Donnerstag, 11. Juni 2015

[REZENSION] Tiefer Fall

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Tiefer Fall (OT: The Fall)
Autor: Annelie Wendeberg
Übersetzer: Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger
Verlag: KiWi
Reihe: Anna Kronberg 2
Ausführung: Taschenbuch, 336 Seiten



Autor:
Annelie Wendeberg ist eigentlich Umweltmikrobiologin (UFZ, Leipzig; Adjunct Professorin, Uppsala). Doch eines schönen Wintermorgens schlug sie die Augen auf und dachte sich: »Ich schreib mal was.« Seither versucht sie Forschung – ihre Leidenschaft – leicht verständlich und spannend in Blogartikeln zu vermitteln. Sie schreibt über alles Mögliche, was irgendwie mit Wissenschaftlern, Biologie, Umwelt, Ökologie und vor allem Mikrobiologie zu tun hat. Des Nachts bringt Annelie Leute um. Auf dem Papier (ach Quatsch, Bildschirm!). Eigenartigerweise klappt das auf Englisch am besten. Keiner weiß, warum. Sie publizierte ihre Bücher selbst, und das Indie-Autorenleben stellte sich als unerwartet wilder Ritt heraus. Sie lernte die Tricks und Fallen des Online-Marketings kennen, infiltrierte Leser-Communities, stolperte über Trolle und hatte hitzige Konversationen mit Piraten, die ihr zeigten, wie man E-Books ordentlich formatiert. Nachdem ihr erstes Buch Zehntausende Leser in den USA gefunden hatte, schickte Annelie zaghaft ein Exemplar an den KiWi-Verlag. Seitdem ist sie eine glückliche Indie-Autorin mit Verlagsanschluss.


TIEFER FALL

Bakteriologin Dr. Anna Kronberg, bisher in Männerkleidern unterwegs, wird von James Moriarty aufgespürt und entführt. In Gefangenschaft soll sie sich mit der Entwicklung biologischer Waffen beschäftigen. Sollte sie sich weigern, wird ihrem Vater etwas angetan. Fast schon verzweifelt wartet Anna auf das Auftauchen Sherlock Holmes', mit dem sie bereits auf der Spur einer grausamen Verschwörung war. Dennoch muss sie schon bald einsehen, dass sie hauptsächlich auf sich allein gestellt ist und ihrem Widersacher die Stirn bieten muss, wenn sie ihn zu Fall bringen will...

Von innerer Unruhe gepackt, erhob ich mich, ging zur Tür, setzte mich auf mein Kissen und horchte auf die Bewegungen im Haus. Bis auf das wenige Licht, das unter dem Türspalt durchschimmerte, war das Zimmer dunkel. Ich schloss die Augen und ließ meine Gedanken zurück in das Labyrinth aus Möglichkeiten und Unmöglichkeiten wandern. […] Es musste Risse im Gefüge geben. Ich würde sie finden und stetig ausdehnen, bis Moriartys Festung fiel. (S. 58)

„Tiefer Fall“ ist der zweite Krimi rund um Anna Kronberg, die in einer von Männern dominierten Zeit stur ihren eigenen Weg verfolgt und das, was sie sich vornimmt, auch durchzieht. Gemeinsam mit Sherlock Holmes war sie in „Teufelsgrinsen“ bereits einer Verschwörung auf der Spur, die sich nun in der dargebotenen Fortsetzung weiterentwickelt. Doch ist es nicht unbedingt tragisch, sollte man den ersten Band nicht kennen, da man im Verlauf des Geschehens immer wieder kurze Einblicke in das erhält was sich zuvor ereignet hat. Auch über die Charaktere kann man sich ziemlich bald ein Urteil erlauben, da sie ausreichend detailliert dargestellt werden.

Zu Beginn scheint die Spannung sich noch unter der Oberfläche zu verstecken, so wirkt das erste Viertel recht zäh und langwierig. Es will kein richtiger Sog aufkommen, der den Leser in den Bann zieht. Das ist vor allem deswegen schade, da sich inhaltlich doch einiges an Potential zeigt, um der Spannung Raum zur Entfaltung zu geben. Glücklicherweise nimmt das Tempo schließlich doch stetig zu, so dass auch die Spannungskurve ansteigt.

Gebannt verfolgt man Annas Weg, den sie aus ihrer eigenen Sicht darlegt, und mutmaßt natürlich über den weiteren Verlauf des Geschehens. Manches wird sich bestätigen, anderes geschieht vollkommen überraschend. Auch wenn man ihr Handeln nicht in jeder Situation nachvollziehen kann, so hegt man doch einiges an Sympathie für diese junge, mutige Frau und hofft, dass sich das Geschehen nach ihren Wünschen entwickeln wird. Da sie jedoch nicht alle Variablen berechnen kann, wird sich zeigen inwiefern es ihr möglich ist weiterhin die Kontrolle zu behalten.

Zwei weitere Folgebände sind bereits für Ende des Jahres angekündigt, so dass man schon jetzt weiß, dass die Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt wird. Gleichzeitig deutet auch der Schluss von „Tiefer Fall“ darauf hin, dass noch einiges im Argen liegt, um das sich schnellstmöglich gekümmert werden sollte. Trotz zähem Anfang schafft es die Autorin doch noch den Leser zu packen und sprichwörtlich in das Geschehen hinein zu ziehen.


Reiheninfo:
Band 1: Teufelsgrinsen

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