Freitag, 20. März 2015

[REZENSION] Flügel aus Papier

Redakteur: Anette Leister

Titel: Flügel aus Papier (OT: Arka Czasu)
Autor: Marcin Szczygielski
Übersetzer: Thomas Weiler
Verlag: Sauerländer
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahre
Ausführung: Hardcover, 288 Seiten



Autor:
Marcin Szczygielski, geboren 1972 in Warschau, ist ein preisgekrönter Journalist und Autor und seit 2009 auch ein sehr erfolgreicher Kinderbuchautor.


FLÜGEL AUS PAPIER

Es soll einmal gar nicht so wichtig gewesen sein, wo jemand herkam, sondern es zählte nur, was er für ein Mensch war. Jeder wohnte, wo es ihm gefiel, ganz egal, wie er hieß, woran er glaubte, oder welche Farbe seine Haut, eine Haare oder seine Augen hatten. Wieso kann ich mich daran nicht mehr daran erinnern? Mit 5 oder 6 Jahren kann man doch schon viel sprechen und prägt sich vieles ein! (S.27)

"Flügel aus Papier" ist die Geschichte des kleinen Rafal, der im Jahr 1942 mit seinem Großvater im Warschauer Ghetto lebt. An die Zeiten ohne Ängste, Not und Hunger kann er sich kaum noch erinnern, doch wenn er liest, vergisst er die schreckliche Wirklichkeit um sich herum.
In dem Klassiker "Die Zeitmaschine" von H.G. Wells entdeckt er, dass die Welt, in der der Zeitreisende in der Zukunft landet, gar nicht mal so anders ist als die Welt, in der Rafal aufwachsen muss, nur tragen hier die Morlocken die Uniformen der Deutschen, die Juden sind die unterdrückten Eloi.
Das erste Exemplar der Zeitmaschine leiht er nur kurze Zeit in der Bibliothek aus, aber als ob die Geschichte nur darauf warten würde von ihm gelesen und gelebt zu werden, ist es wiederum ein Band der Zeitmaschine, den er von einer Helferin auf der Flucht aus dem Warschauer Ghetto in die Hand gedrückt bekommt.
Lange Tage, Wochen und Monate schlägt sich Rafal mit zwei weiteren Kindern im Warschauer Zoo herum. Immer in Obacht vor den Gärtnern, die dort ihre Kleingärten bestellen und den Morlocken, die sie einfangen würden.
Kurz bevor Rafal mit seinen Freunden in einer selbst gebauten Arche Noah fliehen will, setzt er sich in den Kopf ins Ghetto zurück zu kehren, um herauszufinden, was mit seinem Großvater passiert ist...

"Flügel aus Papier" ist ein Zauberwerk, das zeigt, welche Macht zwischen zwei Buchdeckeln verborgen sein kann. Nicht alles, was in Rafals Geschichte passiert, lässt sich mit gesundem Menschenverstand erklären. Vor allem aber ist das Buch eine berührende Geschichte über die Bande zwischen Familien und Freunden, die Unmögliches möglich machen können. Deshalb konnten nach dem Krieg solche Geschichten, wie sie Rafal und sein Großvater erlebt haben, für die Nachwelt festgehalten werden.
Auch wenn der Zeitreisende über die Jahrhunderte keine Verbesserung im Umgang der Menschen miteinander feststellen konnte, vielleicht braucht es noch Rafals Geschichte, damit die Menschheit endlich lernt umzudenken.

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