Mittwoch, 19. Februar 2014

[REZENSION] Siebenschön

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Siebenschön
Autor: Judith Winter
Übersetzer: -/-
Verlag: dtv
Reihe: Emilia Capelli und Mai Zhou 1
Ausführung: Taschenbuch, 432 Seiten



Autor:
Judith Winter, 1969 in Frankfurt am Main geboren, studierte Germanistik und Psychologie in Berlin und Wien und arbeitete viele Jahre in einem renommierten wissenschaftlichen Institut, bevor sie sich selbständig machte. Nach Aufenthalten in Mailand und Paris lebt sie heute mit ihrer Familie in der Nähe ihrer Heimatstadt.


SIEBENSCHÖN

Ein Mörder, der scheinbar wahllos ausgesuchten Personen Karten schreibt, welche zu einer Leiche führen. Perfiderweise glauben die Empfänger der Karten zunächst noch die Opfer retten zu können. Doch das ist alles Teil des Plans. Nach welchem Muster werden die Ermordeten ausgewählt, nach welchem die Entdecker? Es scheint keinen gemeinsamen Nenner zu geben. Diesen müssen die Ermittler jedoch finden, bevor der Täter erneut zuschlägt und das kann jeden Tag sein. Emilia Capelli, eine Ermittlerin, die tough und unkonventionell an die Lösung des Verbrechens geht, muss sich allerdings noch mit einer Neuerung abfinden. Ab sofort hat sie einen neuen Partner, und dieser ist eine Frau...

„Augenblick!“, protestierte Em, die nun endlich ihre Sprache wiedergefunden hatte. „Wollen Sie damit sagen, dass ich in Zukunft mit einer Frau arbeiten soll?“
Ihre Reaktion schien Makarov zu amüsieren. „Haben Sie ein Problem damit?"
„Oh ja, allerdings.“
„Wieso? Was haben Sie gegen Ihre Geschlechtsgenossinnen einzuwenden?“
„Gar nichts“, gab Em zurück. „Außer, dass man mit ihnen weder vernünftig reden noch vernünftig zusammenarbeiten kann.“ (S. 34)

Dass ein Mörder seine Taten bei der Polizei ankündigt oder ihnen nachher detailliert beschreibt wo das Opfer zu finden ist, ist inzwischen fast schon ein alter Hut, wenn man das in einem solch ernsten Zusammenhang so sagen kann. Dass nun aber Dritte hineingezogen werden, die die Leichen finden sollen, ist noch nicht so häufig aufgetaucht. Sicherlich wird hier mit einberechnet, dass die Polizei hinzugezogen wird, aber nicht unbedingt sofort. Manch einer würde solche Anweisungen möglicherweise auch gar nicht ernst nehmen, so dass die Taten zunächst unentdeckt bleiben würden. Dementsprechend hat man zumindest das Gefühl, dass Willkür und Zufall auch eine Rolle spielen. Hier ist dies aber mitnichten der Fall, denn der Täter weiß ganz genau was er tut, jeder Schritt ist bis ins kleinste Detail geplant. Unbewusst bewegen sich demnach alle anderen Charaktere wie Marionetten an seinem Faden.

Dem Leser wird dies natürlich schnell klar, doch kann er die agierenden Personen leider nicht warnen. Somit bleibt nur übrig zu hoffen, dass die Hinweise schnell verstanden und entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Man muss schon so manches Mal aufpassen, dass man nicht vergisst zu atmen, denn teilweise ist die Spannung unerträglich, man weiß kaum noch wohin mit sich. Man möchte nur noch, dass es endlich vorbei ist, und die Lösung präsentiert wird, ansonsten hat man das Gefühl zu platzen.

Es ist schon immer mein Vorteil gewesen, dass mich alle unterschätzen, dachte sie, und der Mann, der mir das antut, wird denselben Fehler machen. Er denkt, dass er mich gefügig gemacht hat. Aber das ist nicht wahr. Ich bin hellwach und entschlossen. Und ganz egal, wie es auch schienen mag, er hat etwas vor mit mir. Etwas, das über diese Injektionen hinausgeht.
Etwas, das noch nicht vollendet ist... (S. 266)

Da es sich bei „Siebenschön“ um den ersten Fall für das neue Ermittlerduo Emilia Capelli und Mai Zhou handelt, ist es selbstverständlich, dass die Personen zunächst einmal eingeführt und ausreichend dargestellt werden. Hauptsächlich wird versucht dies in den Kontext einzubauen. An Stellen, an denen dies nicht wie gewünscht gelingt, zieht sich die Geschichte ein wenig in die Länge, glücklicherweise wird dies aber jedes Mal schnell wieder ausgeglichen.

Ganz anders steht es mit dem Ende, das kommt dagegen ziemlich abrupt. Zum Schluss geht alles sehr schnell, die Ereignisse überschlagen sich und plötzlich soll es das gewesen sein. Hier hätte man sich eine etwas komplexere Ausarbeitung gewünscht.

Die minimalen Kritikpunkte werden jedoch durch die gebotene Spannung fast wieder ausgeglichen und geraten schnell in Vergessenheit. Zurück bleibt ein elementarer Eindruck des neuen Gespanns, von dem man hoffentlich bald wieder etwas lesen wird.

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