Samstag, 6. Juni 2015

[REZENSION] Straßenschatten

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Straßenschatten
Autor: Regine Kölpin
Übersetzer: -/-
Verlag: KBV
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 288 Seiten



Autor:
Regine Kölpin hat zahlreiche Romane und Kurztexte (unter Regine Fiedler für Kinder und Jugendliche) publiziert und gibt auch Anthologien heraus. Regine Kölpin leitet Schreibwerkstätten in der Jugend- und Erwachsenenbildung, und inszeniert historische Stadtführungen mit Lesungen an den Originalschauplätzen. Mehrfache Auszeichnungen, wie u.a. das Stipendium Tatort Töwerland 2010 ; Auszeichnung zur Starken Frau Frieslands 2011. Sie ist 1964 in Oberhausen geboren und lebt mit ihrer großen Familie in Friesland.


STRAßENSCHATTEN

Als die Obdachlose Frieda, der Studentin Paula täglich ihr Butterbrot abgetreten hat, plötzlich nicht mehr an der Haltestelle Marschweg sitzt, glaubt Paula nicht daran, dass Frieda ihren Platz freiwillig verlassen hat. Doch glauben will ihr niemand, und bei der Suche helfen erst recht nicht, handelt es sich schließlich um eine Obdachlose, die sicherlich nur ein anderes Quartier aufgesucht hat. Doch Paula gibt nicht auf und muss bald erkennen, dass ihr Bauchgefühl sie nicht getrogen hat. Allerdings gerät sie schon bald selbst ins Visier der Unbekannten, die es scheinbar auf wehrlose Obdachlose abgesehen haben. Und auch die Polizei beginnt sich plötzlich für Paula zu interessieren...

Einmal in ihrem Leben hatte sie die Wahl gehabt und die falsche Entscheidung getroffen. Die, die sie nie verwunden hatte. Nur – hätte es wirklich einen anderen Weg für sie gegeben? Sie war vom Schicksal aus der Gesellschaft fortgespült worden und hatte es nie mehr geschafft, ihren Fuß irgendwo zu verankern. (S. 62)

Nicht nur das Cover mutet düster an, auch die Atmosphäre scheint von Beginn an dunkel und bedrohlich, denn man ist direkt mitten im Geschehen, das den Puls des Leser sofort beschleunigt. Weder weiß man zu Beginn wer die agierenden Personen sind, noch wieso sie handeln wie sie es tun, doch spürt man, dass es wichtig ist, den Einstieg nicht sofort wieder zu vergessen. Sicherlich gibt es dort schon Hinweise, die einem später bei der Rekonstruktion hilfreich sein werden.

Die Erzählung bleibt durchweg emotional aufwühlend, ähnlich wie Paula fühlt man sich bald schon nirgends mehr sicher und gehetzt. Man hofft regelrecht darauf die Auflösung bald zu erfahren, denn nur wenn alles aufgeklärt wird, kann man sich beruhigt zurück lehnen. Die Atmosphäre wird immer weiter angeheizt, die Spannungskurve steigt. Manche Ereignisse mögen sich ankündigen, somit in gewisser Weise vorhersehbar sein, doch auf manches ist man keineswegs gefasst.

Wer der Geschichte aufmerksam folgt, wird bald einen bestimmten Verdacht haben, der sich in die Gedanken nistet und nicht so schnell von dort vertrieben werden kann. Zwar gibt es zahlreiche Hinweise auf Täter und Motive, doch es ist genau das was nicht gesagt wird, was den Leser misstrauisch werden lässt und dazu führt, dass man an seiner Meinung festhält, egal wie ausgeklügelt die Finten auch sein mögen. Ist man sich fast schon sicher was die Übeltäter angeht, so baut sich um die Hintergründe nach wie vor eine dicke Nebelwand auf, weshalb man keine konkreten Hinweise angeben kann, die das Bauchgefühl bestätigen.

Regine Kölpin gelingt es mit „Straßenschatten“ den Leser zu fesseln und ihm gleichzeitig das Gefühl zu geben mitten im Geschehen gelandet zu sein. Angereichert mit detaillierten Darstellungen und Lokalkolorit erschafft sie einen Thriller, der den Leser packt und so schnell nicht mehr loslassen wird, nicht nur auf Grund der ungewöhnlichen Thematik.

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