Sonntag, 31. Mai 2015

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW22


Im Briefkasten

Anette:
Ewig und eins, Adriana Popescu (GW)

Christiane:
Dieses Leben ist vom Umtausch ausgeschlossen, Kerstin Klein (GW)
Tiefer Fall, Annelie Wendeberg (GW)
Eine Handvoll Heldinnen, Hörbuch, Hera Lind (RE)
Sinclair Classics 22, Hörspiel (RE)
Eine Hexe zum Verlieben, Kristina Günak (RE)
Machtfrage, Bettina Kerwien (GW)
Strandgut, Benjamin Cors (RE)
Tödliche Heimkehr, Volker C. Dützer (GW)
Ein englischer Sommer, Gabriele Diechler (RE)
Die Puppenspieler von Flore, Lilli Thal (GW)


Rund um die "Katze mit Buch"

Rund ums Forum:
* Leserunden für 2015:
#Skandal (Sarah Ockler, cbt, 10 Ex., ET 25. Mai)

*BGR
Bastei Luebbe:
- Sabaa Tahir - Elias & Laia 1: Die Herrschaft der Masken (5 Ex., ET 15. Mai): ab 16.05.

Mittwoch, 27. Mai 2015

[REZENSION] Happy Smekday

Redakteur: Anette Leister

Titel: Happy Smekday oder Der Tag, an dem ich die Welt retten musste (OT: The true meaning of Smekday)
Autor: Adam Rex
Übersetzer: Anne Brauner
Verlag: Ueberreuter
Reihe: Band 1
empfohlenes Lesealter: ab 11 Jahre
Ausführung: Hardcover, 448 Seiten



Autor:
Wir wissen nur wenig über Adam Rex. Er wurde 1973 geboren, wiegt etwa 80 Kilo und besteht hauptsächlich aus Wasser und Kohlenstoff. Er kann zu verschiedenen Zeiten des Jahres mit bloßem Auge von Arizona und anderen Teilen der USA aus beobachtet werden.
Ein wenig mehr wissen wir aber doch: Rex arbeitet als Illustrator und Autor. Sein erstes Bilderbuch über Monster und alltägliche Probleme stand auf der New York Bestsellerliste. Sein 2007 in den USA erschienenes Kinderbuch „Happy Smekday“ startet als DreamWorks-Animationsfilm am 26. Dezember 2014 in den Kinos in den USA und im März 2015 in Europa.
www.adamrex.com


HAPPY SMEKDAY

"Happy Smekday" ist die literarische Vorlage für den Animationsfilm "Home - ein smektakulärer Trip", der in diesem Jahr in den Kinos lief.
Im Gegensatz zur Verfilmung, die mir ausgesprochen gut gefallen hat, ist die Buchvorlage ungleich facettenreicher, noch tiefgehender und spricht in meinen Augen auf Grund des Sprachwitzes und durchaus ein älteres Publikum an. (Wer das Buch bereits gelesen hat und die Verfilmung noch vor sich hat, dem möchte ich mit auf den Weg geben, dass die außerirdischen Gegenspieler der Boovs - die Gorgs - im Film zum Teil ganz anders dargestellt werden. Die Auflösung des Konflikts zwischen den beiden verfeindeten Völkern hat mir im Film tatsächlich noch besser gefallen als im Buch, auch wenn im Film dafür viele Handlungsstränge fehlen und die Geschichte dort insgesamt kindgerechter erzählt wird.)

Hauptfigur in "Happy Smekday" ist die elfjährige Tip Tucci, die im Rahmen eines Schulwettbewerbs einen Aufsatz über die Invasion der außerirdischen Boovs auf der Erde schreibt.
Die komplette Bevölkerung der USA soll nach Florida umgesiedelt werden. Auf der Suche nach ihrer Mutter bricht Tip gemeinsam mit ihrer Katze Sau im Auto auf den Weg dorthin. Unterwegs hat sie eine Autopanne und trifft in einem Gemischtwarenladen auf den Boov J-Lo. Die beiden schließen sich zu einer Zweckgemeinschaft zusammen, nachdem J.Lo Tips Auto repariert hat. Unterwegs treffen die beiden auf andere Menschen, die sich bislang gegen eine Umsiedlung nach Florida zur Wehr gesetzt haben, auf weitere Boovs und Gorgs und vor allem Sau spielt noch eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Invasion. Nicht nur die Boovs wollen die Erde für sich beanspruchen, auch die Gorgs sind hinter dem neuen Lebensraum her und im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, das J.Lo nicht ganz unschuldig daran ist, dass die Gorgs den Weg auf die Erde gefunden haben. Während der gemeinsamen Zeit mit J.Lo wird Tip schnell klar, dass die Boovs verglichen mit den Gorgs das kleinere Übel sind und sie schließt sie sich mit ihm zusammen, um die Gorgs zu bekämpfen. Unterstützung erhalten sie dabei unter anderem von einem alten Indianer, der sich jahrelang um das ausgestellte UFO in Rosswell gekümmert hat.

"Happy Smekday" von Adam Rex entpuppt sich schon ab der ersten Seite als ein raffiniert und abwechslungsreich erzählter Roadtrip. Nicht nur die Erzählweise als Schulaufsatz ist etwas ganz besonderes, auch das Zusammenspiel zwischen Text, "Fotos" und Comicstrips ist außergewöhnlich in der Aufmachung und sehr unterhaltsam.
Anspielungen auf die Werbemaschinerie und die heile Disney-Welt durch seinen erfundenen Freizeitpark "Königreich der Glücksmäuse" und den Handlungsstrang in Roswell, wo 1947 angeblich ein unbekanntes Flugobjekt abgestürzt ist, machen Adam Rex' Roman auch für ein erwachsenes Lesepublikum interessant. Das anvisierte Lesealter ab etwa 11 Jahren vermag möglicherweise in diesen Episoden den tieferen Sinn und diverse Anspielungen nicht erkennen, wird dafür aber auf anderen Ebenen unterhalten. Für mich ist Adam Rex eine Geschichte gelungen, die auf Grund ihrer Facettierungen, der unterschiedlichen Prota- und Antagonisten und der Erzähltiefe wirklich eine Leserschaft über Generationen erreichen kann.
Auch wenn mich die Auflösung des Konfliktes zwischen Boovs und Gorgs in der filmischen Adaption stärker von der enthaltenen Botschaft begeistert hat, ist das Ende im Buch dafür um einiges lustiger und skurriler gestaltet. Man sollte beides unabhängig voneinander sehen, zudem der Film schon von jüngeren Kindern zu verstehen ist, dass Buch meiner Meinung nach in seiner Komplexität aber wirklich erst für das empfohlene Lesealter funktioniert.

"Happy Smekday" ist ein verrücktes Roadmovie voller ungewöhnlicher Begegnungen und Freundschaften, welches in erstes Linie mit seiner Geschichte und der herausragenden Umsetzung zu punkten weiß, aber auch durch die tiefgehenden Botschaften über das Zusammenleben verschiedener Kulturen, die es zwischen den Zeilen vermittelt.

Reihen-Info:
Happy Smekday (The true meaning of Smekday) - seit April 2015 auch als Taschenbuch erhältlich
Smek for President (Smek for president) - Erscheinungstermin März 2015

Die Verfilmung erscheint im Juli 2015 auf DVD und Bluray.

Dienstag, 26. Mai 2015

[REZENSION] Silberwolf

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Silberwolf
Autor: Petra Schmidt
Übersetzer: -/-
Verlag: Machandel Verlag
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Ausführung: Taschenbuch, 158 Seiten



Autor:
Petra Schmidt ist 1963 in Leipzig geboren, verheiratet und hat eine Tochter. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann in Erding.
Schon als junges Mädchen war sie lesebegeistert und voll eigener Geschichten, die geschrieben werden wollten. Nach der Ausbildung zur Tierwirtin holte das reale Leben sie und ihre Fantasy ein. Seit ein paar Jahren ist sie und die Lust am Geschichten erzählen wieder da. Neben dem Schreiben ist ihre zweite Leidenschaft - das Lesen - zum Beruf geworden, als freiberufliche Testleserin für Verlage.


SILBERWOLF

Zunächst ist Jasmin überhaupt nicht begeistert davon, als ihre Mutter sie kurzerhand packt und sich mit ihr in die Wälder der Lausitz zu ihrer Oma aufmacht. Von Handynetz oder Internet keine Spur, und auch ansonsten scheint es eher wenige Gesprächspartner zu geben, mit denen man sich die Zeit vertreiben könnte. Einzig Omas Gruselgeschichten bieten ein wenig Abwechslung und Unterhaltung, auch wenn schon lange niemand mehr an die Legende des Silberwolfs glaubt. Dann aber geschehen unglaubliche Dinge, die nicht nur Jasmin zum Umdenken bewegen. Jetzt müssen alle zusammenhalten, denn ein Mörder ist unterwegs, und der hat es nicht nur auf wehrlose Tiere abgesehen...

„Hörst du ihn?“, flüsterte meine Oma.
Wie sollte ich nicht? Schließlich war das Heilen des Wolfes hier draußen, weit weg von jeder Zivilisation, kilometerweit zu hören.
Meiner Oma machten diese unheimlichen Gesänge nichts aus, die lebte hier schon seit ewigen Zeiten. Aber für mich, einem Stadtkind, war es die Hölle. (S. 5)

Die Wölfe sind zurück und besiedeln erneut die Wälder der Lausitz. Doch was ist dran an den uralten Legenden, die die Menschen sich auch heute noch hin und wieder erzählen? Wie so häufig geraten die Geschichten mehr und mehr in Vergessenheit, und werden als haltlos abgetan. Doch als die Tiere des Waldes plötzlich getötet werden und das Wolfsheulen immer weiter zunimmt, machen die Menschen sich auf, den Täter zu stellen.

Nicht nur die Protagonisten versuchen einen Weg zu finden dem Übeltäter das Handwerk zu legen, der Leser versucht von Beginn an zu analysieren wer vielleicht nicht unbedingt der ist, der er vorgibt zu sein. Auf Grund der Mischung fantastischer wie realer Elemente fällt es leicht sich in das Geschehen einzufinden. Fast schon ist es, als könnte die Legende wahr werden und sich quasi vor der eigenen Haustür abspielen. Gebannt verfolgt man die Nachforschungen der Dorfbewohner und begibt sich mit ihnen auf eine Reise, von der niemand weiß wo sie hinführen und was sie aufdecken wird.

Der leichte, flüssige Schreibstil trägt dazu bei, dass man fast schon durch die Seiten fliegt, kaum dass man sich versieht, hat man bereits die Hälfte hinter sich gebracht. Aufmerksame Leser werden relativ schnell auf eine heiße Spur stoßen, die man nicht mehr aus den Augen lassen wird. Im weiteren Verlauf werden die Geschehnisse daraufhin leider ein Stück weit vorhersehbar, da hätte man sich doch noch einen richtigen Knaller gewünscht. Dennoch fühlt man sich durch „Silberwolf“ gut unterhalten und kann sich durchaus vorstellen fortführende Erlebnisse zu verfolgen, so sie denn verschriftlicht werden.

Montag, 25. Mai 2015

[REZENSION] Lasst uns schweigen wie ein Grab

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Lasst uns schweigen wie ein Grab (OT: The Scandalous Sisterhood of Prickwillow Place)
Autor: Julie Berry
Übersetzer: Eva Plorin
Verlag: Thienemann
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 13 Jahren
Ausführung: Taschenbuch, 304 Seiten



Autor:
Julie Berry hat einen Masterabschluss des Vermont College. Ihre Jugendbücher wurden für verschiedene Auszeichnungen nominiert, standen auf Bestenlisten und erhielten zahlreiche lobende Pressestimmen. Sie lebt mit ihrem Mann und vier Söhnen in einem Vorort von Boston. Dort arbeitet sie als Marketingleiterin eines Start-up-Unternehmens.


LASST UNS SCHWEIGEN WIE EIN GRAB

Alles wird anders als eines Tages die Leiterin des Mädcheninternats St. Etheldra und ihr Bruder beim Sonntagsessen sterben. Die sieben Schülerinnen sehen sich einer schwierigen Entscheidung gegenüber. Sie können alles berichten und dadurch riskieren nach Hause geschickt zu werden oder sie können so weiter leben wie zuvor, dafür müssen nur die Leichen verschwinden, und natürlich darf niemand ahnen, dass die Direktorin nicht mehr lebt. Die Mädchen fühlen sich sehr miteinander verbunden, keine will wirklich nach Hause, weshalb die Wahl schnell auf Vertuschung fällt. Doch einfacher gesagt als getan, viele Hindernisse müssen umschifft und gleichzeitig ein Mörder gejagt werden, denn der Übeltäter muss noch in der Gegend sein...

„Das Testament ist nicht das Einzige, was verschwunden ist“, erklärte Kitty Schlau. „In der Schublade waren acht Pfund, eine halbe Krone, zwei Schilling und ein Sixpencestück – das Geld ist weg.“
„Mädchen!“, brüllte Louise durch den Korridor. „Krisensitzung!“
„Kommt runter in die Waschküche!“, schrie Martha zurück. „Wir stecken mitten in der Wäsche.“ (S. 166)

Bevor es mit der Geschichte richtig los geht wird man einmal auf eine andere, außergewöhnlichere Weise an die Protagonisten herangeführt. Die sieben Schülerinnen werden nur kurz aufgezählt, doch daraufhin folgt eine kurze Vorstellung von Personen, denen man in der Erzählung nicht begegnen wird. Die kurzen Texte beinhalten Informationen darüber weshalb die Mädchen auf dieses Internat gehen und wer sie dorthin geschickt hat. Das ist wirklich eine originelle Idee und bringt sofort Pluspunkte ein.

Bald darauf findet man sich auch schon mitten im Geschehen wieder, dessen Kernaktion bereits auf dem Klappentext zu finden ist. Doch wer glaubt, dass nicht mehr viel kommen kann, täuscht sich gewaltig, mit dem Ableben der Direktorin und ihres Bruders ist es noch lange nicht vorbei – hier fängt alles erst an. In der Geschichte steckt viel mehr als man zunächst vermuten würde, doch muss man aufpassen, nicht dass man selbst noch von den Mädchen zum Narren gehalten wird.

Julie Berry hat diese skurril-komische Geschichte mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor gewürzt. Dieser mag nicht jedermanns Sache sein, doch passt er wunderbar zum Ambiente sowie zur gesamten Atmosphäre. Die Spannung darf natürlich auch nicht außer Acht gelassen werden, schließlich gilt es nach wie vor einen Mörder ausfindig zu machen. Im Grunde könnte es jeder gewesen sein, und genau das ist der Knackpunkt. Es gibt zu viele Hinweise, zu viele Spuren und entsprechend viele Sackgassen. Man muss genau hinschauen, um tatsächliche Beweise von fingierten Indizien unterscheiden zu können, um den Täter zu überführen.

„Lasst und schweigen wie ein Grab“ bietet mit einem außergewöhnlichen Mix aus Humor und Spannung die ein oder andere sehr unterhaltsame Lesestunde. Gerne möchte man daraufhin mehr von Julie Berry lesen.

Sonntag, 24. Mai 2015

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW21


Im Briefkasten

Anette:
Ben, Oliver Scherz (GW)
Elke, Christian Duda / Julia Friese (RE)
Herzriss, Hörbuch, Britta Sabbag (RE)
Stolperherz, Hörbuch, Britta Sabbag (RE)

Christiane:
Totgetanzt, Brigitte Lamberts / Annette Reiter (GW)
Die große weite Welt der Mimi Balu, Kati Naumann (GW)
Die drei !!! 52, Maja von Vogel (RE)
Die drei !!! 53, Henriette Wich (RE)
Die drei !!! 54, Mira Sol (RE)
Du stirbst in meinem Herzen nicht, Simone Veenstra (RE)


Rund um die "Katze mit Buch"

Rund ums Forum:
* Leserunden für 2015:
#Skandal (Sarah Ockler, cbt, 10 Ex., ET 25. Mai)

*BGR
Bastei Luebbe:
- Sabaa Tahir - Elias & Laia 1: Die Herrschaft der Masken (5 Ex., ET 15. Mai): ab 16.05.

[REZENSION] Mit uns der Wind

Redakteur: Julia Ehrenberg

Titel: Mit uns der Wind
Autor: Bettina Belitz
Illustrator: -/-
Übersetzer: -/-
Verlag: Script5
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 400 Seiten




Autor:
Bettina Belitz, geboren 1973 in Heidelberg, verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben und begann zu schreiben. Nach dem Studium arbeitete Bettina Belitz als Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt sie umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald.


MIT UNS DER WIND

Mona kennt Adrian nur von seinen YouTube-Videos. Denn Han-Ryu, wie er sich dort nennt, hat es mit seinen Videos zum Kiten zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Mona fühlt sich zu Adrian hingezogen. Und als er erwähnt, dass er zu Rock am Ring fahren wird, ist sie entschlossen, ihn dort zu suchen.

Einen Menschen unter 80.000 zu finden, das ist schon unter normalen Umständen eine wahnsinnige Idee. Aber die Umstände sind nicht normal, denn Mona ist krank. Sie leidet an einer besonderen Art der Narkolepsie, schläft bei starken Gefühlen und Aufregung ein. Genau deswegen wird sie rund um die Uhr von ihrer Familie bewacht. Das Unterfangen scheint hoffnungslos, aber Mona ist fest entschlossen, Adrian zu finden. Und tatsächlich schafft sie es, ihre Familie davon zu überzeugen, dass sie gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Manuel zu Rock am Ring darf.

Dort schafft sie es wirklich und entdeckt Adrian. Aber irgendwie läuft nicht alles so, wie sie es sich vorgestellt hat…

Ich mag die Bücher von Bettina Belitz sehr und sie schafft es immer wieder, mich zu überraschen. So auch bei diesem Buch. Irgendwie hatte ich etwas ganz anderes erwartet. Ich dachte, es wäre eine Liebesgeschichte, aber tatsächlich ist es eher ein Roman rund um Selbstfindung. Erzählt wird er abwechselnd aus der Sicht von Mona und Adrian, und beide machen im Laufe des Romans eine deutliche Entwicklung durch.

Während Mona versucht, ihre Fesseln abzuwerfen und ihre Grenzen auszutesten, ändert sich auch bei Adrian, der lange versucht hat, cool zu sein und Probleme in der Familie zu überspielen, etwas. Es ist ein typischer Bettina Belitz Roman, recht ruhig aber gleichzeitig voller Energie. Auch wenn ihre Bücher alle ganz unterschiedlich sind, so sind sie doch alle intensiv und poetisch.

Die Figuren in „Mit uns der Wind“ sind dreidimensional und greifbar, ich hatte das Gefühl, dabei zu sein, und habe vor allem auch die beiden Nebenfiguren Sanne und Judith in mein Herz geschlossen. Ihre Rolle in der Geschichte ist gar nicht so groß, aber es sind Figuren mit einer eigenen Story, über die ich gerne mehr erfahren hätte und die ich sofort liebgewonnen habe.

Insgesamt wurde ich wieder gut unterhalten von Bettina Belitz. Es ist nicht mein Lieblingsbuch von ihr, ihre anderen Einzelbände für junge Erwachsene konnten mich irgendwie stärker erreichen und bewegen. Aber auch mit „Mit uns der Wind“ konnte ich entspannte und schöne Lesestunden erleben.

„Mit uns der Wind“ ist eine ruhige und gleichzeitig energiegeladene Selbstfindungsgeschichte über ein ganz besonderes Mädchen. Wer außergewöhnliche Bücher mag, der sollte zugreifen!

Freitag, 22. Mai 2015

[REZENSION] Engelskalt

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Engelskalt (OT: Det henger en engel alene i skogen)
Autor: Samuel Bjørk
Übersetzer: Gabriele Haefs
Verlag: Goldmann
Reihe: -/-
Ausführung: Broschur, 544 Seiten



Autor:
Hinter dem Pseudonym Samuel Bjørk steht der norwegische Autor, Dramatiker und Singer-Songwriter Frode Sander Øien. Er wurde 1969 geboren, schrieb im Alter von 21 Jahren sein erstes Bühnenstück und veröffentlichte seitdem zwei hochgelobte Romane sowie sechs Musikalben. „Engelskalt“ ist sein erster Thriller. Derzeit lebt und arbeitet er in Oslo.


ENGELSKALT

Was muss das für ein Mensch sein, der kleine Mädchen mit einem Springseil an einem Baum aufhängt? Holger Munch und sein Team, das er nach einigen Diskussionen endlich wieder beisammen weiß, versuchen alles in ihrer Macht stehende, um weitere Opfer zu vermeiden und den Verantwortlichen zu erwischen. Ihre Nachforschungen führen sie zu einem alten Fall, doch der tatsächliche Zusammenhang erschließt sich nicht so leicht wie gedacht. Fast schon zu spät, stößt das Team auf einen irritierenden Hinweis – doch da ist es schon längst persönlich geworden...

„Wir haben noch eins.“
„Was?“, fragte Munch. „Noch ein verschwundenes Mädchen?“
Anette nickte.
„Eben gemeldet worden. Karoline Mykle. Sechs Jahre alt, aus ihrem Zimmer in Skullerud verschwunden.“
„Verdammt“, fluchte Munch.
[…]
Munch sah Mia kurz an. Er sagte nichts, aber sie wusste, was er dachte.
Zwei an einem Tag?
Zwei gleichzeitig? (S. 208)

Mit dem Einstieg gelingt es dem Autor sofort den Leser einzufangen, denn man wird sogleich ins Geschehen gezogen, obwohl man die späteren Zusammenhänge noch nicht einmal erahnen kann. Dennoch ist bereits früh spürbar, dass alles wichtig sein kann, weshalb man versucht sich jegliche Information zu merken. Und davon gibt es wahrlich einige. Seien es Personen oder Ereignisse, man weiß einfach nicht was wirklich relevant für den weiteren Verlauf ist und ist entsprechend bemüht der Erzählung konzentriert zu folgen.

Dies fällt manches Mal jedoch schwer, da die Beschreibungen zu ausschweifend werden, Darstellungen zu langatmig erscheinen und somit Passagen einfach schleppend vonstatten gehen. So wird der Lesefluss unterbrochen und die Spannung, die eigentlich auf einem recht hohen Niveau daher kommt, gemindert. Man hat das Gefühl, der Autor verzettelt sich hin und wieder, verliert sein Ziel aus den Augen und schweift dadurch ab. Vielleicht aber will er den Leser auch einfach nur in die Irre führen.

Es gibt einige Wendungen im Geschehen, die man nicht vorhersehen, nicht einmal erahnen konnte, und somit mehr als überraschend daher kommen. Zeitgleich zur Spannung wird in diesen Sequenzen auch das Tempo angezogen, so dass man ständig am Ball bleiben muss, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Verliert man den Überblick, kann es schnell passieren, dass man auch den roten Faden und somit den Blick für das Wesentliche verliert. Leider bleibt das Unvorhersehbare zum Schluss hin aus, es gibt zwar ein fulminantes Finale, doch hätte man sich doch noch die ein oder andere Überraschung gewünscht, die sich noch nicht zuvor abzeichnete. Ebenso wie manche Fragen, die offen bleiben, zwar nicht unbedingt relevant für den Fall als solchen sind, die man aber gerne aufgeklärt gewusst hätte.

Alles in Allem bietet „Engelskalt“ zwar noch einiges an Potential, um unübertroffene Begeisterung auszulösen, doch Samuel Bjørk ist dennoch durchaus ein Name, den man sich merken sollte, wenn es um Thrillerliteratur geht. Auf diesem Debüt lässt sich ohne Zweifel noch aufbauen, es bietet dennoch spannende Lesestunden und unkonventionelle Ermittler sowie Methoden, die nicht sofort wieder in Vergessenheit geraten.

Donnerstag, 21. Mai 2015

[REZENSION] Leonardo und Salai

Redakteur: Anette Leister

Titel: Leonardo und Salai
Autor: Benjamin Lacombe, Paul Echegoyen
Übersetzer: Edmund Jacoby
Verlag: Jacoby & Stuart
Reihe: Band 1
Ausführung: Hardcover, 96 Seiten



Autor:
Benjamin Lacombe, geb. 1982 in Paris, hat graphische Künste studiert und ist ein international sehr erfolgreicher Künstler, der viele Bücher illustriert hat. Inzwischen schreibt er auch seine eigenen Texte. Er lebt und arbeitet in Paris mit seinen Hunden Virgile und Lisbeth, die sich häufig in seine Bilder einschleichen.
Paul Echegoyen, geb. 1981, hat an der École Supérieure d Arts Graphiques studiert. 2008 erhielt er sein Diplom mit Auszeichnung und begann als freier Mitarbeiter in Animationsstudios zu arbeiten. 2011 erschien sein erstes Bilderbuch.


LEONARDO UND SALAI

"Leonardo und Salai" ist ein Werk bei dem Benjamin Lacombe mit Paul Echegoyen zusammengearbeitet hat.
Um die Zusammenarbeit besser verstehen und die Bilder in all ihren Facetten kompetent und gänzlich aufnehmen zu können, sollte man in dem Buch nicht mit dem Lesen der Graphic Novel beginnen, sondern mit dem angehängten Werkstattbericht, wo beide Künstler zu der außergewöhnlichen Zusammenarbeit zu Wort kommen und zudem einige Skizzen in ihrer Entstehungphase gezeigt werden.

Das Buch selbst erzählt in einem ersten Band von zweien, von Leonardo da Vincis Schaffen, von seinem Treffen und seiner Liebschaft mit Salai und spricht viele Themen an, mit denen sich Künstler nicht nur im 15. Jahrhundert herumzuschlagen oder gar zu verstecken hatten, sondern die auch heute noch brandaktuell sind: Ausgrenzung und Verstecken wegen homosexueller Neigungen und der Schwierigkeit mit Kunst Geld zu verdienen, um damit gut Leben, und nicht nur einen Teil seiner Gläubiger bezahlen zu können. Zudem lernt man Leonardo hier nicht erst als alten Mann kennen, sondern als einen Erfinder, Maler und Bildhauer in der Blüte seiner Jahre.

Die Bilder wirken homogen und authentisch, als entstammten sie tatsächlich der entnommenen Zeit. Warum dies so ist, erklärt sich im Werkstattgespräch mit den Illustratoren.

Es ist ein ganz anderes Werk von Lacombe, als diejenigen, die ich bisher kennengelernt habe. Ich bin aber nicht minder begeistert davon, vielmehr zeigt er hier wieder völlig neue Facetten von sich, beispielsweise durch den Wechsel von kleinformatigen, sepiafarbigen Illustrationen in der erzählenden Novel, die dann ganz plötzlich wieder von einer doppelseitigen, mehrfarbigen Illustration überflügelt werden. Trotz dieser Mittel wirkt Lacombes Arbeit mit Echegoyen wie ein homogenes Ganzes, bei dem viel zu schnell das Ende naht und man ehrlich gesagt nicht gewillt ist, lange auf die Fortsetzung zu warten. Ich für meinen Teil bin nun viel zu neugierig, wie sich das Auftauchen Francesco Melzis auf die zuweilen sehr komplizierte Beziehung zwischen Leonardo und Salai auswirken wird...

Mittwoch, 20. Mai 2015

[REZENSION] Die Frau, die zu wenig wusste (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Frau, die zu wenig wusste
Autor: Sascha Gutzeit
Sprecher: Sascha Gutzeit
Übersetzer: -/-
Verlag: KBV
Reihe: Kommissar Engelmann 2
Ausführung: Hörbuch, ca. 60 Minuten, 1 CD



Autor und Sprecher:
Sascha Gutzeit, geboren 1972, ist Sänger, Schauspieler, Autor und Entertainer. Seit 1993 macht er CDs mit eigenen Songs und schreibt auch Musiktheaterstücke, in denen er alle Rollen selber spielt - unter anderem die Krimikomödie „Der Mörder ist immer der Täter“. Er ist Mitgründer des „Vollplaybacktheaters“, nahm ein Duett mit Wolfgang Niedecken auf, komponierte Filmmusik, arbeitet als Sprecher, schrieb und vertonte u.a. Kai Meyers Buchreihe „Die Sieben Siegel“. Er liebt Tomate mit Mozzarella und isst nachts heimlich Nutella mit dem Löffel. Wenn er nicht gerade durch die Lande tourt, lebt er zusammen mit Frau und Hund in der Vulkaneifel.


DIE FRAU, DIE ZU WENIG WUSSTE

Eine hübsche Frau, nahezu leblos und ohne Gedächtnis. Kurzerhand nimmt Kommissar Heinz Engelmann das Geschoss auf und mit zu sich nach Hause. Während der Nachforschungen was es mit der Dame auf sich hat, befördert er Dinge ans Tageslicht, die möglicherweise unter der Erdoberfläche besser aufgehoben gewesen wären. Doch einmal mit dem Ermittlungsgen infiziert, ist Engelmann so leicht nicht wieder zu stoppen...

Mein lieber Scholli – ach nee – mein lieber Engelmann, was sich da in Hiesig dieses Mal abspielt ist wirklich ganz großes Kino. Zustände sind das, die hätte man in diesem ansonsten so idyllischen Dörfchen niemals vermutet. Gut, dass da einer ist, der für Ordnung sorgt, auch wenn es manches Mal den Anschein hat als würde er für noch mehr Chaos sorgen. Im Grunde plant Engelmann seine Einsätze ganz präzise und ahnt die Konsequenzen schon bevor sie sich zeigen. Entsprechend vertrauensvoll sollte man seinem Können gegenüber stehen, die Gefahr wird schon bald gebannt sein...

Doch bis es auch nur ansatzweise so weit kommen kann, fließt noch viel Kognak die Kehle hinunter. Die Nerven liegen blank, denn der Hörer versucht verzweifelt sich einen Reim auf das Geschehen zu machen und Zusammenhänge zu finden, die alles sind, nur nicht offensichtlich. Viele Unbekannte reihen sich aneinander, so dass es schwierig wird den Überblick zu behalten und den Durchblick zu erlangen. Bleibt nur die Hoffnung, dass Heinz Engelmann seine Gehirnwindungen besser unter Kontrolle hat und Hiesig von Missetaten verschont bleibt.

Auch mit dem zweiten Fall für Heinz Engelmann holt Autor und Sprecher Sascha Gutzeit den Hörer genau da ab wo er es beabsichtigt. Mit schrägem Humor, atemberaubender Spannung und gekonnten Spezialeffekten ergibt sich ein Hörvergnügen der besonderen Art, das in keine Schublade passt, von 08/15 keine Spur. Viel zu schnell ist die Reise in die Vergangenheit schon wieder vorbei, wie gut, dass der dritte Fall schon in den Startlöchern steht.


Reiheninfo:
Fall 1: Die Leiche, die sich aus dem Anzug haute

Dienstag, 19. Mai 2015

[REZENSION] Jonas, der mechanische Hai

Redakteur: Anette Leister

Titel: Jonas, der mechanische Hai
Autor: Bertrand Santini
Illustrator: Paul Mager
Übersetzer: Edmund Jacoby 
Verlag: Jacoby & Stuart
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 8 Jahren
Ausführung: Hardcover, 112 Seiten



Autor:
Bertrand Santini, geb. 1968, ist ein französischer Autor, Illustrator und Zeichentrickfilmautor. Er wurde für Der Yark in Frankreich mit mehreren Kinderbuchpreisen ausgezeichnet.

Illustrator:
Paul Mager ist Absolvent der École de cinéma et d animation Georges Méliès in Paris. Seit 2003 hat er an Figuren und Hintergründen für zahlreiche Filmprojekte gearbeitet, zum Beispiel für die Universal Studios.


JONAS, DER MECHANISCHE HAI

Nach der sehr skurrilen Märcheninterpretation von der Schönen und dem Biest dieses Autors, dem "Yark", musste ich unbedingt auch "Jonas, der mechanische Hai" lesen.
Auch in diesem Buch interpretiert Bertrand Santini einen Klassiker neu. Da diese Interpretation allerdings relativ überraschend und erst gegen Ende des Buches deutlich zur Sprache kommt, werde ich diesen Klassiker in meiner Rezension nicht namentlich erwähnen.

Glaubt man den Statistiken, setzt ein Mensch, wenn er in haiverseuchten Gewässern schwimmt, sein Leben weniger aufs Spiel, als wenn er seinem Nächsten die Hand gibt. (S.54)

Jonas war in seinen besten Zeiten der Star mehrerer Blogbuster-Horrofilme. Nun verdient er sein Gnadenbrot in einem Freizeitpark in Hollywood neben Krokzilla, einem japanischen Filmsaurier und diversen Zombies und Vampiren.
Auch wenn die Figuren mechanischer Natur sind, so erwachen sie dennoch nachts zum Leben, wenn das menschliche Personal des Freizeitparks schon lange Feierabend gemacht hat.
Nach einem verpatzten Auftritt im Park, als Jonas'  Mechanik im entscheidenden Moment versagt, will die Parkleitung ihn verschrotten. Damit das nicht passiert versucht sein Freund und Kollege Krokzilla ihn zum richtigen Ozean zu bringen. Ein Abenteuer, von dem Jonas schon immer geträumt hat, auch wenn ihm der Abschied von seinen Freunden schwerfällt.

Wie "Der Yark" ist auch "Jonas, der mechanische Hai" im Genre erzählendes Kinderbuch angesiedelt, dennoch ist die Geschichte auch gerade für erwachsene Leser geeignet auf Grund der Symbolik und den diversen Zitaten auf alte Filme und literarische Klassiker.

Die Illustrationen von Paul Mager zeigen ein breites Spektrum von melancholisch über putzig und gruselig. Obwohl Betrand Santini häufig eine reduzierte Sprache benutzt, beinhaltet seine Geschichte genau wie Magers Illustrationen eine tiefschürfende und märchenhafte Handlung. Die beiden ergänzen sich großartig, Text und Bilder gehen eine Symbiose ein und verstärken ihre Wirkung wechselseitig.

Jonas - der vermeintlich Böse in dieser Geschichte - bleibt immer ehrlich und handelt nie gegen seine Natur. Der Mensch erweist sich letzten Endes als der wahre Schrecken und Jonas wird belohnt, nicht nur mit einem echten Freund, der seine Gefährten aus Monsterland mehr als würdig ersetzt, auch wenn diese trotz Mechanik immer lebendig und echt beim Leser ankommen.

Das Buch ist für ein reichhaltig illustriertes Buch recht kleinformatig ausgeführt, von Papierqualität und Anzahl, Ausführung und Druck der Illustrationen jedoch sehr hochwertig ausgestattet.
Wer schön gestaltete Bücher oder Neuinterpretationen von Klassikern liebt, sollte die bislang erschienenen Geschichten von Bertrand Santini auf jeden Fall näher in Augenschein nehmen.