Sonntag, 26. Januar 2014

[REZENSION] Wo die Liebe tötet

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Wo die Liebe tötet
Autor: Jennifer Shaw Wolf
Übersetzer: Manuela Knetsch
Verlag: Kosmos
Reihe: Herzblut
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Broschur, 416 Seiten



Autor:
Jennifer Shaw Wolf lebt in Lacey, Washington. Nach dem Studium der Medienwissenschaft widmet sie sich nun ganz dem Schreiben.


WO DIE LIEBE TÖTET

Nach dem Tod ihres Freundes Trip ist Allie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Sie geht nicht zur Schule, lässt niemanden an sich ran. Am liebsten würde sie für immer in ihrem Bett bleiben und nicht mehr aufstehen müssen. Doch ihre Eltern beharren darauf, dass sie ihr ganzes Leben noch vor sich hat und bereit sein muss, die Geschichte zu verarbeiten. Als Allie sich schließlich doch wieder auf der Straße blicken lässt, scheint jeder über sie zu tuscheln. Bald schon ist sie teuflischen Anfeindungen ausgesetzt, die ihr ziemlich an die Nieren gehen. Sie muss endlich wissen was wirklich geschehen ist als Trip starb, schließlich war sie in dieser Nacht bei ihm – doch sie kann sich an nichts erinnern...

In seinem nassen Surfanzug, dem blauen, der seine Augen so zur Geltung brachte, sah Trip aus wie Barbie-Ken als Wassersportler. Der Anzug lag eng an seinem Oberkörper an und seine Haare fielen ihm in feuchten Wellen über die Ohren. Er kam näher heran. (S. 21)

Es ist keine Seltenheit, dass man sich an nichts mehr erinnern kann, wenn man etwas Schreckliches erlebt hat. Oft verdrängt man unterbewusst ebenjene Ereignisse, da es zu schmerzhaft ist sich zu erinnern, alles immer und immer wieder zu erleben. Auch Allie hat keinerlei Erinnerung an die Nacht als ihr Freund starb. Dabei war sie doch den Spuren nach zu urteilen die ganze Zeit bei ihm. Seltsamerweise scheint auch sonst niemand etwas sagen zu können – oder zu wollen.

Allie erzählt die Geschichte aus ihrer persönlichen Sicht. Zu Beginn ist dies etwas mühselig, da sie ziemlich depressiv wirkt, was sicherlich verständlich ist, aber dennoch den Lesefluss ein wenig hemmt. Nach und nach ändert sich die Atmosphäre, wodurch auch der Stil flüssiger erscheint und der Leser regelrecht mitgerissen wird. Zwischenzeitlich gibt es immer wieder Rückblenden, die dabei helfen das Gesamtbild zusammenzusetzen und eigene Überlegungen anzustellen was wirklich geschehen sein könnte. Es werden immer wieder kleine Puzzleteile eingestreut, die jedes für sich kaum aussagekräftig sind, aber doch den Weg Richtung Lösung immer ein Stückchen weiter ebnen. Schnell zeigt sich, dass einige Personen erschreckende Geheimnisse hüten, die viel weitere Kreise ziehen als man sich vorstellen kann.

Indem man Allie auf ihrem Weg zurück in die Erinnerung begleitet, ist man nahe dran am Geschehen und kann fast fühlen was auch sie fühlt, vor allem den Schmerz, aber auch die Wut, die sich immer mehr anstaut. Durch die Rückblenden wird die Atmosphäre immer weiter aufgeheizt und Spannung aufgebaut. Denn für jeden gegebenen Hinweis gibt es mindestens ein weiteres Rätsel was auf dem folgenden Weg gelöst werden muss.

„Wo die Liebe tötet“ entstammt der Reihe Herzblut aus dem Kosmos-Verlag und ist nicht nur für Jugendliche eine spannende Lektüre, die gleichzeitig verstörend, aber auch faszinierend ist.

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