Montag, 25. August 2014

[REZENSION] Die Lügen der Anderen

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Lügen der Anderen (OT: Rush of Blood)
Autor: Mark Billingham
Übersetzer: Peter Torberg
Verlag: Atrium
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 416 Seiten



Autor:
Mark Billingham, 1961 in Birmingham geboren, ist einer der international erfolgreichsten englischen Krimiautoren, seine Bücher erscheinen in über zwanzig Sprachen. Neben dem BCA-Award, dem Theakston’s Award für den besten Krimi des Jahres und Nominierungen für den Gold Dagger wurde Mark Billingham mit dem Sherlock Award für die beste Detektivfigur im britischen Kriminalroman ausgezeichnet. Mark Billingham lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im Norden Londons und in Florida.


DIE LÜGEN DER ANDEREN

Drei Paare, alle aus England, begegnen sich in einem Hotel in Florida. Immer häufiger unternehmen sie etwas gemeinsam und beschließen, sich auch nach dem Urlaub nicht aus den Augen zu verlieren. Als sie ihren letzten gemeinsamen Abend in Florida verbringen, verschwindet ein Mädchen spurlos. Erst zurück in England erfahren sie, dass die Leiche gefunden wurde. Da sie ihr Versprechen nicht vergessen haben, laden die Paare sich gegenseitig zum Abendessen ein. Thema Nr. 1 ist das getötete Mädchen, doch nach und nach geht es um etwas anderes, denn plötzlich lassen alle ihre Masken fallen – fast alle...

Wer kennt das nicht: Egal, wo man den Urlaub verbringt, immer trifft man auch auf Menschen aus der Heimat. Mal ist man sich sympathisch, mal nicht, aber häufig beteuert man, in Kontakt bleiben zu wollen. Dabei sind Urlaubsbekanntschaften wahrlich nicht immer der Hit. Auch hier zeigt sich sofort, dass die Paare eigentlich kaum bis gar keine Lust aufeinander haben und doch halten sie an ihrem Versprechen fest. Ist es Pflichtgefühl? Oder ist es, weil sie ein schreckliches Ereignis verbindet, über das ausgiebig spekuliert und diskutiert werden muss? Fakt ist, dass dem Leser sämtliche Charaktere nicht unbedingt sympathisch erscheinen. Dies liegt zum einen an ihrem Verhalten, zum anderen aber auch daran, dass der Autor ganz bewusst Misstrauen streut und die ein oder andere Person in einem besonders schlechten Licht dastehen lässt. Dadurch fragt sich nicht nur der Leser sehr bald, ob etwa eine oder mehrere dieser Figuren in die Tat verwickelt sind.

Das Buch ist unterteilt in verschiedene Abschnitte, in jedem geht es in der Hauptsache um ein Paar und das jeweilige Dinner, da sie sich reihum zum Abendessen einladen. Somit wird der Fokus in jedem Abschnitt auf zwei andere Charaktere gelegt, wodurch sehr schnell klar wird, dass jeder etwas zu verbergen hat. Keiner ist wirklich authentisch, jedoch ist noch nicht ersichtlich wie erdrückend die Geheimnisse möglicherweise sind.
Genremäßig würde man diesen Titel wohl unter Spannungsroman einordnen, denn es gibt keinen klassischen Verlauf wie man ihn von Krimis oder Thrillern kennt. Viel mehr wird durch Andeutungen und konkrete Darstellungen Misstrauen geschürt, so dass dadurch eine gewisse angespannte Atmosphäre aufgebaut wird. Niemand traut dem anderen über den Weg, die Aggressivität steigt und auch das miteinander wird immer weniger herzlich, als die ersten Masken zu bröckeln beginnen.

Der Leser verdächtigt im Laufe des Geschehens wohl jede Person mindestens einmal. Bei dem ein oder anderen bleibt man möglicherweise länger hängen oder kommt auch nochmal auf ihn zurück. Man folgt bereitwillig den Indizien und lässt sich somit von einer Spur auf die andere führen, ohne zu wissen wohin die Reise geht. Dass man häufig auf dem Holzweg ist, wird man noch früh genug erfahren. Zum Ende hin zeichnet sich immer schneller ab welchem Spiel man ausgesetzt wurde. Plötzlich wird alles ganz deutlich und leider auch teilweise vorhersehbar. Da hätte man sich die Kontinuität von zuvor gewünscht, um wirklich bis zum Schluss im Dunkeln gelassen zu werden.

„Die Lügen der Anderen“ ist psychologisch dicht gestrickt und zieht den Leser in einen Sog aus Neid, Misstrauen und Intrigen.

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