Sonntag, 2. März 2014

[REZENSION] Ich bin Tess

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Ich bin Tess (OT: Kiss me first)
Autor: Lottie Moggach
Übersetzer: Sandra Knuffinke / Jessika Komina
Verlag: script 5
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 16 Jahren
Ausführung: Hardcover, 352 Seiten



Autor:
Lottie Moggach ist freiberufliche Journalistin, liebt ihre Heimatstadt London und hat ein Faible für das 18. Jahrhundert. In ihrer Freizeit spaziert sie am liebsten mit ihrem Sohn durch die Straßen der britischen Hauptstadt und träumt davon, in einem der georgianischen Häuser zu wohnen. Die Idee zu ihrem ersten Roman Ich bin Tess kam ihr vor einigen Jahren, als sie viel zu viel Zeit mit Facebook verbrachte.


ICH BIN TESS

Ist es wirklich so einfach, sich im Internet als jemand anderer auszugeben? Wer weiß denn schon, wer wirklich an der Tastatur sitzt? Tess will nicht mehr leben, aber der Gedanke an ihre Freunde und Familie macht es ihr schwer, an diesem Entschluss festzuhalten. Durch eine Fügung lernt sie Leila kennen und vertraut ihr ihr ganzes bisheriges Leben an, bis die junge Frau Tess bald selber kennt als sich selbst. Somit kann Tess aus dem Leben scheiden, und ihren Lieben das Leiden noch einige Zeit ersparen. Doch haben sie wirklich alle Eventualitäten bedacht? Kann der Schwindel wirklich nicht auffliegen?

Die heftige Traurigkeit, die ich in diesem Moment empfand, war seltsamerweise sogar noch schlimmer als die kurz vor Mums Tod; ich nehme an, das lag daran, dass Tess nicht so offensichtlich litt, sie wirkte ja so viel jünger und gesünder. Es schien mir unmöglich, dass sie bald nicht mehr auf dieser Welt sein sollte, dass jemand, der mir so vertraut war, einfach verschwinden würde. (S. 132)

Die Meinungen zum Thema Selbstmord driften auseinander wie selten. Die Frage, die sich hier jedoch stellt: Darf man jemand anderen noch zusätzlich mit seinem Vorhaben belasten? Und wie soll derjenige reagieren? Auch hier werden die Antworten meilenweit auseinander gehen und es soll hier auch wahrlich keine Tendenz gegeben werden. Jeder sollte sich in einer ruhigen Minute einmal selber damit beschäftigen und überlegen wie seine Auffassung dazu ist.
Doch auch das Thema des digitalen Zeitalters spielt hier eine große Rolle. Macht man sich inzwischen überhaupt noch Gedanken, wenn man sich im Netz aufhält? Mit wem man spricht, was man von sich preis gibt? Auch diese Fragen sollten mehr als eine Überlegung wert sein.

Es handelt sich hierbei schon um eine eher ungewöhnliche Thematik, die jedoch nicht unbeachtet bleiben darf. Immer häufiger werden sogenannte Tabuthemen inzwischen auch in Jugendbüchern angerissen, was durchaus wichtig und ratsam ist. Dabei ist es jedoch unerlässlich, dem Leser den Raum für eigene Gedanken zu geben und ihn nicht in eine Richtung zu drängen. Genau darauf wird auch hier versucht einzugehen, indem Leila, die sich eine ganze Zeit lang als Tess ausgegeben hat, ihre Erlebnisse neutral erzählt. Somit gelingt es ihr auch die meiste Zeit ihre Emotionen nicht in den Bericht mit einfließen zu lassen.

Auch wenn man bereits weiß worum sich dieses Werk dreht, scheint die Erzählung zu Beginn doch recht konfus. Das mag vermutlich daran liegen, dass Leila sich und ihre Gedanken erst einmal selber sammeln muss. Hat sie das geschafft, wird auch der rote Faden schnell ersichtlich, so dass man der Geschichte gut folgen kann. Es gibt einige Zeitsprünge, die aber entweder zuvor angekündigt werden oder sich sogleich aus dem Zusammenhang ergeben, so dass auch hier keine Stockungen entstehen.

Eine Beziehung, wie es ansonsten oft bei Ich-Erzählern der Fall ist, baut man zu Leila nicht auf. Das ist ebenfalls ihrem nüchternen Bericht geschuldet, in dem sie jegliche Emotionen versucht zurückzuhalten. Das erleichtert dem Leser dann aber wiederum seine eigene Meinung einzubringen und regt ungemein zum Nachdenken an.

Bis zum Schluss zieht sich eine Grundspannung durch das Geschehen, denn im gesamten Verlauf ergeben sich durchaus diverse Fragen. Die Gerüchte werden immer weiter angestachelt, ohne jedoch konkrete Antworten zu liefern. Das ändert sich auch nicht in jedem Fall. Ein paar Dinge werden noch aufgelöst, das ein oder andere bleibt aber der Fantasie überlassen, so dass den Leser das Buch auch nach dem Lesen noch nicht sofort wieder los lässt.

1 Kommentar:

  1. Huhu,
    tolle Rezi ♥ Ich lese das Buch gerade und kann die nur zustimmen was du zum Anfang schreibst, dass Leila sich und ihre Gedanken erst mal selbst sammeln muss. Ich bin gerade auf S. 112 und jetzt wird auch so langsam klar wie sich das entwickelt zumindest so grob anfangs war ich einfach nur verwirrt ^^

    LG ♥

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