Samstag, 30. November 2013

[REZENSION] Die besseren Wälder

Redakteur: Anette Leister

Titel: Die besseren Wälder
Autor: Martin Baltscheit
Illustrator: Martin Baltscheit
Verlag: Beltz
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahre
Ausführung: Hardcover, 240 Seiten



Autor und Illustrator:
Martin Baltscheit, geboren 1965 in Düsseldorf, studierte Kommunikationsdesign an der Folkwangschule Essen. Im Anschluss tätig als Comic-Zeichner, Illustrator, Schauspieler, Kinderbuch-, Prosa-, Hörspiel- und Theaterautor. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Für die große Neuausgabe der Dschungelbücher als Buch und Hörbuch (bei HÖRCOMPANY) bündelte er seine zahlreichen Talente. Martin Baltscheit lebt mit seiner Familie in Düsseldorf.


DIE BESSEREN WÄLDER

"Die besseren Wälder" ist eine moderne Fabel über Integration, Vorurteile und die Frage, ob Veranlagung oder Erziehung für die Entwicklung eines Menschen verantwortlich ist.

Die Geschichte war zunächst ein Theaterstück, welches 2010 mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichnet wurde. Nun liegt sie als illustrierter Roman in opulenter Ausstattung vor: Martin Baltscheit zeichnet sich neben der Fabel auch für die großartigen teils ganzseitigen Illustrationen in diesem Buch aus.

Martin Baltscheit hat die Geschichte in ein metaphorisches Gewand gekleidet, hier spielen keine Menschen die Rolle, sondern Wölfe und Schafe, wobei es hier genauso gut um verschiedene Religionen oder Völkergruppen gehen könnte. Die Distanz, die die tierischen Verkörperungen schaffen, dienen meines Erachtens dazu, sich nicht in einer bestimmten Rolle wiederzufinden, sondern alle Seiten gleichermaßen von außen und mit einer gewissen Objektivität zu betrachten.

Das Wolfsjunge Ferdinand verliert auf der Flucht in die besseren Wälder seine Eltern. Bei den Schafen findet er unerkannt als "Wolf im Schafspelz" ein neues Zuhause, denn das ungewollt kinderlose Paar Frauke und Wanja nimmt sich des Waisenkindes an. Ferdinand hat eine glückliche Kindheit, doch als er sich in das Schafsmädchen Melanie verliebt und die eines morgens ermordet neben ihm aufgefunden wird, steht für jeden fest: nur Ferdinand kann der Mörder gewesen sein, denn sein wahres Wesen kann keiner verstecken, Änderung und Anpassung scheint unmöglich.

Martin Baltscheit spielt gekonnt und tiefgründig mit der Macht von Vorurteilen. Schwarzweißmalerei bekommt bei ihm eine komplett neue Dimension: zum einen spielt er mit hell und dunkel bei der farblichen Gestaltung des Buches. Dies fängt bereits bei Schutzumschlag und bedrucktem Hardcover an. Je eine Hälfte ist weiß, die andere schwarz gehalten. Beim Schutzumschlag ist die Vorderseite weiß, der Rücken schwarz, bei dem Hardcover darunter verhält es sich genau umgekehrt. Die Spielerei setzt sich fort bei den Tieren, die die Rollen in dieser tiefsinnigen Geschichte verkörpern. Zum einen die Schafe, die in den besseren Wäldern wohnen, zum anderen die Wölfe. Des weiteren spielt ein ungleiches Freundespaar im Laufe der Handlung eine wichtige Rolle, Bär und Gans, die sich selbst als Biene und Fuchs sehen. Wenn man kurz darüber nachdenkt, stellt man fest, dass es sich wie bei der Paarung Schaf und Wolf, um Opfer und Jäger, beziehungsweise Konsument und Lieferant (Biene und Bär) handelt.

Die Geschichte ist durchtränkt mit Ernsthaftigkeit und Grausamkeit, doch zwischendurch spielt auch (schwarzer) Humor immer wieder eine Rolle. "Die besseren Wälder" ist kein Buch zur reinen Unterhaltung und es ist eine Geschichte, die sich nur Stück für Stück entdecken lässt. Nach einmaligem Lesen habe ich lange nicht das Gefühl, alles entdeckt und verstanden zu haben, was der Autor mir damit auf den Weg geben wollte. Besonders der Schluss legt nahe, dass Martin Baltscheit die Leser seiner Geschichte in gewissem Grade allein mit ihren Gedanken stehen lassen will, dazu gezwungen über das Gelesene nachzudenken, sich damit nachhaltig zu beschäftigen und das Buch auf jeden Fall ein weiteres Mal zur Hand zu nehmen. Das werde ich mit Sicherheit tun, denn ich weiß jetzt schon, dass ich bei einem zweiten Lesen noch weitere "Wahrheiten" herauslesen oder vielleicht einige Sachen anders sehen werde als beim ersten Mal. "Die besseren Wälder" lassen mich nachdenklich, aber  stellenweise auch ratlos zurück, und trotzdem kann ich das Buch nur mit der besten Bewertung auszeichnen, denn es rüttelt wach, es regt zum Nachdenken an und ist in Wort und Bild ein wahrhaftes Kunstwerk!

[AKTION] Weihnachten in der Backfischgasse 13


Der erste Advent steht kurz bevor, in den meisten Stuben werden bereits Plätzchen gebacken - oder sind zum Teil schon vernascht... Auch die Lies-und-lausch-WG hat sich in den letzten Wochen klammheimlich hinter zugezogenen Vorhängen auf die Weihnachtszeit eingestimmt, weil sie gemeinsam mit ihren Blog-Lesern und Forums-Mitgliedern feiern möchte.

In den nächsten Wochen dürft ihr euch auf viele Beiträge freuen, die Empfehlungen für Advents- und Weihnachtslektüre bereithalten, aber auch die eine oder andere Überraschung... Mehr wird nicht verraten ;) Augen auf ab dem ersten Dezember, unsere Adventskalenderbeiträge erkennt ihr an unserem weihnachtlichen Logo, das Türchen des Tages wird jeden Morgen um 7 Uhr geöffnet, auf besondere Aktionen in gekennzeichneten Posts hingewiesen.

Wir freuen uns auf viele Besucher, Kommentare und bei unseren Überraschungen natürlich auf viele Teilnehmer!

Wir wünschen euch einen schönen und besinnlichen Start in die Advents- und Weihnachtszeit,
eure Katze mit Buch Redaktion


Freitag, 29. November 2013

[REZENSION] Glänzende Geschäfte

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Glänzende Geschäfte
Autor: Katharina Münk
Übersetzer: -/-
Verlag: dtv
Reihe: Band 2
Ausführung: Broschur, 272 Seiten



Autor:
Katharina Münk, 1963 geboren, hat ihren Chefsekretärinnenberuf an den Nagel gehängt und ist heute neben ihrer Autorentätigkeit Personal Coach für Fach- und Führungskräfte. Ihr Sachbuch "Und morgen bringe ich ihn um. Als Chefsekretärin im Top-Management" (2006) und ihr erster Roman "Die Insassen" (2009) wurden Bestseller. Katharina Münk lebt mit ihrem Mann in Hamburg. Ihr Name ist ein Pseudonym.


GLÄNZENDE GESCHÄFTE

Dr. Wilhelm Löhring braucht einen Richtungswechsel. Auf Grund einer akuten Sinnkrise wird ihm ein Programm empfohlen, während welchem er auf den Häftling Kellermann trifft, dem er bei seinen BWL-Studien helfen soll. Doch plötzlich läuft alles aus dem Ruder. Löhring wird von Kellermann entführt. Bald darauf sehen sie sich einem Toten gegenüber, den es zu verstecken gilt und in dessen Rolle nun Kellermann schlüpft, denn die Ähnlichkeit ist schier unglaublich. Als wäre das nicht noch genug, steht Löhring bald Keith Winter gegenüber, einem ehemaligen Mitinsassen der Nervenheilanstalt St. Ägidius...

Sehr schön? Jetzt sagte der einfach so „Sehr schön“! Also gut, dachte Löhring, Lang schien harte Kost zu brauchen. Konnte er haben. „Nun, vor nicht allzu langer Zeit habe ich versucht, eine psychiatrische Klinik an die Börse zu bringen.“
„Schön.“
„Ja, durchaus erfolgreich zunächst.“
„Wo lag das Problem?“
„Ich war einer der Insassen.“
„Oh.“ (S. 19)

Kann ein Wirtschaftsboss, der bereits einmal eine Nervenklink besucht hat, wieder in sein altes Leben zurück? Dr. Wilhelm Löhring ist mehr als bereit dazu, zu zeigen was er kann, denn sowas verlernt man schließlich nicht. „Glänzende Geschäfte“ ist die Fortsetzung des Romans „Die Insassen“ und hält einige Begegnungen mit alten Bekannten bereit, sofern man Kenntnis des ersten Bands hat. Hat man den Vorgänger nicht gelesen, scheint es zeitweise, als würden wichtige Hintergrundinformationen fehlen. Dieser Eindruck kann sicherlich auch täuschen, erfahren wird man es jedoch erst, wenn man sich auch „Die Insassen“ zu Gemüte führt.

Das Geschehen strotzt nur so vor Kuriositäten und seltsamer Vorkommnisse. Mehr als einmal hat man als Leser das Gefühl veralbert zu werden. Doch irgendwie wird die Geschichte dann wieder in solche Bahnen gelenkt, die das Geschehene durchaus plausibel erklären. Bald schon kann man kaum mehr unterscheiden wer hier nach wessen Pfeife tanzt und wer möglicherweise die Realität ein wenig aus dem Auge verliert. Ist man es am Ende gar selber?

In diesem Moment wusste Löhring nicht, was schlimmer war: die Aussicht, im allerschlimmsten Fall an einem Balken in der Scheune aufgeknöpft zu werden, oder die Peinlichkeit, in einem alten VW Käfer entführt zu werden. (S. 78)

Katharina Münk nimmt den Leser schnell mit ihrer locker leichten Erzählweise für sich ein. Hin und wieder gerät man allerdings ins Stocken, wenn man sich zu sehr im Wirtschaftsjargon bewegt, was nun wahrlich nicht jedermanns Sache ist. Man kommt allerdings schnell wieder in den vorgegebenen Rhythmus hinein, so dass man wieder elementareren Dingen auf den Grund gehen kann. Die Autorin lässt jedoch nicht allzu viel Zeit zum Nachdenken und Grübeln, denn sonst verliert man den Faden, der die Geschichte zusammenhält. Dementsprechend sorgt das rasante Tempo dafür, dass man nicht zu früh die Hintergründe des Geschehens erforschen kann.

„Glänzende Geschäfte“ bietet amüsante Unterhaltung, zeigt aber auch auf, dass man sich nicht immer auf seine Wahrnehmung und sein Urteilsvermögen verlassen darf. Wer sich immer nur auf andere verlässt und keine Entscheidung in Frage stellt, steht schnell auf verlorenem Posten und könnte ebenso schnell in der Versenkung verschwinden.

Donnerstag, 28. November 2013

[REZENSION] Fünf Freunde und die giftigen Feuerquallen (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Fünf Freunde und die giftigen Feuerquallen
Autor: Enid Blyton
Sprecher: Erzähler: Lutz Mackensy
Übersetzer: -/-
Verlag: Europa
Reihe: Fünf Freunde 103
empfohlenes Lesealter: ab 6 Jahren
Ausführung: Hörspiel, ca. 62 Minuten, 1 CD



Autor:
Enid Blyton, 1897 in London geboren, begann im Alter von 14 Jahren, Gedichte zu schreiben. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1968 verfasste sie über 700 Bücher und mehr als 10.000 Kurzgeschichten, die in über 40 Sprachen übersetzt wurden. Bis heute gehört Enid Blyton zu den meistgelesenen Kinderbuchautoren der Welt und mit den »Fünf Freunden« hat sie die bekanntesten Helden aller Zeiten geschaffen.

Sprecher:
Lutz Mackensy, Ivo Möller, Jannik Endemann, Theresa Underberg, Alexandra Garcia, Maud Ackermann, Gordon Piedesack, Patrick Bach, Harald Dietl, Ben Hecker, Daniel Welbat


FÜNF FREUNDE UND DIE GIFTIGEN FEUERQUALLEN

Nichtsahnend wollen die Fünf Freunde sich einen gemütlichen Tag beim Baden gönnen, als Anne plötzlich von einer Feuerqualle verletzt wird. Glücklicherweise naht schnell Rettung, doch der Ausflug ist natürlich beendet. Nicht lange nach dem Vorfall richten die Quallen ein weitaus größeres Unheil an, indem sie eine ganze Lachsfarm zerstören. Doch wie sind sie dorthin gelangt? War hier nur der Zufall am Werk oder sind die Unruhestifter gezielt zur Farm gelenkt worden? Für die Fünf Freunde ist klar, dass sie der Sache nachgehen, denn sie vermuten eine gehörige Portion Ungerechtigkeit hinter der ganzen Sache...

Jeder, der bereits mit einer Feuerqualle in Berührung gekommen ist, wird Annes Schmerz nachvollziehen können. Alle anderen werden froh sein, diese Erfahrung nicht gemacht zu haben, denn schon die Vorstellung beschert einem eine gewaltige Gänsehaut. Zum Glück wird sie schnell verarztet, so dass bald schon nichts mehr auf die Begegnung hindeutet. Man sollte meinen, die Freunde würden sich nun mehr als fern halten wollen von den Quallen, doch dann sind sie plötzlich ein großer Bestandteil ihres neuen Abenteuers.

Unfassbar, dass die Quallen einen solchen Schaden anrichten können und eine ganze Lachsfarm lahmlegen. Man kann sich vorstellen welch ein Verlust das für denjenigen ist, der vom Lachsverkauf leben muss. Auch die Freunde können sich in diese Situation hineinversetzen, so dass sie ohne Wenn und Aber der Sache auf den Grund gehen wollen. Schließlich scheint es mehr als unwahrscheinlich, dass die Tiere sich zufällig zur Farm verirrt haben. Da muss jemand nachgeholfen haben, der Meinung stimmt auch der Hörer zu.

Allerdings gibt es weder einen eindeutigen Ansatzpunkt, noch eine Richtung, die sich einzuschlagen lohnt. Irgendwie scheinen alle Möglichkeiten in einer Sackgasse zu enden. Als die Nachforschungen bald aber doch erste Erfolge zeigen, kann man sich kaum noch retten vor Hinweisen. Diverse Spuren werden gelegt, so dass es fast schon vorprogrammiert ist, dass man sich verwirren lässt, was auch prompt geschieht. Hatte man zuvor überhaupt keine Indizien dafür wer der Übeltäter ist, so kann man sich nun vor potentiellen Schurken nicht retten.

Bis zum Schluss bleibt das Geschehen spannend und nervenaufreibend, denn für jeden Schritt in Richtung Lösung des Falls ergeben sich neuerliche Fragestellungen, die nicht gleich beantwortet werden. Somit harrt man gespannt bis zum letzten Ton aus, um alle Fragen beantwortet zu bekommen, die man sich noch nicht selbst erschließen konnte. Eine gelungene Folge, die man auch gerne mehrfach hört.

Mittwoch, 27. November 2013

[REZENSION] Die Nacht gehört dem Drachen (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Nacht gehört dem Drachen
Autor: Alexia Casale
Sprecher: Sascha Icks
Übersetzer: Henning Ahrens
Verlag: DAV
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Gekürzte Lesung, ca. 299 Minuten, 4 CDs



Autor:
Die Autorin Alexia Casale hat in Cambridge studiert und u.a. als Lehrerin für englische Literatur und als Redakteurin für ein Menschenrechts-Journal gearbeitet. Sie liebt Katzen, sammelt Glastiere und hat sich schon immer einen Drachen gewünscht. »Die Nacht gehört dem Drachen« ist ihr erster Roman. Die Sprecherin Sascha Icks, geboren 1967, ist Schauspielerin und Hörbuchsprecherin. Neben Engagements an diversen Theatern stand sie mit vielen Titeln auf der hr2-Hörbuchbestenliste und wurde mit dem Hörspielpreis der Akademie der Künste ausgezeichnet.

Sprecher:
Sascha Maria Icks erhielt ihre Ausbildung zur Schauspielerin an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Es folgten Engagements am Staatstheater Wiesbaden, am Staatstheater Mainz sowie an den Wuppertaler Bühnen und am Schauspiel Frankfurt. 2000 wurde Sascha Icks von der Zeitschrift »Theater heute« als »Beste Nachwuchsschauspielerin« nominiert. Sascha Icks spricht in zahlreichen Hörspielen und Hörbüchern und wurde für ihre Lesung von »Liverpool Street« von Anne C. Voorhoeve mit dem 2. Platz der hr Hörbuchbestenliste ausgezeichnet. Außerdem wurde sie mit dem »Hörspielpreis der Akademie der Künste« 2001 ausgezeichnet und 2003 nominiert.


DIE NACHT GEHÖRT DEM DRACHEN

Evie lebt nun schon einige Zeit bei ihren Adoptiveltern, mit denen sie es wirklich gut getroffen hat. An ihre leibliche Familie möchte sie überhaupt nicht erinnert werden, was mitunter gar nicht so einfach ist. Nachdem Evie eine OP über sich ergehen lassen musste, bei der ihr ein Stück Rippenknochen entfernt wurde, hofft sie, dass ihr Leben nur noch hellere Tage für sie bereit hält. Aus dem Stück Knochen schnitzt Evie einen Drachen und wünscht sich, dass dieser lebendig wäre. Tatsächlich erwacht der Talisman zum Leben und steht Evie bei und spricht ihr Mut zu. Denn ebenso wie sie selber, will auch der Drache nur die Gerechtigkeit wieder ein bißchen mehr ins Gleichgewicht bringen...

Wenn der Hörer Evies Geschichte erfährt, spielen die Gefühle verrückt. Man fährt emotional Achterbahn, anders kann man es gar nicht sagen. Wut und Trauer stehen zunächst an erster Stelle und man hofft, dass im Laufe der Zeit endlich die Freude und der Spaß überwiegen wird. Doch lange Zeit, quasi bis zum Schluss, ist nicht klar, ob das überhaupt geschehen wird.

Es ist unfassbar was einem Menschen, einem Kind, angetan werden kann. Doch es geschieht immer wieder und vor allem öfter als an denkt. Denn meist, wie zunächst auch in Evies Fall, dringen solche Geschichten überhaupt nicht nach außen, so dass auch nicht entgegengewirkt werden kann. Man muss zeitweise wirklich versuchen seine Gefühle im Zaum zu halten, damit man das Geschehen weiter verfolgen kann, denn jede Sekunde ist wichtig, es kann immer eine entscheidende Situation aufkommen, die man nicht verpassen sollte.

Die Geschichte wird absolut spannend erzählt, auch wenn es sich um keinen Thriller im eigentlichen Sinne handelt. Hier spielt sich vielmehr alles auf der psychologischen Ebene ab, die zumeist extremere Auswirkungen auf den Hörer hat als nackte Brutalität. Ist man einmal in den Bann gezogen worden, möchte man das Hörbuch überhaupt nicht mehr ausschalten, schon allein das Wechseln der CDs ist im Grunde schon zu viel.

Sascha Icks spricht die Geschichte mit ganz viel Gefühl, so dass die Atmosphäre sogleich auf den Hörer überspringt. Egal wie die Stimmung innerhalb des Geschehens und unter den Protagonisten ist, sie behält stets eine ruhige Art bei, die als Basis dient und trotzdem die richtigen Emotionen überträgt und ausdrückt.

Nervenaufreibend ist fast schon zu harmlos für dieses Hörbuch. Man muss es einfach selbst gehört haben, um sich ein Bild machen zu können. Doch Vorsicht: Lauschen auf eigene Gefahr, die Gefühle werden hochkochen!

[REZENSION] Golem und Dschinn

Redakteur: Anette Leister

Titel: Golem und Dschinn (OT: The Golem and the Jinni)
Autor: Helene Wecker
Übersetzer: Anette Grube
Verlag: Hoffmann und Campe
Reihe: -/-
Ausführung: Hardcover, 623 Seiten



Autor:
Helene Wecker wuchs in der Nähe von Chicago auf. Sie studierte Kreatives Schreiben an der Columbia University in New York. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter bei San Francisco. Golem und Dschinn ist ihr erster Roman.


GOLEM UND DSCHINN

In "Golem und Dschinn" erzählt Helene Wecker die Geschichte des Golems Chava, einer Frau aus Lehm, deren Meister auf der Überfahrt von Prag nach New York stirbt, und dem Dschinn Ahmad, der zeitgleich von einem armen Kupferschmied aus einer jahrhundertelangen Gefangenschaft befreit wird.
Helene Weckers Debütroman ist eine historische Einwanderergeschichte mit Elementen der tschechischen Golemsage und einem Hauch 1001 Nacht, die im New York des Jahres 1899 aufeinandertreffen und von der Autorin zu einer ganz eigenen und besondern Geschichte verwoben werden.
Abwechselnd begleitet man Golem Chava und Dschinn Ahmad in ihrem neuen Leben in New York, dazu kommen Rückblenden in Ahmads Leben bevor er in einer Kupferflasche gefangen gesetzt wurde und ein Erzählstrang über den Erschaffer des Golems.
Zu Beginn konnte mich die Handlung Ahmad betreffend nicht ganz so in den Bann ziehen wie die Geschichte Chavas, da ich den Mythos der Golem sehr viel interessanter und faszinierender finde als die der Dschinn. Zudem beginnt Chavas Geschichte sehr viel dunkler und spannender als Ahmads erste Schritte in New York, so haben die Episoden mit Chava einfach eine größere Faszination auf mich ausgeübt und mich stärker gefesselt. Bis zu dem Punkt, an dem die Schicksale der beiden miteinander verwoben werden, da konnte mich Helene Wecker vollends mit ihrem Erzähltalent einnehmen.
Chava kann die Gedanken und Gefühle der Menschen um sich herum spüren, Ahmad zeichnet sich durch seine große Leidenschaft aus. Obwohl Golem und Dschinn keine menschlichen Wesen sind, schildert Helene Wecker ihre Gefühle und Probleme so, dass man sich in ihre Schwierigkeiten hineinversetzen kann, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen, um unerkannt zwischen den Menschen leben können.
Neben den beiden Hauptfiguren ist die Geschichte von zahlreichen Nebencharakteren bevölkert, die ihren Raum beanspruchen, um zur Genüge vorgestellt zu werden, da diese noch wesentliche Rollen in weiteren Verlauf der Geschichte spielen. So mag die Einführung in den Roman einigen Lesern etwas langatmig erscheinen bis zum Aufeinandertreffen von Chava und Ahmad, aber der Einstieg macht Sinn, wenn sich die Schicksale einzelner Protagonisten im Laufe der Handlung immer mehr und mehr verstricken und sich ab der Mitte dann ein Spannungsbogen entwickelt, der bis zum Ende hin nicht abbricht und mit Überraschungen aufwartet, gerade was die Verknüpfung der Schicksale der einzelnen Personen angeht.

Fazit:
Helene Wecker hat eine interessante, fesselnde und fantastische Symbiose aus historischem Einwandererroman - der sich intensiv mit dem Leben der Juden und Syrier in New York beschäftigt - und fantastischer Erzählung geschaffen. "Golem und Dschinn" ist besonders Lesern nahegelegt, die sich für den Golemmythos interessieren, da man von dieser Spezies recht selten in der aktuell auf dem Markt befindlichen fantastischen Literatur liest und der Roman dadurch frisch und neu wirkt, insbesondere, da Helene Wecker dem Mythos neue Impulse gibt durch die Verknüpfung mit einem Hauch 1001 Nacht.

Dienstag, 26. November 2013

[REZENSION] Mord und Mandelbaiser

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Mord und Mandelbaiser
Autor: Jutta Mehler
Übersetzer: -/-
Verlag: Emons
Reihe: Band 1
Ausführung: Taschenbuch, 224 Seiten



Autor:
Jutta Mehler, Jahrgang 1949, hängte frühzeitig das Jurastudium an den Nagel und zog wieder aufs Land, nach Niederbayern, wo sie während ihrer Kindheit gelebt hatte. Seit die beiden Töchter und der Sohn erwachsen sind, schreibt Jutta Mehler Romane und Erzählungen, die vorwiegend auf authentischen Lebensgeschichten basieren.


MORD UND MANDELBAISER

Als Thekla, Hilde und Wally, die für ihr etwas fortgeschritteneres Alter noch recht rüstig sind, sich wieder einmal mittwochs im Café Krönner treffen, haben sie nur ein Gesprächsthema: Der Tod eines bekannten Dichters am Ort. Hildes Neffe Rudolf, seines Zeichens Bestatter, will seltsame Flecken entdeckt haben, die an der Leiche nicht zu finden sein dürften, wenn es sich um einen natürlichen Tod handelt. Der Arzt jedoch bestätigt diese Meinung nicht. Unter den Damen beginnt eine hitzige Diskussion, die sich innerhalb der nächsten Tage umso mehr anheizt, als es zu neuerlichen Todesfällen kommt, bei denen diese Flecken wieder eine Rolle spielen. Thekla, Hilde und Wally begeben sich auf Spurensuche. Doch sie müssen aufpassen, denn nicht jeder heißt ihre Detektivarbeit gut und so mancher würde sie am liebsten ebenfalls beseitigen...

Einbruch, Sachbeschädigung, Leichenfledderei, ging es ihr durch den Sinn. Nein, dazu würde sich nicht einmal Hilde hinreißen lassen. Und sie selbst wäre die Allerletzte, die Hilde dazu anstiftete, um dann gezwungenermaßen mitzumachen. Sie warf das Blütenblatt weg und schüttelte sich wie ein nasser hund, als sie sich vorstellte, nachts auf dem Friedhof herumzuschleichen, die Tür des Leichenschauhauses einzuschlagen und den toten Dichter zur Ader zu lassen. (S. 42)

Thekla, Hilde und Wally sind drei resolute Damen, die ihren Platz im Leben mehr oder weniger gefunden haben. Natürlich hat jede ihre Eigenarten, doch gerade das macht sie sympathisch und soviel ist sicher: Sie alle haben das Herz am rechten Fleck. Der Tod des Dichters hat für sie irgendwie einen komischen Beigeschmack, so dass sie sich auf ihr Gefühl verlassen und die Sache einmal im Auge behalten wollen. Auch der Leser spürt sofort, dass das erst der Anfang sein wird. Man kann noch gar nicht genau sagen woran es liegt oder in welche Richtung man sich bewegen wird, aber dass es sich um keine Kaffeefahrt handelt dürfte jedem klar sein.

Manchmal trügt der Schein, so auch hier. Auch wenn man der Meinung sein sollte, die Handlung plätschert nur seicht dahin, muss man wissen, die Zeichen richtig zu deuten. Denn es ist wahrlich nicht alles offensichtlich, ein gutes Gespür für versteckte Hinweise ist ebenso gefragt wie Menschenkenntnis. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich das Geschehen nämlich als spannend und mitreißend, so dass man kaum Gelegenheit erhält das Gelesene erst einmal zu verdauen. Gerade zum Ende hin geht es Schlag auf Schlag, da bleibt niemand verschont.

„Schluss mit dem Schnüffeln. Ab sofort verhaltet ihr euch ruhig und kümmert euch um euren eigenen Kram. Und kein Wort zu irgendjemandem, schon gar nicht zur Polizei. Beim klitzekleinsten Verdacht, dass ihr weiterschnüffelt, schnapp ich euch, und dann kommt ihr mir nicht mehr lebend davon.“ (S. 172)

Mit einer gesunden Mischung aus Spannung und Witz wird das Geschehen aus der beobachtenden Perspektive erzählt. So hat der Leser die Möglichkeit, sich einen umfassenden Überblick über Personen, Orte und sonstige Gegebenheiten zu verschaffen. Man ist schnell Feuer und Flamme die drei Damen bei ihren Ermittlungen zu unterstützen, das Vorhaben ist jedoch gar nicht so einfach wie man sich das zunächst möglicherweise vorstellen mag. Die Handlung zeigt immer wieder ungewöhnliche und vor allem unvorhergesehene Wendungen auf, die es nicht leicht machen, der Lösung nahe zu kommen.

„Mord und Mandelbaiser“ ist nicht nur in seiner Art erfrischend, sondern auch fesselnd. Man kann gar nicht genug bekommen von Thekla, Hilde und Wally und hofft, sie bald schon in einem neuen Abenteuer unterstützen zu können.

[REZENSION] Nixensommer

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Nixensommer
Autor: Mira Sol
Übersetzer: -/-
Verlag: Kosmos
Reihe: Die drei !!! 43
empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Ausführung: Hardcover, 160 Seiten



Autor:
Mira Sol war Bankkauffrau, studierte Germanistik und arbeitete anschließend als Verlagsredakteurin. Dann erfüllte sie sich einen Traum: Sie wurde Autorin für Kinder- und Jugendbücher. Mira Sol liebt Geheimnisse, Krimis, Sonnenblumen und Spanien. Deshalb schreibt sie ihre Jugendkrimis und geheimnisvollen Geschichten unter dem spanischen Künstlernamen Mira Sol (dt. „Sonnenblume“).


NIXENSOMMER

Im Waldschwimmbad ist eine Beachparty mit Unterwassershow geplant. Als die drei !!! erfahren, dass noch Darsteller gesucht werden, melden sie sich sofort an, ein neuer Fall ist sowieso nicht in Sicht. Und da sie die Sommerferien sowieso mehr oder weniger im Schwimmbad verbringen wollen, bietet sich dieses Projekt geradezu an. Dann jedoch machen die Mädchen eine sehr seltsame Beobachtung, zudem wird Holgers Mutter von ihrem Arbeitgeber des Diebstahls bezichtigt. Dementsprechend haben die Detektivinnen schlussendlich doch alle Hände voll zu tun alle Aktivitäten unter einen Hut zu bekommen, ohne dabei das Wesentliche aus den Augen zu verlieren...

„Das wirklich Merkwürdige ist aber doch, dass die Männer etwas in die Schließfächer hineingelegt haben“, gab Kim zu bedenken. „Vielleicht handelt es sich um ein Versteck für Diebesbeute, für Drogen oder Schmuggelware?“
„Das habe ich auch überlegt“, antwortete Franzi. „Ich bin den beiden Gestalten natürlich sofort gefolgt, als sie sich von den Schließfächern entfernt haben.“ (S. 40)

Die Sommerferien beginnen mehr oder weniger ruhig und entspannt, wenn man einmal davon absieht, dass Marie Liebeskummer wegen Holger hat. Der Leser vermutet eine Verkettung diverser Missverständnisse, die allerdings nicht so schnell ausgeräumt werden würden. Denn es bahnt sich ein neuer Fall an, der vollen Einsatz fordert. Die Mädchen sind inzwischen so sehr Profis, dass sie sich nicht mehr so leicht von privaten Problemen ablenken lassen.

Genauso unwissend wie die Mädchen, ist auch der Leser, als Franzi mysteriöse Vorkommnisse an den Schließfächern im Waldschwimmbad verfolgt. Die Beobachtungen ergeben im Grunde keinen Sinn, doch die Detektivinnen wollen die Sache weiterverfolgen. Da inhaltlich zunächst wenig bis gar nichts geschieht, wirkt das Geschehen etwas zäh. Erst im weiteren Verlauf nimmt das Tempo wieder zu und die Handlung steht nicht mehr still. Prompt steigt auch die Spannung, die man zu Anfang nur schwerlich zu fassen bekommt. Doch je weiter man sich fortbewegt, desto mehr muss man aufpassen, dass man keine wichtigen Hinweise übersieht.

In „Nixensommer“ geraten die drei !!! wieder einmal in einen etwas persönlicheren Fall. Sie müssen konzentriert ermitteln und dürfen sich nicht durch Sympathien zu voreiligen Entscheidungen hinreißen lassen.

Montag, 25. November 2013

[REZENSION] Boarderlines

Redakteur: Anette Leister

Titel: Boarderlines
Autor: Andreas Brendt
Verlag: Andreas Brendt
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 361 Seiten



Autor:
Andi ist Student und entscheidet spontan sein Konto zu plündern, um nach Asien zu reisen. Auf Bali wird er mit dem Surfvirus infiziert. Das Wellenreiten wird seine lebensbestimmende Leidenschaft, die ihn vor die große Frage stellt: Gebe ich dem inneren Feuer Zündstoff oder ebne ich den Weg für die geplante Managerkarriere? Die Suche nach der Antwort dauert 10 Jahre und führt in unfassbare Abenteuer, durch ferne Länder, zeigt Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen, skurrilen Typen und gefährlichen Gangstern und beschreibt das ständige Überwinden des inneren Schweinehundes. "Boarderlines" handelt von einem Leben zwischen Pistolen, Edelsteinen und Malaria. Von einer entlegenen Insel, allwissenden Professoren und deutschen Bierdosen. Von Freundschaft und Monsterwellen - und natürlich der Liebe. Der erfrischende Debüt-Roman von Andreas Brendt lässt aufhorchen: Er weckt nicht nur Fernweh bei jungen Wilden und Sinnsuchern, sondern beleuchtet mit einem Schmunzeln auch die typischen Sehnsüchte und inneren Konflikte, mit denen sich jeder identifizieren kann.


BOARDERLINES

Andreas Brendt riskiert seine Zukunft als erfolgreicher Manager für seinen großen Traum. Nachdem er bei einem spontanen Bali- und Australienurlaub mit seinem Kumpel Alex mit dem Surfvirus infiziert wird, richtet er sein Leben die nächsten Jahre ganz auf die Erfüllung seines Traums nach der perfekten Welle aus. Sein Studium zieht er knallhart durch, schließlich denkt er als BWL-Student so vernünftig, dass er die Zukunft nicht völlig außer Acht lässt. Surfen schön und gut, aber irgendwoher muss das Geld für Reisen und Ausrüstung ja kommen. Neben diversen Nebenjobs zum Geld verdienen, wozu auch Hundefutterpromotion gehört, obwohl Andi Angst vor Hunden hat, führt seine Leidenschaft schließlich in ein deutsches Surfcamp in Frankreich und dem Entschluss den Surflehrerschein zu machen. Andi lebt seinen Traum: er darf jeden Tag surfen und verdient dabei noch Geld. Doch sein Hunger nach Abenteuer und der perfekten Welle macht an dieser Stelle noch lange nicht halt. Seine ständige Suche führt ihn unter anderem nach Sri Lanka, Peru oder auf die Malediven. In Deutschland bei seinen Eltern oder seinen Freunden verbringt er oft nur wenige Tage zwischen zwei Reisen. Mittlerweile ist Deutschland ein weiteres Urlaubsland geworden, seine Heimat sind die Strände der ganzen Welt. Doch irgendwann ist Andi dem Leben aus dem Koffer überdrüssig und die Einsamkeit auf dem Brett zu übermächtig, ob er doch ein anderes Ziel in seinem Leben anstreben soll?

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mich ein Buch über das Surfen so faszinieren und mir so viel Spaß machen könnte, aber Andreas Brendt gelingt dies mit "Boarderlines" problemlos. Er hat einen unheimlich authentischen Sprachstil mit viel Sinn für Situationswitz. Zudem geht es in "Boarderlines" nicht ausschließlich ums Surfen, sondern auch um die Länder, Einwohner und verschiedenen Kulturen im Allgemeinen. Da Andi kein Pauschalurlauber ist, sondern viele abenteuerliche Touren abseits ausgetretener Touristenpfade bestritten hat, erfährt man in seinem Buch Dinge, die man in einem "normalen" Urlaub nicht oder nur kaum zu sehen bekommt. Wer kann schon von sich behaupten einen Job als Rubinkurier angeboten bekommen zu haben oder wer weiß, wo man in Südafrika am besten Gras kaufen kann?

Trotz des speziellen Hobbys Surfen, bietet "Boarderlines" viele alltägliche Zukunftsfragen und Weichen bezüglich Entscheidungen, die ein ganzes Leben betreffen, so dass man sich gut in Andi hineinversetzen kann, auch wenn man seine Leidenschaft überhaupt nicht teilt und in seinem ganzen Leben noch auf keinem Surfbrett gestanden hat. Dazu kommt Andis Fähigkeit seine Leidenschaft mit viel Herzblut und einem tollen Humor dem Leser näherzubringen, so dass man selbst als Nicht-Surfer anfängt auf die perfekte Welle zu warten. Und wenn man die mit Unterhaltung beim Lesen gleichsetzt, so bekommt man die mit "Boarderlines" immer und immer wieder... mit jeder Seite... mit jedem Kapitel. Bleibt nur die Suche - oder vielmehr das Warten - auf das zweite Buch aus Andis Feder, denn am Ende von "Boarderlines" deutet er an, dass in den Jahren zwischen Ende dieses Buches und heute noch viel mehr Erzählenswertes passiert ist, das man als Leser nach dieser kurzweiligen und humorvollen Lektüre unbedingt auch erfahren möchte!

[REZENSION] Die Geschichte vom Elefanten...

Redakteur: Anette Leister

Titel: Die Geschichte vom Elefanten... (OT: C'est l'histoire d'un elefant...)
Autor: Agnès de Lestrade
Übersetzer: Tobias Scheffel
Illustrator: Guillaume Plantevin
Verlag: Beltz
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: 3-6 Jahre
Ausführung: Hardcover, 40 Seiten



Autor:
Wenn Agnès de Lestrade gerade nicht schreibt, liest, träumt oder eine Tasse Tee trinkt, erfindet sie Gesellschaftsspiele, Lieder und hat sogar die Zeit gefunden, selbst zwei hübsche Kinder zu fabrizieren, um all das an ihnen auszuprobieren. Seit ihrem Debüt 2003 erschienen von Agnès de Lestrade bereits über 20 Bücher in französischer Sprache.


DIE GESCHICHTE VOM ELEFANTEN...

..., der schlecht gelaunt ist, weil er wegen einer Fledermaus nicht schlafen konnte, die die ganze Nacht lang "krrsch, krrsch" gemacht hat - genau über seinem Bett!

Mit seiner schlechten Laune löst der Elefant eine richtige Kettenreaktion im Dschungel aus: zunächst erschreckt er den Affen, der aus Angst vor ihm flüchtet, selbst schlechte Laune bekommt und diese an der Schlange auslässt. Diese ergreift ebenfalls die Flucht, nachdem der Affe ihr droht eine Handtasche für seine Freundin aus ihr zu machen. Die Schlange sucht sich die Nächstkleineren aus, die ihre schlechte Laune ausbaden müssen: Familie Maus! Ängstlich rennen diese durch den Wald und erschrecken dabei den Elefanten, der seinerseits nun nach Hause rennt und sich einschließt, doch ihm steht eine weitere schlaflose Nacht bevor, denn... Tja, wie könnte die Geschichte ab hier weitergehen?

Agnès de Lestrade hat eine unheimlich witzige Geschichte erdacht, wie die eigene schlechte Laune andere anstecken und dabei auch wieder auf einen selbst zurückfallen kann. Nur die kleinen Mäuse bewahren sich ihre gute Laune.

"Die Geschichte vom Elefanten..." ist mit der Wendung am Ende durchaus ein bisschen schadenfroh, hält Miesepetern und Trotzköpfen aber auch einen Spiegel vor, dass man es sehr viel einfacher im Leben hat, wenn man seine schlechte Laune nicht auslebt oder schlimmstenfalls an anderen auslässt, die nicht mal etwas dazu beigetragen haben.

Die einzelnen Szenen der Geschichte kommen mit wenigen, jedoch sehr knalligen Farben aus: so sind Affe, Schlange und einige Hintergründe beinahe neonfarbig orange und gelb gestaltet, was etwas aggressiv wirkt und die schlechte Laune symbolisiert. Im Gegensatz dazu sind die Bilder von Familie Maus und der Fledermaus in angenehmen Blautönen gestaltet, die weicher und heimeliger wirken. Guillaume Plantevin hebt durch die Farben die Stimmung der Tiere noch eindeutiger vor als deren Minenspiel es alleine vermag. Die Minen der wütenden Tiere sind jedoch so überspitzt dargestellt, dass sie beim Betrachten keine Angst bei den kleinen Mitlesern auslösen, sondern die Situation mit der (Schaden)Freude übermitteln, deren Intention allen Lesern spätestens bei der lustigen Wendung zum Ende hin klar wird. Zudem zeigt die Rolle der Mäuse in diesem Buch, dass sich die Kleinen nicht alles von den Großen gefallen lassen müssen, wie es der Affe und die Schlange ohne Gegenwehr gemacht haben.

"Die Geschichte vom Elefanten..." ist ein Bilderbuch mit Botschaft, aber vor allem eins: nämlich saukomisch, so komisch, dass man selbst als Erwachsener seinen Spaß damit hat, und zwar wieder und wieder und wieder...

Sonntag, 24. November 2013

[RUND UMS BUCH] Neu in KW47 / Anette


Im Briefkasten

Für immer, Kai Lüftner (GW)
Maibowle und Martingans: Kulinarische Bräuche neu entdeckt, Ira König (GK) 
Zimtduft und warmer Apfelkuchen: Fruchtige Köstlichkeiten für die kalte Jahreszeit (GK)

Dies und das

Diese Woche gab es wieder mal "nur" Bilder- und Sachbücher, damit es im Winter meinem SUB hoffentlich an den Kragen geht und ich ein paar Reihen weiterlesen oder sogar beenden kann. So langsam finde ich mich in meinem Bestand ja wieder zurecht, auch wenn noch jede Menge Bücher in Kisten "wohnen".
Die erste Woche neuer Job liegt hinter mir und bisher gefällt es mir richtig gut: ich brauche eine knappe halbe Stunde von zuhause ins Büro, die Arbeit finde ich bisher interessant, herausfordernd, aber machbar - vor allem dank der prima Einarbeitung seitens der neuen Kollegen. Der CAD-Kurs liegt schon ein paar Wochen zurück, aber nach den ersten Startschwierigkeiten finde ich mich wieder gut in dem Programm zurecht. Nach mehreren Jahren Großraumbüro aka Bahnhofshalle sitze ich jetzt mal mit gerade 3 weiteren Leuten in einem Raum (eine Wohltat!), und Mobbing und schlechtes Betriebsklima scheinen dort Fremdwörter zu sein. Am ersten Arbeitstag war mein Arbeitsplatz bereits komplett eingerichtet, Sicherheitskleidung lag bereit und die Termine für Betriebspraktika stehen auch schon fest. Ich hoffe, es entpuppt sich nicht als schöner Tagtraum, noch kann ich es gar nicht wirklich fassen nach jahrelanger Odyssee wieder "angekommen" zu sein :) Kann mich bitte mal jemand kneifen?

[REZENSION] Die ewige Finsternis (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die ewige Finsternis
Autor: Stefan Wolf
Sprecher: Erzähler: Wolfgang Kaven
Übersetzer: -/-
Verlag: Europa
Reihe: TKKG 184
empfohlenes Lesealter: ab 6 Jahren
Ausführung: Hörspiel, ca. 61 Minuten, 1 CD



Autor:
Stefan Wolf, alias Ralf Kalmuczak, 1938 in Nordhausen geboren, studierte Germanistik, bevor er sich ganz aufs Schreiben verlegte. Der passionierte Autor arbeitete u.a. für den »Stern«, und verfasste mehr als 2.700 Kurzkrimis, viele Drehbücher, Taschenbuchkrimis und Jugendromane. Er verstarb 2007 im Alter von 68 Jahren.

Sprecher:
Wolfgang Kaven, Sascha Drager, Niki Nowotny, Manou Lubowski, Rhea Harder, Wolfgang Draeger, Heinz Lieven, Gordon Piedesack, Rüdiger Schulzki, Henry König, Robert Steudtner, Mike Olsowski, Alexander Mettin


DIE EWIGE FINSTERNIS

Tim hat beschlossen das Wochenende vor Weihnachten noch mit seinen Freunden zu verbringen, bevor er über die Feiertage zu seiner Mutter fährt. So sehen TKKG einem ruhigen Kinoabend entgegen, während die meisten Menschen gehetzt durch die Gegend rennen, um noch die letzten Geschenke zu besorgen. Kurz bevor der Film beginnt, wird es plötzlich stockduster. Allerdings nicht nur im Kino, die Stromversorgung der gesamten Stadt ist zusammengebrochen. Zufall oder Manipulation? Auf jeden Fall die Chance für gewiefte Diebe, denn wo es keinen Strom gibt, können auch die Alarmanlagen nichts mehr ausrichten. Mit Hochdruck wird nach dem Grund des Stromausfalls geforscht – als das Licht schon wieder ausgeht...

Ein Stromausfall ist selten schön, dennoch wird ihn jeder schon wenigstens einmal erlebt haben. Dass allerdings die Lichter einer gesamten Millionenstadt ihren Dienst versagen, ist äußerst selten und muss scheinbar einen wirklich triftigen Grund haben.

Eigentlich haben TKKG aber einen ganz anderen Fall im Blick, denn während des Stromausfalls wird Klößchen angefahren und verletzt sich am Knöchel. Der Fahrer des Wagens begeht Fahrerflucht und da er sein Licht nicht eingeschaltet hatte, können sie nur Anzeige gegen unbekannt erstatten. Dennoch sind die Freunde sich einig, dass sie die Person ausfindig machen müssen, auch wenn es im Grunde keine Hinweise auf das Fahrzeug, geschweige denn auf den Fahrer gibt. Aber den Detektiven ist nunmal jede Ungerechtigkeit zuwider, zu Recht, so dass sie gemeinsam für Klößchen einstehen, um denjenigen zu ermitteln, der dafür verantwortlich ist.

Dass sie quasi nebenbei in die Ermittlungen bezüglich des Stromausfalls geraten war so zwar nicht geplant, wird aber natürlich auch nicht abgewiesen. Der Hörer muss ganz genau die Ohren spitzen und auf die kleinsten Hinweise achten, denn diesmal ist es gar nicht so leicht herauszufinden wer hinter der Aktion stecken könnte. Handelt es sich gar nur um einen Streich, zugegeben, einen ziemlich perfiden, oder war das Ganze von langer Hand geplant? Und wenn ja, was ist Sinn und Zweck der vorliegenden Ereignisse? Gemeinsam mit TKKG begibt man sich also auf Spurensuche, die mehr als mühsam ist, wenn man eigentlich gar keinen tatsächlichen Einstiegspunkt hat. Somit könnte im Grunde jeder verdächtig sein, denn das schwierigste ist diesmal, das Motiv zu entlarven, da es keins zu geben scheint.

Mit Spannung verfolgt der Hörer die Ermittlungsansätze, die die Freunde in die verschiedensten Richtungen führen. Da man selber keine bessere Idee hat, lässt man sich bereitwillig mitziehen, und hofft so, den richtigen Hinweis nicht zu übersehen, sobald er sich zeigt.
Eine durchaus temporeiche Folge und ein spannendes Abenteuer, in das TKKG mehr oder weniger ungewollt geraten.