Sonntag, 29. März 2015

[REZENSION] Möwenalarm

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Möwenalarm
Autor: Sina Beerwald
Übersetzer: -/-
Verlag: Emons
Reihe: Band 2
Ausführung: Taschenbuch, 192 Seiten



Autor:
Sina Beerwald, 1977 in Stuttgart geboren, hat sich bislang mit sechs erfolgreichen Romanen einen Namen gemacht. 2011 wurde sie Preisträgerin des NordMordAward, 2014 erhielt sie für ihren Sylt-Krimi »Mordsmöwen« den Samiel Award. Vor sieben Jahren wanderte sie mit zwei Koffern und vielen kriminellen Ideen im Gepäck auf die Insel Sylt aus und lebt dort seither als freie Autorin.


MÖWENALARM

Kaum hat sich das Chaos bei Ahoi und seiner Bande gelegt und Suzette ihm die ewige Treue geschworen, liegt ein Menschenbaby in dem gerade neu gebauten Nest. Klar, dass die Möwenbande sich aufmacht, um die Eltern des Kindes ausfindig zu machen, doch gestaltet sich das Vorhaben schwerer als gedacht. Zudem muss Ahoi sich auch noch mit einem aufdringlichen Nebenbuhler auseinander setzen sowie dafür sorgen, dass das Nest alsbald leer ist, denn seine frisch Angetraute steht kurz vor der Eiablage...

„Ich bin ja froh, dass mir so langsam überhaupt wieder was dämmert. Suzette darf auf keinen Fall das Chaos sehen, sonst ist meine Ehe zu Ende, noch bevor die Hochzeitsnacht stattgefunden hat.“
„Und nun soll ich in deiner Bude klar Schiff machen?“
„Du weißt doch, was Meinungsaustausch bedeutet, oder?“, entgegne ich.
Harry verzieht den Schnabel. Er begreift, worauf ich hinauswill, und lamentiert: „Ich gehe mit meiner Meinung zum Scheff und komme mit seiner Meinung wieder zurück.“ (S. 12)

Nach den „Mordsmöwen“ ist „Möwenalarm“ nun der zweite Band rund um Möwerich Ahoi und seine Bande. Bereits im Vorhinein werden alle Mitglieder sowie weitere wichtige Figuren kurz vorgestellt, damit man weiß mit wem man es zu tun hat. Schon beim Lesen der kurzen Darstellungen ist man sich allerdings sicher, dass das Chaos vorprogrammiert ist. Das Geschehen als solches wird, wie bereits im ersten Band, von Ahoi erzählt, so begleitet man ihn auf seinen Wegen und erlebt Situationen, in die man wohl nur mit einer Möwe gelangen kann. Auf Grund der Beschreibungen zu Beginn und der kurzen Einführung von Ahoi selber, kann man der Geschichte auch ohne Vorkenntnisse folgen, einzig, dass man mehr als neugierig auf den ersten Fall gemacht wird, der nicht allzu lange ungelesen bleiben sollte.

Schnell ist man mitten im Geschehen, und würde man nicht immer wieder daran erinnert werden, dass man es hier mit Möwen zu tun hat, man könnte es glatt vergessen und sie für Menschen halten. Dafür handeln sie einfach viel zu typisch, so dass man mit Sicherheit sehr schnell jedem Bandenmitglied eine real existierende Person aus dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis zuordnen kann.

Der Wind hat gedreht. Heute Vormittag kam er noch federnfreundlich aus West, jetzt ist Sturmfrisur aus Ostrichtung angesagt. Der starke Seitenwind macht mal wieder alles Federlegen bei der Morgentoilette zunichte.
Schwarze Wolken ziehen vom Festland herüber – und ich weiß genau, in spätestens einer Stunde werde ich schreiend irgendwo rumsitzen. Warum? In meinem Alter vertrage ich diese Wetterumschwünge einfach nicht mehr so gut. Bei Ostwind bekomme ich immer Migräne. (S. 96)

Ahoi interagiert mit dem Leser und gibt ihm somit das Gefühl tatsächlich mittendrin zu sein. Mit seiner tollpatschigen, manchmal auch leicht naiven, Art, heimst er sich sofort alle Sympathien ein. Wortwitz und Charme tun schließlich ihr übriges. Doch darf darüber nicht der eigentliche Fall vergessen werden, denn ein Baby kommt nicht von alleine in ein Möwennest. Hier muss eine Entführung vorliegen und die Eltern sind vermutlich schier verzweifelt.

Auf Grund der Erzählperspektive weiß der Leser nicht mehr als Ahoi selber und das, was seine Bande zusammenträgt. Entsprechend muss man sich ebenfalls auf Spurensuche begeben, um herauszufinden was eigentlich geschehen ist und warum. Vor allem aber, wer die Tat begangen hat und wie das Baby nun unbeschadet zu seinen Eltern zurück findet. Mit Spannung verfolgt man also die Ermittlungen der Möwenbande, die mal mehr mal weniger erfolgreich vonstatten gehen, bis sich ein erstes Bild der Vorfälle ergibt. Bis zum Schluss bleibt Spannung auf hohem Niveau und lässt sich auch durch den nach wie vor vorhandenen Humor nicht verringern, eine gleichermaßen explosive wie gelungene Mischung.

Mit „Möwenalarm“ ist Sina Beerwald ein grandioser Nachfolger gelungen, der sich nicht hinter „Mordsmöwen“ verstecken muss. Bleibt zu hoffen, dass es mit Ahoi und seiner Bande weitergehen wird und wir uns auf einen dritten Fall freuen dürfen.


Reiheninfo:
Band 1: Mordsmöwen

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