Mittwoch, 29. Juli 2015

[REZENSION] chillen, killen, campen

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: chillen, killen, campen
Autor: Regine Kölpin (Hrsg.)
Übersetzer: -/-
Verlag: KBV
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 320 Seiten



Autoren:
Eva Almstädt, Guido M. Breuer, Oliver Buslau, Martin Ebbertz, Gitta Edelmann, Jürgen Ehlers, Almuth Heuner, Matthias Houben, Thomas Kastura, Regine Kölpin, Ralf Kramp, Tatjana Kruse, Ulla Lessmann, Gisa Pauly, Annette Petersen, Elke Pistor, Regina Schleheck, Jobst Schlennstedt, Andreas Schmidt, Manfred Schmidt, Anna Schneider, Martina K. Schneiders, Jan Schröter, Andreas Schulte, Fabian Skibbe, Alexa Stein, Petra Steps, Klaus Stickelbroeck, Jennifer B. Wind


CHILLEN, KILLEN, CAMPEN

Man sollte doch eigentlich meinen, hält man sich an Vorurteile und Klischees, dass man auf dem Campingplatz nie allein ist, keine Privatsphäre hat und somit auch kein Verbrechen begangen werden kann. 29 Autorinnen und Autoren gehen in ebenso vielen Kurzgeschichten der Sache kriminalistisch auf den Grund und zeigen dem geneigten Leser auf, dass man manches Mal zwar etwas Fantasie walten lassen muss, es aber durchaus möglich ist unbehelligt davon zu kommen, selbst bei einem Mord auf engem Raum...

Es dauerte eine ungute Stunde, bis ich meine Gattin endlich zum Einsteigen ins Wohnmobil und zur Weiterfahrt bewegen konnte. Als wenig später mein offenbar schon länger nicht mehr aktualisiertes Navigationsgerät inmitten eines Gebirgstunnels zwischen massiven Felswänden die unsinnige Ansage tätigte, ich solle jetzt scharf rechts abbiegen, war ich in größter Versuchung. (S. 35, aus: Jan Schröter; „Familientherapie“)

Wie es bei Anthologien so ist, treffen auch hier die verschiedensten Stile aufeinander, zig kreative Köpfe betrachten den Campingurlaub aus ihrer ureigenen Sicht. Manches Mal möchte man lieber nicht so genau wissen, ob wirklich alles nur der Fantasie entsprungen ist, denn die ein oder andere Situation mag jedem Leser aus diversen Familienurlauben, ob mobil oder nicht ist dabei irrelevant, bekannt vorkommen.

Bereits eingangs erwähnt, zeigt sich durchweg, dass einige Klischees was den Urlaub auf dem Zeltplatz angeht, widerlegt werden. So mancher Protagonist hat sich vermutlich noch nie so allein und unbeobachtet gefühlt, wünscht es sich aber womöglich, um seinem Schicksal entfliehen zu können. Interessante, wie außergewöhnliche Mordwaffen werden verwendet – man muss halt nehmen was man kriegen kann – Leichen verschwinden zu lassen wird schon fast Volkssport – auch hier darf man nicht wählerisch und schon gar nicht kleinlich sein.

„Ihr feiert hier ordentlich und dort draußen sitzen unsere Henker?“ Wütend berichtete ich von meiner Entdeckung.
Mucksmäuschenstill war es. Alle dachten bestürzt über eine Lösung der Fragen nach: Wie könnten wir die Killer abhängen? Wieso waren sie überhaupt in der Lage, uns hier zu finden? Und wie zum Teufel war so ein großes Loch von zehn Millionen in der Kasse entstanden? (S. 113, aus: Manfred C. Schmidt; „Consiliere“)

Interessant und durchaus humorvoll zu verfolgen sind die Motive, weshalb es überhaupt dazu kommt, dass jemand zum Täter, ein anderer zum Opfer wird. Da reichen zum Teil schon Kleinigkeiten – kein Wunder, wenn man sich auf engstem Raum quasi auf dem Schoss hockt – und man wird zum Tier.

So unterschiedlich die Stile der jeweiligen Verfasser, so unterschiedlich auch die Meinung des Lesers zu den einzelnen Geschichten. Mal sagt einem das Geschehen, beziehungsweise die Umsetzung, sowie die Charaktere mehr zu, mal weniger. Doch wie immer gilt: Die Mischung machts. Entsprechend gut unterhalten wird man auch von dieser Sammlung, jedem leidenschaftlichen Nicht-Camper aufzeigt, warum es sicherer ist auch dabei zu bleiben.

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