Samstag, 27. September 2014

[REZENSION] Schrippenblues

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Schrippenblues
Autor: Moses Wolff
Übersetzer: -/-
Verlag: Goldmann
Reihe: Band 2
Ausführung: Taschenbuch, 288 Seiten



Autor:
Moses Wolff, geb. 1969 in München, ist Autor, Schauspieler und Kabarettist. Er schreibt regelmäßig für das Satiremagazin Titanic und ist Mitveranstalter der erfolgreichen Münchner Lesebühne »Schwabinger Schaumschläger«. Moses Wolff wohnt in der Isarvorstadt in München.


SCHRIPPENBLUES

Der Wildbach Toni ist in seinen Bergen daheim und im Großen und Ganzen glücklich. Doch von heute auf morgen ist es vorbei mit der Idylle, als nämlich sein geliebtes Tinerl Hals über Kopf nach Berlin davonbraust. Auch wenn sie bisher eine eher lockere Beziehung geführt haben, so ist dem Toni doch schnell klar, dass er hinterher muss. Da er weder weiß wo sie sich in der Großstadt aufhält, noch bei wem, begibt er sich in ein Abenteuer, dessen Ausgang mehr als offen ist...

[…] Und an mit vorbei gingen mehrmals junge Herren in Anzügen, die an ihren Ohren feuerzeugähnliche silberne Gebilde befestigt hatten und allesamt Selbstgespräche führten. […] Das musste irgendeine Großstadtkrankheit sein, was mit der Psyche. (S. 177)

Wem der Wildbach Toni aus dem gleichnamigen ersten Roman bisher noch nicht bekannt ist, merkt bereits sehr schnell, dass es sich hier um einen wahrlichen Hallodri handelt, der nichts anbrennen lässt. Scheinbar gibt es da eine Übereinkunft zwischen ihm und dem Tinerl, doch seltsam mutet dies schon an. Durch ebenjenes Verhalten, dass er weder in den Bergen noch in der Großstadt einschränkt, wirkt er nicht unbedingt sympathisch auf den Leser. Man hofft, dass sich dies zum Ende noch bessern wird, befürchtet allerdings das schlimmste. Man muss sich einfach auf das Geschehen einlassen, vielleicht gibt es dann doch noch Überraschungen.

Inhaltlich gesehen gibt es einige humorvolle Passagen, manche sogar in einem solchen Maße, dass es den Leser beinahe vor Lachen vom Stuhl haut. Wenn auch hin und wieder unter der Gürtellinie, so kann man doch manches Mal herzhaft lachen. Etwas störend wirken jedoch die Mundart-Passagen, die zwar das Geschehen authentisch machen, den Lesefluss aber immer wieder zum Stocken bringen. Es ist nicht so als wären sie unverständlich, doch es dauert hin und wieder geraume Zeit, bis sich dem Leser der Inhalt gänzlich erschlossen hat. Das ist ein wenig schade, da man so immer wieder aus dem Fluss gerissen wird.

„Schrippenblues“ ist durchaus auch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes verständlich. Man hätte möglicherweise eine andere, bessere Meinung vom Toni, wenn man den ersten Band kennen würde, andererseits könnte aber auch das Gegenteil der Fall sein. So oder so bietet „Schrippenblues“ kurzweilige Unterhaltung und lädt ein zum Lachen und zum Abschalten.


Reiheninfo:
Band 1: Der Wildbach Toni

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