Freitag, 31. Oktober 2014

[REZENSION] Im flammenden Inferno (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Im flammenden Inferno
Autor: -/-
Sprecher: Patrick Mölleken u.a.
Übersetzer: -/-
Verlag: Contendo Media
Reihe: Team Undercover 13
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Ausführung: Hörspiel, ca. 56 Minuten, 1 CD



Sprecher:
Patrick Mölleken, Max von der Groeben, Theresa Schulte, Lea Kiernan, Judy Winter, Holger Löwenberg, Angela Quast, Katrin Heß, Christoph Piasecki, Anke Reitzenstein, Konrad Halver, Wolfgang Rositzka, Tim Caspers, Sylvie Nogler, Helmut Krauss, Katharina von Keller, Thomas Held, Nicole Hannak, Siegfried Schulz


IM FLAMMENDEN INFERNO

Als plötzlich ein Bild des Malers Brog in Flammen steht, stehen Eddie, seine Tante und Lara unter Schock. Sie versuchen noch das Verlagsgebäude zu verlassen, doch eine eigenständige Rettung scheint unmöglich. Überhaupt lastet ein Fluch auf den dämonischen Gemälden, die es an mehreren Orten zu bestaunen gibt. Denn der Brand im Verlagsgebäude ist nicht der einzige... Was geht hier vor sich?

Stellt man sich einfach nur mal vor, man befände sich in einem Raum, in dem plötzlich und ohne weiteres Zutun ein Brand entsteht, wäre wohl der erste Gedanke: Flucht, und zwar so schnell wie möglich. Doch was tun, wenn es keinen Ausweg mehr gibt? Auch ohne selbst in einer solchen Situation gewesen zu sein, kann man die Reaktionen von Eddie, seiner Tante und Lara absolut nachvollziehen. Ein Schockmoment jagt den nächsten und der Leser wartet atemlos auf Rettung, die partout nicht auftauchen will.

Ganz klar, dass es sich hier um einen weiteren Fall für das Team Undercover handelt, schließlich können Gemälde sich doch nicht einfach selbst entzünden. Oder doch? Gibt es tatsächlich Dinge zwischen Himmel und Erde, die nicht rational zu erklären sind oder handelt es sich wirklich um Erzeugnisse aus der Hölle? Die Bilder sprechen eine eindeutige Sprache was den Bezug zu dämonischen Vorkommnissen leicht macht, doch so schnell ist der Hörer nicht bereit an etwas Übernatürliches zu glauben.

Die Freunde gehen jeder erdenklichen Spur nach, doch es scheint aussichtslos, immer wieder ergeben sich Sackgassen. Auch beim Hörer laufen die Hirnwindungen heiß, doch einen tatsächlichen Reim auf die Selbstentzündungen, die vermehrt auftreten, kann man sich nicht machen.

Bis zum Schluss bleibt es spannend, man fiebert regelrecht der Auflösung entgegen. Sicherlich ergeben sich nach und nach Motive, Hinweise, mögliche Spuren, aber da heißt es dann erst einmal selektieren und ganz genau aufpassen, ob man sich nicht verrennt.
Atmosphärisch ist auch diese Folge wieder sehr gut umgesetzt. Man spürt die Bedrohung, die Angst, aber auch den Willen dieses Rätsel zu lösen. Somit bekommt man als Hörer selbst keine Ruhe, bis die letzte Sekunde verklungen ist und es wieder heißt: das Erscheinen der nächsten Folge herbeizusehnen.


Reihen-Info:
Fall 1: Der Fluch des Anubis
Fall 2: Das Rätsel der Halskette
Fall 3: Das Haus der Geister
Fall 4: Die Nacht des Vampirs
Fall 5: Der geraubte Stern
Fall 6: Der unheimliche Clown
Fall 7: Doppeltes Spiel
Fall 8: Jagd in die Vergangenheit
Fall 9: Tödliche Bedrohung
Fall 10: Angst um Odysseus
Fall 11: Gefahr aus dem Weltall
Fall 12: Geisterspuk im Landschulheim

Donnerstag, 30. Oktober 2014

[INTERVIEW] Libba Bray (deutsche Fassung)

Redakteur: Anette, Ina und Julia

Libba Bray im Interview zu ihrem neuen Roman "The Diviners - Aller Anfang ist böse" erschienen bei dtv.
Deutsche Übersetzung des auf englisch geführten Interviews während der Frankfurter Buchmesse.



Warum hast du dich entschieden, über die 1920er Jahre zu schreiben? Ich muss zugeben, dass ich nie über dieses Jahrzehnt nachgedacht habe, ich wusste nichts darüber.

Ihr müsst wissen, die 1920er sind ein Jahrzehnt, das mich schon immer fasziniert hat, weil es eine einzigartige Periode ist. Eine sehr bunte und faszinierende Zeit. Auf der einen Seite diese Art von Non-Stop-Party. Diese Non-Stop-Party war die Reaktion auf die Schrecken des Ersten Weltkriegs und auch auf das Alkoholverbot - die Prohibition. Auch die Musikkultur des Jazz, vergleichbar mit Hip-Hop in den 1980er Jahren. Es veränderte alles, nicht nur die Musik, es ist die Kultur, in einer Weise ist der Jazz eine Revolution. Man hatte den Jazz, die Flüsterkneipen-Kultur und den Anstieg der organisierten Kriminalität. Denn das ist es, was so ein Verbot mit sich bringt. Frauen bekamen gerade das Wahlrecht. Es war auch der Beginn einer Teenager-Kultur in vielerlei Hinsicht. Es ist eine Jugendkultur, sodass anstelle von Jugendlichen, die zu ihren Eltern aufschauen, Eltern ihren Teenagern nacheifern, denn jetzt ist es irgendwie diese Jugendkultur und diese Harlem Renaissance, aus denen all diese erstaunlichen Schriftsteller und Afro-Amerikanischen Schriftsteller hervor kommen. Wir betrachten am liebsten die auffälligen und glänzenden Seiten der 1920er, aber es gibt auch dunkle Dinge, die in dieser Zeit passiert sind, eine Menge davon. Es ist dieser Anstieg an Nativismus, dass bestimmte Ansichten fest verankert sind, irgendwie sehr unangenehm. Die Amerikaner beschäftigen sich nicht gerne mit diesem Teil ihrer Geschichte. Es geht um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Plötzlich gab es eine Gegenbewegung zur Immigration, eine Kritik gegen die Multikultur. Die Prohibition war eine Reaktion auf all das, da die Leute nicht dazu neigen, auf die positiven Dinge zu achten. Es war eine Abstinenzbewegung, die die Leute vom Trinken abhalten sollte. Aber warum war es ihnen so dringend damit, die Leute vom Trinken abzuhalten? Zum einen wäre es besser für die Gesellschaft, die Reformer sagten „Oh, betrunkene Personen sind schlecht für unseren Ruf, diese Menschen sind nicht wie wir, wir müssen diesen Aspekt in unserer Kultur ausmerzen.“ Dinge wie diese faszinieren mich, weil sie auch einen wirklich schlechten Einfluss auf die Gesetzgebung hatten. In einer Art infiltrierte die Prohibition das amerikanische Leben. Buch zwei, an dem ich aktuell arbeite, beschäftigt sich mit der Gesetzgebung, der Ausgrenzung der chinesischen Kultur und der Einwanderer, der Diskriminierung von Asiaten und asiatischer Kultur jeglicher Art. Asiaten war es nicht erlaubt, amerikanische Staatsbürger zu werden. Sie wurden auf Grund ihrer Rasse ausgeschlossen von der Gesellschaft. Das begann im Jahr 1882, kam erneut im Jahr 1902 auf und auch in der folgenden Zeit immer wieder. Die Einschränkungen wurden größer. Warum wurde trotzdem mit dieser Big Party weitergemacht? Die ganze Art der Gesetzgebung war wirklich hässlich. Ich war davon total fasziniert – in diesen dunklen Phasen der amerikanischen Geschichte wurden wir in der Schule nicht unterrichtet. Das war sehr interessant für mich und gibt Einblick in die Art, wie die Amerikaner sich selbst entschuldigen. Wir möchten, dass wir nur als die guten Jungs gesehen werden, wie die Cowboys beispielsweise. Und doch, wenn man sich unsere Geschichte genau ansieht, dann gibt es eine Menge offensichtliche Dinge die geschehen sind, allein der Anfang, als wir in dieses Land eingewandert sind und Völkermord an den Indianern begangen haben, die Sklaverei und ähnliche Sachen. Aber ... das ist eines der Dinge, die ich finde faszinierend finde in diesem Zeitraum. Man hat auf der einen Seite diese große, immerwährende Party, alles geht, alles ist glänzend und Glamour, es geschehen eine Menge toller Dinge, wir haben Jazz und die Harlem Renaissance, wir haben das Wahlrecht für Frauen durchgesetzt, alles toll, aber auf der anderen Seite steht dieses „The business of America is business“, in dem es viel um Amerikas Konzerne geht, diese Mentalität des „anything goes“ bis es zum finanziellen Kollaps kommt. Die Kluft zwischen Wohlhabenden und Armen war selten breiter. Das war eine wirklich lange Antwort, tut mir leid.

Kein Problem. Wie hast du Recherche für dein Buch betrieben, über das Internet oder hast du Museen besucht, die sich mit diesem Jahrzehnt beschäftigen?

All das oben Genannte. Ich begann, Bücher zu lesen, viele verschiedene Bücher, ich bin sie alle durchgegangen und habe nachgesehen, was ich davon gebrauchen konnte. Und dann ging ich in die Bibliothek. Es ist immer gut, eine Bibliothek und Freunde zu haben, und ich ging zu Orten wie es in New York heißt, dem „Transit Museum“. Also ging ich in das Archiv des Museums und sah mir die alten Fotos von U-Bahnen an, die in den 1920er Jahren gebaut wurden, und ich sah mir auch an, wie die Straßen damals aussahen, ich studierte alte U-Bahn-Karten und alte U-Bahn-Wägen. Ich kontaktierte zwei verschiedene Historiker, die mich auf historische Führungen mitnahmen, eine auf der Lower East Side, eine in Harlem. Wir sprachen darüber, wie viel und wo sich etwas seit den 1920er Jahren geändert hatte. Ich ging in das Radio und Fernseh Museum in New York, ich glaube, es heißt jetzt „Paley Center“. Ich hörte alte Radiosendungen aus den 1920er Jahren, einschließlich Broadcast, als Lindberg in den Staaten landete. Eine Menge Sachen habe ich im Internet gefunden... Wenn ich darüber nachdenke, welche Schlüsse jemand ziehen würde, wenn er sich meinen Suchverlauf ansehen würde... Ich recherchierte Serienmörder. Ich ging nach Salem, um mich dort im Museum umzusehen, weil es dort eine Menge Informationen zu früher Hexerei und ähnlichen Dingen gibt. Und ich heuerte einen professionellen Rechercheur an. Also, wenn ich irgendetwas suchte, konnte ich Lisa Gold fragen. Manchmal gibt es Dinge, die man nur schwer auf eigene Faust findet und so konnte ich sie anrufen und fragen, ob sie mir etwas über leichte Mädchen erzählen konnte. Ich wollte gerne von den Mädchen direkt hören, wie ihr Leben ist. Und sie fand für mich welche, die ich befragen konnte. Das war wirklich interessant. Ich mag die Recherche. Und die Sache ist, es war ein großer Spaß, als ich das illegale Glücksspiel „Running Numbers“ erforschte. Weißt du, was das ist?

Ja, seit ich das Buch gelesen habe.

Als ich für den ersten Band recherchierte, stieß ich auf einen Blog namens "Digital Harlem", der von vier Australier betrieben wird. Einer der Jungs hat ein Buch mit dem Titel "Playing the numbers - Gambling in Harlem between the wars" geschrieben. Ich habe es mir besorgt und es gelesen. Dann fand ich heraus, dass er für drei Tage an die Columbia University kommen würde, um einen Vortrag zu halten. Ich habe mir ein Ticket besorgt für seine Vorlesung und konnte dort mit ihm reden. Das war wie "Ich habe Glück". Ein absoluter Glücksfall.

Also hast du sehr viel Zeit mit Recherche und der Ausarbeitung aller Details verbracht.

Eine Menge Zeit, und ihr müsst wissen, man weiß eigentlich nie, was man alles wissen muss, bis man herausfindet, dass man es für das Buch braucht. Wie ... oh, wartet eine Minute, es war, als ich diese Szene schrieb: Sie fuhren mit dem Auto und es regnete. Irgendwas war mit den Scheibenwischern. Moment ... wie arbeiten Scheibenwischer überhaupt? Und das passiert die ganze Zeit, wenn man schreibt. Es ist wie bei dieser Stelle. Ich will einfach nur schreiben, dass sie auf der Straße fahren, aber für diese Szene muss ich herausfinden, wie Scheibenwischer funktionieren. Es geht darum, dass die Scheibenwischer auf Grund eines Vakuums manchmal stecken bleiben und man muss herübergreifen und sie wieder befestigen. Nur für den Fall, dass es jemals ein Quiz geben wird, wie Scheibenwischer in den 1920er Jahren arbeiteten. "Bitteschön."

Es gibt wirklich viele Charaktere in dem Buch. Gibt es einen, der dir besonders viel bedeutet? Ich muss zugeben, ich war ein wenig verwirrt am Anfang, weil es so viele Menschen waren, und nicht alle von ihnen haben eine große Rolle in dem Buch. Ich denke, das wird in zwei Buch noch kommen, aber so viele Menschen und so häufiges Hin- und Herswitchen von einem zum anderen ...

Es gibt eine Menge Head-Hopping, wie wir es nennen. Auch für mich ist das schwer, denn es gibt so viele Charaktere und ich muss herausfinden, wie man einen bestimmten Teil der Geschichte in einen bestimmten Teil des Buches integriert. Und dabei muss ich berücksichtigen, was noch kommen wird, was schon geschehen ist und Einfluss hat auf all diese Charaktere, ihre Hintergrundgeschichten, ihre Gefühle, was sie umtreibt, ihre Beziehungen zueinander. Es ist wie eine Inszenierung. Und tatsächlich, das ist der Hauptgrund, warum es mich so viel Zeit kostet, Teil zwei fertigzustellen, weil ich herausfinden muss, wie alle Charaktere aufeinander treffen. Es bringt mich um, was habe ich mir dabei gedacht? Wisst ihr, ich habe immer Stephen King geliebt, seine Horrorgeschichten. Ich habe „Brennen muss Salem“ nochmal gelesen und war wieder erstaunt, dass so zahlreiche Personen in der Geschichte vorkommen und man sich als Leser trotzdem nie verloren fühlt. Es ist erstaunlich, wie er einem die ganze Geschichte eines Charakters in einer bis vielleicht anderthalben Seite vermitteln kann. Ich sage manchmal meinen Studenten, lasst uns das Buch mit den Augen eines Schriftstellers lesen und hinterfragen „Wie macht er das? Wie funktioniert das?" Ich versuche aufmerksam den Weg zu gehen, den er gegangen ist. Hoffentlich funktioniert es, aber es ist anspruchsvoll, du hast Recht. Es verlangt eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit, weil ich hier bin und da und da und dort und hier ... Es ist hart für mich. Und ich fühle mit allen. Ich denke, dass zu verschiedenen Zeiten verschiedene Charaktere wichtig sind, wie offensichtlich Memphis und Evie im ersten Buch. Und im nächsten Buch, ist es Henry, ein Charakter, auf den man in Buch eins bloß einen Blick erhascht, und das wird eine große Rolle in Buch zwei. Die zweite ist ein Charakter in China Town, sehen wir sie atemlos, sie ist eine Bedienung, ihr Name ist Ling und sie wird sehr wichtig in Buch zwei. So sie und Henry ... das ist eines der Dinge, die es schwer macht, dass sie alle zusammen kommen. Noch ist es nicht soweit. Wegen der Rassenunterschiede, den unterschiedlichen Gesellschaftsklassen und der Geschlechterfrage, muss einiges überwunden werden, um all diese Charaktere zusammen zu bringen. Und ich denke wirklich sehr stark darüber nach, denn Buch zwei beschäftigt sich ausführlich mit diesen Dingen. Sie müssen nach und nach aufeinandertreffen.

Viele von ihnen sind einander schon begegnet, aber sie wissen nicht, warum. Die meisten von ihnen sind im ersten Buch aufeinander getroffen. Wann wird der nächste Band erscheinen?

In den Staaten soll er im April herauskommen. Ich schrieb sogar im Flugzeug, ich schrieb in meinem Hotelzimmer gestern, ich schreibe die ganze Zeit.

Wie viele Bände sollen es werden?

Vier. Vier große Bücher. Sehr laaaaange Bücher.

Kennst du die Serie "Boardwalk Empire"?

Ja, aber ich wollte sie mir nicht ansehen, weil ich Angst hatte, dass sie mein Schreiben beeinflusst. Der Schauspieler, Steve Buscemi, lebt in meiner Nachbarschaft. Hin und wieder treffe ich im Bagel Shop Steve Buscemi, wenn er seine Bestellung aufgibt... Aber ich würde die Serie gerne sehen, denn es ist genau das Thema, das ich liebe. Aber da war einfach zu viel Angst vor der Beeinflussung.

Also beende schnell die vier Bücher und schaue dir "Boardwalk Empire" an!

Bis dahin werde ich eine Gehhilfe benötigen und 82 sein ...

Nein, ein Buch pro Jahr schaffst du doch!

Ich denke, sie werden im Abstand von zwei Jahren erscheinen. Es ist die Recherche, die Inszenierung des Schreibens. Aber eine interessante Anmerkung: während Band zwei habe ich große Stücke von Buch drei geschrieben. Das passiert, wenn man versucht herauszufinden, wie eine Sache funktioniert, die von einem Band in den nächsten übergreift.

Der vierte wird wohl der härteste der vier Bände für dich werden mit rund 1000 Seiten, da muss ja letztendlich alles hinein?

Oh Gott. Ja, ich wäre nicht überrascht, wenn es eine Trennung von Buch vier in ein viertes und fünftes Buch geben wird. Weil ich mir vorstelle, dass es noch sehr viel zu erzählen gibt. Es ist lustig, weil ich weiß, in meinem Kopf sind so viele Dinge, die meinen noch passieren zu müssen, aber ich muss sehen, ob sie tatsächlich geschehen werden oder nicht. Manchmal will man etwas schreiben, aber dann muss man erkennen, dass der Raum für das Geschriebene nicht ausreicht. Oder wenn ich zehn Bücher schreiben würde, gäbe es den Raum dafür. Manchmal komme ich auch durch die Recherche auf etwas, worüber ich wirklich gerne schreiben würde, aber dann merkt man, dass bringt die Geschichte überhaupt nicht vorwärts. Ich würde sagen, das härteste Buch ist Band zwei. Als ich das erste Mal eine Trilogie geschrieben habe, habe ich gemerkt, wenn ich im ersten Teil etwas falsch inszeniert habe, dann beißt es mich in Buch drei. Ich merke nun, dass ich mich selbst stoppe - wenn ich diese Wahl jetzt treffe, was wird dann in Teil vier passieren? Aber manchmal muss man einfach damit leben.

Wie gefällt dir das Cover der deutschen Ausgabe? Es ist wie eine Mischung aus den Filmcovern von The Great Gatsby und Metropolis.

Oh, ich mag es wirklich sehr. Tatsächlich habe ich mir Metropolis noch einmal angesehen, bevor ich mit diesem Projekt anfing.

Was ist mit der amerikanischen Version?

Auf dem Original Hardcover sieht man eine alte Skyline von New York und ein Augen-Symbol in der Mitte und ich liebte es. Und dann änderte der Verlag es für das Paperback, ich denke, um es etwas kommerzieller zu gestalten, aber diese Version mag ich nicht so gerne. Ich bevorzuge die Gestaltung des Hardcovers.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und noch eine gute Zeit auf der Buchmesse.

Vielen Dank, euch auch.
© Interview: Julia und Ina, Übersetzung: Anette und Ina

[REZENSION] Hope forever

Redakteur: Anette Leister

Titel: Hope forever (OT: Hopeless)
Autor: Colleen Hoover
Verlag: dtv
Übersetzer: Katarina Ganslandt
Reihe: Band 1
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre
Ausführung: Taschenbuch, 528 Seiten



Autor:
Colleen Hoovers Erfolgsgeschichte ist beinahe unglaublich: Eigentlich schrieb sie ›Weil ich Layken liebe‹ als Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter, aufgrund der guten Resonanz in ihrem Umfeld veröffentlichte sie es dann aber selbst als E-Book - und verkaufte zwei Monate später bereits 200 Bücher am Tag. ›Weil ich Layken liebe‹ landete noch vor ›50 Shades of Grey‹ auf der New-York-Times-Bestsellerliste! Auch mit dem Folgeband ›Weil ich Will liebe‹ stand sie sofort auf der New-York-Times-Bestsellerliste, genauso mit ›Hope Forever‹, das in den USA zudem zu einem der bestverkauften Bücher des Jahres wurde.
Colleen Hoover lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Texas.


HOPE FOREVER

Mit Begeisterung habe ich "Weil ich Layken liebe" von Colleen Hoover gelesen und war gespannt auf ihr neues Werk. Auch hier erzählt sie von einer außergewöhnlichen Liebe, die mit Widrigkeiten zu kämpfen hat, um bestehen zu können. Im Gegensatz zur Liebe zwischen Layken und Will aus "Weil ich Layken liebe" liegen die Schwierigkeiten jedoch nicht in der gegenwärtigen Situation der beiden Protagonisten Sky und Holder begründet, sondern in einem dunklen Geheimnis, dass in Skys Vergangenheit begraben liegt, und dem sie erst selbst auf die Spur kommen muss.
Aus dem Leser noch nicht bekannten Gründen empfindet Sky keine tiefergehenden Gefühle, wenn sie sich mit Jungen einlässt. Erst die Begegnung mit Holder lässt ihr Herz höher schlagen und verursacht Schmetterlinge im Bauch. Doch irgendetwas trübt die magische Anziehungskraft zwischen den beiden... Das Buch ist eine schmerzliche Reise in Skys Vergangenheit, auf der sowohl der Leser als auch Sky langsam ergründen, worin ihre bisherige Unfähigkeit wahre Gefühle zuzulassen begründet liegt.

Der Anfang von "Hope forever" hat sich für mich zum Teil arg in die Länge gezogen. Im Nachhinein war mir zwar klar, warum einige Dinge so in die Breite ausgewalzt und im Detail erklärt werden mussten, das Ganze liegt in der späteren Aufklärung zu den Ereignissen in Skys Kindheit begründet, aber ohne dieses Wissen ging mir manches zunächst zu sehr in die Tiefe und ich muss gestehen, dass ich versucht war einige Passagen zu überfliegen. Erst ab der Hälfte konnte mich das Buch wirklich fesseln, dann konnte ich es allerdings kaum noch zur Seite legen.

Auch wenn das Konzept her zur Geschichte von Sky und Holder noch besser passt als zur Geschichte von Layken und Will, finde ich es etwas einfallslos, dass Colleen Hoover wiederum eine zweite Sicht auf die Handlung veröffentlicht hat. In diesem Fall "Looking for Hope", in dem die Geschichte aus "Hope forever" statt aus Skys Sicht aus der Warte von Holder erzählt wird. Da ich nun die Kindheit von Sky kenne, weiß ich auch nicht, ob mich ein zweiter Band noch einmal so fesseln könnte. Denn der Hauptantriebsgrund durch die zweite Hälfte von "Hope forever" zu fliegen, war meine Neugier endlich mehr über Skys Vergangenheit zu erfahren.

Trotz diesen Kritikpunkten ist Colleen Hoover wieder ein gefühlvoller Jugendroman gelungen, der mit tiefen Gefühlen und überzeugenden - wenn auch stellenweise plakativen - Charakteren mit einer phasenweise sehr düsteren und spannenden Handlung zu fesseln vermag.

Reihen-Info:
1. Hope forever (Hopeless)
2. Looking for Hope (Losing Hope), Erscheinungsdatum: April 2015

Mittwoch, 29. Oktober 2014

[REZENSION] Still

Redakteur: Natalie Burger

Titel: Still
Autor: Zoran Drvenkar
Verlag: Eder & Bach
Reihe: -/-
Ausführung: Broschiert, 416 Seiten



Autor:
Zoran Drvenkar wurde in Kroatien geboren und zog im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Berlin. Seine Thriller »Sorry« und »Du« wurden in in 14 Sprachen übersetzt, 2010 wurde »Sorry« mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet. Er ist auch der Autor vielfach ausgezeichneter Kinder- und Jugendbücher, unter anderem schrieb er unter Pseudonym die Bestsellerreihe »Die Kurzhosengang«. Zoran Drvenkar lebt in der Nähe von Berlin in einer alten Kornmühle.



STILL

Inhalt:
Mika Staller hat eine andere Identität angenommen um die Täter zu jagen die seine Tochter entführt haben. Er verliert sich dabei und muss einen harten Weg gehen um ans Ziel zu gelangen. Lucia wurde vor sechs Jahren entführt und schweigt seitdem. Sie soll Mika Staller helfen.

Meine Meinung:
Ich habe bisher ein Buch von Zoran Drvenkar begonnen zu lesen und war vom Schreibstil etwas abgeschreckt. Nun kam im Sommer die Anfrage ob ich den neusten Thriller von ihm lesen mag. ich las in die Leseprobe rein und entschied mich dafür.

Leider hat es nun etwas länger gedauert bis ich von der Leseprobe aus weiter lesen konnte, aber dafür war es wirklich gut. Still beginnt fast harmlos und endet mit einer zerreißenden Spannung. Alles arbeitet auf dieses Ende hin was fast bekannt ist und doch anders wird als erwartet. Zu Beginn sind da noch einige Fragezeichen, aber umso tiefer man eintaucht umso klarer wird alles.

Dabei ist hier der Schreibstil sehr leicht und flüssig zu lesen. Es gab kein holpern. Unterteilt ist das Buch in viele Abschnitte die den Wechsel der Protagonisten anzeigt. Es gibt das Ich, das ist Mika Staller, das Du, das ist das entführte Mädchen und das Sie bzw. Wir, die Jäger und Entführer. Diese Unterteilung mit jeweiliger Ankündigung macht es leicht umzuswitchen auf diese andere Personen die es geht, denn erzählt wird aus der Sicht von Mika Staller, der Hauptperson dieses Buches.

Mika Staller bleibt zu Beginn recht nebulös, denn ich konnte zu Beginn nicht erkennen ob er gut oder schlecht ist und was seine Ambitionen sind. Somit war er mir zunächst recht unsympathisch, was sich aber beim weiteren Lesen gab. Er gibt viel auf um an sein Ziel zu gelangen. Eine Zielstrebigkeit die man sich bei dem was er schon durch gemacht hat verstehen kann. Es gab eine Stelle an der ich gerade in seinem Part etwas gestockt habe. Schon auf dem Klappentext steht das seine Tochter entführt wurde und auch in der Geschichte ist er auf der Suche und doch spricht er dann mit seiner Tochter. Eine Sache die sich aufklärt aber mich zunächst grübeln ließ.
Es gibt noch Lucia, ein Mädchen das überlebt hat und seitdem schweigt. Sie scheint zunächst schwach ist aber sehr stark. Das merkt man umso mehr sie zu Wort kommt.

Alles in allem empfand ich Still als sehr ruhigen aber eindringlichen Thriller. Ein Thriller der ohne das es einem wirklich bewusst ist unter die Haut geht. Der Autor versteht sein Handwerk und hat mich damit gut unterhalten.

[REZENSION] Kann ich bitte löschen, was ich gerade gesagt habe?

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Kann ich bitte löschen, was ich gerade gesagt habe?
Autor: Torsten Wohlleben
Übersetzer: -/-
Verlag: Carlsen
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 224 Seiten



Autor:
Torsten Wohlleben wurde 1974 in Brake an der Weser geboren. Sein erstes Buch war ein Drehbuch, verfilmt mit einem Budget von 10 DM, einer Super-8-Kamera und einem Dutzend Schulkameraden. Heute wohnt er in Bremen, schreibt richtige Bücher und fährt gerne mal nach Helgoland, um die Seele baumeln zu lassen. Dies ist sein erster Roman für Jugendliche.


KANN ICH BITTE LÖSCHEN, WAS ICH GERADE GESAGT HABE?

Henner ist mehr als unzufrieden mich sich und seinem Leben. Neben seinen beiden Freunden Jakob und Luis fühlt er sich klein, was nicht nur an der gegebenen Körpergröße liegt, und dass ein Mädchen ihn überhaupt einmal beachtet, daran scheint gar nicht zu denken. Überhaupt wird er vermutlich nur auf Grund seiner Freunde geduldet, es würde wohl niemandem gleich auffallen, wenn er einfach verschwinden würde. Dabei möchte er doch unbedingt, dass Valerie ihn wenigstens einmal bemerkt. Ein Sommer auf Helgoland sollte dafür eine gute Gelegenheit sein, doch dann kommt alles ganz anders. Denn hier lernt Henner Leefke kennen und überdenkt plötzlich sein ganzes bisheriges Dasein...

Seine Mutter lächelt wieder. Ach je. Rote Lippen glänzen, Ohrringe baumeln, sie duftet nach etwas fruchtig Frischem. Wäre eine super Wetterfee, denke ich. Die Art Frau, wegen der man sich eine Tagesschau bis zum Ende ansieht. (S. 63)

Wer kennt sie nicht, die Leiden eines 16jährigen Teenagers. Zum Teil mehr als klischeehaft werden einige davon hier aufgegriffen und in diverse Situationen übertragen, alles erzählt und dargestellt aus Henners Sicht. Natürlich mischt sich da eine gewisse Subjektivität ein, da man sich von den anderen Personen kein ganz eigenes Bild machen kann, da man nicht weiß, ob er in jeglicher Hinsicht nur die Fakten aufgreift oder hin und wieder auch mal übertreibt. Das Geschehen als solches wird jedoch sehr lebendig erzählt, wenn sich häufig auch eine große Portion Selbstmitleid hineindrängt, die von Zeit zu Zeit nervend wirkt.

Wenn die Sprache tatsächlich derjenigen der heutigen Jugend angepasst ist, fragt man sich unwillkürlich, ob es überhaupt noch so etwas wie Respekt gibt. Da die Jugendlichen sich hier häufig mit Schimpfworten betiteln, die, zumindest im Zusammenhang, scheinbar arglos daher gesagt werden. Dennoch ruft dies beim Leser ein gewisses Naserümpfen hervor. Allerdings ändert sich die Sachlage im Laufe des Geschehens. Diverse Situationen bringen die Protagonisten scheinbar dazu innerlich zu reifen, denn nicht nur ihr Auftreten, sondern auch ihre Sprache verändert sich. Häufig zwar kaum merklich, aber vergleicht man das Verhalten zu Beginn und zum Ende hin, so wird man einen Unterschied feststellen. Möglicherweise wurde auch daher zunächst zu einer etwas drastischeren Ausdrucksweise gegriffen, um eben genau dies deutlich zu machen. Denn das ist auf jeden Fall gelungen.

„Kann ich bitte löschen, was ich gerade gesagt habe?“ lässt sich flüssig lesen und bietet einiges an Unterhaltung, wenn auch die Geschehnisse weitestgehend vorhersehbar sind. Als erwachsener Leser fühlt man sich ein wenig in der Zeit zurückversetzt und sinniert von Zeit zu Zeit über die eigenen Erlebnisse nach. Jüngere Leser, die sich möglicherweise gerade in ebenjener Phase befinden, werden sicherlich ebenfalls Parallelen zu den dargestellten Ereignissen ziehen können.

Dienstag, 28. Oktober 2014

[BLOGTOUR] Boris Koch auf Blogtour - Spannende Abenteuer, dicke Freunde, rasende Kaninchen


Die einzelnen Stationen der Blogtour:

Montag, 27. Oktober 2014
www.leseleidenschaft.de

Dienstag, 28. Oktober 2014
Interview mit Boris Koch
www.katzemitbuch.de

Mittwoch, 29. Oktober 2014
Beschreibung der Freundschaft zwischen Tim & den beiden Außenseitern Pascal & Lissy
http://books.christina-kempen.de/

Donnerstag, 30. Oktober 2014
Beschreibung der besonderen Verbindung zwischen Tim & seinem dreibeinigen Kaninchen
http://babsleben.blogspot.de/

Freitag, 31. Oktober 2014
Wissenswertes über Kaninchen und deren Haltung mit Fotos vom eigenen Kaninchen,
sowie Boris Kochs Kaninchen Bobby
http://buecherloewe.de

Samstag, 1. November 2014
Buchvorstellung von Boris Kochs „Vier Beutel Asche“:
"Vier Beutel Asche: Die Zeit heilt alle Wunden – oder doch nicht?"
http://tealiciousbooks.blogspot.de/

Sonntag, 2. November 2014
Präsentation eines Schnittmusters für ein Kaninchen zum Nachnähen
http://kleineviecher.wordpress.com/

Heute darf ich in meinem Beitrag zur Blogtour ein Interview mit Boris Koch präsentieren:

Warum hast du eine Geschichte über Kaninchen geschrieben? Auf der letzten Buchmesse gab es auffällig viele Titel mit Kaninchen bzw. Hasen und drei Bücher mit Hasen als Protagonisten waren für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2014 nominiert ("Krümel und Pfefferminz", "Besuch beim Hasen" und "Herr und Frau Hase"). Zufall oder sind Kaninchen ganz besonders als Buchhelden geeignet?

Mein Faible für Kaninchen ist ganz einfach zu erklären: Ich hatte als Kind eines. Durch die Nähe, die ich damals zu ihm aufgebaut habe, sind sie mir vertrauter als die meisten anderen Tiere, und dieses Vertrautsein gibt mir mehr Details, mehr Stoff. Zudem sind sie großartige Renner, und da ich gleichzeitig auch ein Buch über sportlichen Wettkampf schreiben wollte, hat das prima zusammengepasst.
Ob Kaninchen ganz allgemein besonders geeignet sind, weiß ich nicht. Sind nicht oftmals die scheinbar Ungeeigneten ganz famose Buchhelden? Ich kann mir auch Schnabeltiere, ein Chamäleon oder Faultiere als großartigen Helden vorstellen. Eulen sind es bei Harry Potter, und es gibt – zugegeben, im Film – den kleinen Maulwurf, um nur zwei weitere Tiere zu nennen, ganz zu schweigen von Hunden, Pferden, Mäusen und Katzen. Es kommt dabei immer nur auf die Geschichte an: Der weiße Hai wäre mit einem Kaninchen nicht dasselbe gewesen ...



Würdest du gerne weitere (unterschätzte) Tiere zu Helden in deinen Büchern werden lassen?

Momentan habe ich nichts geplant, obwohl mich unter anderem Bären sehr reizen würden. Allerdings habe ich mit dem Kaninchenrennen erst einmal das Thema für mich ausgereizt. Und die Geschichten müssen zu mir kommen, eine einsame Idee oder ein noch so faszinierendes Tier allein reicht nicht. Vielleicht passiert es, wenn ich einen Bär sehe, der etwas Ungewöhnliches tut, oder ich sehe eine Dokumentation, die mich inspiriert, oder ein Foto. Vielleicht auch bei einem Frosch, einer Fliege oder einem Tiger.
Grundsätzlich geht es mir aber um die Menschen in meinen Geschichten. So vergnüglich es war, mir das Rennen und seine fast vierhundertjährige Geschichte auszudenken sowie die Sage zur Errettung Niederrhodes durch das unbekannte Kaninchen, so ging es mir immer darum, welche Auswirkung ein solches Rennen auch auf das Zusammenleben in Niederrhode hat, was es für Tim bedeutet, dass sein Vater gegen alle Normen und Erwartungen nicht angetreten ist.


Nimmt die Geschichte Bezug auf die Fabel von "Hase und Igel"? Wolltest du eine Umkehrung erzeugen von stark und schwach, da in der Fabel ja der Hase der Starke ist, aber nicht der Sympathieträger?

Tatsächlich kam mir der Gedanke an Hase und Igel erst sehr spät. Ausgangspunkte gab es für mich eher zwei andere: ein reales dreibeiniges Kaninchen und ein paar Gänse.
Mein Kaninchen Bobby stammte aus der Zucht der Familie einer meiner besten Freunde. Und bei einem anderen Wurf war dort ein Kaninchen mit verkümmertem Vorderbein dabei. Trotzdem setzte es sich gegen seine Geschwister durch, und ich habe nie vergessen, wie es bei der Fütterung einmal als Erstes am Napf auftauchte, schneller, cleverer oder geschickter als die vierbeinigen Kaninchen. Das hat mich damals als Kind stark beeindruckt.
Auf andere Art haben mich die Gänse des Kapitols beeindruckt, zumindest vermute ich, dass es diese Gänse waren. Der Sage nach haben sie mit ihrem Geschnatter das schlafende Rom geweckt und so vor heranstürmenden Feinden gerettet, während die Hunde den nächtlichen Angriff verschliefen. Vergleichbare Geschichten aus unterschiedlichen Zeiten gibt es wohl auch in anderen Gemeinden, und ich weiß nicht mehr, welche mein Vater mir als Kind erzählt hat, nur noch dass er es auf einer längeren Autofahrt getan hat. Ich bilde mir ein, wir hätten da auch das Denkmal einer Gans gesehen oder darüber gesprochen. Ein unwahrscheinliches Tier als Retter, auch das habe ich nie vergessen.


Im beschaulichen Niederrhode gibt es einige fantastische Schauplätze wie die Singende Villa oder die Keltenschanze, die man als Leser nur zu gern besuchen würde. Gibt es hierfür reale Vorbilder oder wie kam es sonst zu diesen skurrilen Einfällen?

Keltenschanzen sind in Süddeutschland nicht ganz so selten, eine liegt nur wenige Kilometer entfernt von dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Dort war ich mehrmals und bin den Wall rauf und runter gestürmt. Ein paar Kilometer weiter gab es noch eine weitere.
Für die Singende Villa gibt es keine direkten Vorbilder, die habe ich mir aus unterschiedlichen Elementen zusammengebastelt. Sie, die Dunkelgasse oder die Schauerwerke sollten alle zu einer speziellen Stimmung beitragen, die in Niederrhode vorherrscht, die auch zur Sage des unbekannten Kaninchens passt: nicht phantastisch im Sinne von sichtbarer Magie, aber eben aufgeladen mit Aberglauben, Sagen oder einem Blick, der von Staunen geprägt ist. Eine Villa, die es theoretisch vielleicht geben könnte, wenn sie nur jemand gebaut hätte. Keine magischen Wesen, aber doch Kaninchen oder Hunde, deren Vorfahren ungewöhnliche Taten zugesprochen werden, und die sich auch in ihren Nachfahren spiegeln. Orte, die man nicht nur als Leser, sondern auch als Autor gern besucht hätte …


Unternimmst du für deine Bücher Recherche-Reisen?

Zu selten, ich würde gern viel öfter reisen, und das Ganze dann auch noch als Arbeit deklarieren … Aber Niederrhode ist ein erfundener Ort, das Großtirdische Reich aus den Drachenflüsterer-Romanen sowieso. Gebissen spielt in Berlin, wo ich wohne, da kann man das Besichtigen von Schauplätzen nicht unbedingt als Reise bezeichnen …
Bei Vier Beutel Asche sind die vier Jugendlichen in Deutschland und Frankreich unterwegs, und ich war beispielsweise zwei Jahre zuvor an der Rampe in Paris, wo sie beklaut werden, oder ein wenig später auch in der Gegend, wo sie Deutschland verlassen, vor etwa zwölf Jahre in einer anderen Gegend, die sie durchfahren, und so weiter. Für die Apfelplantage diente jedoch eine aus Südfrankreich als Vorbild, während der motzende Bauer von einem alten Schotten inspiriert ist, den ein Freund von mir in der Kneipe getroffen hat.
Denn meist läuft es bei mir anders herum: Orte, an denen ich lebe oder die ich besuche und schon im Kopf habe, inspirieren mich zu Geschichten. Das Reisen findet also meist vor der Geschichte statt. Wenn es erforderlich ist, fahre ich aber gern noch einmal hin, oder auch zum ersten Mal.


Stammen die Ideen für das Daumenkino oder das Spiel zum Downloaden von dir?

Das darf ich mir beides leider nicht anheften. Die Idee für das Daumenkino stammt von Heyne, hat mich aber sofort begeistert, mehr noch als meine eigenen Ideen, die ich für die Gestaltung hatte.
Was das Spiel anbelangt, hatte ich den größenwahnsinnigen Gedanken an ein Internetspiel, der natürlich überhaupt nicht realisierbar war. Aber dann kamen Kathleen Weise (www.kathleenweise.de) und Klaus Scherwinski (www.klausscherwinski.de) auf die sehr viel charmantere Brettspiel-Idee und haben sie phantastisch umgesetzt. Ich musste nur ab und zu per Mail nicken ...



Schreibst du lieber fantastische oder realistische Romane oder liebst du den Wechsel zwischen verschiedenen Themen und Genres für deine Bücher?

Ich liebe den Wechsel, ja, so wie ich ihn auch beim Lesen schätze. Aber der Wechsel ist kein bewusstes Konzept, es passiert einfach. Mir kommen die unterschiedlichsten Ideen, Bilder, Figuren und Situationen in den Kopf, und aus diesen entstehen die unterschiedlichsten Geschichten. Und die konkrete, einzelne Geschichte ist wichtig, nicht das Genre, dem sie zugeordnet wird. Natürlich gibt es bei mir wiederkehrende Themen, Kämpfe und Motive, die mich über die Jahre beschäftigen und die in unterschiedlichen Gewändern immer wiederkehren. Aber eben mal leichter, mal schwerer, mal phantastisch, mal realistisch, mal mit mehr, mal mit weniger Humor.
Auch wenn ich Vier Beutel Asche insgesamt für einen positiven Roman halte, war die intensive Beschäftigung mit dem Stoff doch aufwühlend, es steckt viel Trauer, Kampf und Wut darin. Danach brauchte ich einfach ein Buch wie Das Kaninchenrennen, das trotz Kampf sehr viel spielerischer daherkommt. Andererseits habe ich nach dem albernen Die Anderen ein ernstes Thema gebraucht, was zu 300 kByte Angst geführt hat.
Ich möchte auch nicht in eine Schreibroutine fallen, durch solche Wechsel muss ich mich immer neu einstellen, den Tonfall neu justieren. Das kostet Zeit, tut der Geschichte aber gut.


Gibt es einen Titel von dir, der dir persönlich am meisten bedeutet, wenn ja, warum?

Auf einen mag ich mich nicht festlegen, in allen meinen Büchern steckt etwas Persönliches, das über die reine Geschichte hinausgeht. Wenn ich aber von meinen Romanen drei wählen müsste, würde ich folgende nehmen:
Das Kaninchenrennen, weil es neu ist und deshalb mir noch ganz frisch im Gedächtnis. Und weil es mich an die schönen Tage meiner Kindheit erinnert, auch wenn nicht alles schön ist, was im Roman passiert.
Vier Beutel Asche, weil es um den Kampf gegen die weniger schönen Tage geht, und weil wahrscheinlich am meisten von mir in dem Roman steckt, oder besser gesagt: von einem früheren Ich. Nicht zwingend in der Hauptfigur, und ich habe auch nie die Asche eines Toten ausgegraben, eher allgemein und hier und da ...
Und zum Schluss Der Drachenflüsterer, weil ich mit Ben und seinen Freunden am meisten Zeit verbracht habe. Weil ich, obwohl keine Fortsetzung geplant war, zweimal zu ihnen zurückgekehrt bin.


Verwundert es dich, dass "Das Kaninchenrennen" auch bei erwachsenen Lesern Interesse weckt, oder bist du der Meinung, dass gute Bücher unabhängig von der Altersklasse ihre Leser finden?

Ich glaube, dass es All-Age-Literatur lange vor dem Begriff gab, man denke nur an Klassiker wie Die Schatzinsel, Huckleberry Finn oder Der Krieg der Knöpfe. Bei den neuen Kinderbüchern fallen mir die famosen Rico & Oskar-Romane von Andreas Steinhöfel ein, die begeistert von Erwachsenen gelesen werden.
Wichtig ist, dass diese Bücher für Kinder nicht „runtergeschraubte“ Erwachsenen-Bücher sind und auch keine erzählerischen Erziehungsmaßnahmen. Sie holen aus ihrer Perspektive, Erzählhaltung und ihrer Geschichte alles heraus. Es geht darum, emotional und phantasievoll zu schreiben, Zusammenhänge in klarer Sprache und pointiert darzustellen. Und im Idealfall gelingt es sogar, dass eine Szene auf zwei Ebenen funktioniert, für Kinder und für Erwachsene.
Beim Schreiben hatte ich als Erwachsener zumindest sehr viel Spaß mit dem Rennen, von demher hat man ihn möglicherweise auch beim Lesen, wenn man bereit ist, sich auf die kindliche Perspektive einzulassen ... 


Ich hoffe, das Interview mit Boris hat euch neugierig auf "Das Kaninchenrennen" und seine anderen Werke gemacht.

Morgen führt euch die Blogtour auf Chrissies Bücherwelt, wo ihr Näheres über die Freundschaft zwischen Tim und den beiden Außenseitern Pascal und Lissy erfahren könnt.

Montag, 27. Oktober 2014

[REZENSION] Das Blut meiner Schwester

Redakteur: Natalie Burger

Titel: Das Blut meiner Schwester (OT: Justice for Sara)
Autor: Erica Spindler
Übersetzer: Katrin Hahn
Verlag: MIRA Taschenbuch
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 352 Seiten



Autor:
Nach ihrer erfolgreichen Laufbahn als Malerin entschloss Erica Spindler sich, Autorin zu werden. Wer ihre Romane liest, weiß, dass besonders Psychologie und gesellschaftliche Entwicklungen sie faszinieren. Diese Thematik, gepaart mit scharfem Blick für Liebesbeziehungen, machen ihre Romane zu einem spannenden, emotionalen Leseerlebnis. Mit ihrem Ehemann und zwei Söhnen lebt Erica Spindler vor den Toren von New Orleans.



DAS BLUT MEINER SCHWESTER

Inhalt:
Nach 10 Jahren kehrt Kat in ihren Heimatort zurück und wird von Ablehnung empfangen. An ihrem Elternhaus prangt in schwarzer Schrift: "Wir wissen das du es warst". Die Rede ist von dem grausamen Mord an ihrer Schwester, der vor zehn Jahren geschah und für den sie vor Gericht frei gesprochen wurde. Nun möchte sie raus finden wer der wahre Täter ist, wirbelt dabei Staub auf und bringt sich selbst in Gefahr.

Meine Meinung:
Das Blut meiner Schwester ist wiedermal ein gut gelungener Thriller von Erica Spindler. Auch wenn ich ihn diesmal als ruhiger empfand als manch ihrer anderen Bücher.

Als Leser begleitet man Kat und lernt ihre Geschichte, ihre Sicht der Dinge und auch ihre Gefühle kennen. Von Beginn an ist klar das sie unschuldig ist. Nach und nach steigt die Liste derer die man selber verdächtigt. So rätselt man wer es aus welchem Grund gewesen sein könnte. Unterstützt wird das dadurch das die Ereignisse von vor zehn Jahren immer wieder eingestreut werden. So macht sich quasi jede Figur dieser Geschichte in irgendeiner Weise verdächtig, was die Spannung und auch den Lesespaß aufrecht erhält.

Kat ist damals noch jung gewesen, ein rebellierender Teenie und man merkt wie sehr sie gewachsen ist. Sie ist auch sehr Vorsichtig, nur wenn es um die Ergreifung des Täters geht ist sie stellenweise recht unbedarft. Sie hat in ihrem jungen Leben schon viele Schicksalsschläge hinnehmen müssen und ist daran gewachsen. Ich empfinde sie als sehr mutig. In eine Stadt zu ziehen, bei der ihr klar ist, das ihr so viel Ablehnung entgegen gebracht wird.
Der Einzige der zu ihr steht ist von Beginn an Luke. Polizist der Stadt und Sohn des Polizisten der sie damals zur Hauptverdächtigen machte. Doch Luke hilft ihr. Er fühlt sich schnell zu ihr hingezogen und arbeitet gegen seinen Vater um raus zu finden wer der wahre Täter ist.
Gut aufgenommen wird Kat von ihrem Cousin Jeremy, der einzige der ihr aus ihrer Familie noch geblieben ist. Er hat sie auch ermuntert wieder nach Liberty zu kommen und steht ihr bei. Er war mir stellenweise zu glatt, aber auch sehr bemüht Kat zu helfen. Jeremy zu beschrieben ist schwierig. Er möchte Senator werden und an ihm haftet der typische Politiker.
Andere Figuren sind ehemalige Freunde und Bekannte die wichtig für den Verlauf der Geschichte sind, aber doch recht unscheinbar bleiben. Insgesamt hatte ich den Eindruck das die meisten Einwohner von Liberty doch recht abgehoben sind. Hier wird sich in überwiegend höheren Kreisen bewegt.

Am Ende kann ich nichts negatives über Das Blut meiner Schwester sagen, außer das es mir stellenweise doch zu viel Problembewältigung war, es etwas ruhiger ist und mir so manches Mal die Spannung abhanden kam, wenn auch immer nur kurzzeitig.

Sonntag, 26. Oktober 2014

[REZENSION] Narbenkind

Redakteur: Yvonne Müller

Titel: Narbenkind (OT: Hungerelden)
Autor: Erik Axl Sund
Übersetzer: Wibke Kuhn
Verlag: Goldmann
Reihe: Victoria-Bergman-Trilogie 2
Ausführung: Taschenbuch, 512 Seiten



Autor:
Erik Axl Sund ist das Pseudonym des schwedischen Autorenduos Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist. Håkan ist Tontechniker, Musiker und Künstler. Jerker ist der Producer von Håkans Elektropunkband "iloveyoubaby!" und arbeitet zurzeit als Bibliothekar in einem Gefängnis. Zusammen haben sie drei Romane geschrieben, die Victoria-Bergman-Trilogie, für die sie 2012 mit dem Special Award der Schwedischen Krimiakademie ausgezeichnet wurden.


NARBENKIND

"Narbenkind" bringt alle Voraussetzungen mit, um die Viktoria Bergmann Trilogie weiter voran zubringen und den Leser an die 512 Seiten zu fesseln.
Die beiden Autoren verstehen es, Spannung zu erzeugen und spielen mit ihren Lesern ein perfides Katz- und Maus-Spiel. Das Buch ist in einem Rutsch durch gelesen, denn es zieht den Leser dermaßen in den Bann, da man nur schwer davon loskommt. Auch wenn der Inhalt sehr brutal und menschenunwürdig ist, ist es doch so packend und spannend geschrieben, dass man immer wissen will, wie es weitergeht.

Für Kommissarin Jeanette Kihlberg und ihren Kollegen Jens Hurtig geht die Arbeit erstmal frustrierend weiter. Ihre Ermittlungen zu den Morden an den Jungen werden auf Eis gelegt, jedoch wartet schon ein neuer Fall auf die beiden Polizisten. Ein Geschäftsmann wurde auf brutale Weise ermordet und wie es aussieht, wollte jemand Rache nehmen. Doch was ist das Motiv für Rache?
Jeanette Kihlberg bitte die Psychologin Sofia Zetterlund um Hilfe, sie soll ein Profil des Täters erstellen. Und als dann noch weitere Morde geschehen, sieht es so aus, das auch hier Victoria Bergman mit den Morden in Verbindung steht. Kommissarin Jeanette Kihlberg und Kollege gehen den Spuren nach, welche auch nach Dänemark führen, doch wie es scheint ist Victoria Bergman wie vom Erdboden verschluckt.
Währenddessen hat Psychologin Sofia Zetterlund mit immer mehr mit ihren Gedächtnisaussetzern zu kämpfen...

"Echte Verzeihung ist unmöglich, unkontrollierbar, unbewusst, denkt sie. Und da sie erwartet, dass die Schuldigen Reue zeigen, kann sie auch nie vollendet werden. Die Erinnerung ist und bleibt eine Wunde, die niemals heilt." (S.10/11)

Das Buch ist - wie beschrieben - unglaublich spannend. Immer wieder sind Kapitel aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt erzählt. Bei einer Person hat man das Gefühl, das die ganzen Jahre ein Doppelleben geführt wurde. Doch ist dem wirklich so?!
So hat der Leser nie einen Vorsprung, sondern tritt auf der gleichen Stelle wie die Ermittler.
Immer wieder werfen die beiden Autoren kleine Happen hin, um die Neugier weiter wachsen zu lassen.
Besonders gut gelungen sind auch die Rückblenden in die Vergangenheit, hier offenbaren sich dem Leser unmenschliche Grausamkeiten, welche wie ein roter Faden hin in die Gegenwart führen. Doch das Finale ist nicht wirklich in Sicht, denn die Spannung bleibt bis zum Schluss des 2. Teils weiterhin rätselhaft und endet wieder mit einem Cliffhanger. So bleibt abzuwarten, welches Ende sich das Autorenduo Erik Axl Sunds auserkoren hat, um die Victoria Bergman Trilogie enden zu lassen.

Packende Fortsetzung garantiert!

Reihen-Info:
"Krähenmädchen" (Band 1 der Victoria-Bergman-Trilogie) ist im Juli 2014 erschienen.
"Narbenkind" (Band 2 der Victoria-Bergman-Trilogie) erscheint am 15.9.2014.
"Schattenschrei" (Band 3 der Victoria-Bergman-Trilogie) erscheint am 17.11.2014.

[COOL-TOUR-KATZE] Buchmesse Frankfurt 2014 - Im Gespräch mit Andreas Steinhöfel & mit Sabine Wilharm

Redakteur: Anette Leister


Am Buchmessesamstag war ich einen großen Teil des Tages alleine unterwegs. Der Schock angesichts der Menschenmassen, die sich bereits am frühen Samstagmorgen in den Hallen eingefunden hatten, lies mich nur zu gut verstehen, warum sowohl Julia als auch Ina sich für einen Tag Pause entschieden hatten, andererseits wären mir so zwei Termine entgangen, die im Nachhinein zwei absolute Highlights dieser Messe für mich geworden sind...

Zum einen Stand die Signierstunde mit Sabine Wilharm und Susan Kreller auf meinem Plan. Die beiden waren in diesem Jahr für das Buch "Der beste Tag aller Zeiten - Weitgereiste Gedichte" für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert gewesen. Ich bin ein großer Fan von Sabine Wilharms Illustrationen - nicht zuletzt dank der deutschen Cover zu Harry Potter - hat sie uns doch beispielsweise wunderbar illustrierte Neuausgaben einiger Klassiker beschert (z.B. "James' Tierleben" von James Krüss) oder Illustrationen zu aktuelleren Büchern wie "Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte". Kurz gesagt, in meinen Regalen finden sich sehr, sehr viele Bücher mit ihren Illustrationen oder Covern von ihr.

Die Signierstunde entpuppte sich als Gelegenheit für ein sehr nettes und ausführliches Gespräch mit ihr und Susan Kreller, denn tatsächlich war ich die einzige Messebesucherin, die sich zu diesem Termin einfand. Pech für die anderen, Glück für mich... Die beiden erzählten mir, dass sie schon fast damit gerechnet hätten, dass gar keiner zur Signierstunde kommen würde, da ein Gedichtband - zudem in der gehobenen Preisklasse - einfach nicht der Kassenschlager in der Rubrik Kinder- und Jugendbücher ist, da hilft auch eine Nominierung bei einer Preisverleihung nichts.
Mit Sabine Wilharm habe ich dann noch über den Fluch und Segen gesprochen, wie es ist, wenn man "nur" das Cover hinter einem Roman ist. Sie meinte, die Bekanntheit, die sie mit den Harry Potter Covern erlangt hätte, wäre schön gewesen, aber genauso schön wäre es, wenn wieder Ruhe einkehrt.
Auch über ein gemeinsames Projekt mit Andreas Steinhöfel habe ich mit ihr gesprochen: "GlücksStadt", welches im letzten Jahr beim Carlsen Imprint Aladin erschienen ist. Ich sprach die Schwierigkeit an, die ich beim Bewerten des Buches hatte, da ich es sehr schwierig für eine Zielgruppe im Bereich Kinderbücher fand und ich zugegebenermaßen selbst nicht immer die begleitenden Texte verstanden hätte. Dabei erfuhr ich, dass "GlücksStadt" ursprünglich kein Buchprojekt gewesen war, sondern ein Kalender und um den Kalender für die "Ewigkeit" zu bewahren, ist daraus ein Buch entstanden. D.h. zuerst waren zwölf Bilder da und die Texte sind unabhängig davon im Nachhinein entstanden. So ist es also kein Wunder, wenn es stellenweise schwierig ist das Buch zu verstehen.



Nach der Signierstunde blieb ich direkt am Stand stehen, da ich zum einen nur eine halbe Stunde zu überbrücken hatte bis zur Interviewkonferenz mit Andreas Steinhöfel und zum anderen noch keinen Plan hatte, wo diese am Stand stattfinden sollte. Mann, Mann, Mann... ich hatte mir im Vorfeld ja schon ein bisschen ins Hemd gemacht, ob ich Andreas Steinhöfel überhaupt für ein Interview anfragen sollte und dann kam zum Glück die positive Rückmeldung vom Verlag, dass eine Möglichkeit besteht, allerdings im Rahmen einer Interviewkonferenz, da Andreas Steinhöfel so oft angefragt worden wäre, dass der Verlag die Anfragen nur durch Zusammenfassen der Termine bewältigen könnte. Jetzt muss ich mal eine Nachlässigkeit von mir gestehen: da ich damit gerechnet habe, dass bei der Interviewkonferenz viel los sein würde und ich für den Freitag bereits Fragen für drei exklusive Interviews sammeln musste, kam ich mit genau soll viel Vorbereitung in diesen Termin: nullkommanullnix Fragen. Und soll ich jetzt mal was sagen: wollt ihr wissen, wie viele Leute noch zu der Interviewkonferenz mit Andreas Steinhöfel kamen? Fangirlies wie ich jetzt bitte gut festhalten: KEINER! Ich hatte Andreas Steinhöfel eine Dreiviertelstunde ganz für mich alleine in einem sehr netten Gespräch (Ätschbätsch und Nananananaaa denkt euch an dieser Stelle dazu).

"Anders" hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelesen, da es offiziell ja auch erst nach der Buchmesse Erscheinungstermin hatte. Allerdings "GlücksStadt" und natürlich "Rico und Oskar", zudem war ich vor einigen Wochen mit meiner Tochter in der Verfilmung und hatte positives Feedback auf Andreas' Blog hinterlassen, dass ich meine Tochter gegen ihren Willen mit in den Film geschleift habe, aber er ihr dann tatsächlich gut gefallen hat ;) Teil zwei ist mittlerweile abgedreht, enthält aber zum Leidwesen von Andreas etwas zu extremen Slapstick-Humor. Teil drei wird aktuell gedreht, in dem Fall gibt es aber noch ein paar Unstimmigkeiten was Buchvorlage und Umsetzung angehen.
Ausgehend von dem vorherigen Gespräch mit Sabine Wilharm kamen wir dann auch nochmals auf den Deutschen Jugendliteraturpreis zu sprechen und die Zusammenarbeit der beiden bei "GlücksStadt". Andreas erzählte mir, das "GlücksStadt" reine Kopfarbeit gewesen wäre. Die Kalenderbilder wären im ganzen Haus verteilt gewesen und er hätte gefühlte Ewigkeiten dazu gebraucht bis ihm Texte eingefallen wären, die daraus irgendwie ein homogenes Ganzes gemacht hätten.
Für "Rico und Oskar" Fans hat er gute Neuigkeiten. Irgendwann wäre er Zuhause gewesen und dachte so bei sich, er wüsste ja schon gerne, was die beiden Jungs mittlerweile so machen und sagte sich dann selbst "Andreas, du weißt aber schon, dass du dir die beiden nur ausgedacht hast". Aber das ist ja gerade das tolle bei seinen Figuren! Sie sind so realistisch, dass man wirklich nur ungern den Buchdeckel am Ende über der Geschichte zuklappt, weil man sich nicht vorstellen kann, das die Geschichte fertig ist. Man glaubt wirklich mit den Figuren geht es weiter, weil sie so echt wirken. Ach so... die guten Neuigkeiten :) Es wird ein besonderes "Bonbon" geben, keine Fortsetzung der Trilogie, da hat Andreas alles erzählt, deshalb gab es auch am Ende vom dritten Teil ein dickes, fettes Happy End, bei dem alle das bekommen haben, was sie sich wünschten, aber ein paar Überlegungen hatte Andreas dann doch noch in Petto, damit die Fans noch ein letztes Mal etwas über die beiden zu lesen bekommen ;) Die Fangemeinde der zwei ist tatsächlich so groß und enthusiastisch, dass Andreas häufig richtig fette Briefe von jungen Lesern bekommt, in denen sie die Geschichte der beiden weiterschreiben.
Neben aktuellen und vergangenen Buchprojekten habe ich mich mit Andreas auch über das Übersetzen und Einlesen von Hörbücher unterhalten. Neben vielen seiner eigenen Titel ist aktuell "Zerbrochener Mond" von Sally Gardner auf dem Markt. Das ist eine Arbeit, die ihm immer noch Spaß macht, auch wenn er es - rein vom Finanziellen - nicht nötig hätte. Ich bin auf jeden Fall froh, dass er diese Arbeit neben dem Schreiben auch noch macht, denn er ist ein ganz toller Hörbuchsprecher und "Zerbrochener Mond" wartet noch darauf von mir gehört zu werden und die Entscheidung es zu hören statt zu lesen ist mir ganz leicht gefallen als ich erfahren habe wer es eingelesen hat. Tatsächlich besitze ich "Rico und Oskar" sowohl komplett in Print- als auch in Hörbuchform und werde "Anders", nachdem ich es gelesen habe, auch noch hören.
Wir haben auch noch über ein paar andere Sachen gesprochen, aber wie das manchmal unter vier Augen und einer Tasse Cappuccino so ist - nicht alles, über das man sich unterhält, gehört auch weitererzählt ;) Vielleicht hört man ja von der einen oder anderen Sache in Zukunft, da diese Dinge aber (noch) nicht so offiziell sind wie die kommende "Rico und Oskar" Geschichte schweigt hier meine Laptop-Tastatur.




Andreas Steinhöfel ist aktuell mit "Anders" auf Lesereise. Wer wie ich aus dem Rhein-Main-Gebiet kommt, kann sich auf das nächste Jahr freuen, denn dann kommen sowohl er als auch sein Bruder Dirk in die Buchhandlung Villa Herrmann nach Mainz-Gustavsburg:

Donnerstag, 23. Apr. 2015 - Dienstag, 30. Jun. 2015
Bilderbuch-Premiere
Dirk Steinhöfel & Andreas Pflitsch
Ausstellungseröffnung für Erwachsene und Kinder in Anwesenheit der Künstler
Lesung und Werkstattgespräch

2015-04-24, 19 Uhr
Andreas Steinhöfel liest aus Anders

[RUND UMS BUCH] Neuzugänge KW43/Anette


Im Briefkasten

Lockwood & Co. 2: Der Wispernde Schädel, Jonathan Stroud (RE)
Meister der Angst: Der Elefantenmensch, Hörbuch (GT)
Vollendet 3: Die Rache, Neal Shusterman (RE)

[REZENSION] Der Pakt

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Der Pakt
Autor: Kai Leuner
Übersetzer: -/-
Verlag: Prolibris
Reihe: Band 2
Ausführung: Taschenbuch, 226 Seiten



Autor:
Kai Leuner, Jahrgang 1974, arbeitete bereits während seines Jurastudiums für verschiedene Tageszeitungen und ein Sportmagazin. Nach dem Examen führte ihn sein beruflicher Weg unter anderem nach Washington D.C. und nach Tokio. Der langjährige Berater eines Abgeordneten und spätere Wirtschaftsstaatsanwalt lebt in der Nähe von Dresden. Neben den Büchern gehört seine Liebe den Vereinigten Staaten, die er regelmäßig bereist. Bisher erschienen bei uns seine vier Thriller, die in Dredsen und auf Rügen spielen.


DER PAKT

Als der erste Mord in einem hoch angesehen Hotel auf Rügen stattfindet, kann alles noch relativ ruhig gehalten werden, trotz Ermittlungen seitens der Polizei. Doch spätestens nach dem dritten Toten ist nichts mehr wie es vorher war. Zwischen den Opfern scheint es keinerlei Zusammenhang zu geben, und auch das Motiv bleibt völlig unklar. Handelt es sich überhaupt um ein- und denselben Täter? Staatsanwältin Manja Koeberlin wird hinzugezogen, die nicht nur die Spur einer mysteriösen Frau aufnimmt, sondern auch die losen Fäden aufspüren und verbinden kann. Dadurch gerät sie allerdings selbst ins Visier des Killers...

Sie hoffte, dass die junge Frau schnell verschwinden würde, wenn der Richter mit ihr fertig war. Vor allem sollte sie besser nicht auf die Idee kommen, noch einmal das Wohnzimmer zu betreten. Denn dann würde sie sterben müssen, genau wie er. (S. 21)

Dem Leser ist die Person des Täters sehr schnell bekannt, jedoch fehlt es dennoch an zahlreichen Informationen, um auch Auftraggeber und Motiv zu entschlüsseln, weshalb man im Grunde nicht viel mehr Wissen besitzt als die Ermittler selber. Auf Grund dieses kleinen Vorsprungs jedoch ist es dem Leser möglich das Wesen des Täters näher beleuchtet zu bekommen. Auch wenn sich dadurch sicherlich keinerlei Akzeptanz bezüglich der Taten entwickelt, so sind die Hintergründe dennoch nachvollziehbar und hilfreich für den weiteren Verlauf des Geschehens.

Um „Der Pakt“ vollständig zu verstehen, benötigt man einige Informationen aus einem anderen Fall für Manja Koeberlin. Es ist allerdings nicht unbedingt notwendig diesen ebenfalls gelesen zu haben, da man ausreichend versorgt wird. Wichtige Ereignisse werden aufgegriffen, Parallelen sowie Zusammenhänge schlüssig dargestellt. Daher hat man nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben.

Die Spannung entwickelt sich zu Beginn etwas zäher als man es bei einem Thriller eigentlich erwarten würde. Sie baut sich zwar nach und nach auf, plätschert aber über weite Teile auch erst einmal nur so dahin. Nach einiger Zeit dann, wenn sämtliche Personen eingeführt sind, zieht das Tempo plötzlich an. Häufige Perspektiv- und Ortswechsel tun ihr übriges dazu, um den Leser schließlich doch noch an das Geschehen zu fesseln. Diesen Effekt hätte man sich allerdings bereits zu einem früheren Zeitpunkt gewünscht.

„Der Pakt“ lässt sich gut nachvollziehen, was mitunter an dem flüssigen Schreibstil liegt, den der Autor hier anschlägt. Auch wird einiges an Lokalkolorit vermittelt, wobei es zeitweise so herüber kommt, als sei dieses aus Touristensicht zu betrachten. Alles in allem liegt jedoch ein Werk vor, das durchaus eine Chance verdient hat und viel Potential besitzt.


Reiheninfo:
Band 1: Schüsse auf die Staatsanwältin

Samstag, 25. Oktober 2014

[COOL-TOUR-KATZE] Buchmesse Frankfurt 2014 - allgemeine Impressionen

Redakteur: Anette Leister


Über die Buchmesse wurde in den letzten Tagen schon so viel geschrieben, dass ich hier nur noch ein paar Impressionen mit euch teilen möchte, die ihren Weg nicht in die Interviews oder das Finnland-Special gefunden haben:

Wie immer hat uns einer der ersten Wege zum Illumat geführt. Gibt es noch Buchmessebesucher, die diesen Stand nicht kennen? Ich kann mir die Messe auf jeden Fall nicht mehr ohne ihn vorstellen.



Am Donnerstagmorgen waren Ina und ich im Ehrengast-Pavillon und haben uns gemeinsam mit Anette von nettebuecherkiste eine Präsentation zum finnischen Nationalepos "Kalevala" angesehen. Anne Pasanen und Georgia Panagiotidou haben das alte Epos für die heutige Zeit neu aufgearbeitet.


Ein kurzer Blick nach draußen auf dem Weg zu einer anderen Halle.


Eine Präsentation der Aktion "Vorsicht Buch" ermöglichte Buchmessebesuchern auf Karten zu schreiben, worin für sie die Vorteile von Buchhandlungen gegenüber Onlinehändlern liegen.



Am Stand von Tre Torri konnten wir nicht nur einen Blick in das neue Buch von Enie erhaschen, welches wir uns am Sonntag noch kauften, sondern auch auf die Autorin und Moderatorin selbst.


Bei Kein & Aber setzte man dieses Jahr auf ein neues Standdesign...


... wohingegen Ullstein auf Altbewährtes schwor.


Beltz & Gelberg feierte mit Grüffelo und seinen Gästen dessen 15. Geburtstag.



Mit dem Magellan Verlag war ein neuer Kinder- und Jugendbuchverlag am Start, der derzeit sogar noch seinen ersten Geburtstag vor sich hat...


... aber schon jetzt mit einem coolen Stand die Messebesucher in Scharen anlockte.


Bald wird es Lesestoff des "How I met your Mother"-Stars Jason Segel zu lesen geben, selbst die Messehummel konnte sich der Werbung für sein Buch nicht entziehen.


Auf dem Freigelände zwischen den Messehallen machte dieser London-Doppeldecker Werbung für die Verfilmung von Paddington...


... direkt daneben Werbung für das Medium Buch.


Finnland ohne die Mumins? Unmöglich!


Am Freitagabend wohnten Ina, Julia und ich zum ersten Mal der Preisverleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises bei.


DIY-Impressionen am Wochenende: nicht nur beim Frech Verlag gab es bestrickend Schönes zu bestaunen...


... am Stand des Christophorus Verlag strickten gleich fünf Jungs aus "Hatnut".


Bei Carlsen lohnt sich jedes Jahr ein Blick nach oben.



Vor der Voranstaltung "Von Räubern und Rock'n'Roll" mit Siri Kolu und Robert Muchamore habe ich zumindest noch einen Teil der Buchpräsentation "So rot wie Blut" von Salla Simukka verfolgen können.


Den Sonntag nutzte ich dann noch zwei Lesungen anzuhören. Zum einen "Anders" von Andreas Steinhöfel, den ich am Samstag bereits in einem persönlichen Gespräch kennenlernen durfte und dessen Kinderbuchreihe "Rico und Oskar" zu meinen Lieblingsbüchern gehört...


... und Marian Funk bei der Vorstellung des neusten Warrior Cat Abenteuers "Spur des Mondes" und dem vierten Special Adventure "Streifensterns Bestimmung", zu dem er auch die Hörbuchfassung eingelesen hat, die bei der Hörcompany erschienen ist.


Und ehe man es sich versieht, war die Buchmesse auch schon wieder vorbei...


... aber in 2015 bin ich wieder dabei!