Montag, 24. Februar 2014

[REZENSION] Das unerhörte Leben des Alex Woods oder Warum das Universum keinen Plan hat

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Das unerhörte Leben des Alex Woods oder Warum das Universum keinen Plan hat (OT: Alex Woods VS The Universe)
Autor: Gavin Extence
Übersetzer: Alexandra Ernst
Verlag: Limes
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 480 Seiten



Autor:
Gavin Extence, geboren 1982, wuchs in der englischen Grafschaft Lincolnshire in einem kleinen Dorf mit dem interessanten Namen Swineshead auf. In seiner Kindheit machte er eine kurze, aber glanzvolle Karriere als Schachspieler; er gewann zahlreiche nationale Turniere und reiste nach Moskau und St. Petersburg, um sich dort mit den besten jungen Denkern Russlands zu messen. Er gewann nur ein Spiel.
Sein erster Roman »Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat« schlug in Großbritannien ein wie ein Meteorit – Alex Woods eroberte die Herzen der Leser im Sturm und die Presse feierte den Roman als DIE Entdeckung des Jahres.
Heute lebt Gavin Extence mit seiner Familie in Sheffield und schreibt an seinem zweiten Roman.


DAS UNERHÖRTE LEBEN DES ALEX WOODS ODER WARUM DAS UNIVERSUM KEINEN PLAN HAT

Alex Woods hat unheimliches Glück als ein Meteorit durchs Dach schlägt und ihn am Kopf trifft. Er ist einige Zeit außer Gefecht gesetzt, wird Narben zurück behalten und leider auch unangenehme Nebenwirkungen, aber er lebt und nur das zählt. Von da an ist nichts mehr wie es jemals war. Plötzlich ist dieser Junge, der sowieso schon immer anders war als andere, im ganzen Land bekannt. Aber auch in ihm selber hat sich etwas verändert, etwas Großes steht ihm bevor, doch noch ahnt er nicht was es sein könnte. Als er einige Jahre später den scheinbar ständig übellaunigen Mr. Peterson kennenlernt ist dies der Beginn einer innigen Verbundenheit, mit der wohl niemand gerechnet hätte, am wenigsten die beiden selber. Doch dann wird Alex an der Grenze aufgegriffen – neben sich eine Urne und im Handschuhfach 113 Gramm Marihuana...

Was würdest du an Alex' Stelle tun? Das ist wohl die Frage, die sich der Leser als allererstes stellt, schließlich wird man mit der Tatsache konfrontiert, dass Alex Woods sich erklären muss, und zwar so, dass die Polizei ihn gehen lässt. Doch an stundenlangen Ausführungen sind die Beamten nicht interessiert, also erzählt der Protagonist seine Geschichte dem Leser.

Ich wusste, dass Iridium-193 eins der beiden stabilen Iridium-Isotope war, ein sehr seltenes, sehr dichtes Metall, aber ich wusste nicht, was ein Periodensystem war.
Ich wusste, wie viele Nullen eine Quintillion hatte, aber Algebra hielt ich für einen Zierfisch, der in Gartenteichen lebt. (S. 98)

Die Darstellung sämtlicher Ereignisse findet aus der Ich-Perspektive des Hauptprotagonisten statt. Somit hat der Leser sofort ein gewisses Gefühl von Nähe, welches noch dadurch verstärkt wird, dass er häufig ganz explizit angesprochen wird. Somit ist es nicht möglich, sich dem Geschehen zu entziehen. Und mal ehrlich, sobald man einmal angefangen hat sich Alex' Geschichte anzuhören, möchte man auch alles erfahren. Er scheint schon in jungen Jahren sehr bewegende Erlebnisse hinter sich zu haben, die er nun scheinbar mit jemandem teilen möchte. Da stellt man sich nur zu gerne zur Verfügung, um interessanten, amüsanten, manchmal aber auch sehr bedrückenden Schilderungen zu lauschen.

Im Laufe der Zeit verändert sich die eigene Haltung gegenüber Alex immer mal wieder. Warum einige seiner Mitmenschen ihn für sonderbar halten, wird schnell klar. Mit seiner leicht überheblichen Art schlägt er auch für den Leser das ein oder andere Mal über die Stränge. Betrachtet man ihn und seinen Charakter genauer, wird deutlich, dass er gar nicht diesen Eindruck erwecken möchte, es ist allerdings sehr schwer so manche Passage objektiv zu betrachten und sich nicht davon gestört zu fühlen. Glücklicherweise überwiegt dieses Denken nicht, vor allem zum Ende hin scheint sich noch einmal etwas in ihm zu ändern, so dass auch sein Bild nach außen ein anderes wird.

Die Geschichte ist nicht nur unheimlich komplex, sondern auch thematisch nicht zu verachten. Man mag anfangs gar nicht glauben wie tiefgründig und anrührend die Erzählung sich entwickeln wird. Der Roman zeigt, dass es an der Zeit ist, immer mehr Tabuthemen einfließen zu lassen, die jedoch nicht nur am Rande erwähnt, sondern ausführlich behandelt werden. So kann der Leser sich nicht davor drücken, auch über unangenehme Angelegenheiten nachzudenken, was ansonsten viel zu selten geschieht. Tod und Krankheit wird natürlich immer wieder zu Grunde gelegt, hier jedoch wird noch ein Schritt weiter gegangen, der möglicherweise nicht jedem behagt, den man aber nicht komplett ignorieren darf, weder beim Lesen noch im realen Leben.

„Das unerhörte Leben des Alex Woods oder Warum das Universum keinen Plan hat“ besitzt nicht nur einen sehr umfangreichen Titel, der Inhalt ist gleichsam brisant wie bedeutend. Die Gefühle, die einen während des Lesens regelrecht überrollen, sind im Grunde gar nicht in Worte zu fassen. Wenn die Sympathien auch nicht durchgängig auf Seiten des Protagonisten sind, lohnt sich die Lektüre dennoch von Anfang bis Ende. Also unbedingt lesen!

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