Mittwoch, 29. Oktober 2014

[REZENSION] Kann ich bitte löschen, was ich gerade gesagt habe?

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Kann ich bitte löschen, was ich gerade gesagt habe?
Autor: Torsten Wohlleben
Übersetzer: -/-
Verlag: Carlsen
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Hardcover, 224 Seiten



Autor:
Torsten Wohlleben wurde 1974 in Brake an der Weser geboren. Sein erstes Buch war ein Drehbuch, verfilmt mit einem Budget von 10 DM, einer Super-8-Kamera und einem Dutzend Schulkameraden. Heute wohnt er in Bremen, schreibt richtige Bücher und fährt gerne mal nach Helgoland, um die Seele baumeln zu lassen. Dies ist sein erster Roman für Jugendliche.


KANN ICH BITTE LÖSCHEN, WAS ICH GERADE GESAGT HABE?

Henner ist mehr als unzufrieden mich sich und seinem Leben. Neben seinen beiden Freunden Jakob und Luis fühlt er sich klein, was nicht nur an der gegebenen Körpergröße liegt, und dass ein Mädchen ihn überhaupt einmal beachtet, daran scheint gar nicht zu denken. Überhaupt wird er vermutlich nur auf Grund seiner Freunde geduldet, es würde wohl niemandem gleich auffallen, wenn er einfach verschwinden würde. Dabei möchte er doch unbedingt, dass Valerie ihn wenigstens einmal bemerkt. Ein Sommer auf Helgoland sollte dafür eine gute Gelegenheit sein, doch dann kommt alles ganz anders. Denn hier lernt Henner Leefke kennen und überdenkt plötzlich sein ganzes bisheriges Dasein...

Seine Mutter lächelt wieder. Ach je. Rote Lippen glänzen, Ohrringe baumeln, sie duftet nach etwas fruchtig Frischem. Wäre eine super Wetterfee, denke ich. Die Art Frau, wegen der man sich eine Tagesschau bis zum Ende ansieht. (S. 63)

Wer kennt sie nicht, die Leiden eines 16jährigen Teenagers. Zum Teil mehr als klischeehaft werden einige davon hier aufgegriffen und in diverse Situationen übertragen, alles erzählt und dargestellt aus Henners Sicht. Natürlich mischt sich da eine gewisse Subjektivität ein, da man sich von den anderen Personen kein ganz eigenes Bild machen kann, da man nicht weiß, ob er in jeglicher Hinsicht nur die Fakten aufgreift oder hin und wieder auch mal übertreibt. Das Geschehen als solches wird jedoch sehr lebendig erzählt, wenn sich häufig auch eine große Portion Selbstmitleid hineindrängt, die von Zeit zu Zeit nervend wirkt.

Wenn die Sprache tatsächlich derjenigen der heutigen Jugend angepasst ist, fragt man sich unwillkürlich, ob es überhaupt noch so etwas wie Respekt gibt. Da die Jugendlichen sich hier häufig mit Schimpfworten betiteln, die, zumindest im Zusammenhang, scheinbar arglos daher gesagt werden. Dennoch ruft dies beim Leser ein gewisses Naserümpfen hervor. Allerdings ändert sich die Sachlage im Laufe des Geschehens. Diverse Situationen bringen die Protagonisten scheinbar dazu innerlich zu reifen, denn nicht nur ihr Auftreten, sondern auch ihre Sprache verändert sich. Häufig zwar kaum merklich, aber vergleicht man das Verhalten zu Beginn und zum Ende hin, so wird man einen Unterschied feststellen. Möglicherweise wurde auch daher zunächst zu einer etwas drastischeren Ausdrucksweise gegriffen, um eben genau dies deutlich zu machen. Denn das ist auf jeden Fall gelungen.

„Kann ich bitte löschen, was ich gerade gesagt habe?“ lässt sich flüssig lesen und bietet einiges an Unterhaltung, wenn auch die Geschehnisse weitestgehend vorhersehbar sind. Als erwachsener Leser fühlt man sich ein wenig in der Zeit zurückversetzt und sinniert von Zeit zu Zeit über die eigenen Erlebnisse nach. Jüngere Leser, die sich möglicherweise gerade in ebenjener Phase befinden, werden sicherlich ebenfalls Parallelen zu den dargestellten Ereignissen ziehen können.

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