Samstag, 1. August 2015

[REZENSION] Die Tarotmeisterin

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Tarotmeisterin
Autor: Elis Fischer
Übersetzer: -/-
Verlag: Gmeiner
Reihe: Band 2
Ausführung: Taschenbuch, 286 Seiten



Autor:
Elis Fischer, Jahrgang 1965, studierte Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften in Wien. Nach einigen Studienaufenthalten in Italien und vielen Arbeitsjahren im Marketing beschloss sie, sich ausschließlich der Kunst zu widmen. Heute lebt sie mit ihrer Familie im Burgenland und arbeitet als Autorin und Künstlerin.
Elis Fischers Krimis beziehen sich stets auf einen realen kunstgeschichtlichen Hintergrund, ihre historischen Recherchen lassen sich auf ihrer Homepage verfolgen: elisfischer.wordpress.com


DIE TAROTMEISTERIN

Eine Leidenschaft, die sie selbst nicht kannte? Doch wenn Leidenschaft mit dem Verlust der Selbstkontrolle einherging, war es wohl besser, sie nicht erst zu erleben. Wie zur Bestätigung ihrer Gedanken strich sie ihre Kostümjacke glatt und nahm das dritte Buch. Griechische und römische Mythologie. (S. 29)

Als Thesi herausfindet, dass ihre ehemalige Studienkollegin Sarah beim Netzwerk der „Wiener Frauen“ ebenfalls aktiv, gibt sie Floras Drängen nach und stimmt zu ein Treffen des Verbunds zu besuchen. Auf Sarah wird jedoch plötzlich ein Anschlag verübt und Thesi ist sich schnell sicher, dass Ursache und Täter im Kreise der Frauen zu suchen ist. Bei ihren Ermittlungen begibt sie sich einmal mehr in Gefahr und hört auch, trotz der Bitte ihres Mannes, nicht auf nach der Lösung zu suchen, ohne zu ahnen, dass sie möglicherweise selbst ins Visier des Täters geraten könnte...

Der Leser wird in „Die Tarotmeisterin“ nicht nur in ein esoterisches Geflecht rund um mysteriöse Karten, die die Zukunft deuten können, eingeführt, sondern auch ins London der 30er Jahre, welches scheinbar eine unsichtbare Verbindung zu den heutigen Ereignissen besitzt. Nach ihrem ersten Fall „Die Kunstjägerin“, ist llustratorin Thesi Valier erneut drauf und dran ein Verbrechen aufzuklären, natürlich mit Hilfe ihrer lieben Freunde, doch zumeist ohne Absicherung, was nicht bei jedem in ihrer Nähe gut ankommt. Leser, die den Vorgängerband nicht kennen, sind jedoch keineswegs im Nachteil, Personen und Umgebung werden ausführlich dargestellt und wichtige Ereignisse aus der Vergangenheit kurz erläutert, so dass der Informationsstand ausreichend ist, um sich auch außerhalb des aktuellen Falls ein Bild zu machen.

Als Kiesling weg war, überdachte Thesi das eben Gehörte noch einmal. Da waren plötzlich ganz andere Kaliber als mögliche Verdächtige im Spiel. […]
Sie versuchte, Tom zu erreichen, um zu fragen, ob Sarah inzwischen aufgewacht war, erwischte jedoch nur die Mailbox und hinterließ eine Nachricht. (S. 150)

Zu Beginn eines jeden Kapitels, das an einem neuen Tag spielt, gibt es zunächst die Tageskarte, die kurz erläutert wird. So kann man sich schon einmal mental darauf einstellen, was vermutlich geschehen wird. Zwangsläufig geht man die ein oder andere Möglichkeit im Kopf durch und überprüft dann im Laufe des Geschehens, welche Situationen man sich bereits selbst erdacht hat und welche eventuell sehr überraschend daher kommen. Dadurch wird man tief in die Geschichte hinein gezogen, denn unwillkürlich setzt man sich mit den Ereignissen intensiver auseinander und überlegt auch sogleich wo die Verbindung zur Vergangenheit zu finden sein könnte. Es gibt zwar immer mal wieder Hinweise, doch der konkrete Zusammenhang wird sich erst später offenbaren.

Gespannt verfolgt man wie Thesi und ihre Freunde sich auf Verbrecherjagd begeben. Gut, dass jeder seine Vorzüge hat und die diverses Können an den Tag legt. So ist es ein Leichtes, auch ohne Hilfe der Polizei, die ein oder andere Nachforschung anzustellen, um der Lösung näher zu kommen. Die Frage ist allerdings, ob man sich nicht in etwas verrennt, wenn man bereitwillig den Spuren folgt, die das private Ermittlerteam aufdeckt. Schließlich hat man als Leser den Anspruch, dass nicht immer der offensichtliche Weg auch der richtige ist und man schnell subjektiv entscheidet, sobald man emotional zu sehr involviert ist. Inwiefern die Bedenken jedoch berechtigt sind wird sich erst im weiteren Verlauf zeigen.

Ein gutes Maß an Spannung ist durchgängig vorhanden, sie steigt stetig an und doch kommt die Geschichte etwas ruhiger daher, was nicht unbedingt als Manko gesehen werden sollte. Mit viel Liebe zum Detail erschafft Elis Fischer einen Krimi, der den Leser in Gefilde führt, die er ansonsten möglicherweise gar nicht betreten hätte.


Reiheninfo:
Band 1: Die Kunstjägerin

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