Montag, 2. März 2015

[REZENSION] Perfekt ist jetzt

Redakteur: Ina Ostwald

Titel: Perfekt ist jetzt
Autor: Tim Tharp
Übersetzer: Jessika Komina, Sandra Knuffinke
Verlag: Magellan
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 336 Seiten



Autor:
Nach seinen wilden Jahren als Tramper quer durch die USA arbeitete Tim Tharp in Fabriken, auf Baustellen, in einer psychiatrischen Klinik und einem Plattenladen. Mittlerweile hat er längst seinen Universitätsabschluss und ist Dozent in Oklahoma City. Seine Bücher wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.


PERFEKT IST JETZT

Am Anfang war das Cover - ich sah es in mitten der allesamt schön gestalteten Cover des magellan-Verlags und war direkt verliebt. „Perfekt ist jetzt“, ein toller Leitspruch, eine ständige Erinnerung daran, das Leben zu genießen, in jedem Moment etwas zu finden, dass ihn lebenswert macht. Ob es der Duft von gebrannten Mandeln ist, der gerade vom Weihnachtsmarkt herüberweht, das Herbstblatt vor den Füßen, das die perfekte Form und eine wunderfarbe Farbe hat, oder fröhliches Vogelgezwitscher, das vom nahen Frühling kündet. Lange Zeit bin ich um das Buch herumgeschlichen, habe das Cover bewundert und überlegt, worum es wohl darin gehen könnte. Ein perfekter Sommer, ein Abschied von der Jugend, eine bittersüße Liebesgeschichte? Als ich schließlich mit dem Lesen begann, fragte ich mich viele Seiten, worum es eigentlich geht und wohin mich das Buch führen würde. Letzendlich habe ich doch das gefunden, was ich mir vorstellte, nur ganz anders als erwartet…
Sutter Keely lebt im Hier und Jetzt - immer einen guten Spruch auf den Lippen, immer eine abgefahrene Geschichte auf Lager ist er auf jeder Party ein gern gesehener Gast. Er hat einen geübten Blick für die Schönheit, nicht nur in der Natur sondern auch in den Menschen um ihn herum.
„Doch was Cassidy wirklich zu etwas Besonderem macht, ist, wie herrlich dick sie ist. Und glaubt mir, dieses Wort hat bei mir absolut nichts Negatives. Neben ihr wirkt jedes Zeitschriftenmodel wie ein vertrocknetes Skelett. Sie hat die perfekten Proportionen. Als hätte jemand Marilyn Monroes Kurven auf das Dreifache aufgepumpt.“ (S.15/16)
Und hinter den Kulissen? Ist ein Becher 7Up vermischt mit Whiskey sein ständiger Begleiter und der nächste Vollrausch sein Ziel. Sich selbst nimmt er nicht als Alkoholiker wahr, denn Sutter trinkt nicht, weil es ihm schlecht geht oder weil er traurig ist, er trinkt, gerade weil es ihm gut geht. Um das Leben in vollen Zügen zu genießen, alles klarer und schärfer wahrzunehmen. Meint er. Die Zukunft ist nicht wichtig, nur der Moment, und alles Seltsame in der Welt begrüßt er mit offenen Armen. Dass es von Rausch zu Rausch immer schwieriger wird, in die richtige Stimmung zu kommen, und dass sich vermehrt Tiefs einschleichen, nimmt er nur zum Anlass, sich noch mehr Whiskey einzuschenken. Seine Familie hat ihn deshalb abgeschrieben, mit seiner Ex-Freundin Cassidy hat er es vergeigt und auch sein bester Freund Ricky hat keine Lust mehr auf die ständige Volldröhnung. Da lernt Sutter nach einem Absturz die unscheinbare Aimee kennen. Sie ist die klassische unterschätzte Außenseiterin mit großen Träumen, für Sutter zunächst ein Projekt, um sein Gutmenschentum heraushängen zu lassen, schließlich aber mehr, als er sich eingestehen möchte.
„Hier, in ihrem Reich der Bücher, fühlt sie sich sicher. Hier besitzt sie wenigstens ein bisschen was von der Macht, die sie ansonsten nicht hat.“ (S.129)
Sutter ist trotz seinem ungesunden Verhältnis zum Alkohol ein liebenswerter Charakter, er hat sowohl witzige als auch tiefgründige Gedanken, ist ein offener und unvoreingenommener Mensch. Doch auch wenn er es nicht wahr haben will, ist er abhängig. Sein „einfach in den Tag leben“ gründet darauf, dass er keine Zukunft für sich sieht. Damit ist er nicht nur für sich, sondern auch für seine Mitmenschen gefährlich.
So schön und leicht sich das Buch zu Beginn noch liest, so ist auch die Geschichte an sich gefährlich. Gerade Jugendliche sollten „Perfekt ist jetzt“ stets mit kritischem Auge lesen und sich bewusst sein, dass es sich um Alkoholismus handelt, der hier thematisiert wird. Ich könnte mir das Buch sehr gut als Schullektüre vorstellen, begleitet von einigen Diskussionsrunden, in welchem Gegensatz zum Beispiel Sutters Selbstwahrnehmung zu seiner Außenwirkung steht.

Fazit:
„Perfekt ist jetzt“ ist ein Jugendbuch, das bewegt, verzaubert, erschreckt und einen sehr nachdenklich zurück lässt.

Kommentare:

  1. Klingt interessant....wäre mal ein anderes Thema, als das was ich sonst lese :-) Danke für den Tipp

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  2. Ein tolles Cover und ein gutes Fazit! Werde es direkt mal auf meine Wunschliste packen, danke für den Tipp! :)

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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