Mittwoch, 9. April 2014

[REZENSION] Bis ans Ende ihrer Tage

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Bis ans Ende ihrer Tage (OT: Dragen Sangeren Helten)
Autor: Jens Østergaard
Übersetzer: Nora Pröfrock
Verlag: Lyx
Reihe: Thomas Nyland 1
Ausführung: Taschenbuch, 288 Seiten



Autor:
Jens Østergaard hat Journalismus studiert und unter anderem als Redakteur bei einem dänischen Radiosender gearbeitet. Heute ist er als Kommunikationsberater tätig. Sein erster Roman hat in Dänemark für großes Aufsehen gesorgt.


BIS ANS ENDE IHRER TAGE

Eine junge Frau bricht mitten auf der Straße zusammen und nach und nach werden einige Leichen entdeckt, deren Tod alle demselben Muster folgen. Als Kommissar Thomas Nyland einen Freund verliert, wird dieser Fall für ihn mehr als persönlich. Trotz Beurlaubung kann er nicht tatenlos zu Hause herumsitzen, so dass er eigene Nachforschung tätigt, in eine Richtung, die seine Kollegen scheinbar noch nicht in Betracht gezogen haben. Dabei kommt er einem Wahnsinn auf die Spur, mit dem niemand gerechnet hätte...

Noch einmal streckt er die Hand aus. „Komm schon, Hindrik. Gib mir einen kleinen Vorsprung, bevor du die anderen anrufst. Ein paar Stunden. Oder eine Stunde. Nur so viel, dass ich hinfahren und mir einen Überblick verschaffen kann, bevor die Kavallerie antrabt.“
Skulasson gibt ihm den Zettel. „Du bekommst dreißig Minuten. Aber dann rufe ich bei deiner Abteilung an und erkläre ihnen die Sache.“ (S. 106)

„Bis ans Ende ihrer Tage“ ist der erste Fall für Thomas Nyland und wird sofort einer von der persönlichen Sorte. Dadurch wird das Wesen des Kommissars recht detailliert herausgearbeitet und erläutert, so dass man als Leser einen umfassenden Einblick in sein Leben und auch in seine Gedanken erhält, trotz dessen, dass aus der beobachtenden Perspektive erzählt wird. Diese Erzählweise hat entsprechend den Vorteil, dass der Leser an mehreren Orten gleichzeitig verweilen kann und somit möglicherweise Informationen erhält, die zur Lösung des Falles beitragen können. Doch nicht immer ist ein solcher Wissensvorsprung von Vorteil, nämlich dann, wenn man überhaupt nicht weiß, wie man die Hinweise einordnen und dem Fall zuschreiben soll. Dies gestaltet sich hier zeitweise schwierig, weshalb man sich manchmal wünscht, nicht noch mehr Vorabinformationen zu erhalten.

Die Atmosphäre ist von Anfang an stark angespannt und lädt sich zunehmend weiter auf. Auch wenn inhaltlich bzw. handlungstechnisch gerade nichts passiert, so ist untergründig eine Spannung spürbar, die unbedingt an die Oberfläche gelangen möchte, nur noch nicht weiß wann sich ein Ventil zeigt, durch das sie entweichen kann.
Von Zeit zu Zeit wird der Leser, ebenso wie der Kommissar, in die Irre geführt. Auch wenn diese Sequenzen nicht dominieren, so bilden sie doch eine erfrischende Abwechslung zu der ansonsten sehr geradlinigen Erzählung als solche.

Der Autor vermischt gekonnt Realität und Fiktion, lässt den Täter in einer ganz eigenen Welt leben, die er zwar nicht als einziger versteht, die aber für alle anderen etwas anderes darstellt als für ihn. Da es sich hier um den Auftakt einer Reihe handelt, darf man gespannt sein was für einen Fall Thomas Nyland demnächst erwarten wird.



Gastrezensent: Kerstin Caywood

In dem Thriller "Bis ans Ende ihrer Tage" geht es um Kommissar Thomas Nyland, der während einer Ermittlung verletzt wird und zusehen muss wie sein Kollege stirbt. Doch statt seine Wunden zu lecken beschließt er weiter auf eigene Faust zu ermitteln. Wieso wurde das eben erst gefundene Mädchen, das offenbar Schreckliches erlebt hat, aus dem Krankenhaus entführt. Weshalb ist ein junger Mann mit einem Speer durchbohrt worden. Was haben beide Fälle miteinander gemeinsam? Seine Ermittlungen führen ihn in die Welt der alten russischen Sagen und schon bald wird klar, der Mörder hält sich offenbar für einen Helden aus eben dieser Volkserzählungen.

An sich finde ich die Idee des Autors richtig klasse. Der Bezug zu den alten Sagen hat mich neugierig gemacht. An der Umsetzung hat es meines Erachtens dann aber gehabert. Zuerst einmal fand ich den Schreibstil des Autors nicht sehr ansprechend. Das Buch ist a) in Präsens verfasst, was schon etwas merkwürdig zu lesen war, b) - meiner Meinung nach das größere Manko - geht Herr Ostergaard wenig auf seine Protagonisten ein, obwohl die Hauptfiguren viel Potential gehabt hätten.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Tatsache wirkt die Geschichte auf mich wenig plastisch wenn auch konsequent erzählt. Wer sich leichte Kost für Zwischendurch wünscht ist sicher hier gut aufgehoben, Einen vielschichtigen Krimi kann man allerdings nicht erwarten.

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