Montag, 2. Februar 2015

[REZENSION] Eleanor & Park

Redakteur: Anette Leister

Titel: Eleanor & Park (OT: Eleanor & Park)
Autor: Rainbow Rowell
Verlag: Hanser
Übersetzer: Brigitte Jakobeit
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre
Ausführung: Hardcover, 368 Seiten



Autor:
Rainbow Rowell studierte Journalismus und arbeitete mehrere Jahre als Kolumnistin beim Omaha World-Herald. Mit ihrem Jugendbuchdebüt Eleanor & Park landete sie einen weltweiten Bestseller, gewann u. a. den Boston Globe-Horn Book Award und den Printz Award. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Nebraska. Sie schreibt Jugendliteratur und Romane für Erwachsene. Ihr Bestseller „Eleanor & Park“ (2015) ist ihr erster Jugendroman bei Hanser.


ELEANOR & PARK

Auf dieses Buch bin ich unter anderem durch das Feedback von John Green auf dem Cover aufmerksam geworden und weil im Klappentext eine Situation geschildert wird, wie man sie ähnlich noch aus der eigenen Schulzeit kennt. Zudem spielt die Geschichte in der Zeit meiner eigenen Jugend (Sommer 1986), so dass es für mich interessant zu lesen war, über welche Musik sich die beiden annähern, da ich in ihrem Alter teilweise die gleichen Gruppen und Songs gehört habe. Wer Näheres darüber erfahren möchte, findet gleich zu Beginn des Buches einen Link, wo ein Glossar zu allen Bandnamen, Künstlern, Filmtiteln und Musikstücken, die im Buch erwähnt werden, aufgeführt ist:
www.hanser-literaturverlage.de/eleanorundpark
Das Cover ist in meinen Augen trotz seiner Schlichtheit durch den cremeweißen Hintergrund recht auffällig: man sieht die beiden Köpfe von Eleanor und Park von hinten, gemeinsam Musik hörend, sowie das eingangs erwähnte Zitat von John Green.

Eleanor hat wegen einem Umzug die Schule gewechselt. Die Geschichte beginnt am Morgen des ersten Schultags als Eleanor in den Bus einsteigt und Probleme hat einen freien Sitzplatz zu finden. Notgedrungen rückt Park auf seiner Bank ans Fenster und lässt Eleanor neben sich Platz nehmen.
Die ersten Kapitel kratzen zunächst nur an der Oberfläche der Persönlichkeiten von Eleanor und Park: Park ist gutausehend, Halbkorenaer, eher schüchtern und zurückhaltend, Eleanor besitzt eine plumpe Körperstatur und auffällig rote, gelockte Haare. Mit diesem Aussehen zieht sie am ersten Tag im Bus die Blicke auf sich und wird zum neuen Opfer der Schüler im hinteren Teil des Busses auserkoren.

Nach diesen Oberflächlichkeiten steigt der Leser nach und nach tiefer in das Leben der beiden Teenager ein. Man lernt die Familien der beiden kennen und lernt dadurch mit der Zeit ihre Art besser zu verstehen. Denn Eleanor ist eigentlich weder plump, noch dumm, auch wenn sie durch ihre Körpersprache am ersten Tag so gewirkt hat. Ihre verängstigte, zurücknehmende Art ist der Familiensituation verschuldet, die sie tagtäglichen ertragen muss. Mit ihrer Mutter und den vier jüngeren Geschwistern wohnt sie im viel zu kleinen Haus ihres aggressiven und alkoholabhängigen Stiefvaters, der ihre Mutter schlägt und die Kinder einschüchtert.
In der Schule lernt man jedoch schon bald eine starke, offene Eleanor kennen, die einen ganz eigenen Kopf hat und zu ihrem Standpunkt steht. So kommt es eines Tages, dass Park sich irgendwann für das Wesen hinter der plumpen Fassade interessiert und sich die beiden über die Comics, die Park im Bus liest, und die Songtitel, die Eleanor auf ihre Schulbücher geschrieben hat, näher kommen.

"Romeo und Julia waren nur zwei reiche Teenies, die immer alles bekommen haben, was sie wollten. Und jetzt denken sie halt, dass sie einander wollen."
"Sie sind verliebt...", sagte Mr Stessman und fasste sich ans Herz.
"Sie kennen sich doch gar nicht", sagte sie.
"Es war Liebe auf den ersten Blick."
"Es war 'O mein Gott, ist der süß' auf den ersten Blick. [...] (S.52)

Leider steht der Beziehung der beiden so vieles im Weg. Zum einen muss Eleanor die Freundschaft mit Park vor ihrer Familie geheim halten, da ihr Stiefvater in der Vergangenheit schon wegen geringeren Sachen ausgerastet ist. Aber auch Park ringt lange Zeit mit sich, bis er offen zu seiner Beziehung mit Eleanor stehen kann. Er hat Angst vor den Reaktionen der anderen Mitschüler und seine Mutter lehnt Eleanor anfangs ab, da Eleanor durch ihre verschlossene Art und den schrecklichen Familiengeheimnissen, die sie vor anderen verbirgt, unfreundlich und ablehnend auf andere wirkt.

Eleanor und Park ist ein ruhiges Buch, dass trotzdem einen unglaublichen Sog auf den Leser ausübt. Dies liegt zum einen an den tiefen Gefühlen, die Rainbow Rowell fast greifbar zwischen Eleanor und Park entstehen lässt, aber auch wegen dem tieftraurigen Anfang, der vor dem ersten Kapitel zu lesen ist: Eleanor ist fort... Mit diesem Wissen begleitet der Leser das Kennenlernen der beiden und ihre entstehende Liebe zueinander. Von Anfang an mit dem Wissen, dass Irgendwas oder Irgendwer es schafft die beiden wieder auseinander zu bringen :(
Ich gebe zu... bei einigen Büchern bin ich ein "auf-die-letzte-Seite-Gucker", weil mich ein Buch so fesselt oder eine derart unerträgliche Spannung aufbaut, dass ich nicht schnell genug lesen kann, um endlich ans Ende zu gelangen, damit der Knoten sich löst. Zum Glück habe ich es in diesem Fall geschafft, nicht während des Lesens ans Ende zu linsen. Lasst um Himmels Willen die Finger von der letzten Seite! Dieses Buch durchläuft alle Facetten an Gefühlen und Beziehungen, Glück und Trauer, Freundschaft und Liebe, Familienglück und einem Scherbenhaufen. Man muss sich auf die Achterbahnfahrt der Gefühle einlassen bis zur Endstation, denn kurz vor Schluss gibt Rainbow Rowell mit unerwarteten Entwicklungen und Überraschungsmomenten nochmals alles und schüttelt den Leser richtig durch. Zum Glück lässt sich das Buch durch den jugendlichen Schreibstil und den ständigen Perspektivwechsel zwischen Eleanor und Park regelrecht inhalieren.

Eleanor hatte recht: Sie sah nie schön aus. Sie sah aus wie ein Kunstwerk, und Kunst muss nicht schön sein; Kunst sollte etwas in einem auslösen. (S.189)

Spätestens am Ende sollten dann auch die abgebrühtesten Leser ein Taschentuch bereit liegen haben - sei es zum Vollheulen oder Zerknüllen, mehr sage ich dazu nicht, meine Qualen während des Lesens musste ich schließlich auch alleine durchstehen ;)

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