Sonntag, 7. September 2014

[REZENSION] Niemand liebt November

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Niemand liebt November
Autor: Antonia Michaelis
Übersetzer: -/-
Verlag: Oetinger
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 16 Jahren
Ausführung: Hardcover, 432 Seiten



Autor:
Antonia Michaelis, Jahrgang 1979, in Norddeutschland geboren, in Süddeutschland aufgewachsen, zog es nach dem Abitur in die weite Welt. Sie arbeitete u.a. in Südindien, Nepal und Peru. In Greifswald studierte sie Medizin und begann parallel dazu, Geschichten für Kinder und Jugendliche schreiben. Seit einigen Jahren lebt sie nun als freie Schriftstellerin in der Nähe der Insel Usedom und hat zahlreiche Kinder und Jugendbücher veröffentlicht, facettenreich, fantasievoll und mit großem Erfolg. »Der Märchenerzähler«, ihr erstes Buch für junge Erwachsene, wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.


NIEMAND LIEBT NOVEMBER

Kurz vor ihrem sechsten Geburtstag verschwanden November Larks Eltern und kamen nie wieder. Mit siebzehn erhält sie endlich einen Hinweis auf ihren Verbleib und fasst einen Plan. Sie haut aus ihrer WG ab und begibt sich auf Spurensuche. Ihr Weg führt sie an fremde Orte, zu fremden Menschen und manchmal auch an ihre Grenzen. Doch November gibt die Hoffnung nicht auf, die Hoffnung, den Riss in der Realität kitten zu können, um wieder eine Familie zu haben...

Wer bereits einen oder mehrere Titel von Antonia Michaelis gelesen hat, weiß um ihren ganz besonderen Schreibstil. Schon zu Anfang zeigt sich die Poesie hinter ihren Worten, die den Leser sofort in den Bann ziehen. Man ist gleichzeitig berührt, fühlt sich aber auch auf Distanz gehalten. Dies wird jedoch nicht der einzige Gegensatz sein, dem man sich während der Lektüre gegenübersieht. Faszination und völlige Ungläubigkeit liegen dicht nebeneinander, doch eins ist sicher: Das Buch aus der Hand zu legen ist unmöglich.

Novembers Geschichte ist traurig, doch auch voller Hoffnung, ebenso wie das Mädchen selber. Schnell ist man in der Erzählung gefangen und erlebt Höhen und Tiefen wie noch nie. Bald schon ist die Grenze zwischen Realität und Fiktion nicht mehr erkennbar. Wurde man nun von der Wirklichkeit verschluckt, oder handelt es sich um Halluzinationen?

Im Laufe des Geschehens türmen sich die Fragen förmlich. Man muss schon gut aufpassen, um sie im Geiste beisammen zu halten. Auch wenn man der Verzweiflung nahe scheint, sollte man nicht verzagen, es werden Antworten kommen, alles zu seiner Zeit. Da sich dies aber relativ lange hinauszögert, ent- und verwirft man im Laufe des Geschehens die wildesten Theorien. Aus manchen könnte man gleich ein eigenes Buch machen. Das zeigt aber gerade wieder die Wirkung des Titels, schließlich würde man sich nicht so viele Gedanken machen, würde es sich um ein 08/15-Buch handeln.

Antonia Michaelis nimmt den Leser mit auf eine Reise, ohne Hinweise darauf was einen erwartet. Man springt quasi blind ins Bodenlose und muss darauf vertrauen aufgefangen zu werden. Man wird zittern, man wird hoffen, Emotionen werden freigesetzt.
Dieses Buch wird auch nach Beendigung noch eine ganze Weile nachwirken!

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