Montag, 15. Juni 2015

[REZENSION] Die Insel tanzt

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Insel tanzt
Autor: Janne Mommsen
Übersetzer: -/-
Verlag: rowohlt
Reihe: -/-
Ausführung: Broschur, 272 Seiten



Autor:
Janne Mommsen, Jahrgang 1960, hat in seinem früheren Leben als Krankenpfleger, Werftarbeiter und Traumschiffpianist gearbeitet. Inzwischen schreibt er überwiegend Drehbücher und Theaterstücke. Mommsen hat in Nordfriesland gewohnt und kehrt immer wieder dorthin zurück, um sich der Urkraft der Gezeiten auszusetzen. Passenderweise lebt die Familie seiner Frau seit Jahrhunderten auf der Insel Föhr.


DIE INSEL TANZT

Nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau lebt Jan Clausen alleine mit seiner Tochter Leevke auf Föhr. Die 10-jährige beginnt zu hinterfragen, warum ihr Vater in der ganzen Zeit keine neue Freundin hatte und sieht sich schon als Grund dafür. Doch bevor Jan sich näher mit der Thematik auseinander setzen kann eröffnet Sina, ehemalige Primaballerina, eine Tanzschule auf Föhr. Leevke nimmt ihrem Vater das Versprechen ab dem Salsa wenigstens ein paar Stunden eine Chance zu geben, um endlich einmal wieder unter Leute zu kommen. Dabei merkt er nicht nur, dass er scheinbar großes Talent hat...

Sie flog geradezu auf der geteerten Landstraße durch die Marsch. Bäume und Büsche wurden vom Ostwind heute mal nicht Richtung Festland, sondern zur offenen See hin gedrückt. Die Sonne machte jede Bewegung zu einem einzigen Genuss, die ganze Landschaft tanzte. Sina wurde richtig euphorisch, sogar der Wind war auf ihrer Seite. Das nahm sie als gutes Omen. Denn was sie jetzt vorhatte, war nicht nur wichtig für sie: Es war überlebenswichtig! (S. 70)

Insulaner sind ein Völkchen für sich, das muss auch Sina, obwohl auf Föhr aufgewachsen, einmal mehr feststellen. Veränderungen werden nicht unbedingt sofort angenommen, manches Mal trifft man sogar auf eine richtig harte Mauer. Doch ebenso wie sie mit der Zeit ihre alten und neuen Nachbarn kennen lernt, lernt der Leser die Charaktere immer besser kennen und kann sie nach einer gewissen Zeit immer besser einschätzen. Bestimmte Handlungsweisen lassen sich voraussehen, anderes kommt überraschend, gerade so wie es in der Realität auch ist. Als Sina die Insel und ihre Bewohner immer mehr für das Tanzen begeistern kann, ist man als Leser geneigt ebenfalls das Tanzbein zu schwingen. Es fällt schwer sitzen zu bleiben, man hat häufig eine Melodie im Ohr und der Rhythmus bahnt sich seinen ganz eigenen Weg ins Blut.

Janne Mommsens Schreibstil entführt den Leser sofort ans Meer. Egal ob man Föhr kennt oder nicht, schließt man die Augen, riecht man die salzige Meeresluft und spürt den Wind, der einem um die Nase weht. Daher fällt es leicht sich im Geschehen zurecht zu finden und diesem zu folgen. Es ist als würde man tatsächlich einen Ausflug machen und nicht mehr auf der heimischen Couch verweilen. Entsprechend fiebert man mit den Charakteren mit, würde sie so manches Mal aber auch gerne zurecht weisen und ihnen ein paar passende Worte sagen, wenn sie sich wieder einmal unmöglich verhalten.

Nicht nur die Insel tanzt, jeder, der sich auf dieses Buch einlässt wird den Beat spüren und ihn so schnell nicht wieder verlieren. Ein unheimlich schöner Unterhaltungsroman, der nicht nur gute Laune bringt, sondern gleichzeitig zum Nachdenken anregt.

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