Mittwoch, 29. Januar 2014

[REZENSION] Kalte Wut

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Kalte Wut
Autor: Volker Mauersberger
Übersetzer: -/-
Verlag: Aufbau
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 240 Seiten



Autor:
Volker Mauersberger, Journalist und Autor, promovierte an der Universität Göttingen und arbeitete als Korrespondent der ARD. „Kalte Wut“ ist sein erster Kriminalroman. Er beschreibt einen Mord im westfälischen Gevelsberg, wo der Autor in den fünfziger Jahren seine Laufbahn als Lokalreporter begann.


KALTE WUT

Vier Jahre nach Kriegsende, es ist noch lange nicht wieder alles aufgebaut, wird in einer Ruine in Wuppertal ein Männertorso gefunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Wer ist der Tote, wie kam er dorthin und wo ist der Rest des Körpers? Als Ellen Rinsche ihren Mann als vermisst meldet, wird schnell klar, dass es sich bei dem Opfer um ihren Mann Josef handelt. Doch noch immer bleibt unklar was geschehen ist. Die Ermittler sind unerbittlich und haben schnell die Frau im Verdacht ihren Mann umgebracht zu haben. Doch wäre sie wirklich fähig eine solch grausame Tat zu begehen?

Heinrich Faust rutscht auf seinem Drehstuhl hinter dem wuchtigen Schreibtisch hin und her. Er reibt sich die Stirn und schnäuzt umständlich in sein weißes Taschentuch. Dann blickt er fragend in die Runde. Ihm ist nach dem widersprüchlichen Verlauf des Gesprächs längst klar, dass er die Aufklärung des absolut Widerwärtigen, das hier geschehen ist, selbst in die Hand nehmen muss. (S. 29)

Ein Kriminalfall, der das Nachkriegsdeutschland erschüttert, bis dahin aber so einzigartig ist, dass man einfach nicht wegschauen kann. Das Bergische Land birgt viele Geheimnisse und wahrlich nicht alle werden gelüftet, die damaligen Ermittler allerdings sind fest entschlossen den Fall aufzuklären. Verbissen verfolgen sie jede erdenkliche Spur und kommen doch immer wieder bei der Ehefrau aus.

Da man das Wissen hat, dass es sich um einen realen Fall handelt, der sich in dieser Weise zugetragen hat, ist der Blick des Lesers gleich ein anderer. Man nimmt die Atmosphäre viel intensiver wahr und spürt den Aussagen der Beteiligten nach. Denn Volker Mauersberger spickt seine Geschichte mit Auszügen und Zitaten aus den Ermittlungsakten sowie damaligen Presseberichten. Dadurch wird die Authentizität nochmals verstärkt und gleichzeitig erhält man ein besseres Gefühl für die agierenden Personen. Es ist eben etwas anderes, ob einem Protagonisten Worte in den Mund gelegt werden oder ebenjene abgedruckt sind, die er tatsächlich von sich gegeben hat.

Fassungslos verfolgt man die Geschichte, die zu ihrer Zeit etwas gar außergewöhnliches war. Das Schicksal der Figuren geht dem Leser sehr nahe, auch wenn man sie nicht gekannt hat. Durch die lebendige Erzählung kommt es einem allerdings so vor, als wäre man ihnen schon einmal auf der Straße begegnet. Gleichzeitig wird auch das Nachkriegsdeutschland in den Schilderungen der Örtlichkeiten wieder lebendig, egal ob man es nun miterlebt hat oder nicht. Wer vor Ort lebt, hat direkt die Bilder im Kopf und vergleicht die Gegend heute und damals. Einiges hat sich natürlich verändert, aber es ist auch etwas erhalten geblieben beziehungsweise neu aufgebaut worden, so dass man sich leicht zurecht finden kann.

„Kalte Wut“ ist grausamer als jeder fiktive Thriller, packend und nervenaufreibend.

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