Montag, 2. November 2015

[REZENSION] Moselruh

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Moselruh
Autor: Moni und Simon Reinsch
Übersetzer: -/-
Verlag: KBV
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 320 Seiten



Autor:
Moni Reinsch, geb. 1968, lebt mit ihrer Familie in Trier. Sie hat alles mal probiert (Bank, Marketing, Personalwesen, Psychologie), lebt aber eigentlich fürs Schreiben.
Ihr Sohn Simon Reinsch, geb. 1993, studiert zur Zeit Medieninformatik in Birkenfeld.
Ihren ersten gemeinsamen Krimi »Tief im Hochwald« veröffentlichten die beiden 2013.


MOSELRUH

Hauptkommissarin Müller-Laskowski wird zu einem ungewöhnlichen Fall gerufen. Das Opfer, Pfleger in einem Demenzaltersheim, wurde an seiner Arbeitsstelle tot aufgefunden. Das Fatale an der Sache: Die Tatort war voller Menschen, die etwas gesehen haben können, doch die Erinnerungen sind mehr als Bruchstückhaft und nachweislich nicht immer ernst zu nehmen. Zeitgleich ist einer der Heimbewohner unauffindbar. Auch hier drängt die Zeit, denn niemand weiß wo er sich eventuell verlaufen hat, zurück findet er jedenfalls nicht ohne Hilfe...

Vanessa nickte. „Was mir in diesem Fall viel mehr ausmacht, ist die menschliche Komponente an dem Ganzen. Ich merke, dass ich einfach nicht fürs Sozialwesen geschaffen bin. […] Gestern Abend bin ich zu Hause in die Küche gelaufen und wusste nicht mehr, was ich holen wollte. Da stand ich kurz vor einer Panikattacke und dachte, jetzt fängt es bei mir auch schon an.“
Die Kollegen lachten befreit auf, aber den Blicken war anzusehen, dass jeder von ihnen schon ähnliche Gedanken gehabt hatte. (S. 175)

Würde es sich im Grunde genommen nicht um eine schreckliche Thematik handeln, haftet der Grundsituation als solches schon eine gewisse Komik an. Schließlich waren die Räumlichkeiten zur Tatzeit gut gefüllt, doch niemand kann sich daran erinnern etwas gesehen zu haben, was, auf Grund der Spurenlage allein, schon fast unmöglich erscheint. Wendet man sich der vorherrschende Krankheit zu, so kann man zumindest ansatzweise erahnen, wenn man nicht selbst in irgendeiner Art und Weise betroffen ist, wie die Ermittler sich in dieser Situation fühlen müssen. Verständnis für ihr Verhalten ist daher in jedem Fall gegeben. Doch auch den Heimbewohnern sowie dem Pflegepersonal wird natürlich gebührender Respekt gezollt, sowohl vom Leser als auch von den Autoren. Die Thematik wird in keinster Weise lächerlich gemacht oder gar verharmlost, so dass sich ein authentisches Gesamtbild ergibt.

Da es sich im Grunde um zwei Handlungsstränge handelt, den toten Pfleger sowie den verschwundenen Bewohner, wechseln vor allem die Orte recht häufig, so dass das Geschehen immer weiter vorangetrieben wird, auf die eine oder andere Weise. Denn natürlich stagniert die Ermittlungsarbeit auch hin und wieder oder steckt in einer Sackgasse fest. So aber wird auch die Spannung stetig aufrecht erhalten und gesteigert, so dass sich keine Störungen im Lesefluss ergeben.

Natürlich versucht man als Leser ebenfalls hinter das Rätsel, das sich um den Tod des Pflegers rankt, zu kommen. Doch auf Grund der Zeugenaussagen ergibt sich keine klare Linie, da man sich nicht sicher sein kann welche Erinnerungen tatsächlich auf die Tatzeit bezogen sind und welche nicht. So muss man, ebenso wie die Ermittler, auf Hinweise und Indizien vertrauen, die sich fast schon nebenbei und zufällig ergeben. Ob es sich dann aber tatsächlich um eine oder mehrere relevante Spuren handelt wird sich erst zum Schluss herausstellen. Eins ist auf jeden Fall sicher: Es warten einige Überraschungen auf den Leser. Gleichzeitig sind ein paar Ereignisse allerdings auch recht weit im Voraus vorhersehbar, man wartet im Grunde nur auf ihr Eintreten.

„Moselruh“ bietet nicht nur ein paar Stunden Ermittlungstätigkeit, für Leser und Protagnonisten, sondern befasst sich auch mit einer Thematik, die nicht unbedingt häufig in fiktionalen Büchern zu finden ist. Gerade deswegen sollte man unbedingt hinschauen und nicht vergessen, dass jeder betroffen sein kann, passiv wie aktiv.

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