Montag, 28. Dezember 2015

[REZENSION] Buchhandlung zum goldenen Buchstaben

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Buchhandlung zum goldenen Buchstaben
Autor: François Loeb
Übersetzer: -/-
Verlag: Allitera
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 176 Seiten



Autor:
François Loeb (geboren 1940 in Bern), lic. oec. Universität St.Gallen, leitete von 1975 bis 2005 das von seinem aus Freiburg im Breisgau stammenden Urgrossvater gegründete Berner Traditionskaufhaus LOEB. Nach politischen Mandaten in Gemeinde und Kanton sass er von 1987 bis 1999 im Schweizer Nationalrat. Heute lebt er im Schwarzwald, schreibt und publiziert Kurzgeschichten und Erzählungen.
Mehr unter: www.francois-loeb.com


BUCHHANDLUNG ZUM GOLDENEN BUCHSTABEN

In einer Buchhandlung muss alles seine Ordnung haben. Wer würde sich sonst zurechtfinden? „Jedes Buch an seinen Platz“ lautet die Devise, ohne die wir, je grösser das Buchhaus ist, im Chaos untergehen würden. Chaotische Lagerung mag zwar in der Industrie angehen, nicht jedoch in unserer Branche. (aus: „Ordnung“, S. 137)

Welcher Bücherwurm hat sich nicht schon mindestens einmal gewünscht in einer Buchhandlung eingeschlossen zu werden, ungestört stundenlang stöbern zu können und bis zum Morgengrauen versteckte Schätze zu finden? Doch hat man sich dabei auch überlegt was des Nächtens möglicherweise mit den Büchern geschieht? Erwachen Sie zum Leben oder bleiben sie standhaft an dem ihnen zugewiesenen Platz? Der Fantasie sind wahrlich keine Grenzen gesetzt, das zeigt François Loeb eindrucksvoll in diesem hier vorliegenden Erzählband.

Doch betrachtet er mitnichten ausschließlich das Geschehen in einer bei Nacht geschlossenen Buchhandlung. Auch den unterschiedlichsten Kundentypen wird Platz zur Entfaltung eingeräumt. Nicht immer sieht man jemandem sogleich seine wahre Passion an, manches Mal gibt er sogar bewusst vor jemand anderer zu sein, doch allesamt zieht es sie in Buchhäuser, um die geistige Entfaltung nicht einschlafen zu lassen. Die ein oder andere Situation hat man möglicherweise selbst schon einmal erlebt, sei es als Buchhändler, Kunde oder außenstehender Beobachter, in gewissen Ereignissen kann man sich verlieren und gleichzeitig selbst finden.

Als es Tag wurde und die zuständige Buchhändlerin alle Lichter entzündete, entdeckte sie ein Buch, das aus dem Regal gefallen war. Sie öffnete es und traute ihren Augen nicht, denn Inhalt und Buchstaben des Textes waren vollkommen durcheinander und jede Seite liess fürchterliche Töne erklingen, sodass die erschreckte Dame das Buch unvermittelt fallen liess und den Leiter der Belletristikabteilung um Hilfe rief. Sollte er doch und nicht sie sich mit diesem Horror befassen! (aus: „Epidemie“, S. 10)

Der Autor bedient sich einer sehr bildhaften Sprache, so dass nicht immer sogleich ersichtlich wird was er dem Leser mitteilen möchte. Sicher ist, dass jede Geschichte eine bestimmte Aussage beherbergt, die man jedoch erst einmal herausfiltern muss. Manches Mal gelingt dies schnell, teilweise muss eine Geschichte jedoch ein zweites oder sogar drittes Mal gelesen werden, um den wahrhaftigen Sinn zu verstehen. Dadurch ergeben sich von Zeit zu Zeit sogar noch Überraschungen, die sich in den jeweiligen Geschichten verborgen hatten und erst bei erneutem Lesen sichtbar werden.

Mit „Buchhandlung zum goldenen Buchstaben“ hat François Loeb einen Erzählband geschaffen, der den Leser zur Seite steht und bei seiner Entwicklung begleitet. Als besonderes Highlight hat der Autor zehn ausgewählte Geschichten gekennzeichnet, die man als PDF-Datei herunterladen und seinen Freunden und Mitstreitern zukommen lassen kann.

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