Mittwoch, 5. November 2014

[REZENSION] Angezogen wäre das nicht passiert

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Angezogen wäre das nicht passiert
Autor: Marie-Theres Stremnitzer
Übersetzer: -/-
Verlag: Berlin Verlag
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 304 Seiten



Autor:
Marie-Theres Stremnitzer, 1976 in Wien geboren, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft und begann 1999 nach einem Auslandssemester in Italien als Regieassistentin und Regisseurin am Wiener Burgtheater.
2010 schloss sie zudem ein Drehbuchstudium ab und arbeitet seither als freie Autorin und Redakteurin.
Marie-Theres Stremnitzer lebt mit ihrem Partner und der gemeinsamen Tochter in Wien und Zürich.


ANGEZOGEN WÄRE DAS NICHT PASSIERT

Luisa ist schier verzweifelt. Gibt es denn wirklich keine beziehungswürdigen Männer mehr? Nachdem das Besuchen fremder Hochzeiten nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, greift sie zum letzten Mittel: Onlinedating. Dass hier das Chaos vorprogrammiert ist, verdrängt sie gekonnt. Doch die Herren, die sich ihr anbieten könnten kurioser schon kaum noch sein. Als sich dann auch noch Veränderungen in ihrer Familie ankündigen, droht alles über Luisa zusammenzubrechen. Und was wird dann aus der Mission Traummann?

Am nächsten Morgen erwache ich am schlimmsten Tag der Woche. Ich hasse diesen Familientag, Kuscheltag, Pärchentag, Hobbytag, Ausflugmitkinderntag, Pärchentreffenanderepärchentag. Mit einem Wort, Sonntag. Alle lieben diesen Tag, nur ich würde diesen Niemandhatzeitfürmichtag, Ichbinalleinundmiristlangweilligtag am liebsten ersatzlos streichen. (S. 26)

Es ist einfach ein Kreuz mit den Männern. Wer kennt das nicht? Egal in welchem Alter, in welcher Phase man sich befunden hat, es gab sicherlich für jede bereits Zeiten, in der keiner gut genug war, den Ansprüchen einfach nicht entsprechen konnte. Doch wie weit war man bereit zu gehen? Lieber auf Kompromisse einlassen oder doch weitersuchen, bis Mister Perfect vor einem steht? Luisas Verzweiflung ist ebenso nachvollziehbar wie authentisch, nicht zuletzt, da sie ihre Geschichte selbst erzählt. Somit wird zwar die Objektivität ausgeblendet, der Identifikationsfaktor jedoch steigt.

Mit viel Humor und einem gekonnten Hang zur Selbstironie durchläuft Luisa diverse Phasen, in denen man immer wieder denkt, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann. Das Gegenteil wird jedoch ziemlich schnell bewiesen. Lautes Lachen ist beim Leser ebenso vorprogrammiert wie ungläubiges Kopfschütteln. Am liebsten würde man das Mädel manchmal an die Hand nehmen und ihr ordentlich die Meinung geigen, so verhält sich einfach keine erwachsene Frau. Wie Luisa manches Mal auftritt, würde man sie eher für einen Teenager halten.

Diesmal ist alles weiß, Paolo passt perfekt, ich höre uns stöhnen, wage nicht, die Augen zu öffnen, er flüstert mir ins Ohr: „Come?“
„Genau so, so ist es perfekt.“
Der Mann macht sich Gedanken, wie es mir gefällt!
„Ihren Ausweis, bitte!“
Wieso will er denn jetzt einen Ausweis von mir?
„Sprechen Sie Deutsch?“
Unsanft werde ich abgeworfen. (S. 116)

So schmal wie der Grat zwischen den Reaktionen des Lesers auf diverse Situationen ist, so schmal ist er auch wenn es um den Humor und Wortwitz geht. Daher ergeben sich durchaus Passagen, die man wahrlich nicht mehr lustig findet, sie fast schon als unfassbar einstufen würde. Doch eben diese teils übertriebene Darstellung impliziert einige von Luisas Charaktereigenschaften und lässt im Nachhinein betrachtet eine bessere Einschätzung dessen zu, inwiefern ihre Erfahrungen dazu beitragen, dass sich in ihrem Inneren eine Veränderung vollzieht.

„Angezogen wäre das nicht passiert“ bietet einiges an Diskussionsstoff und wird sicherlich nicht bei jedem für Begeisterung sorgen, enthält aber auch viel Wahrheit und ist schonungslos ehrlich.

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