Mittwoch, 30. Dezember 2015

[REZENSION] Zerrspiegel

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Zerrspiegel
Autor: Katja Montejano
Übersetzer: -/-
Verlag: Südwestbuch
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 232 Seiten



Autor:
Katja Montejano wurde 1967 in Aarau (Schweiz) geboren und lebt mit ihrem Ehemann und Hunden in Zofingen (Schweiz). Ihr Vater stammt aus Spanien und die Mutter aus Italien. Nach Abschluss einer Banklehre war sie in diversen Unternehmen tätig. Schon in dieser Phase ihres Lebens zeigte sich eine wichtige persönliche Eigenschaft: Sie hielt nicht an einem einzigen eingeschlagenen Pfad fest, sondern probierte vieles aus und suchte aktiv nach dem für sie passenden Weg. Seit 2001 arbeitet sie als Übersetzerin in der Informatikabteilung einer größeren Bankengruppe. Ihre Leidenschaft zur Spannungsliteratur hat sie dazu bewogen, selber Thriller zu schreiben. Die Autorin ist Mitglied der „Mörderischen Schwestern“.


ZERRSPIEGEL

Jazz ist allein zu Haus als sie brutal überfallen wird. Instinktiv reagiert sie und schlägt den Täter dadurch in die Flucht. Doch gleichzeitig verschwinden ihre Mutter und ihre Schwester. Sind sie bereits in den Fängen desjenigen, der auch für Jazz' Überfall verantwortlich ist. Welches Ziel verfolgt der Täter, was ist sein Motiv und wie weit ist er bereit zu gehen? Schon bald muss Jazz einsehen, dass nicht einmal die Polizei ihr hundertprozentigen Schutz bieten kann...

Kalkül. Ausführen. Entkommen. Genießen.
All dies in Begleitung seiner besten Freunde: HASS und WUT.
Bei diesem Gedanken verzog er das Gesicht zu einem leichten Grinsen, aber in seinen Augen loderte etwas Wildes auf, etwas, das an einen rudellosen Wolf auf der Jagd erinnerte... (S. 15)

Obwohl der Leser, im Gegensatz zu Jazz und den anderen Protagonisten, immer wieder Einblick in die Gedankenwelt des Täters erhält, erfährt man dennoch lange Zeit weder etwas über seine Identität noch sein Motiv. Dass er auf Rache sinnt scheint eindeutig, doch das Warum bleibt im Dunkeln. Entsprechend bleibt dem Leser nichts anderes übrig als seinen Weg und die mitunter brutalen wie grausamen Taten zu verfolgen.

Trotz aller Grausamkeit bleibt das Geschehen weitestgehend emotionslos, was nicht nur daran liegt, dass die Hauptperson Jazz am Asperger Syndrom leidet. Sprachlich berührt die Autorin den Leser einfach nicht, so dass das Geschehen einem nicht zu nahe kommt. Es ist eher als würde man einen rein theoretischen Bericht lesen, der die Fakten darlegt, aber ansonsten keine empathische Verbindung herstellt. Daraus folgt leider auch, dass man sich nicht in die handelnden Personen hineinversetzen kann und weiterhin von außen beobachtet wie sie ihr Vorgehen gestalten.

Nach dem ersten Übergriff, der die Spannung bereits anheizen konnte, wird es zunehmend ruhiger. Die Handlung stagniert, wodurch auch die Spannungskurve wieder im Begriff ist zu sinken. Erst in der zweiten Hälfte nimmt das Geschehen wieder Tempo auf wodurch der Leser endlich wieder gefesselt werden kann und die Atmosphäre spürbar angespannt ist. Der Ausgang ist bis zum Schluss nicht vorherzusehen, auch wenn man zwischenzeitlich erfahren hat warum dies alles geschehen musste. Daher sollte man die Konzentration nicht frühzeitig entlassen.

Leider sind in der ersten Auflage noch zahlreiche Fehler zu finden, die dem Lektorat scheinbar ein Schnippchen geschlagen haben. Ansonsten bietet „Zerrspiegel“ ein paar Stunden Unterhaltung, auch wenn der wirklich spannende Teil erst in der zweiten Hälfte beginnt.

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