Montag, 7. April 2014

[REZENSION] Friesenlüge

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Friesenlüge
Autor: Sandra Dünschede
Übersetzer: -/-
Verlag: Gmeiner
Reihe: Kommissar Thamsen
Ausführung: Taschenbuch, 278 Seiten



Autor:
Sandra Dünschede, geboren 1972 in Niebüll/Nordfriesland und aufgewachsen in Risum-Lindholm, erlernte zunächst den Beruf der Bankkauffrau und arbeitete etliche Jahre in diesem Bereich. Im Jahr 2000 entschied sie sich zu einem Studium der Germanistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Kurz darauf begann sie mit dem Schreiben, vornehmlich von Kurzgeschichten und Kurzkrimis. 2006 erschien ihr erster Kriminalroman »Deichgrab«, der mit dem Medienpreis des Schleswig-Holsteinischen-Heimatbundes als bester Kriminalroman in Schleswig-Holstein ausgezeichnet wurde. Seitdem arbeitet sie als freie Autorin und lebt seit 2011 wieder in Hamburg, wohin es sie als waschechtes Nordlicht zurückzog.


FRIESENLÜGE

Als im Hamburger Volkspark eine Leiche entdeckt wird, dauert es nicht lange, bis der Tote als Heinrich Matzen identifiziert wird. Denn der Rentner kehrte nicht gemeinsam mit dem Seniorenverein von einem Ausflug zurück und wurde sofort von seiner Frau als vermisst gemeldet. Matzen war nicht unbedingt der beliebteste Nachbar und doch ist die Suche nach dem Motiv alles andere als leicht. Schließlich wird auch noch Frau Matzen tot in ihrem Dagebüller Haus gefunden, wodurch sich noch einmal ganz andere Ansätze ergeben. Kommissar Thamsen arbeitet nun nicht mehr nur Hand in Hand mit seinen Freunden Tom und Haie, sondern auch mit Peer Nielsen, einem Kollegen aus Hamburg...

„Sagen Sie, hat es schon eine Testamentseröffnung gegeben?“ Manuela Groß war überrascht.
„Nee, wieso? Testament gibt es nicht.“
„Sind Sie sich sicher?“ Thamsen konnte sich, nach dem, was er bisher über Heinrich Matzen wusste, kaum vorstellen, dass der Rentner seine Erbangelegenheiten nicht geregelt hatte. (S. 240)

Wieso sollte ein Rentner, der eigentlich in Dagebüll lebt, plötzlich in Hamburg getötet werden? Das schreit doch alles nach Zufall. Dementsprechend schwierig ist es nicht nur für die Ermittler, sondern auch für den Leser, ein Motiv zu finden und den zugehörigen Täter am besten gleich dazu. Sicherlich erhält man diverse Hinweise wem das Ableben von Heinrich Matzen entgegen kommt, aber hinreichende Verdachtsmomente sind das noch lange nicht.

Wer bereits den ein oder anderen Krimi aus Sandra Dünschedes Feder gelesen hat, weiß, dass Kommissar Thamsen sich, neben den Kollegen, auch auf das Urteil seiner Freunde verlässt. Diesmal gilt es jedoch auch, Tom, der einen furchtbaren Verlust erlitten hat, aus seinem Tief herauszuholen. Und was wäre dazu besser geeignet als ein Fall, in den er sich so richtig verbeißen kann. Hier wird deutlich, dass es nicht nur um Spannung und Ermittlungen geht, sondern auch Freundschaft und Zusammenhalt eine große Rolle spielen. Diese Mischung wird sehr gut ausgearbeitet und zeigt, dass ein Zusammenspiel der Elemente häufig mehr dazu beiträgt die Spannung hoch zu halten als wenn private Angelegenheiten außen vor gelassen werden.

Inhaltlich tappt der Leser lange Zeit im Dunkeln. Wie bereits erwähnt, gibt es zahlreiche Hinweise auf mögliche Tathergänge, doch vieles davon endet in einer Sackgasse. Es bleibt also nicht viel übrig als sich den Ermittlern anzuschließen und allem nachzugehen, egal wie ausweglos die Spuren erscheinen. Nur so kann man sicher sein nichts relevantes übersehen zu haben. Obwohl man dadurch häufig weit ab vom Ziel landet, bleibt „Friesenlüge“ von Anfang bis Ende spannend und zieht den Leser in einen Sog, dem er sich nicht entziehen kann.

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