Samstag, 28. Februar 2015

[AKTION] NOX Buchstapler-Challenge

Redakteur: Christiane Demuth

http://www.dtv-dasjungebuch.de/special/yves_grevet_nox/nox_buchstapler/2131/

Ihr wolltet immer schonmal zum Buchstapler werden und einen 1,50-Meter-hohen Bücherstapel gewinnen? Dann nichts wie los, dtv macht's möglich!

Noch bis zum 04. März 2015 könnt Ihr Euch um eins von 50 kostenlosen Leseexemplaren bewerben (natürlich darf auch mit eigenem Buch mitgemacht werden). Zwischen dem 06. März 2015 und dem 02. April 2015 werden schließlich insgesamt sieben Aufgaben gestellt, die erfüllt werden müssen, um ein Stückchen näher an den heiß begehrten und ersehnten Preis heran zu rücken.

Doch schaut Euch die Aktion selber an, HIER kommt Ihr sofort zum Special und den Spielregeln.
Habt Spaß und stellt Euch der Herausforderung!

[REZENSION] Frankensteins Erben (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Frankensteins Erben
Autor: -/-
Sprecher: Erzähler: Bodo Primus
Übersetzer: -/-
Verlag: Igel Records
Reihe: Faust jr. ermittelt 11
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Ausführung: Hörspiel, ca. 79 Minuten, 1 CD



Sprecher:
Bodo Primus, Ingo Naujoks, Luna Jahrreiss, Jochen Malmsheimer, Benhamin Armbruster, Ralph Erdenberger, Walter Scheele, Dr. Peter Mario Kreuter, Prof. Dr. Marion Maria Ruisinger, Michael Klarner, Oswin Dotzauer
Mehr zur Serie: www.faust-jr-ermittelt.de


FRANKENSTEINS ERBEN

Während Frank Faust und Nichte Luna das geheime Labor seines Vaters aufräumen, machen sie eine schier unglaubliche Entdeckung. Ein mysteriöser Film bringt die beiden auf die Spur der Geschichte von Frankenstein. Und was ein echter Detektiv ist, der begibt sich sofort auf die Suche nach der Entschlüsselung des Geheimnisses. Frank und Luna ermitteln getrennt in Ingolstadt und auf der Burg Frankenstein, wobei sie Ungeheuerliches aufdecken...

Dieses Mal wird es für den chaotischen Detektiv Frank Faust persönlich. Denn er ist auf der Spur eines Geheimnisses, das sein Vater seit Jahrzehnten gut hütet. Dabei trifft er auf alte Bekannte und gruselige Gestalten. Außerdem ergeben nun auch einige Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit einen Sinn. Prinzipiell sind die Hörspielfolgen in sich abgeschlossen, doch Neueinsteiger werden sich hier unweigerlich fragen, ob die genannten Situationen tatsächlich in früheren Folgen Thema waren. Für die Verständlichkeit der vorliegenden Folge ist dies natürlich unerheblich.

Wie gewohnt begibt sich Frank Faust an reale Orte und trifft dort auf Experten, dieses Mal zum Thema Frankenstein. Auch Luna macht sich auf die Suche, allerdings getrennt von ihrem Onkel, und gerät just in Gefahr. Hier wird Spannung erzeugt, denn bis zum Schluss weiß man nicht wie es ausgehen wird, ob ihr jemand zu Hilfe kommt und wenn ja, wer. Auch gibt es schlussendlich offene Fragen was weitere Ermittlungen Frank Fausts angeht.

Interessante und bei Weitem nicht unbedingt allseits bekannte Fakten werden hier zielgruppengerecht dargestellt. Doch auch wenn es sich vordergründig um ein Hörspiel für Kinder ab 10 Jahren handelt, so heißt das nicht, dass nicht auch Erwachsene noch etwas lernen können. Nicht jeder hat sich unbedingt ausführlich mit Frankenstein beschäftigt, so dass sich durchaus neue Erkenntnisse ergeben, die authentisch und lebhaft vermittelt werden. Eingebettet in einen Fall für Frank Faust lernt es sich doch gleich viel angenehmer als das bloße Lesen trockener Fakten.

In „Frankensteins Erben“ ermittelt Frank Faust in seinem elften Fall, der hoffentlich noch lange nicht sein letzter sein wird.

Freitag, 27. Februar 2015

[REZENSION] Leo und der Fluch der Mumie

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Leo und der Fluch der Mumie
Autor: Claudia Frieser
Übersetzer: -/-
Verlag: Dressler
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 9 Jahren
Ausführung: Hardcover, 288 Seiten



Autor:
Claudia Frieser ist 1967 in Sulzbach-Rosenberg geboren. Sie studierte in Regensburg und Bamberg Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Nach dem Studium beteiligte sie sich an Ausgrabungen und verschiedenen Forschungsprojekten. Außerdem arbeitete sie eine Zeit lang am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Claudia Frieser lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Bamberg.


LEO UND DER FLUCH DER MUMIE

Im Sommer 1933 verlässt der elfjährige Leo mit seiner Familie Berlin, um nach Amerika auszuwandern. Auf der Überfahrt lernt er nicht nur neue Freunde kennen, sondern macht auch noch eine unglaubliche Entdeckung. Kurz nachdem er ein Tagebuch über den Fluch einer Mumie findet, erwacht eine solche auf dem Schiff tatsächlich zum Leben. Gemeinsam machen die Kinder sich auf, das Geheimnis zu lüften, denn so recht möchte lieber niemand daran glauben, dass der Fluch Wirklichkeit ist...

Die nächtliche Séance hatte sich wie ein Lauffeuer auf dem Schiff herumgesprochen. Beim Frühstück, egal in welchem Speisesaal, gab es nur ein Thema, die Mumie und ihre Todesdrohung. Niemand zweifelte mehr an Madame Margaux' Fähigkeiten. Eine Séance mit ihr versprach unvergesslich zu sein.. Jeder drängte das Medium, die Darbietung zu wiederholen. (S. 107)

1933 war in Berlin einiges los, das Thema Auswandern schon lange kein Neuland mehr. Die geschichtlichen Hintergründe werden hier zielgruppengerecht dargestellt und in die Erzählung integriert, so dass auch junge Leser bereits ein Gefühl für die damalige Stimmung bekommen. Die Geschichte lässt sich eben nicht ändern, verschwiegen werden sollte sie auch nicht, so findet die Autorin den rechten Weg, um die Umstände zu thematisieren ohne ausschweifend zu werden.

Rund um die Hintergründe strickt Claudia Frieser im weiteren Verlauf eine spannende Geschichte, die dem Leser, egal ob jung oder alt, so manches Mal den Atem stocken lässt. Ebenso wie die Hauptprotagonisten, möchte der Leser nicht unbedingt an einen wirklichen Fluch glauben, erste Erklärungen finden sich auch schnell, doch im Dunkeln bleiben lange das Motiv und die ausführende Kraft. Es ergeben sich zwar hin und wieder vielversprechende Spuren, aber konkrete Beweise lassen sich nicht ermitteln. Dadurch bleibt die Spannung durchgängig vorhanden und auf hohem Niveau.

Man fiebert und rätselt mit den Kindern mit, die sich vollkommen unerschrocken in ein Abenteuer begeben, das von außen gar nicht mal so ungefährlich aussieht. Ob man selber in einer solchen Situation ebenso gehandelt hätte bleibt fraglich. Dennoch verfolgt man natürlich gebannt das Geschehen und ist mehr als gespannt auf die Auflösung, so es denn eine rationale Erklärung gibt.

„Leo und der Fluch der Mumie“ bietet großartige Unterhaltung, nicht nur für junge Leser. Schwierige, aber gleichzeitig wichtige, Themen werden gekonnt ins Geschehen eingebunden und somit fast spielerisch vermittelt. Gleichzeitig bilden Spaß- und Spannungsfaktor eine gute Mischung, die den Leser so schnell nicht wieder los lässt.

[FILM-REZENSION] Arne Dahl Staffel 2

Redakteur: Yvonne Müller

Titel: Arne Dahl Staffel 2
Regie: -/-
Darsteller: Malin Arvidsson, Irene Lindh, Claes Ljungmark, Magnus Samuelsson, Matias Padin Varela
Laufzeit: ca. 594 Minuten
Reihe: Arne Dahl
FSK: ab 16 Jahren




ARNE DAHL STAFFEL 2

Vielen Krimi-Liebhabern in der der Bücherwelt, dürfte Arne Dahl ein Begriff sein. Seine Reihe rund um die Spezialeinheit namens "A-Gruppe" wurden verfilmt und nun ist die zweite Staffel erschienen.
Auf dieser Blu-ray DVD Box sind die beiden Filme "Rosenrot" sowie "Tiefer Schmerz" enthalten, welche die neue Fälle der Eliteeinheit der schwedischen Polizei unter der Führung von Kerstin Holm zeigen. Neue Verbrechen stellen die Ermittler vor neue Herausforderungen.

In „Rosenrot“ wird ein Asylbewerber von einem Polizisten erschossen. Zunächst sieht wie ein unglücklicher Polizeieinsatz aus. Doch je mehr die polizeilichen Ermittlungen von Kerstin Holm und ihrem Team voran schreiten, desto mehr offenbaren sich andere Beweggründe...

Im zweiten Film „Tiefer Schmerz“ wird eine bekannter Forscher und Nobelpreiskandidat auf einem Friedhof grausam zugerichtet und ermordet. Außerdem beschäftigt das A Team noch ein anderer Toter, welcher bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde. Hängen beide Fälle zusammen?
Was Kerstin Holm und ihr Team noch nicht ahnen, das dieser verwobene Fall, sie quer durch Europa führen wird...

In beiden Filmen steht das Spezialisten-Team rund um Kerstin Holm im Mittelpunkt.
Ihre Ermittlerarbeit in den grausamen Fällen verschafft den Polizisten immer mehr Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Abgründe. So wie Autor Arne Dahl seine Figuren in den Büchern dargestellt hat, so lernt man sie auch in den Filmen kennen.
Es wird durch die Schauspieler eine glaubhaft die innere Zerrissenheit der Charaktere zum Ausdruck gebracht. Nie sind die Figuren eindimensional oder stereotyp dargestellt - weder die Guten" - noch die Bösen.
„Rosenrot“ und „Tiefer Schmerz“ sind packende wie spannungsgeladenen Geschichten, die den Zuschauer regelrecht an den Bildschirm fesseln und auch für einige wohlige Schauer des Schreckens sorgen. Unvorhersehbar Wendungen schaffen es, die Spannung von der ersten bis zur allerletzten Filmminute zu halten.


Diese Staffel mit 594 Minuten enthält zu einem die TV Fassungen und zu anderen auch die ungekürzten Fassungen, was Arne Dahl Fans freuen dürfte.

Donnerstag, 26. Februar 2015

[INTERVIEW] Interview mit Alice Pantermüller

Redakteur: Julia Ehrenberg



Liebe Alice,
vielen Dank, dass du bereit bist, mir ein paar Fragen zu deinem neuen Kinderbuch „Linni von Links“ zu beantworten!

Mit Lotta hast du ja bereits eine Buchreihe, die eine ganz ähnliche Zielgruppe wie Linni anspricht. Wie kam es dazu, dass du neben Lotta eine weitere Heldin für junge Mädchen geschaffen hast?
Tja, wie so häufig war es eine Idee meines Verlags. Lotta läuft nun mal sehr gut und da liegt es nahe, das Feld etwas zu erweitern. Linni spricht eine etwas jüngere Zielgruppe an als Lotta und unterscheidet sich auch sonst sehr von ihr. Aber es ist natürlich denkbar und auch wünschenswert, dass Mädchen, die gern Lotta lesen, auch zu Linni greifen. Und selbstverständlich auch umgekehrt!
In Linnis Familie haben alle Frauen besondere Talente. Wieso hast du für Linni gerade das Dichten gewählt? Und war es schwierig, ihre Gedichte zu schreiben?
Die Idee, Linni Gedichte schreiben zu lassen, war sehr schnell geboren. Ich wollte ein schreibendes Mädchen, aber natürlich reichte der Umfang des Buches nicht, um Linni ganze Romane schreiben zu lassen. Und so bin ich ganz schnell auf Gedichte gekommen. Kurze Gedichte, Vierzeiler, in die man alle möglichen Skurrilitäten packen kann, die einem neunjährigen Mädchen so durch den Kopf gehen. Und tatsächlich ist es mir sehr leicht gefallen, die Gedichte zu schreiben. Es macht mir unheimlichen Spaß, innerhalb weniger Zeilen Nonsens zu produzieren. Schließlich muss der Rest des Buches gut strukturiert sein.
Wie schon Lotta Leben wird auch Linnis Geschichte von Daniela Kohl illustriert. War das von Anfang an klar, dass auch Linni von keiner anderen in bunte Bilder gefasst werden kann?
Dem Verlag war es klar … während ich anfangs nicht so recht wusste, ob ich es gut finden sollte oder nicht. Ich arbeite sehr gern mit Daniela Kohl zusammen, mit uns beiden klappt es einfach wunderbar und ich freue mich immer wieder über unser eingespieltes Team. Aber ich hatte ein bisschen Angst, den Anschein zu erwecken, als wollten wir einen Abklatsch von Lotta produzieren. Deswegen war es allen Beteiligten von Anfang an wichtig, dass Linni ganz anders werden soll als Lotta. Und das ist sie ja auch. Mittlerweile bin ich wirklich glücklich darüber, auch dieses Projekt zusammen mit Daniela Kohl zu machen. Linni ist einfach so entzückend illustriert!
Als du selbst in Linnis Alter warst, war dir da schon klar, dass dein Talent das Schreiben ist und du Autorin werden möchtest?
Ich habe als Grundschülerin schon ganze Schulhefte mit Geschichten gefüllt, Cover gebastelt und meine „Bücher“ natürlich auch selbst illustriert. Und, ja, ich wollte schon damals „Buchschreiberin“ werden. Oder Lehrerin. Was ich dann auch erst mal geworden bin, bevor ich auf Umwegen doch wieder zum Schreiben gefunden habe.
Hast du selbst schon an irgendwelchen Talentwettbewerben teilgenommen?
Ich habe vor meiner ersten Veröffentlichung mehrere Geschichten zu Schreibwettbewerben eingereicht. Viele waren es nicht, vielleicht drei. Aber letztlich bin ich so ja auch zum Arena-Verlag gekommen: indem ich den ersten Wettbewerb, den der Verlag ausgeschrieben hat, gewonnen habe. Mein Manuskript hieß „Insel der Dinosaurier“ und daraus wurde mein erstes Kinderbuch „Bendix Brodersen – Angsthasen erleben keine Abenteuer“.
Woher nimmst du deine vielen Ideen? Was inspiriert dich?
Alles Mögliche. Ich behaupte immer, meine Ideen kämen aus meinem Kopf – aber irgendwie sind sie dort ja auch hineingekommen. Ich denke, ich verknüpfe einfach vieles miteinander, Erinnerungen aus meiner Kindheit und Begebenheiten mit meinen eigenen Kindern … tausend Kleinigkeiten, die ich in der Umwelt beobachte und die ich in meinem Kopf weiterspinne, die sich weiterentwickeln. Manchmal bleiben die Gedanken in einer Sackgasse stecken, aber manchmal galoppieren sie immer weiter und es entstehen interessante, skurrile, witzige und überraschende Geschichten.
Gibt es Schreibrituale in deinem Leben? Brauchst du einen bestimmten Ort, ein bestimmtes Getränk oder vielleicht eine bestimmte Musik im Hintergrund, um zu schreiben?
Am besten kann ich schreiben, wenn ich zu Hause an meinem Schreibtisch sitze. Ich habe zwei Bildschirme vor mir, einen zum Schreiben, den anderen zum Googeln oder um parallel auf meine Ideensammlung oder mein Exposé zu schauen oder auf Bilder, die zu meinem Text passen und mich inspirieren sollen. Und hinter den Bildschirmen befindet sich das Fenster mit Blick in den Wald. Dann noch ein Tässchen Tee und es klappt mit dem Schreiben. Aber bloß keine Musik, dabei könnte ich nicht arbeiten!

Vielen Dank für das spannende Interview.
Ich freue mich auf viele weitere Geschichten rund um die einzigartige Linni von Links!

[REZENSION] Der kleine Prinz (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Der kleine Prinz (OT: Le Petit Prince)
Autor: Antoine de Saint-Exupéry
Sprecher: Oliver Rohrbeck
Übersetzer: Maja Ueberle-Pfaff
Verlag: Audiobuch
Reihe: -/-
Ausführung: Gekürzte Lesung, ca. 109 Minuten, 2 CDs



Autor:
Antoine de Saint-Exupéry wurde am 26.6. 1900 in Lyon geboren. Er verlor früh den Vater und wurde von der Mutter auf dem Schloss de La Mole erzogen. Er war Schüler in einem Jesuitenkolleg, später Architekturstudent in Paris, Soldat bei der Luftwaffe, Handelsvertreter. In den zwanziger Jahren wurde er Flieger und flog die Strecke Toulouse-Casablanca-Dakar. 1927-29 war er Direktor des Flugplatzes Cap Juby/Rio de Oro, 1929 wurde er Direktor der Aeroposta Argentina in Buenos Aires. 1931 Heirat. 1934 Eintritt in die Air France. Längeres Krankenlager nach einem Flugzeugunfall. Im September 1939 wurde Saint-Exupery Pilot in einer Aufklärer-Staffel, im Dezember 1940 ging er nach Amerika, 1943 kam er nach Nordafrika. Seit 31.7. 1944 ist er vermisst. Wahrscheinlich haben ihn auf der Höhe von Korsika deutsche Jäger abgeschossen.

Sprecher:
Oliver Rohrbeck wurde 1965 in Berlin geboren und sammelte schon als Kind bei der Sesamstraße erste Fernseh- und Schauspielerfahrungen.
Seit seiner Kindheit ist er als Synchronschauspieler tätig und sprach Hauptrollen in Filmen wie Pinochio, Outsiders, E.T., Wayne´s World und Verrückt nach Mary, um nur einige zu nennen. Er leiht regelmäßig Ben Stiller seine Stimme.
Er ist auch als Dialogregisseur und -autor für Hollywoodproduktionen tätig.
Einer großen Hörerschaft ist er wohl aber durch die Kult-Hörspielreihe Die Drei ??? bekannt. In den Detektivgeschichten spricht er die Hauptfigur „Justus Jonas“. 2010 erlangten die Drei ??? einen Eintrag in das Guiness Buch der Rekorde. Mit mehr als 15000 Besuchern war das Live-Hörspiel ,Live and Ticking‘ in der Berliner Wuhlheide weltweit das größte Event dieser Art.


DER KLEINE PRINZ

Nach einem Flugzeugabsturz irgendwo im Nirgendwo lernt der Verunglückte ein ganz wundersames Kerlchen kennen, das ihm eine noch wundersamere Geschichte erzählt. Von einer Reise über sechs Planeten, bis hin zur Erde und Weisheiten eines Fuchses. Es ist nicht schwer zu erraten, wessen Geschichte hier erzählt wird – es ist die des kleinen Prinzen.

Oft gehört oder gelesen und bekannt wie ein bunter Hund, dennoch kann man von dieser wundervollen Fabel wohl nie genug bekommen. Vermutlich mit ein Grund, weshalb es immer wieder neue Übersetzungen und Vertonungen gibt. Handelt es sich schließlich um ständig aktuelle Themen, wird die Begeisterung für den kleinen Prinzen auch nie nachlassen.

Bei Audiobuch ist nun ebenfalls eine neue Vertonung entstanden, gelesen und interpretiert von Oliver Rohrbeck, den wohl jeder zunächst mit seiner bekanntesten Rolle – Justus Jonas – in Verbindung bringt. Wenn nicht bereits geschehen, wird man spätestens nach diesem Hörgenuss seine Wandelbarkeit erkennen und schätzen lernen. Denn er fängt das Wesen des kleinen Prinzen gekonnt ein und zieht den Leser hinein in eine wundervolle Geschichte, die einem fast schon so vorkommt, als hätte man sie selbst erlebt.

Dass es in dieser Erzählung um Werte wie Freundschaft, Aufgeschlossenheit und Liebe geht ist nichts Neues, aber dafür ständig aktuell, so dass es durchaus wert ist, sich mal wieder eingehender damit zu beschäftigen. Denn vieles wird in der heutigen Zeit als selbstverständlich wahrgenommen und Hektik bestimmt den Alltag, da weiß man oft vieles gar nicht mehr wirklich zu schätzen. Entsprechend wichtig ist es, sich mal wieder eine Auszeit zu gönnen, egal ob alleine oder mit lieben Menschen, und warum dabei nicht auch einfach mal den Worten des kleinen Prinzen lauschen.

Wer glaubt, die Geschichte sei inzwischen antiquiert, täuscht sich. Oliver Rohrbeck liest die Neuübersetzung von Maja Ueberle-Pfaff, die genau die richtigen Worte gefunden hat, um ein gegenwärtiges Geschehen darzustellen, das mit Sicherheit alles andere als überholt ist. In Verbindung mit der großartigen Sprecherleistung ist hier eine Produktion entstanden, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Mittwoch, 25. Februar 2015

[REZENSION] Sei ganz still

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Sei ganz still
Autor: Sebastian Thiel
Übersetzer: -/-
Verlag: Gmeiner
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 277 Seiten



Autor:
Sebastian Thiel, geboren 1983 in Viersen, lebt und arbeitet als freier Autor in Tönisvorst am Niederrhein. Nach einer Ausbildung zum Fachinformatiker arbeitete er als IT-Manager in einem mittelständischen Dienstleistungsunternehmen, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete.
Mehr zum Autor: www.sebastianthiel.net


SEI GANZ STILL

Unter menschenunwürdigen Bedingungen muss Polizist Friedrich Wolf im Strafgefangenenlager schuften, weil er sich nicht anpassen will. Als ein SS-Arzt ihn plötzlich herausholt und ihn beauftragt seine Verlobte in Düsseldorf, Wolfs Heimatstadt, ausfindig zu machen, hält er zunächst alles für einen üblen Scherz. Doch sieht er sich mit einem Mal in seinem alten Revier wieder, in dem nicht alle ihn mit offenen Armen empfangen. Auch der Auftrag scheint nach genauerer Betrachtung alles andere als durchsichtig, doch Wolf ist gewillt sich den Widrigkeiten zu stellen – Hauptsache es geht nicht zurück ins Lager...

Wolf passierte den Kaiserteich und den Schwanenspiegel. Vor einiger Zeit hatte er ich von Lene sogar dazu überreden lassen, im Winter mit ihr über die gefrorene Eisfläche zu schlittern. Für Außenstehende mussten sie wie ein ganz normales Paar gewirkt haben. Gut, dass er es besser wusste. Hatte sich denn alles gegen ihn verschworen? Das Letzte, was er nun wollte, war seine alten Kollegen wiederzusehen. (S. 136)

„Sei ganz still“ spielt im Sommer 1938, dessen geschichtliche Hintergründe wohl jedem Leser bekannt sein dürften. Doch begibt man sich dieses Mal nicht ins Hauptzentrum des Geschehens, sondern ins Düsseldorfer Rotlichtmilieu. Gemeinsam mit dem mehr als eigenwilligen Polizisten Friedrich Wolf versucht man eine junge Frau zu finden, die scheinbar nicht gefunden werden will.

Hauptprotagonist Wolf ist alles andere als 08/15, mehr Ecken und Kanten kann man vermutlich schon gar nicht mehr besitzen. Doch genau aus diesem Grund bleibt er im Gedächtnis und zieht auch Sympathien an, selbst wenn man das ein oder andere Verhaltensmuster nicht unbedingt gutheißen kann. Aber wer kann schon nachvollziehen wie das Leben damals war und zu welchen Mitteln man greifen musste, um überhaupt eine Chance zu haben.

Sein Auftrag und die daraus folgende Suche sind recht undurchsichtig und man ist sich sehr sicher, dass es mindestens ein Geheimnis gibt, das der SS-Arzt lieber für sich behalten hat. Doch kann man weder sofort erkennen worum es sich handelt noch hat man die Möglichkeit zahlreiche Spuren zu verfolgen. Gemeinsam mit Wolf versucht man also das Rätsel zu lüften und gerät dabei in einen Sog aus Macht, Hass und diversen anderen Eigenschaften, die scheinbar an der Tagesordnung waren.

Auffällig ist die extrem gute Recherche des Autors, es ist, als wäre man selber vor Ort, so lebendig kommt das Geschehen herüber. Er zeichnet somit ein Bild der Geschichte, das alles andere als theoretisch oder trocken daher kommt. Auch wenn man einiges vielleicht schon wusste, die historischen Einflüsse machen die Erzählung authentisch und halten sie am Laufen, es wird zu keiner Zeit langweilig, trotz der teilweise nüchternen Fakten.

Gerne möchte man nach der Lektüre mehr von dem eigensinnigen Polizisten Friedrich Wolf lesen, doch wie und ob es mit ihm weiter geht, bleibt offen. Ebenso wie das Ende des Geschehens, das nach einem fulminanten Showdown zwar zahlreiche Antworten geliefert hat, doch auch noch Platz für Spekulationen lässt.

[REZENSION] Gans für dich

Redakteur: Anette Leister

Titel: Gans für dich
Autor: Martin Baltscheit
Illustrator: Christine Schwarz
Verlag: Beltz
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 5 Jahre
Ausführung: Hardcover, 40 Seiten



Autor:
Martin Baltscheit, geboren 1965 in Düsseldorf, studierte Kommunikationsdesign an der Folkwangschule Essen. Im Anschluss tätig als Comic-Zeichner, Illustrator, Schauspieler, Kinderbuch-, Prosa-, Hörspiel- und Theaterautor. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Für die große Neuausgabe der Dschungelbücher als Buch und Hörbuch (bei HÖRCOMPANY) bündelte er seine zahlreichen Talente. Martin Baltscheit lebt mit seiner Familie in Düsseldorf.

Illustrator:
Christine Schwarz wurde 1974 in Langenfeld geboren und lebt in Düsseldorf. Sieben Jahre lang arbeitete sie als Krankenschwester auf einer Station für Knochenmarktransplantation in Essen. Heute befindet sie sich in der Ausbildung zur Gemälderestauratorin. »Gold für den Pinguin« ist ihre erste Arbeit an einem Bilderbuch für Kinder.


GANS FÜR DICH

Ein Bilderbuch für kleine Zuhörer und ein Gedichtband für Selbst(und-zwischen-den-Zeilen)leser:

Gans für euch alle!

Meistens ist es gar nicht dumm:
Erst ein Gedicht und dann ein Bild.
Diesmal war es andersrum.
Auch schön.

In "Gans für dich" treffen mehrfarbige Zeichnungen von Tieren, die sich auf das Wesentliche des Charakters konzentrieren, auf intelligente Wortspiele von Martin Baltscheid.

Bereits eine der ersten Bild-Gedichten geht mit einem skurrilen Inhalt los: im Schwarm haben sich zwei verliebte Fische aus den Augen verloren, doch für die beiden findet sich ein Happy End in der Ölsardinendose.

Das Innere des Buches ist recht minimal gestaltet. Oftmals kommen die Tierbilder sogar ohne Hintergrund aus, so dass einem das Buchinnere zum größten Teil klar und cremefarben entgegenwirkt im krassen Gegensatz zu dem in zarten Farben und schön herausgearbeiteten Details des Buchumschlags. Der Buchumschlag ist ein Beispiel dafür, dass manchmal ein Bild mehr als tausend Worte sagt:

          VERSPROCHEN
                                                Ich liebe dich
                                                Gans wie du bist

Und der blaue Himmel des Tages und der rötliche Himmel des Abends versprechen dies immerwährend, für alle Zeit.

Mit Wortspielen sind die Gedichte gespickt, die nicht nur lustig sind, sondern auch Neckereien, Rätsel und Wunder verbergen, gerade recht, dass auch große Entdecker einen (Wort)Schatz darin finden.


Dienstag, 24. Februar 2015

[REZENSION] Und morgen du (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Und morgen du
Autor: Stefan Ahnhem
Sprecher: David Nathan
Übersetzer: -/-
Verlag: Hörbuch Hamburg
Reihe: Fabian Risk 1
Ausführung: Ungekürzte Lesung, ca. 938 Minuten, 2 mp3-CDs



Autor:
Stefan Ahnhem, geboren 1966, ist ein bekannter schwedischer Drehbuchautor, unter anderem für Filme der Wallander-Reihe. Er lebt mit seiner Familie in Stockholm. Und morgen du ist sein erster Roman und der erste Teil der Krimiserie um Kommissar Fabian Risk.

Sprecher:
David Nathan ist die deutsche Synchronstimme von Johnny Depp und Christian Bale. Er machte zunächst eine Ausbildung als Maler und Lackierer, bevor er sich als Synchronsprecher bewarb und sofort engagiert wurde. Heute gilt er als einer der meistbeschäftigten Synchron- und Hörbuchsprecher Deutschlands; er hat unter anderem Texte von Stephen King, Wolfgang Hohlbein und Haruki Murakami gelesen.


UND MORGEN DU

Als Kommissar Fabian Risk mit seiner Familie zurück in seine Heimatstadt zieht, freut er sich eigentlich noch auf ein paar ruhige Tage, bevor er seinen Dienst antritt. Doch alles kommt anders als eine brutal zugerichtete Leiche gefunden wird. Denn neben dieser liegt ein Foto von Fabians alter Klasse, das Opfer war einer von ihnen. Schnell wird Risk und seinen neuen Kollegen klar, dass es sich hier nur um den Beginn einer Mordserie handelt. Aber welches Motiv hat der Täter und ging er damals in dieselbe Klasse? Bei den Ermittlungen kommt Risk ihm gefährlich nahe...

Stefan Ahnhem startet mit „Und morgen du“ eine neue Krimiserie, deren erster Fall es bereits in sich hat. Soll wirklich eine ganze Schulklasse ausgelöscht werden? Was kann damals vorgefallen sein, dass es auch nach Jahrzehnten noch nicht vergessen ist und zu solchen Taten führt? Fragen, die nicht nur die Ermittler sich stellen. Auch der Hörer verfolgt gebannt das Geschehen und versucht Hinweise zu erlangen wer sich hinter den Taten verbirgt und warum diese sich überhaupt ereignen. Risk, der damals in dieselbe Klasse ging wie die Opfer, gibt natürlich die ein oder andere Information preis, doch konkret kann auch er sich nicht an jede Einzelheit von damals erinnern. Wenn es schon kein Betroffener kann, wie soll dies Außenstehenden gelingen – und dann auch noch in kurzer Zeit? Die Ermittler geraten mehr und mehr unter Druck, sobald die nächsten Opfer auftauchen.

Von Anfang an baut die Spannung sich auf und steigt stetig weiter an. Man kommt einfach zu keinem gemeinsamen Nenner, denn kaum, dass sich eine vielversprechende Spur ergibt, landet man entweder in einer Sackgasse oder es geschehen unerwartete Dinge, die die Arbeit der Polizei nicht unbedingt erleichtern. Hier darf man sich also nie zu sicher sein verstanden zu haben worum es geht, denn eins ist sicher: Man hat es nicht verstanden!

Es handelt sich bei dieser Produktion um eine ungekürzte Lesung, gesprochen von David Nathan, der den meisten Hörern wohl als deutsche Synchronstimme von Johnny Depp oder Christian Bale bekannt sein dürfte. Er fängt die vorliegende Atmosphäre grandios ein und überträgt diese gekonnt auf den Hörer, der die Anspannung vom ersten Ton an spürt. Diese Stimme ist wie ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann, man muss einfach immer und immer weiter zuhören, dabei rückt der Inhalt sogar fast in den Hintergrund – aber wirklich nur fast.

„Und morgen du“ ist Spannung total und wird auch noch einige Zeit später Nachklingen. Unerwartete Wendungen stehen ebenso auf der Tagesordnung wie schier unglaubliche Taten, von denen man sich kaum hätte vorstellen können, dass ein Mensch dazu in der Lage ist. Stefan Ahnhem hat also alles richtig gemacht und einen Auftakt geliefert, der auf Großes hoffen lässt.

[REZENSION] Linni von Links - Berühmt mit Kirsche obendrauf

Redakteur: Julia Ehrenberg

Titel: Linni von Links – Berühmt mit Kirsche obendrauf
Autor: Alice Pantermüller
Illustrator: Daniela Kohl
Verlag: Arena
Reihe: Linni von Links Band 1
empfohlenes Lesealter: ab 8 Jahren
Ausführung: Hardcover, 136 Seiten



Autor:
Alice Pantermüller wurde 1968 in Flensburg geboren. Nach dem Lehramtsstudium, einem Aufenthalt als deutsche Fremdsprachenassistentin in Schottland und einer Ausbildung zur Buchhändlerin lebt sie heute mit ihrer Familie in der Lüneburger Heide.

Illustrator:
Daniela Kohl verdiente sich schon als Kind ihr Pausenbrot mit Kritzeleien. Die freie Illustratorin und Grafikerin lebt mit Mann, Hund und Schildkröte über den Dächern von München.


LINNI VON LINKS – BERÜHMT MIT KIRSCHE OBENDRAUF

Die 9jährige Linni von Links hat es nicht einfach, kommt sie doch aus einer Familie, in der alle Frauen berühmt sind. An fing alles mit Uroma Emilie, die damals ein Star in Hollywood war und auch ansonsten einige Urkunden und Pokale aus verschiedenen Bereichen vorzuweisen hat. Seitdem ist wirklich jede Frau in der Familie berühmt geworden – manche als Schauspieler, manche als Künstler und manche als Sportler. Als dann sogar Linnis 5jährige Schwester in der Zeitung ist, ist ihr klar, es ist an der Zeit, endlich selbst berühmt zu werden. Womit ist auch keine Frage, schließlich gibt es nur eine Sache, die Linni richtig gut kann und das ist Dichten. Leider findet außer ihr niemand ihre Gedichte gut. Kann sie damit trotzdem den Gedichtwettbewerb ihrer Lieblingskinderfernsehsendung gewinnen?

„Berühmt mit Kirsche obendrauf“ ist der erste Band einer neuen Reihe von Alice Pantermüller. Neben dem von Lotta können kleine Leseratten ab 8 jetzt also auch das Leben von Linni mitverfolgen. Und das sollten sie wirklich tun. Mein Herz hat Linni von Links sofort erobert. Zwar konnten mich ihre Gedichte nicht wirklich überzeugen (sorry, Linni), aber ihre herzliche und lustige Art auf jeden Fall. Linni ist einfach sympathisch und ich wünsche ihr, dass sie ganz schnell ganz berühmt wird. Ich freue mich darauf, ihren Weg weiter zu begleiten, denn ich bin mir sicher, sie hat noch einige witzige Ideen, um ins Rampenlicht zu kommen.

Das Buch liest sich wirklich schnell, auch noch nicht geübte Leser werden sicher gut damit klar kommen. Und genau wie die Lotta-Bücher ist auch Linni illustriert von Daniela Kohl. So findet man immer wieder fröhliche bunte Bilder mit kleinen Anmerkungen, die die Geschichte auflockern und perfekt ergänzen.

Linni von Links ist auch gut zum Vorlesen geeignet, denn auch große Leser können viel Spaß haben und sich an der leicht verrückten Familie erfreuen. Es macht Spaß, die einzelnen Familienmitglieder mit ihren Besonderheiten kennenzulernen. Die Familie von Links ist nämlich wirklich außergewöhnlich, aber eigentlich auch ziemlich normal. Na ja, so normal man eben sein kann, wenn alle Frauen berühmt sind.

Greift zum Buch und lest von Sven, der für ein schwedisches Möbelhaus Aufbauanleitungen übersetzt, von Linnis Geige spielender Grufti-Schwester Leslie, von der kleinen Frida, die immer einen Affen in einer Handtasche mit sich herumträgt, von Linnis Mutter, die eine berühmte Vulkanfotografin ist und natürlich von Linni selbst, der zukünftigen berühmten Dichterin. Lasst euch verzaubern und unterhalten!

Montag, 23. Februar 2015

[REZENSION] Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Redakteur: Anette Leister

Titel: Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek (OT: Mobile Library)
Autor: David Whitehouse
Übersetzer: Dorothee Merkel
Verlag: Tropen
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 314 Seiten



Autor:
David Whitehouse wurde 1981 in Nuneaton, England geboren. Sein Debut »Bed« wurde 2010 mit dem »To Hell with Prizes Award« ausgezeichnet. Er lebt in London.


DIE REISE MIT DER GESTOHLENEN BIBLIOTHEK

Das Buch beginnt mit dem Ende und erinnert ein wenig an den Kultfilm "Thelma und Louise":

Bobby, Val und Vals Tochter Rosa sind mit einem Bücherbus durch England geflüchtet - warum und vor wem, das erfährt man an dieser Stelle noch nicht - die Polizei hat sie nun an einer Klippe umstellt und versucht zumindest die beiden Kinder zu retten. Das Ende ist sehr melancholisch. Bobby, Rosa und ein Hund stellen sich der Polizei, im Hintergrund stürzt der Bus die Klippen herunter. Danach beginnt das Buch von vorne, nicht zu dem Zeitpunkt, als die Entführung oder Flucht im Bus losgeht, sondern einige Wochen oder Monate früher, in Bobbys Kindheit, wo er nur einen Freund hat und von den anderen Kindern unterdrückt und erniedrigt wird. Die Freundschaft der beiden hatte eine schockierende Wirkung auf mich, Sunny, Bobbys Freund, will sich für Bobby zum Cyborg umbauen lassen, um immer zu seinem Schutz an seiner Seite sein zu können. Wie schlecht es Bobby geht, kann der Leser zu diesem Zeitpunkt nur erahnen, dass sein einziger Freund deshalb so weit geht, sich Beine und Arme brechen zu lassen, um während der OPs Metallplatten eingesetzt zu bekommen. Die Kinder scheinen verrückt! Leider geht der Plan daneben, Sunnys Mutter zieht mit ihrem Sohn an die Südküste Englands und Bobby steht wieder einmal alleine auf sich gestellt da.

In dieser Situation macht der die Bekanntschaft zu der behinderten Rose und deren Mutter Val, die für die Reinigung des Städtischen Bücherbuses zuständig ist. Als Die Stadt die Mittel streichen und den Bus schließen wollen und zudem Gerüchte aufkommen, dass Val Bobby entführt und misshandelt, kommt es zu einer Kurzschlussreaktion: die drei hauen mit dem Bücherbus auf eine Odyssee quer durch England ab... und dem Leser wird nun erst so richtig klar, dass die Insassen des Busses vor ihren alten Leben davonlaufen.

Sie treffen auf böse Gestalten, zum Beispiel einen Baron, der ihre Mission beinahe zum Scheitern bringt, aber wie die kleine Dorothy auf ihrer Wanderung durch Oz bekommen sie auch Hilfe: durch den Roboter, der eigentlich mal ein Cyborg werden sollte. Ein Höhlenmensch, eine Königin, eine Prinzessin und ein Junge werden später eine Familie bilden, denn Familie ist nur dem Namen nach eine Blutsbande, eine wirkliche Familie besteht aus Liebe, Hilfe und Zusammengehörigkeit. Ob der Höhlenmensch und seine Familie zusammenfinden, klärt das "Ende" dieses Buches nicht völlig, aber trotzdem ist es so passend als Abschluss für dieses Buch, wie es nur sein kann, denn...
"Hat diese Geschichte ein Happy End?", fragte Bobby.
"So etwas wie ein Ende gibt es nicht", sagte sie. "Gutes ergibt sich aus Schlechtem und Schlechtes aus Gutem und so geht es immer weiter. Genau wie im Leben. Bücher sind das Leben. Es gibt nicht nur den Teil, den du liest. Sie fangen schon lange vorher an. Und sie gehen danach weiter. Alles geht ewig weiter. Du nimmst nur für ein paar Seiten daran teil, für die Dauer eines winzigen, aus der Zeit geschnittenen Fensters." (S.138)
 
"Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek" ist literarisch, märchenhaft, mehrdeutig und verzaubernd! Und das weitaus mehr, als es sich auf den ersten Stationen der Reise erahnen lässt. Die Fahrt mit dem Bücherbus lohnt nicht nur für Vielleser!

[REZENSION] Love Letters to the Dead

Redakteur: Anette Leister

Titel: Love Letters to the Dead (OT: Love Letters to the Dead)
Autor: Ava Dellaira
Übersetzer: Katarina Ganslandt
Verlag: cbt
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 384 Seiten



Autor:
Ava Dellaira ist Absolventin des Iowa Writers’ Workshop, an dem sie als Truman Capote Stipendiatin teilnahm. Sie wuchs in Albuquerque, New Mexiko auf. Ihren Bachelor machte sie an der Universität von Chicago. Sie glaubt, dass Love Letters to the Dead seinen Anfang nahm, als sie das zweite Mal in ihrem Leben ein Album kaufte –, Nirvanas In Utero – es sich in Schleife anhörte und dabei ihr Tagebuch vollschrieb. Heute lebt Ava Dellaira in Santa Monica, ist in der Filmbranche tätig und arbeitet an ihrem zweiten Roman.


LOVE LETTERS TO THE DEAD

"Love Letters to the Dead" ist ein Roman, der komplett in Briefen verfasst ist.
Durch eine Hausaufgabe im Englischunterricht fängt Laurel an, Briefe an früh verstorbene, berühmte Persönlichkeiten zu schreiben, in denen sie über ihre ebenfalls viel zu früh verstorbene Schwester May schreibt. So fällt ihre erste Wahl auf den Lieblingssänger ihrer Schwester: Kurt Cobain. Da Laurel in diesen Briefen sich Dinge von der Seele schreiben kann, über die sie mit niemandem reden kann, folgen dem Brief an Kurt Cobain weitere an Janis Joplin, Amy Winehouse oder Heath Ledger. Dabei ergibt sich diese Wahl immer aus dem Kontext der Geschichte, so wird ihr die Musik von Janis Joplin von einer Freundin empfohlen, die Filme von Heath Ledger oder dem ebenfalls früh verstorbenen River Phoenix hat sie zusammen mit ihrer Schwester May angesehen. So wird verständlich, warum Ava Dellaira teilweise Persönlichkeiten gewählt hat, mit denen Jugendliche von heute auf den ersten Blick nicht viel anfangen können.
Da man lange nicht weiß, warum Laurels Schwester May so früh verstorben ist und welche Geheimnisse Laurel sonst auf der Seele lasten, zieht sich der Mittelteil der Geschichte etwas in die Länge, da vieles über Kapitel hinweg nur angedeutet wird, ohne in irgendeiner Weise konkretisiert zu werden. Da man Laurels eigene Geschichte kurz vor dem Tod ihrer Schwester ebenfalls nicht kennt, ist es zudem schwer für ihr aktuelles Verhalten Verständnis zu zeigen. Es lohnt aber bei dieser Geschichte am Ball zu bleiben, da die Autorin mit einer besonderen Auflösung der Geschichte aufwartet, die zudem Laurels schwieriges Verhalten nach dem Tod ihrer Schwester erklärt. So gibt sich Laurel tatsächlich aus sehr schockierenden Gründen die Schuld am Tod ihrer Schwester und man versteht, warum sie die Bindungen zu Freunden und ihrer alten Schule gekappt hat, und sich nicht einmal ihren geschiedenen Eltern anvertrauen wollte.

"Angst zu haben und sich danach zu sehnen, beschützt zu werden, sind die beiden elementarsten Gefühle im Leben."
Ich musste an May denken. "Glaubst du, dass wir uns manchmal absichtlich in Gefahr bringen, weil wir uns wünschen, beschützt zu werden?" (S.188)
"Aber was ist mit meiner Schwester? Warum habe ich es nicht geschafft, sie zu beschützen?" Meine Stimme zitterte, und ich konnte richtig spüren, wie ich innerlich zusammenzuckte. Vielleicht auch äußerlich. Ich hatte das vorher noch nie so laut ausgesprochen. (S.285)

"Love Letters to the Dead" ist ein intensives Buch über Freundschaften und Familienbande, über die Zeit, die eine Familie durchmachen muss nach dem Verlust eines Familienmitglieds. Dabei wird - aber ebenfalls erst sehr spät in der Geschichte - angesprochen, wie schwer es für Elternteile ist mit dem Verlust eines Kindes umzugehen. So erklärt sich nun auch die Flucht von Laurels Mutter nach Kalifornien und das Insichgekehrtsein ihres Vaters. Worum es noch geht, will ich an dieser Stelle nicht verraten, auch wenn es einerseits die Begründung dafür wäre, warum sich das Durchhalten lohnt, falls jemand den Mittelteil ebenfalls als zäh und in die Länge gezogen empfindet, aber es würde zu viel von der Auflösung über die Umstände von Mays Tod verraten.

"Love Letters to the Dead" ist eine intensive und zu Herzen gehende Geschichte einer Jugendlichen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, die zeigt, wie wichtig ist, sich im Nacheifern an einen geliebten Menschen nicht selbst aus den Augen zu verlieren und das man Probleme nicht verarbeiten kann, in dem man sie in seinem Innersten verschließt. Laurels Briefe an die Toten sind eine Therapie in Tagebuchform, die ihr helfen ihre Probleme zu verarbeiten und mit deren Hilfe sie lernt, wieder mit den Lebenden zu kommunizieren.