Montag, 5. Januar 2015

[REZENSION] Prinzessin der Nacht

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Prinzessin der Nacht
Autor: Thomas Endl
Übersetzer: -/-
Verlag: edition tingeltangel
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 352 Seiten



Autor:
Von Thomas Endl sind zahlreiche Kinder- und Geschenkbücher in bekannten Verlagen erschienen. Sein Fantasyroman „Prinzessin der Nacht“, der Mozarts “Zauberflöte” weiterspinnt, gelangte in die engere Auswahl für den „Phantastikpreis der Stadt Wetzlar“ und wurde ebenso wie der erste Band seiner Grusel- und History-Reihe „Karfunkelstadt“ von der „Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur“ zum „Buch des Monats“ gekürt.
Dabei hat Thomas Endl eigentlich Journalist gelernt und als Regisseur Dokumentationen für das Fernsehen gedreht, meist zu historischen Stoffen. Auch wenn dies nach harten Fakten klingt – mal ganz ehrlich: Was könnte phantasiebeflügelnder sein als die weite Welt der Vergangenheit?
Für das Geschichtenerfinden hat er traumhafte Bedingungen: Von seinem Schreibtisch aus blickt er in ein grünes Paradies. Und sein Kater Max schnurrt ihm so manche kuriose Idee ins Ohr.


PRINZESSIN DER NACHT

Skaia lebt in Solterra und kennt ihr Leben lang nichts anderes als diese immerzu helle Welt. Doch sie ist neugierig und nicht bereit sich ständig an die Regeln zu halten, die mitunter mehr als unsinnig erscheinen. So kommt es, dass sie eines Tages einen verwilderten Park entdeckt, der sie wie magisch anzuziehen scheint. Sie, die immer nur Helligkeit und Tag gekannt hat, findet sich plötzlich im Königreich der Nacht wieder. Wird es Skaia gelingen das Gleichgewicht der Welt wiederherzustellen? Sie scheint auserwählt eine Aufgabe zu bewältigen, deren Ausmaß sich niemand vorzustellen wagen würde...

Trotz ständiger Sonneneinstrahlung wirkt Solterra auf den Leser seltsam kühl. Das mag mitunter an diversen Regeln liegen, die von den Bewohnern befolgt werden müssen, aber auch an dem gesamten Miteinander, das weniger herzlich erscheint als man es aus der Realität kennt. Mit Skaia wird man dagegen schnell warm, sie ist anders, lehnt sich gegen die Mächtigen auf und versucht ihren eigenen Willen nicht unterdrücken zu lassen. Fast scheint es als wüsste sie unterbewusst, dass es noch etwas anderes geben muss als dieses Leben, das sie führt.

Auf ihrer Reise begleitet man sie gerne, auch wenn man nicht weiß was einen erwartet. Dass es kein Kinderspiel werden wird, merkt man schnell, unerwartete Wendungen sowie überraschend auftretende Figuren sind keine Seltenheit. Oft ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, ob es sich dabei um Freund oder Feind handelt, Vorsicht ist alles mehr als angebracht. Man fühlt sich schnell mit Skaia verbunden, auch wenn sie aus einer fremden Welt kommt, scheint sie doch ein Bewohner der uns bekannten Erde sein zu können.

Die sprachliche Darstellung ist wirklich großartig. Man kann sich fallen lassen und wird entführt in eine magische Welt. Schließt man die Augen, hat man direkt ein Bild von Skaia vor sich, wie sie Hand ausstreckt und einen auffordert ihr zu folgen. Gebannt verfolgt man das Geschehen, dessen Atmosphäre sich immer weiter auflädt und angespannter wirkt. Dass etwas Großes geschehen wird ist weitreichend spürbar, doch was es sein wird und was bis dahin noch alles geschieht bleibt lange Zeit im Dunkeln.

„Prinzessin der Nacht“ wartet mit zahlreichen Geheimnissen und seltsamen Kreaturen auf, erscheint aber trotzdem irgendwie vertraut. Thomas Endl hat eine phantastische Welt erschaffen, in die man sich gerne entführen lässt, obwohl man bereits zu Beginn ahnt, dass nicht nur harmlose Abenteuer auf einen warten.



Redakteur: Anette Leister

"Prinzessin der Nacht" ist ein märchenhaftes und fantastisches Stück Literatur aus der Feder von Thomas Endl, welches von Mozart "Zauberflöte" inspiriert ist.

Skaia lebt im Sonnenreich Solterra, doch das Leben dort wirkt gar nicht sonnig, fröhlich oder kreativ. Der Tagesablauf der Einwohner ist streng geregelt, Effizienz, Gehorsam und Ordnung sind dort die obersten Gebote. Skaia wirkt dort wie ein Fremdkörper, denn sie ist neugierig und aufmüpfig, so ist es nur eine Frage der Zeit, dass sie in der Nähe einen geheimen Park entdeckt, durch den sie in das Königreich der Nacht gelangt. Auf einer langen Reise an der Seite ungewöhnlicher Gefährten erfährt Skaia, dass sie die Prinzessin der Nacht ist, deren Aufgabe es ist die beiden Reiche Solterra - das Reich der Sonne - und Moxó - das Reich der Nacht - wieder zu vereinen, um den Menschen die Freiheit zu bringen.

In "Prinzessin der Nacht" schöpft Thomas Endl aus dem Vollen und erschafft ein wahres Feuerwerk an verrückten Ideen, Schauplätzen und Figuren. Stellenweise hat mich die Vielzahl von zu entdeckenden Facetten jedoch erschlagen, so dass ich manchmal Mühe hatte Handlung und Protagonisten mit allen Ecken und Kanten und Anspielungen zu verstehen. An mancher Stelle hätte dem Plot und der Spannungskurve eine Idee weniger und eine stärkere Ausarbeitung der anderen sicher gut getan.

Von der Gesamtkomposition der Geschichte und der Aufmachung ist das Buch jedoch ein wahrer Lese- und Augenschmaus, an dem ich nichts auszusetzen habe. Besonders der Einstieg in die Geschichte ist fantasievoll und zauberhaft umgesetzt. Hier wird der Leser über einen alten Theaterzettel wahrhaft in das Buch hineingesogen. Die ausgewählten, altertümlichen Illustrationen zu Beginn jedes Kapitels tun ihr Übriges die Lust anzuschüren tiefer in dieses Buch abzutauchen.

Gerade für das junge Lesepublikum wirkt dieses Buch auf mich an mancher Stelle zu überladen von Einfällen und Anspielungen, auch wenn die Grundidee, das Licht und Schatten nur gemeinsam harmonisch nebeneinander regieren können, wunderbar ausgearbeitet ist und herübergebracht wird.

Ich werde auf jeden Fall irgendwann ein wiederholtes Mal zu diesem Buch greifen, da ich beim ersten Lesen stellenweise Schwierigkeiten hatte voll in die Geschichte hineinzufinden und deswegen sicher die eine oder andere Nuance der Erzählung und der Figuren verpasst habe.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für eure Rezis! Sie freuen mich sehr und geben mir auch Anregungen! Liebe Grüße!

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    1. Sehr gerne. Die Leserunde mit dir hat wieder viel Spaß gemacht - vielen Dank für die Begleitung und die ausführlichen Antworten auf alle unsere Fragen!

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Hallo ihr Lieben,
schön, dass ihr uns in der Lies-und-Lausch-WG besucht. Wir freuen uns über jeden Kommentar von Euch :)
Viele Grüße die Katze mit Buch und ihre Mitbewohner