara und Lotte getroffen hatten bevor sie für ein ganzes Jahr in alle Windrichtungen verstreut ihr erstes Jahr nach dem Schulabschluss verbringen.

"Jetzt aber ran an die Gläser!", forderte Clara und die vier griffen danach.
"Auf uns!", rief Anni. "Und auf das nächste Jahr." (S.10)

Clara und Marlene bleiben in Deutschland, Lotte zieht es auf den Bauernhof ihres Vaters in den Niederlanden, während Anni mit dem Ziel Malaysia die größte Veränderung bezüglich Kultur macht und sich in ein richtiges Abenteuer stürzt. Doch auch, wenn sich die Vorhaben der anderen drei zunächst nicht ganz so abenteuerlich wie Annis Plan anhören, stoßen auch die auf Schwierigkeiten und Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen und die sie teilweise vor ihren Eltern und Familien zu rechtfertigen haben: Clara absolviert ein FSJ in Berlin und lernt dort viele neue Lebensansichten kennen, die sich nachdrücklich auf ihren eigenen Lebensstil auswirken, zudem muss sie noch ihren Berufsweg ins Leben finden. Lotte steht zwischen den Stühlen zwischen ihrer alleinerziehenden Mutter in einer kleinen 2-Zimmer-Wohung in Deutschland und der neuen Familie ihres Vaters in den Niederlanden, während Marlene sich zugunsten eines Vernunftsstudiums gegen ihren Traum entschieden hat und nun mit dieser Entscheidung hadert.

Im stetigen Wechsel begleitet der Leser Anni, Marlene, Clara und Lotte auf ihrem abenteuerlichen Weg ins Leben, lernt gemeinsam mit ihnen neue Menschen kennen, neue Kulturen und andere Sichtweisen auf das Leben. Neben all dem neuen spielen aber auch immer wieder die alten Strukturen in ihrem Leben eine Rolle: die Konflikte mit den Eltern, sei es wegen dem Umzug in eine andere Stadt beziehungsweise gar ein anderes Land oder der finanziellen Unterstützung, weil die Mädchen ihre eigenen Wege gehen und nicht den Traum der Eltern leben. Nur von Anni bekommt man von dieser Seite leider gar nichts mit, das fand ich ein bisschen schade, mag aber dem recht geringen Umfang des Romans zu Schulden sein.

Die vier selbst und die Geschichten um ihre Erlebnisse bleiben durch einen gemeinsamen Blog verbunden, in dem sie Fotos und kurze Kommentare einstellen, mit Eindrücken, die sie in ihrem neuen Wirkungskreis erleben.
Obwohl unabhängig voneinander, entscheidet sich jede von ihnen nur positive Eindrücke zu posten oder die fotografischen Eindrücke kommentarlos online zu stellen, die vielen neuen Eindrücke führen dazu, dass jede mehr Zeit mit ihrem neuen Leben verbringt und negative Erlebnisse sind auch meist besser in direkter Aussprache zu erzählen und erklären als per Schriftverkehr oder telefonisch.

Nein, wenn man nur ihre Bilder und Kommentare las, kam niemand auf den Gedanken, dass es Lotte nicht gutgehen konnte.
Vielleicht war es bei den anderen genauso? Ein Blog zeigte eben wirklich nur einen Auschnitt. Nur eine einseitige Darstellung und sie konnte selbst entscheiden, was für eine. (S.123)

"School's Out!" erzählt vier sehr authentische Geschichten über junge Menschen auf ihrem sehr unterschiedlichen Start ins "echte Leben", welche sowohl für junge Leserinnen in der entsprechenden Altersklasse interessant sind als auch für ältere Leserinnen, die sich in ihre Zeit kurz vor und nach dem Schulabschluss zurückgesetzt fühlen.
Karolin Kolbe beziehungsweise ihre Protagonistinnen geben dem Leser Lebensweisheiten und Möglichkeiten zu Konfliktlösungen und Entscheidungsschwierigkeiten mit auf dem Weg. Da dies aber immer aus der direkten Sicht der Betroffenen passiert, wirkt es wie gute Ratschläge von Freunden, da es auf einer Augenhöhe geschieht.
Auch Anni, Marlene, Clara und Lotte finden so häufig Rat und Hilfe bei Menschen, bei denen es sich nicht um die eigenen Familie handelt, da Ratschläge oft besser durchdacht und hilfreicher sind, wenn der Abstand zur beratenten Person größer ist oder sich derjenige in einer ähnlichen Lage befindet oder in Vergangenheit befunden hat.


Redakteur: Julia Ehrenberg

Anni, Marlene, Clara und Lotte sind die besten Freundinnen, die fast alles zusammen machen. Das ändert sich in dem Jahr nach ihrem Abitur. Für ein Jahr führt das Leben sie in ganz unterschiedliche Richtungen und Abenteuer und sie halten nur lose über einen Blog Kontakt.
Der Leser bekommt somit nicht nur eine Geschichte sondern gleich vier.
Man begleitet die Mädchen auf ihren ganz verschiedenen Wegen ein Jahr lang durch ihr Leben, ein Jahr, das so entscheidend dabei ist, erwachsen und selbständig zu werden.
Lotte geht für das Jahr zu ihrem Vater auf einen holländischen Bauernhof. Sie braucht ein Praktikum für ihr geplantes Studium der Agrarwissenschaften, und ergreift die Gelegenheit, den Vater, der sich so früh von ihrer Mutter getrennt hat und seine neue Familie richtig kennenzulernen. Das ist gar nicht so einfach, Lotte braucht etwas Zeit, um sich in Holland einzuleben, an die neue Situation zu gewöhnen. Aber sie macht auch viele schöne Erfahrungen.
Clara hat sich für ein FSJ in Berlin entschieden und trifft da auf viele neue Leute und Lebensstile. Es wird ein buntes, aufregendes wenn auch nicht immer einfaches Jahr für sie. Ein Jahr, in dem sie nicht nur viel über sich selbst herausfindet, sondern auch viel über das Leben an sich.
Marlene ist die einzige, die direkt anfängt zu studieren. Für Elektrotechnik zieht sie von Marburg nach Kassel. Sie hat große Bedenken, ob sie das Studium schaffen kann und ob die Fernbeziehung mit ihrem Freund hält. Und wird sie jemals Freunde finden in der neuen Stadt? Das alles darf man miterleben und Marlene bei verschiedensten Aktivitäten begleiten.
Anni ist die, die es am weitesten weg zieht. Sie geht für ein Jahr nach Malaysia, unterrichtet dort Kinder, taucht in eine ganz fremde Kultur ein und muss mit so einigen Problemen kämpfen, macht aber auch viele tolle Erfahrungen.

Die Geschichten sind wirklich sehr unterschiedlich. Sie werden in kurzen Kapiteln erzählt, man springt beim Lesen also immer wieder zwischen den vier Mädchen hin und her. Jede Geschichte ist ganz anders, und so wird es nie langweilig. Natürlich fühlt man sich beim Lesen zu der einen oder anderen näher hingezogen als zu den anderen. Ich fand besonders die Geschichte von Lotte toll, habe mich immer gefreut, wenn es zu ihr auf den Bauernhof ging. Aber auch die Stücke von Anni haben mich begeistert. Ich hätte niemals den Mut gehabt, nach dem Abitur so weit wegzugehen wie Anni, in ein Land, dessen Sprache ich nicht spreche und dessen Kultur so komplett anders ist als unsere, aber ich habe es umso mehr genossen, Anni auf diesem Abenteuer zu begleiten und von ihren Erlebnissen zu lesen.
School’s out ist ein ganz tolles Buch über das besondere Jahr nach dem Schulabschluss. Man merkt beim Lesen, dass die Autorin diesen selbst noch nicht lange hinter sich hat, das Buch ist richtig aus dem Leben gegriffen. Es ist eine tolle bunte Mischung aus Geschichten, Abenteuern und Katastrophen, mal lustig, mal traurig und immer wieder voller Lebensweisheiten.
Es zeigt auf wunderschöne und realistische Weise wie viel in dem Jahr nach der Schule passieren kann, wie unterschiedlich die Wege, die man einschlagen kann, sein können und wie sehr man sich in diesem ganz besonderen Jahr weiterentwickelt, ganz egal, was man macht.
Wer kurz vor dem Schulabschluss steht, dem kann dieses Buch Mut geben, seinen eigenen Weg zu gehen. Wer den Schulabschluss längst hinter sich hat, der kann sich beim Lesen zurückerinnern an sein Jahr danach. Vor allem kann man als Leser aber ganz viel Spaß haben und mit den vier jungen Frauen mitfiebern, mitleiden und sich natürlich mitfreuen. Von mir bekommt das Buch eine absolute Leseempfehlung! Ich habe Anni, Clara, Marlene und Lotte gerne durch das Jahr begleitet!

Sonntag, 30. August 2015

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW35


Im Briefkasten

Anette:
Die Auserwählten - Kill Order: Das Prequel zur Maze Runner-Trilogie, James Dashner, (RE)
Ein seltsames Wesen: Warum wir gähnen, rülpsen, niesen und andere komische Dinge tun, Robert Provine (GW)

Christiane:
Fingerhutsommer, Ben Aaronovitch (RE)
Finstermoos 04, Janet Clark (RE)
Leona, Jenny Rogneby (GW)
Verspielt,  Roman Klementovic (GW)

[REZENSION] Verhinderter Held

Redakteur: Natalie Burger

Titel: Verhinderter Held
Autor: Felix Römer
Verlag: Satyr Verlag
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 89 Seiten



Autor:
Seit 1999 steht er mit seinen Texten auf Bühnen und avancierte zu einem der stilprägenden Slam-Poeten Deutschlands. 2006 wurde er deutscher Vizemeister im Poetry Slam, 2007 Teammeister zusammen mit Sebastian 23, Gabriel Vetter und Lars Ruppel als die literarische Boygroup »SMAAT«. Doch auf ein Buch von ihm mussten wir 15 Jahre lang warten! Nun ist es endlich da: der erste Gedichtband von Felix Römer!
Kaum ein anderer Bühnenpoet schafft den Spagat zwischen Unterhaltung und Ernsthaftigkeit so gut wie er. Auf der Bühne besticht er durch seine markante Stimme, seinen Humor und seine Leidenschaft. In seinen Texten treffen sich Pathos und Melancholie, Ernst und Komik, analytischer Scharfsinn und bissige Pointen.


VERHINDERTER HELD

Inhalt:
Verhinderter Held ist ein Poetry Slam Buch mit 89 Seiten voll mit nachdenklichen, lustigen und auf viele Menschen passende Texte von Felix Römer. Er reimt und erzählt über das Leben als Poet, über Punkrock, verhinderte Helden und immer wieder über die Liebe zum Leben.

Meine Meinung:
Verhinderter Held ist das von mir schon lange erhoffte Buch von Felix Römer. Als Julia Engelmann letztes Jahr ihr Buch raus brachte hoffte ich noch mehr. Schließlich bot sie damit eine Plattform. Mein Hoffen wurde erhört und da ist es nun. Ein kleines unscheinbares Buch von 89 Seiten voll von Texten, die zum Lachen und Nachdenken bringen. Die aus dem Leben von Felix Römer erzählen.

Gelesen sind diese Texte wirklich schnell. Vielleicht für mich auch deswegen weil ich viele davon kenne. Die Intonation von Felix ist für mich das Besondere und ich selber bekomme es beim Lesen nur hin, weil ich sie eben schon gehört habe. Es gibt aber auch in dem Buch Links zu insgesamt sechs Audiodateien und so kann man einfach, statt lesen, zuhören und genießen.

Lars Ruppel schreibt das es Menschen gibt die sich mit Felix Texten einwickeln, sich mit ihnen schützen, Mut anlesen und trösten und genau das trifft es auf den Punkt. Egal ob es Texte sind wie "Es ist schön" das es in vielen Varianten gibt und einfach positive Stimmung macht oder "Unschuld", das die schönen Seiten der Kindheit wunderbar vermittelt. Jeder Text passt zu einem selbst, zum Leben und oder zu Situationen die man kennt.

Felix Römer steht seit 1999 mit seinen Texten auf der Bühne. Ich glaube 2005 oder 2006 habe ich ihn zum ersten Mal gehört. Ich durfte ihn durch meine beste Freundin, seine Schwester kennen lernen und wurde so begeisterter Zuhörer von Poetry Slam, eine Art des Gedanken vortragen, die ich vorher nicht kannte. Ich finde Felix Römer hat Poetry Slam für mich, aber gewiss auch für andere bekannter gemacht.

[REZENSION] Aussicht auf Sternschnuppen

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Aussicht auf Sternschnuppen
Autor: Katrin Koppold
Übersetzer: -/-
Verlag: rowohlt
Reihe: Band 1
Ausführung: Taschenbuch, 320 Seiten



Autor:
Katrin Koppold arbeitete nach ihrer Schulzeit als Journalistin, Fitnesstrainerin, TV-Darstellerin und Pferdepflegerin auf einem Gestüt in Irland, bevor sie sich dazu entschloss, sesshaft zu werden. Heute wohnt sie mit ihrer Familie und ihren zwei Katzen bei München. Als E-Book-Autorin hat sie sich bereits in die Herzen vieler Leserinnen geschrieben.


AUSSICHT AUF STERNSCHNUPPEN

Eigentlich ist Helga alles andere als spontan und wagemutig, doch als sie eine verdächtige SMS auf dem Handy ihres Freundes entdeckt, reicht es ihr ganz gehörig. Sie glaubt nicht an die Geschäftsreise, die er als Vorwand nimmt, um nach Italien zu reisen und macht sich kurzerhand ebenfalls auf den Weg zum Flughafen. Dort muss Helga dann allerdings feststellen, dass alle Flüge gestrichen sind, die einzige Möglichkeit ist ein Mietwagen. Nach einigem Hin und Her kann sie den allerletzten ergattern, doch muss sie ihn sich mit einem Mann teilen, der ihr schon auf die Nerven geht, bevor die Reise überhaupt begonnen hat...

Aber vor allem: In meinem zweiten Leben als Dienerin Gottes würden Männer überhaupt keine Rolle spielen. Ich würde garantiert niemals unter dem Küchentisch kauern, das Handy meines Freundes in der Hand und folgende Nachricht lesen: Caro, non vedo l'ora di rivederti. Angela (S. 9)

Nichts ist schlimmer als die Befürchtung, der Partner könne eine Affäre haben und es auch sonst mit der Wahrheit vielleicht nicht so genau nehmen. Auch wenn die Art und Weise wie Helga in diesem Fall zu der Annahme kommt, recht grenzwertig ist, so sind ihre Bedenken durchaus nachvollziehbar und auch, dass sie ihn nicht sofort damit konfrontieren möchte. Sicherlich kann nur sprechenden Menschen geholfen werden, doch gibt es Themen, mit denen man sich recht schwer tut und diese möglichst vermeidet. So kommt es, dass Helga sich ohne Plan auf den Weg nach Italien macht und dabei viel mehr erfährt als nur, ob ihr Freund ihr treu ist oder nicht.

Schnell wird deutlich, dass man, trotz humorvollem Schreibstil und aberwitzigen Szenen, keine oberflächliche Geschichte vor sich hat. Zwischen den Zeilen deutet sich eine Tiefe an, die man möglicherweise auf Grund des Covers und der Kurzbeschreibung nicht unbedingt erwartet hätte, die aber alles andere als unwillkommen ist. Nicht nur der Leser lernt während des Aufeinandertreffens zweier gänzlich unterschiedlicher Charaktere einiges über ebendiese, auch sie selbst steigen in einen Lernprozess ein, mit dem sie sicherlich nicht gerechnet haben.

Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen, mal mehr mal weniger vorhersehbar, doch für die Gesamtentwicklung extrem wichtig. Im Leben folgt nicht immer alles einem strukturierten Plan, vor allem keinem, den man selbst aufgestellt hat, das spiegelt sich auch in dieser Geschichte wider, die dadurch an Authentizität gewinnt. Es macht viel Freude den Protagonisten während turbulenter Zeiten zur Seite zu stehen und gleichzeitig zu wissen, dass mit der letzten Seite noch nicht alles vorbei ist, es vielmehr im nächsten Band weiter geht, auch wenn die Hauptfiguren wechseln.

Samstag, 29. August 2015

[REZENSION] Seelenbruch

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Seelenbruch
Autor: Eva Lirot
Übersetzer: -/-
Verlag: -/-
Reihe: Jim Devcon 2
Ausführung: Taschenbuch, 210 Seiten



Autor:
Eva Lirot hat Literaturwissenschaft und Psychologie studiert, lebt mit ihrem Mann in Limburg an der Lahn, spielt ein wenig Klavier, fotografiert gern und ist eine Vielleserin (quer durch die Genres).
In ihrer Jugend schrieb sie Songtexte, Büttenreden und kurze Theaterstücke, heute sind es Kurzkrimis und Romane, ebenfalls im Genre Krimi/Thriller.
Eva Lirots Motto beim Schreiben: "Die Phantasie ist die schönste Tochter der Wahrheit, nur etwas lebhafter als die Mama." (Carl Spitteler)
Mehr zur Autorin: www.evalirot.com


SEELENBRUCH

Belebter hätte der Kaiserdom nicht sein können als zur Bischofsweihe. Und doch gelingt dem kaltblütigen Täter nicht nur ein Mord, sondern auch eine unerkannte Flucht. Jim Devcon und sein Team werden mit dem ungewöhnlichen Fall betraut, der ihnen einiges abverlangt. Dabei verfolgen sie einen Täter, der nicht nur von seinen aktuellen Taten schier erdrückt wird...

Wer die Seele eines Menschen bricht, öffnet Pandoras Büchse (S. 1)

„Seelenbruch“ ist der zweite Fall für den recht eigenwilligen Ermittler Jim Devcon, der schnell als einsamer Cowboy in die Gedanken der Leser eingehen wird. Der Thriller ist bereits 2010 unter demselben Titel erschienen, inhaltlich jedoch hat sich einiges getan, nachdem Autorin Eva Lirot sich ein weiteres Mal mit den Geschehnissen auseinandergesetzt hat, um den Titel in Eigenregie erneut auf den Markt zu bringen.

Zwar hat der Leser von Anfang an einen vermeintlichen Wissensvorsprung was die Identität des Täters angeht, doch zu den Hintergründen fehlt jegliche Information, so dass man auf die Ermittlungen der Polizei angewiesen ist ebenso wie auf das weitere Agieren des Täters. Denn nur so lässt sich möglicherweise ein Bild zusammenstellen, das das Ausmaß des Geschehens erst deutlich macht.

Die Autorin geht wahrlich nicht zimperlich mit ihren Lesern um. Diese werden nämlich von Beginn an ins kalte Wasser geschmissen und erleben nicht nur einen rasanten, sondern mitunter handlungsmäßig recht heftigen Einstieg. Schnell hat man sich jedoch gefangen und kommt mit diesem ungewöhnlichen Stil immer besser klar, zumal er absolut passend zum Geschehen erscheint. Die Darstellung der Charaktere erfolgt weitestgehend im Verlauf des Geschehens, entweder durch Aussprüche oder Handlungsweisen, wodurch Lebendigkeit und Authentizität gewahrt und gleichzeitig Langatmigkeit vermieden wird.

Liest man konzentriert und aufmerksam, so kommen manche Wendungen zum Schluss nicht mehr gar so überraschend, die Spannung allerdings bleibt dennoch vorhanden, so dass man durchaus zufrieden aus der Lektüre auftaucht und weitere Fälle mit Jim Devcon erleben möchte.


Reiheninfo:
Band 1: Rendezvous mit dem kleinen Tod

Freitag, 28. August 2015

[BLOGTOUR] Wo der Regenbogen anfängt: Roadtrips (In Büchern und oder Filmen)

http://juliabohndorf.jimdo.com/ver%C3%B6ffentlichungen/wo-der-regenbogen-anf%C3%A4ngt/blogtour/ 

Redakteur: Anette Leister

Nach vier Beiträgen auf anderen Blogs, ist die Blogtour zu Julia Bohndorfs "Wo der Regenbogen anfängt..." heute auf Katze mit Buch zu Gast.
In der Geschichte spielt ein Roadtrip eine nicht ganz unwesentliche Rolle, auch wenn die Krankheit von Maeves jüngerer Schwester Niamh deutlich im Vordergrund steht.
Meine Rezension zu dem Buch könnt ihr HIER nachlesen.

Roadtrips findet man häufig in Büchern oder Filmen, dabei sind die Protagonisten nicht immer mit einem Auto unterwegs, ich habe auch schon Bücher gelesen, bei denen die Personen mit dem Bus oder dem Zug oder verschiedenen Verkehrsmitteln unterwegs waren. Dieses Jahr habe ich bereits unter anderem "Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek" gelesen, bei denen die Protagonisten in Großbritannien unterwegs sind und "Auf und davon", einen Jugendroman, der gerade erst diesen Monat auf deutsch erschienen ist und dessen Handlung in den USA spielt.
Neben den Verkehrsmitteln können sich Roadtrips auch in ihrer Intention unterscheiden: manche Roadtrips beinhalten ein Ziel, welches erreicht werden soll, wie es in "Wo der Regenbogen anfängt..." der Fall ist, denn Maeve und Niamh haben das Zuhause ihrer Tnte und ihres Onkels in Irland zum Ziel, andere Roadtrips führen von etwas weg, wie in dem Film "Thelma und Louise" bei denen zwei Frauen auf der Flucht vor der Polizei sind.

Ich bin zwar niemand, der bewusst nach Geschichten mit Roadtrips sucht, aber das Thema war wohl schon immer recht beliebt in Büchern oder Filmen, so dass mir schnell weitere Werke eingefallen sind, die ich in Vergangenheit gelesen oder gesehen habe, von denen ich gerne noch einige meiner Favoriten weiterempfehle.

3 Buchempfehlungen:
Mit dem Kühlschrank durch Irland
Nächsten Sommer
Margos Spuren

3 Filmempfehlungen:
Priscilla - Königin der Wüste
Bolt - Ein Hund für alle Fälle
Eine wahre Geschichte - The Straight Story

Bei der Blogtour zu "Wo der Regenbogen anfängt..." gibt es auch etwas zu gewinnen:

Gewinnspiel

1. Platz: 1 signiertes Printexemplar zu "Wo der Regenbogen anfängt…"
2. und 3. Platz: "Wo der Regenbogen anfängt…" als Ebook im Wunschformat
4. Platz: Goodiepack

Um am Gewinnspiel teilzunehmen beantwortet mir folgende Frage bis zum 29.08. in den Kommentaren:

Was findet ihr an Büchern oder Filmen, in denen Roadtrips eine Rolle spielen, besonders faszinierend oder sind Roadtrips kein Thema, das euch begeistern kann?

Teilnahmebedingungen:

– Ihr seit mindestens 18 Jahre alt oder habt die Einverständnis eurer Eltern.
– Der Gewinn ist nicht auszahlbar.
– Für den Postversand und das verloren gehen wird nicht gehaftet
– Ihr seid damit einverstanden das euer Name öffentlich auf allen Blog sbekanntgegeben wird im Gewinnfall.
– Die Daten werden nur an die Autoren und den Verlag weitergegeben, im Gewinnfall um euch den Gewinn zukommen zu lassen und werden nicht gespeichert

Morgen geht es bei den Bookwormdreamers mit einem Beitrag zu dem Thema Irische Legenden und Geschöpfe weiter.
Am Wochenende findet bereits die Auslosung und Bekanntgabe der Gewinner statt.

Donnerstag, 27. August 2015

[REZENSION] Verschwörung gegen Rom (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Verschwörung gegen Rom
Autor: -/-
Sprecher: Erzähler: Bodo Primus
Übersetzer: -/-
Verlag: Igel Records
Reihe: Faust jr. ermittelt 12
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Ausführung: Hörspiel, ca. 71 Minuten, 1 CD



Sprecher:
Bodo Primus, Ingo Naujoks, Luna Jahrreiss, Jochen Malmsheimer, Ralph Erdenberger, Wolfgang Hoffmann, Matthias Laarmann, Hans-Jürgen Koehnen, Martin Weber, Mark Schrader, Dr. Heidrun Derks, Michael Eggert
Mehr zur Serie: www.faust-jr-ermittelt.de


VERSCHWÖRUNG GEGEN ROM

Die Varus-Schlacht im Jahre 9 nach Christus wird jedem Hörer zumindest ein Begriff sein. Doch was passierte Wirklich in den Wäldern Germaniens als der römische Vormarsch im Norden ein jähes Ende fand? Nicht nur Wissenschaftler nehmen sich dieser Frage an, auch Privatdetektiv Frank Faust erwärmt sich zunehmend für dieses Thema und wird wieder einmal viel tiefer in die Geschichte hineingezogen als eigentlich beabsichtigt.

Es beginnt sofort spannend, als Frank Faust sich in einem wahren römischen Albtraum wiederfindet, der sich jedoch schnell als ebensolcher entpuppt. Somit ist dann aber schnell das aktuelle Thema besiegelt und die Nachforschungen können beginnen. Dennoch ist alles ein bisschen anders als sonst, denn die Mittel, derer sich bedient wird, muten doch ein wenig skurril und möglicherweise sogar nicht vollständig glaubwürdig an. Trotz allem ist man gewillt der Geschichte auf den Grund zu gehen, vielleicht lassen sich im Verlauf dann ja doch noch rationale Erklärungen für manch eine Handlung des Privatdetektivs finden.

Dieser begibt sich, gewohnt tollpatschig, auf Spurensuche in die Vergangenheit. Natürlich nicht, ohne wahre Experten zu befragen, die bereitwillig Rede und Antwort stehen, um ihr Wissen mit Faust und den Hörern zu teilen. Ob beispielsweise im Römermuseum oder im Park Kalkriese, überall trifft Faust auf Fachleute, die ihre Forschungen auf ebenjene Zeit konzentrieren und somit Informationen bereit halten, von denen man möglicherweise noch nie gehört hat. Sicherlich mag einem, vor allem wenn man sich mit der Thematik ein wenig auskennt, das ein oder andere bekannt vorkommen, das Hörvergnügen wird dadurch jedoch keineswegs gemindert.

Im Gegenteil hat man viel mehr Lust darauf sich noch weiter mit der Verschwörung gegen Rom auseinanderzusetzen und vielleicht sogar den ein oder anderen Schauplatz zu besuchen. Damit dies ohne große Nachforschungen möglich ist, sind die Adressen der realen Orte im Hörspiel im Booklet aufgeführt. Nicht nur für junge Hörer ist der zwölfte Fall für Frank Faust ein Genuss, die Zeitreise wird jeden in ihren Bann ziehen.

[TTT] Top Ten Thursday #223 (Christiane)


Der Top Ten Thursday ist eine wöchentliche Aktion von Steffis Bücherbloggeria.

Das Thema diese Woche lautet:
10 Bücher aus dem dtv Verlag

Da ich einige Bücher aus dem dtv Verlag besitze fiel die Auswahl nur in dem Sinne schwer herauszufiltern welche Titel es auf die Liste schaffen... Es gibt einige Buchreihen, die ich aus diesem Verlag regelmäßig verfolge, da aber dennoch jeder Titel einzeln bewertet wird, habe ich immer nur einen herausgepickt. Wieder haben sich hauptsächlich Krimis eingeschlichen, doch das ein oder andere Jugendbuch darf ebenfalls dabei sein. Viel mehr gibt es zu meiner Auswahl diesmal eigentlich nicht zu sagen, außer dass die Rezis, wenn vorhanden, wieder verlinkt sind.
3. Marlies Ferber: Null-Null-Siebzig: Operation Eaglehurst
7. Rita Falk: Schweinskopf al dente
8. Kevin Brooks: Schlafende Geister
10. Sie kriegen jeden

Das Thema für den 03.09.2015 lautet:
Freestyle

Mittwoch, 26. August 2015

[REZENSION] Das große Schweigen

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Das große Schweigen
Autor: Katja Montejano
Übersetzer: -/-
Verlag: Emons
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 256 Seiten



Autor:
Katja Montejano wurde 1967 in Aarau geboren und lebt mit Ehemann und Hund in Zofingen. Nach Abschluss einer Banklehre war sie in diversen Unternehmen tätig. Seit 2001 arbeitet sie als Übersetzerin in der Informatikabteilung einer großen Bankengruppe.


DAS GROßE SCHWEIGEN

Als ein Anschlag auf ihren Vater verübt wird, ahnt Primrose noch nicht in welcher Gefahr sie selber und alle, die ihre nahe stehen, schweben. Nach und nach gibt es weitere Opfer in ihrem Umfeld, Hinweise auf den Täter laufen allerdings ins Leere. Nicht einmal der Polizei gelingt es in diesem Fall die Oberhand zu behalten, zu durchdacht ist das perfide Spiel, das sich mit jeder Sekunde seinem Höhepunkt nähert...

Sie betraten das Haus. Ein angenehmer, kühler Luftstrom kam ihnen entgegen. Nach ein paar Schritten erreichten sie den Eingang zur Küche. In der nächsten Sekunde erstarrte Primrose und schrie: „Stopp!“ (S. 45)

Katja Montejano eröffnet „Das große Schweigen“ sogleich mit einem wahren Gänsehautprolog, der einerseits abschreckend wirkt, es andererseits aber auch nicht möglich ist sich einfach abzuwenden. Man möchte erfahren in welchem Zusammenhang er mit dem Gesamtgeschehen gesehen werden muss und vor allem was sich wirklich zugetragen hat. Schließlich weiß man noch nicht mit wem genau man es zu tun hat, da es sich ausschließlich um einen Ausschnitt der Vergangenheit handelt.

So hat man die ganze Zeit über das Eingangsgeschehen im Hinterkopf, falls sich ein Hinweis ergibt inwiefern dieses in die Handlung eingeflochten werden kann, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Denn dieser ist alles andere als unvorbereitet, im Gegenteil, es scheint sich jemand Gedanken gemacht zu haben, und das nicht zu knapp, so dass es ihm sogar möglich ist, die Polizei an der Nase herumzuführen. Das ist nicht nur für die Protagonisten erschreckend, auch der Leser muss ein ums andere Mal schlucken.

Von Anfang an wird ein hohes Maß an Spannung aufgebaut, wodurch sich ein wahrer Sog ergibt, der den Leser im Geschehen gefangen hält. Selbst wenn man das Buch einmal zur Seite legen muss, so geht einem die Geschichte doch nicht aus dem Kopf, diverse Indizien werden immer wieder überprüft und neu zusammengesetzt, um einen Hinweis darauf zu erlangen wie die weitere Entwicklung vonstatten gehen könnte. Was allerdings tatsächlich geschieht, damit hätte man schlussendlich doch nicht gerechnet, auch wenn die Befürchtungen durchaus vorhanden waren.

Nachdem der Einstieg bereits großartig gelungen ist schließt die Autorin mit einem Herzschlagfinale, in dem lange Zeit alles offen ist. Der Schluss ist absolut passend, betrachtet man das Gesamtgeschehen und lässt die Protagonisten einmal mehr lebendig und authentisch erscheinen. Anders hätte es nicht enden dürfen, wenn auch der ein oder anderen Thematik mehr Raum gebührt hätte.

Dienstag, 25. August 2015

[REZENSION] Urlaub! Wir sind dann mal fort

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Urlaub! Wir sind dann mal fort
Autor: Dany R. Wood
Übersetzer: -/-
Verlag: Arturo
Reihe: Familie Backes 2
Ausführung: Taschenbuch, 320 Seiten



Autor:
Dany R. Wood, Jahrgang 1978, wuchs in einem klassischen saarländischen Arbeiterhaushalt (Vater Bergmann, Mutter Hausfrau) auf und hatte bereits im pubertären Alter von 14 Jahren die ersten Kontakte zur Verlagsbranche: beim Zeitschriftenaustragen! Wood erlangte dabei einen umwerfenden Bekanntheitsgrad im 1.079 Seelen-Ort Marpingen-Berschweiler, wie die des Pfarrers, Ortsvorstehers und der Vorsitzenden des Landfrauenvereins.
20 Jahre später - und Studium der Medienwirtschaft in Köln und Sydney - lebt Dany R. Wood in München und hat sich ein paar Monate eine "kreative Auszeit" vom Marketing-Job genommen. Das Buch "Limetten retten in Sydney" entstand vor Ort am Bondi Beach bis zur Rückkehr im Februar 2013 auf einem verschneiten Franz-Josef Strauß Flughafen in München.
Dany R. Wood ist ein Pseudonym, da gewiefte PR-Berater meinten, dass man mit Wood`s "bürgerlichen Namen" keine Bücher, sondern höchstens Zeitschriften-Abos an der Haustür verkaufen kann. Wobei dies eigentlich kein Problem wäre, dank jahrelanger Erfahrung im Teenager-Alter...


URLAUB! WIR SIND DANN MAL FORT

Inge und Jupp Backes fühlen sich in ihrem Saarland eigentlich recht heimisch. So ist es doch recht verwunderlich, dass sie Oma Käthes Angebot annehmen und nun Urlaub auf einer thailändischen Insel machen wollen. Auch Tochter Eva und Freund Sandro sind bereits auf dem Weg, ohne zu ahnen was die nächsten Tage bringen werden. Denn so ganz uneigennützig war Käthes Einladung wahrlich nicht, schon bald lässt sie die Bombe platzen und tritt damit eine Lawine los...

„Ach, mein Jupp und ich, wir sind schon so lange verheiratet, da trennt man sich ja nicht mehr. Wir sind, na, wie soll ich sagen...“
„Wie eine Wohngemeinschaft?“, brachte es Käthe auf den Punkt. (S. 95)

„Urlaub! Wir sind dann mal fort“ ist nach „Achtung Familienfeier“ der zweite Roman rund um Familie Backes, alteingesessene Saarländer, mit eindeutigem Hang zur Komik, auch wenn sie es selbst scheinbar gar nicht bemerken. Dieser zweite Band lässt sich durchaus unabhängig vom Vorgänger lesen und nachvollziehen, allerdings bekommt man während der Lektüre immer mehr Lust darauf auch die Familienfeier zu verschlingen. Die Charaktere werden ausführlich, aber ohne langwierige Erläuterungen, beschrieben, so dass sich ein erstes Bild ergibt. Alles weitere zeigt sich im Verlauf des Geschehens, zumeist an Handlungs- oder diversen Ausdrucksweisen.

Vor allem Inge und Jupp schweifen in ihren Erzählungen gerne einmal in die saarländische Mundart ab. Im Anhang gibt es für diese Fälle ein Saar-ABC, ein Synonym findet sich aber auch jeweils direkt hinter den Ausdrücken in Klammern eingefügt. So bleibt das Blättern erspart, wodurch der Lesefluss gestört werden könnte. Zwar stolpert man dennoch hin und wieder über das ein oder andere Wort, doch wurde dieses Risiko gekonnt minimiert.

Wer bereits den ersten Band oder auch eines der anderen Werke aus Dany R. Woods Feder kennt weiß, dass die Lachmuskeln extrem strapaziert werden. Da bildet auch das vorliegende Buch meine Ausnahme. Manches Mal vielleicht etwas subtil, doch im Großen und Ganzen eine sehr humoristische Geschichte, die den Leser schnell in den Bann zieht und an Thailands Strand verfrachtet. Um dem Alltag einfach zu entfliehen bietet sich das Buch geradezu an, wenn auch der Fremdschämfaktor durchaus vorhanden ist. Gerne möchte man noch weitere Abenteuer rund um Familie Backes miterleben, Potential ist definitiv noch vorhanden.


Reiheninfo:
Band 1: Achtung Familienfeier

Montag, 24. August 2015

[REZENSION] Auf und davon

Redakteur: Anette Leister

Titel: Auf und davon (OT: Mosquitoland)
Autor: David Arnold
Übersetzer: Astrid Finke
Verlag: Heyne fliegt
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre
Ausführung: Hardcover, 384 Seiten



Autor:
Bevor er zum Schreiben kam, war David Arnold schon Musiker, Produzent, Vorschullehrer und Vollzeit-Dad. Auf und davon ist sein von Presse und Lesern begeistert besprochener Debütroman. Der Autor lebt mit seiner Familie in Lexington, Kentucky.


AUF UND DAVON

"Auf und davon" ist der Roadtrip der sechzehnjährigen Mim von Jackson, Mississippi - ihrem neuen Zuhause, wo ihr Vater mit ihr und ihrer Stiefmutter hingezogen ist - nach Cleveland, Ohio - zurück in ihr altes Zuhause und zu ihrer Mutter.
Die Kapitel sind dementsprechend betitelt: von ihrem Startort Jackson bis hin zu ihrem Ziel Cleveland, zusammen mit Kilometerangaben bis dorthin, so dass man immer weiß, wie weit Mim auf ihrer Reise fortgeschritten ist. Sonst lässt einem der Autor jedoch mit vielen Sachen im Dunkeln. Der Vermerk unter Kapitel 1 lässt es den Leser von Beginn an erahnen, dass die Reise keine einfache wird und Mim ebenso keine einfache Person ist:

Dinge werden erst Dinge, wenn man sie ausspricht.
Ich bin Mary Iris Malone, und mit mir stimmt etwas nicht.
(S.7)

David Arnold - beziehungsweise Ich-Erzählerin Mim - deutet oftmals nur Dinge an oder spricht sie gar nicht aus, so war ich mir oftmals nicht im Klaren, ob David Anold alles schwarz auf weiß gemeint hat, wie es im Buch geschrieben steht oder manche Ereignisse und Begegnungen eher methaphorisch angedacht waren. Für ein als Jugendbuch deklarierten Roman ist "Auf und davon" sowohl von der Handlung als auch von der Sprache streckenweise extrem sperrig und skurril.
Direkt zu Beginn dachte ich oft, ich hätte irgendeinen wichtigen Hinweis überlesen, da Mim Briefe an eine Isabel richtet und ich nicht wusste, ob sie eine Verwandte diesen Namens hat oder ihr Tagebuch einen Namen trägt, sie schreibt in ihrem ersten Brief "Liebe Isabel, als Mitglied dieser Familie hast du ein Recht zu erfahren, was los ist.", geht sonst aber nicht weiter auf die verwandschaftlichen Beziehungen ein. Tatsächlich klärt sich dieses Rätsel erst am Ende des Buches auf.
Auch die Begegnungen mit einem behinderten Jungen, einem gewalttätigen Jugendlichen und einem seltsamen "Ponchomann", der Mim sexuell belästigt, sind nicht immer direkt zu fassen und zu erklären. Diese Menge und Vielschichtigkeit an Menschen und Themen, die dieses Buch zur Sprache bringt, ist nicht immer einfach zu begreifen und zu verarbeiten. Es treten verhältnismäßig viele Personen in der kurzen Zeit ihres Roadtrips in Mims Leben und hinterlassen stärkere oder schwächere Spuren.
Viele Dinge spricht Mim erst ganz zum Schluss an, und dann werden die Dinge zu Dingen, aber den schwierigen Weg bis zum Showdown durchzuhalten wird für die meisten Leser nicht einfach sein.

"Auf und davon" ist ein sehr tiefgründiges Buch über familiäre Konflikte, psychische Erkrankungen und dem schwierigen Abschnitt vom Kind- zum Erwachsenensein. Obwohl das Buch auf Grund des Alters der Ich-Erzählerin tatsächlich ein Young Adult Roman ist, würde ich es auf Grund der verwendeten Sprache, den teils extremen Verhaltensarten der Figuren, sehr skurrilen Episoden und den mitunter schwer zugänglichen Protagonisten eher älteren Lesern empfehlen.

Ein schwieriges Buch, das wichtige Themen zur Sprache bringt und in meinen Augen den mitunter harten Weg bis zur letzten Seite durchaus lohnt!