Montag, 30. September 2013

[REZENSION] Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren (OT: Death Benefits)
Autor: Sarah N. Harvey
Übersetzer: Ulli und Herbert Günther
Verlag: dtv
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
Ausführung: Broschur, 240 Seiten



Autor:
Sarah N. Harvey ist Verlagslektorin und Autorin mehrerer Jugendbücher. Sie lebt in Victoria, British Columbia. Ihre Erfahrungen aus der Zeit, als sie sich um ihren alten Vater kümmerte, inspirierten sie zu ihrem Buch ›Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren‹.


ARTHUR ODER WIE ICH LERNTE, DEN T-BIRD ZU FAHREN

„Er ist unmöglich, Marta“, sagt sie. „Absolut unmöglich. Hat keine Freunde. Schläft den ganzen Tag. Schaut die ganze Nacht fern. Duscht nie. Lässt sich die Haare nicht schneiden. Schiebt sein dreckiges Geschirr unters Bett oder steckt es zusammen mit seiner schmutzigen Unterwäsche in irgendwelche Schubladen. Ich bin mit meinem Latein am Ende.“ (Seite 7)

Die Rede ist von Arthur, Ninas Vater, Royce' Opa. Er ist alles andere als ein angenehmer Geselle und er muss betreut werden. Nicht rund um die Uhr, aber alles bekommt er alleine einfach nicht mehr hin. Als Royce sich um seinen Großvater kümmern soll, beginnt ein Kampf der Generationen, unerbittlich und gnadenlos. Doch was als Herausforderung für alle Parteien beginnt, wird mehr und mehr zu einer Annäherung, mit der niemand gerechnet hätte...

Royce ist gerade einmal siebzehn Jahre alt, als er sich um seinen Großvater kümmern soll, der nicht mehr viel alleine erledigen kann. Der Leser findet sehr schnell in die Geschichte hinein, da Royce sie aus seiner Sicht erzählt. Dadurch ist man näher am Geschehen und baut auch emotional eine gewisse Bindung auf. Zunächst findet man Royce gar nicht unbedingt sympathisch, obwohl man nicht recht benennen kann woran dies liegt. Vermutlich einfach nur an der Tatsache, dass man ihn zunächst besser kennenlernen muss, um gewisse Charakterzüge und Handlungsweisen zu verstehen. Es ist fast, als würde man selber sich ihm auch mehr und mehr annähern, ebenso wie Royce und sein Großvater dies im Laufe des Geschehens tun.

Das Buch beleuchtet mit Ernsthaftigkeit und Tragik, aber auch mit viel Charme und Witz einen Generationenkonflikt, den man im Grunde in jeder Familie beobachten kann. Ob jetzt genau in dieser Weise sei dahingestellt, aber ähnliches wird jeder bereits erlebt haben oder noch erleben. Die Umsetzung ist der Autorin wirklich gut gelungen, man ist tatsächlich mit ganzem Herzen während der gesamten Lektüre dabei. Emotionale Schwankungen gibt es häufig, auch diese wirken sich spürbar auf den Leser aus, der gebannt auf die Buchstaben schaut, um auch ja kein Wort zu verpassen.

Das ein oder andere Ereignis ist mit Sicherheit vorhersehbar, das weitere Agieren der Personen in den jeweiligen Situationen kommt aber dennoch teilweise überraschend. Bis zum Schluss lernt man immer wieder neue Eigenschaften der Charaktere kennen, wodurch sich auch immer wieder das Gesamtbild ein wenig verändert.

„Arthur oder Wie ich lernte den T-Bird zu fahren“ ist nicht nur ein Buch für Jugendliche und junge Erwachsene. Hier wird ein wichtiges Thema behandelt, über das normalerweise in Büchern gar nicht so häufig gesprochen wird. Und nicht nur in Büchern nicht, selbst in der realen Welt wird es meist einfach verdrängt. Keiner will sich zu sehr belasten, frei nach dem Motto: Wenn über etwas nicht gesprochen wird, ist es auch nicht da. Sarah N. Harvey hat einen großartigen Roman verfasst, den man unbedingt gelesen haben sollte. Er berührt einen auch nach der Lektüre noch eine sehr lange Zeit.

Sonntag, 29. September 2013

[RUND UMS BUCH] Neu in KW39 / Anette


Im Briefkasten

Das Leben, natürlich, Elizabeth Strout (GW)
La Cucina - Die originale Küche Italiens: Das einzigartige Kochbuch mit 2.000 Rezepten aus allen Regionen, Accademia Accademia Italiana della Cucina (RE)
Leonce und Lena, Georg Büchner / Lisbeth Zwerger (GW)

Samstag, 28. September 2013

[REZENSION] Die Rache der Superhelden (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Rache der Superhelden
Autor: Heiko Wolz
Sprecher: Patrick Mölleken
Verlag: DAV
Reihe: Superhelden 2
empfohlenes Lesealter: ab 8 Jahren
Ausführung: Gekürzte szenische Lesung, ca. 143 Minuten, 2 CDs



Autor:
Heiko Wolz, geboren 1977, lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Kirschfurt am Main. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler gab ihm der Zivildienst in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung eine neue Richtung. Seit 1999 ist er als Mitarbeiter einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung tätig.

Sprecher:
Patrick Mölleken spielte in zahlreichen TV-Serien (u. a. »Alarm für Cobra 11«, »Das Traumschiff«). In der Serie »Kleiner Dodo« leiht er dem Affen Pong seine Stimme. 2010 erhielt er den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie »Bestes Kinderhörbuch«.


DIE RACHE DER SUPERHELDEN

Dr. Schröder ist zurück. Wollte er einst die Superhelden vernichten, gibt er sich nun freundlicher denn je. Genialer Schachzug oder hat er sich wirklich geändert? Leon, der einzig normale in einer Familie von Superhelden, hat den Oberschurken bereits einmal besiegt und glaubt nicht an die plötzliche Wandlung. Allerdings steht er mit seiner Meinung relativ alleine da. Auf Biegen und Brechen versucht er seine Eltern davon zu überzeugen, dass etwas faul ist, doch die sind viel zu beschäftigt damit, sich wie normale Menschen zu verhalten, als dass sie für die Sorgen ihres Sohnes ein offenes Ohr hätten...

Leon, den man bereits aus „Allein unter Superhelden“ kennt, muss ein weiteres Abenteuer bestehen. Als einziger normaler Mensch in einer Familie von Superhelden hat er es wahrlich nicht leicht. Auch nicht, wenn die Familie versucht sich so normal wie möglich zu verhalten. Es ist gegen ihre Natur und endet immer wieder in kleineren oder größeren Katastrophen. Doch dafür hat Leon überhaupt keine Antennen mehr, als plötzlich der Oberschurke Dr. Schröder vor ihm steht, den er glaubte besiegt zu haben. Es ist durchaus sinnvoll, das erste Abenteuer gelesen oder gehört zu haben. Es wird zwar auf wichtige Ereignisse eingegangen, die damals geschehen sind, aber ein tatsächliches Bild kann sich besser machen, wenn man mit der gesamten Geschichte vertraut ist. Dann nämlich hat man auch einen besseren Draht zu den Protagonisten, die diesmal nicht mehr in derselben Ausführlichkeit dargestellt werden, wie im Vorgängerband.

Die Situation scheint nicht nur für Leon offensichtlich, auch der Hörer glaubt nicht so recht an die Wandlung des fiesen Dr. Schröder. Doch alle anderen scheint er blenden zu können, oder ist man selber einfach nur zu misstrauisch? Das gilt es im Laufe des Geschehens herauszufinden, was nicht immer leicht ist. Schröder tarnt seine wahren Absichten gut, wenn es denn wirklich welche gibt. Man muss demnach auf jedes einzelne Detail hören, um herauszufinden was hier gespielt wird und von wem. Spannung ist dadurch schonmal garantiert. Doch der Spaß kommt auch keineswegs zu kurz. Schon allein Leons bester Freund Paul, der trotz Brille blind wie ein Maulwurf ist, sorgt für sehr viel Auflockerung. Die Mischung ist gut gelungen, so dass der Hörer unbedingt wissen möchte wie es weiter- und schließlich ausgeht.

Patrick Mölleken, der auch schon den ersten Band gesprochen hat, glänzt wieder einmal mit der abgelieferten Leistung. Jeder Charakter hat bei ihm Wiedererkennungswert, man hat das Gefühl, es sitzt nicht nur eine Person am Mikrophon, sondern mindestens ein Dutzend. Er lebt die Geschichte richtiggehend, wodurch sie authentisch wird, obwohl man eigentlich weiß, dass Superhelden in der Realität nicht existieren. Die passenden Geräusche und sonstigen Soundeffekte unterstreichen die Stimmung perfekt und tragen dazu bei, dass die Zeit wie im Flug vergeht.

„Die Rache der Superhelden“ ist eine gelungene Fortsetzung und steht dem ersten Band in nichts nach. Eine tolle Geschichte für Kinder, die Erwachsene ebenso in den Bann zieht.


Reiheninfo:
Band 1: Allein unter Superhelden

Freitag, 27. September 2013

[REZENSION] Anna und Anna

Redakteur: Anette Leister

Titel: Anna und Anna
Autor: Charlotte Inden
Übersetzer: -/-
Verlag: Hanser
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: 12-15 Jahre
Ausführung: Hardcover, 176 Seiten



Autor:
Charlotte Inden, 1979 geboren, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Film- und Fernsehwissenschaften in Marburg, London und Straßburg. Sie lebt mit ihrem Mann in Karlsruhe, arbeitet als Redakteurin bei einer Tageszeitung und hat eine Botschaft an die Welt: Schreibt mehr Briefe! Anna und Anna ist ihr erstes Buch bei Hanser.


ANNA UND ANNA

"Anna und Anna" ist ein Briefroman zwischen Enkelin und Großmutter, aber auch eine Art Tagebuch von der Großmutter an ihr linkes Bein, welches sie auf Grund einer Erkrankung verloren hat, Briefen zwischen der jungen Anna und ihrer ersten großen Liebe und der alten Anna und ja... ihrer alten Liebe.
Bella hat ihr Portemonnaie verloren.
Anna ihren Jan.
Und ich mein Bein.
Ich habe am meisten Grund zu jammern, denke ich, aber im Moment ziehen wir alle ein Gesicht. Anna kann es am besten. Sie hat diesen schönen Mund, den hat sie von meiner Mutter. Es ist der Mund einer erwachsenen Frau und im Gesicht meines kleinen Mädchens macht er mir irgendwie Angst. (S.13)
Das Cover kommt in einem schlichten, cremefarbenen Einband daher, die Linien und die in Schreibstift ausgeführten Namen der Autorin und der Protagonistinnen - die gleichzeitig den Titel des Buches liefern - greifen gekonnt das Briefthema des Romans auf. Das Innere ist genauso wunderbar auf den Inhalt der Geschichte abgestimmt: das Blau der Schrift erinnert an Tinte, die Kapitelüberschriften sind zwar eine bloße Durchnummerierung, jedoch jedesmal individuell gestaltet und mit kleinen Zeichnungen ausgeschmückt. Die "kleine" Anna und die "große" Anna strotzen den Widrigkeiten ihres Lebens wie furchtlose Piraten, dies erklärt ihre gewählten Anreden oder Grußworte wie Käptn oder Ahoi, und die zahlreichen Illustrationen, die einen sofort an das Meer erinnern: kleine Seepferdchen, Wellen, Möwensilhouetten oder Fische.

Charlotte Inden gelingt es in wenigen Zeilen und kurzen Briefen jeder ihrer Figuren Persönlichkeit einzuhauchen. Man liest sich sehr schnell in die Geschichte der beiden Annas hinein, obwohl man als Leser sehr plötzlich in das Geschehen hineingeworfen wird. Welche Anna gerade schreibt, erkennt man an der Wortwahl, die junge Anna schreibt jugendlich frisch, Großmutter Anna schreibt altmodischer und bedachter und benutzt manchmal Worte, die heute kaum noch im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet werden. Man lernt zudem zwischen den Zeilen zu lesen, da die schriftliche Kommunikation Lücken aufweist. Nicht jeder Brief, den einer der Protagonisten erhält und beantwortet, taucht in dem Buch auf. So ist man zum Mitdenken angeregt und die Gefühlswelt der beiden Annas geht nicht unter in unzähligen Details oder Beschreibungen, die zur Darstellung ihrer Beziehungen völlig überflüssig gewesen wären.
Manche Entwicklungen in der Geschichte sind schnelllebig, manche traurig, manches hätte man sich als Leser anders gewünscht. Jedoch bin ich mit den Reaktionen der Figuren und mit dem Ende der Geschichte genau so zufrieden, wie es Charlotte Inden erdacht hat. Die Figuren reagieren zwar nicht immer nach Wünschen des Lesers, aber sehr realistisch und nachvollziehbar, und auch das Ende konnte nach der ganzen Entwicklung der Geschichte kein anderes sein. Und so traurig es ist, in gewisser Weise ist es auch tröstlich und versöhnlich.
Charlotte Inden ist es gelungen eine Vielzahl Themen und Probleme - die im täglichen Miteinander entstehen können, sei es aus familiären Gründen oder wegen der Liebe - auf relativ wenigen Seiten nicht nur anzusprechen, sondern aus verschiedenen Blickwinkeln so auszuleuchten, dass man als Leser die unterschiedlichen Standpunkte verstehen und nachvollziehen kann.

Donnerstag, 26. September 2013

[REZENSION] Mädchen sind die besseren Spione

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Mädchen sind die besseren Spione (OT: Cross my heart and hope to spy)
Autor: Ally Carter
Übersetzer: Gerda Bean
Verlag: Planet Girl
Reihe: Gallagher Girls 02
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Ausführung: Broschur, 256 Seiten



Autor:
Ally Carter stammt aus Oklahoma. Ihre Mutter war Lehrerin, ihr Vater Landwirt und Viehzüchter. Sie hat eine ältere Schwester. Nach dem Studium arbeitete sie ein paar Jahre in der Agrar-Industrie, bis sie sich ganz dem Schreiben zuwandte. 2005 wurde ihr erster Roman veröffentlicht. Ihre Bücher erscheinen in mehr als zwanzig Ländern und waren auf den Bestseller-Listen der New York Times, USA Today oder des Wall Street Journal. Heute lebt und arbeitet sie in Oklahoma.


MÄDCHEN SIND DIE BESSEREN SPIONE

In der Gallagher Akademie für junge Frauen werden weibliche Spione ausgebildet. Nichts kann sie schocken, keine Situation ist unüberwindbar, man muss nur wissen, wie man ihr begegnet. Doch auf eines war niemand vorbereitet...

„Von uns Gallagher Girls wird erwartet, dass wir immer auf alles vorbereitet sind. Obwohl ich ziemlich sicher bin, dass wir mit einem Überfall feindlicher Streitkräfte fertigwerden würden, verriet mir der Blick auf meine Mitschülerinnen, dass kein einziges Gallagher Girl auf den Anblick von fünfzehn Typen am Eingang der großen Halle gefasst war.“ (Seite 97)

...außer den Lehrer hatten bisher männliche Wesen keinen Zutritt zur Akademie, wodurch die Mädchen sichtlich aus der Fassung geraten. Damit jedoch nicht genug, sie müssen sich nun wohl oder übel eine Zeit lang mit den Jungs arrangieren, denn auch diese werden am Unterricht teilnehmen. Plötzlich tauchen diverse Sicherheitslücken in der Akademie auf. Nun kommt es drauf an, dass weibliche und männliche Spione zusammenarbeiten. Doch wissen sie wirklich wer auf welcher Seite steht?

„Mädchen sind die besseren Spione“ ist nach dem Auftakt „Spione küsst man nicht“ der zweite Band rund um die Gallagher Girls. Wie schon der erste Band wird auch dieser von Cammie, der Tochter der Schulleiterin, erzählt. Mit ihrer charmanten, leicht naiven Art schafft sich es sofort, eine Bindung zum Leser aufzubauen, auch wenn dieser keinerlei Vorkenntnisse über die Akademie besitzen sollte. Die wichtigsten Fakten werden noch einmal kurz zusammengetragen, ebenso wie es eine Kurzzusammenfassung der vergangenen Ereignisse gibt. Nichtsdestotrotz ist es empfehlenswert den ersten Band zuvor zu lesen, um wirklich alle Hintergrundinformationen zu besitzen.

Nicht nur den Mädchen wird schnell klar, dass etwas seltsames in der Akademie vorgeht. Auch der Leser spürt eine angespannte Atmosphäre, ohne jedoch ahnen zu können woher das Gefühl kommt. Denn zunächst scheint alles wie immer zu sein, keine Auffälligkeiten, keinerlei Vorkommnisse. Schlussendlich wird mit dem Eintreffen der Jungs klar, dass man keiner Einbildung aufgesessen ist. Nun gilt es für alle einen klaren Kopf zu behalten, um eventuelle Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen. Natürlich tritt auch bald eine solche ein, so dass man plötzlich nicht mehr weiß wem man noch trauen kann und wem nicht. Jeder muss sich beweisen, vor den Mitschülern, wie auch vor dem Leser, denn Verräter können überall lauern, das wird jedem klar sein.

Mit „Mädchen sind die besseren Spion“ ist Ally Carter ein wirklich würdiger Nachfolgeband gelungen, der den Leser ebenso in den Bann zieht wie schon der Auftakt. Es bleibt daher nur zu hoffen, dass es noch viele weitere Abenteuer für die Gallagher Girls zu bestehen gibt, an denen man teilhaben darf.


Reiheninfo:
Band 1: Spione küsst man nicht

Mittwoch, 25. September 2013

[REZENSION] Der Junge mit dem Herz aus Holz

Redakteur: Anette Leister

Titel: Der Junge mit dem Herz aus Holz (OT: Noah Barleywater runs away)
Autor: John Boyne
Übersetzer: Adelheid Zöfel
Illustrator: Oliver Jeffers
Verlag: Fischer KJB
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: 10-12 Jahre
Ausführung: Hardcover, 240 Seiten



Autor:
John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er ist der Autor von vierzehn Romanen, darunter "Der Junge im gestreiften Pyjama", der sich weltweit über fünf Millionen Mal verkaufte, zahlreiche internationale Buchpreise gewann (u.a. Nominierung für den British Book Award) und mit großem Erfolg verfilmt wurde. John Boynes Romane wurden in über vierzig Sprachen übersetzt.

Illustrator:
Oliver Jeffers, geboren 1977, ist Designer, Illustrator und Maler. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem renommierten Nestlé Children’s Book Prize in Gold und dem BBC Blue Peter Book of the Year. Jeffers reist viel durch die Welt und lebt zurzeit in New York, USA.


DER JUNGE MIT DEM HERZ AUS HOLZ

"Der Junge mit dem Herz aus Holz" ist eine märchenhafte Parabel aus der Feder des Bestsellerautors John Boyne, die gleichermaßen für jüngeres und älteres Lesepublikum geeignet ist, denn die Aussage, die dieses Buch trifft ist allgemeingültig, egal, wie alt der Leser dieses Buches ist. Genaugenommen werden ältere Leser vielleicht sogar mehr zwischen den Zeilen lesen können und sich sowohl in die Lage des "Jungen mit dem Herz aus Holz" als auch in Noah Barleywater, der Junge, der von Zuhause wegläuft, hineinversetzen können, wohingegen für jüngere Leser eindeutig Noah mehr Identifikationspotential bietet.
"Eine Marionette kann reisen und Abenteuer erleben, und sie wird dabei keinen Tag älter. Ein Junge..., ein richtiger Junge... er wird alt, und schließlich liegt nichts mehr vor ihm, nur noch der Tod." Er schwieg einen Augenblick. Als er aufblickte, musterte Noah ihn ganz besorgt. "Du darfst niemals den Wunsch haben, etwas anderes zu sein als das, was du bist", sagte der alte Mann leise. "Vergiss das nie. Du sollst nicht mehr haben wollen als das, was dir gegeben wurde. Es könnte der größte Fehler deines Lebens sein." (S.202f)
 Zu Beginn konnte mich John Boyne nicht völlig mit seiner märchenhaften Geschichte packen, die wie es der deutsche Titel bereits erahnen lässt, Anleihen an dem Klassiker "Pinocchio" nimmt. In den ersten Kapiteln läuft Noah von seinem Zuhause und seinen Eltern weg, warum, wird der Leser erst sehr viel später erfahren. Er erlebt merkwürdige Dinge und diese nehmen ihren Fortlauf, als er in den alten Holzspielzeugladen eines alten, etwas verschroben und seltsamen wirkenden Mannes kommt: eben jener, der den Jungen mit dem Herz aus Holz verkörpert. Der alte Mann möchte - genau wie der Leser - erfahren, wieso Noah eigentlich von Zuhause weggelaufen ist, denn Noah erzählt nur Positives von seinem Heim und seinen Eltern. Um das Geheimnis aus dem Jungen herauszukitzeln, erzählt ihm der Mann seine eigene Geschichte. Wie er als Junge sehr lange von Zuhause weg war und dabei fast ein Versprechen gebrochen hätte, welches er seinem Vater gegeben hat. Ab diesem Punkt hatte mich John Boyne: Die Erinnerungen des alten Mannes lesen sich interessanter und kurzweiliger als die merkwürdigen Erlebnisse, die Noah auf dem Weg bis zu seinem Spielzeugladen widerfahren sind, zudem ahnt der Leser nach und nach worin das Geheimnis gründet, weshalb Noah ausgerückt ist und erwartet den Zeitpunkt, wann Noah sich dies endlich selbst - und seinem Gesprächspartner - eingesteht.
Nicht nur Noah merkt, wie tröstlich es ist sein Leid mit jemandem zu teilen, auch der Leser liest das aus der Geschichte heraus. Und so kann der alte Mann dem Jungen zwar nicht helfen, als dieser im letztendlich sein Geheimnis verrät, aber Noah fühlt sich dennoch getröstet und gestärkt, so dass er der geheimnisvollen Sache endlich ins Auge sehen kann, vor der er Reißaus genommen hat. Ob der alte Mann auch noch seinen Trost findet? Das ist eine andere Geschichte, die sich erst Jahre später klären wird...

Auch wenn es bei der "Der Junge mit dem Herz aus Holz" ein paar Kapitel länger dauerte, bis es mich so begeistern konnte wie die anderen Bücher, die ich bislang von John Boyne gelesen habe, so empfehle ich es dennoch gerne weiter, da es mit der zauberhaften Aufmachung allein schon die Aufmerksamkeit des Lesers verdient: es ist das erste Werk Boynes, welches von Oliver Jeffers illustriert wurde und neben den zwar simplen, aber so treffend den Text aufnehmenden Illustrationen ist auch die wechselnde Schriftfarbe ein Eyecatcher. Nachdem die Geschichte, die sich in der Gegenwart zwischen Noah und dem alten Mann abspielt in schwarz gedruckt ist, werden die Rückblicke in die Kindheit des Spielzeugmachers in blauer Farbe erzählt.

Die Lehren, die man aus den Kindheitserlebnissen des Jungen mit dem Herz aus Holz ziehen kann, werden vielleicht nicht jedem offensichtlich sein, man muss auch zwischen den Zeilen lesen und für das junge Lesepublikum ab 10 Jahren ist hier vielleicht das eine oder andere zu märchenhaft verpackt, aber eine Sache sollte nach Lektüre der Geschichte jedem klar sein: Gespräche helfen und können Schmerzen und Probleme lindern. Darüber sollten sich sowohl Betroffene als auch  Außenstehende bewusst sein.
-> Dir kann niemand helfen, wenn du deine Sorgen in deinem Innersten verschließt.
-> Du kannst jemandem helfen, allein dadurch, dass du ihm ein offenes Ohr leihst und eine Schulter zum Anlehnen zur Verfügung stellst.

Dienstag, 24. September 2013

[REZENSION] Die Rätsel von Badger's Drift (Hörbuch)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Rätsel von Badger's Drift
Autor: Caroline Graham
Sprecher: Frank Arnold
Übersetzer: -/-
Verlag: Audiobuch
Reihe: Inspector Barnaby 1
Ausführung: Gekürzte Lesung, ca. 433 Minuten, 6 CDs



Autorin:
Caroline Graham stammt aus Neneaton in England und schreibt seit Anfang der 80er Jahre. Sie ist vor allem für ihre Kriminalromane mit Detective Chief Inspector Barnaby bekannt, die auch sehr erfolgreich verfilmt wurden. "Die Rätsel von Badger's Drift" ist der erste Roman der Inspector-Barnaby-Reihe.

Sprecher:
Frank Arnold, Schauspieler und Rundfunksprecher, wurde in Berlin geboren. Er spricht seit vielen Jahren für die Kultursendungen ASPEKTE, ARTOUR und TTT und ist in hunderten Dokumentarfilmen als Offstimme zu hören. In seiner Tätigkeit als Sprecher beim internationalen Kulturfestival Berlin hatte er zahlreiche Lesungen mit Nobelpreisträgern und internationalen Spitzenautoren. Zu seinen bekanntesten und besten Hörbuchproduktionen zählen u. a. Ilija Trojanows "Der Weltensammler", "Der Doktor und das liebe Vieh" von James Herriot, "Ein Ehepar erzählt einen Witz" von Kurt Tucholsky und Pater James' "Stirb ewig".


DIE RÄTSEL VON BADGER'S DRIFT

Als die 80-jährige Emily Simpson tot aufgefunden wird, sieht alles nach einer natürlichen Todesursache auf. Ihre beste Freundin jedoch glaubt nicht an diese Theorie und legt Inspector Barnaby anschaulich dar, warum es sich um ein Verbrechen handeln muss. Barnaby, zunächst unschlüssig was er glauben soll, vertritt nach einigen Verhören immer mehr die Meinung, dass tatsächlich jemand nachgeholfen hat. Nun stellt sich allerdings die Frage nach dem Täter und vor allem nach dem Motiv, denn ohne Anhaltspunkte wird es reichlich schwer, überhaupt herauszufinden was geschehen ist...

Wer den Inspector bereits aus dem Fernsehen kennt, hat natürlich sofort ein Bild vor Augen und kann die Ereignisse direkt vor sich sehen. Das kann positiv wie auch negativ sein. Denn im Grunde wird einem somit vorgegeben, wie man Barnaby sehen soll, nicht wie man ihn sich selber vorstellt. Ein wenig wird dadurch die eigene Fantasie unterdrückt, die bei Hörbücher doch immer eine wichtige Rolle spielt. Natürlich ist dies kein allzu umfassender Kritikpunkt, da es jedem selbst überlassen ist, wie er die Figuren sieht oder sehen will.

In Badger's Drift ist einiges los, obwohl das Dorf zunächst mehr als verschlafen erscheint. Doch Stille Wasser sind tief, das trifft scheinbar auch auf Orte zu, nicht bloß auf Menschen. Jeder kennt jeden, wie es in ländlichen Gegenden üblich ist, und es gibt mehr Leichen im Keller als man glaubt. Dass jeder irgendwo ein Geheimnis hat, ist auch nichts unbekanntes, doch hier nehmen die Geständnisse gar kein Ende mehr. Unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, Vorsicht ist geboten, ebenso wie sich schnell in Sicherheit zu bringen.

Das Geschehen ist absolut spannend aufgebaut, Irrungen und Wirrungen geben sich quasi die Klinke in die Hand. Bis zum Schluss kann man nicht sicher sein, ob man nun wirklich alles verstanden hat beziehungsweise ob es nicht doch noch etwas gibt, was vielleicht noch ungeklärt ist. Es empfiehlt sich daher umso mehr, sich genauestens zu konzentrieren, um auch den kleinsten Hinweis zu erfassen.

Frank Arold hat eine markante und sehr eingängige Stimme. Er schafft es sofort, den Leser für sich zu vereinnahmen und zieht ihn mitten ins Geschehen hinein. Die Atmosphäre legt sich wie ein Mantel um den Hörer und lässt einen auch nicht so schnell wieder los, wenn die Geschichte schon längst zu Ende erzählt ist.

Nicht nur für Fans von Inspector Barnaby ist dieses Hörbuch ein Genuss. Jeder, der gut durchdachte Krimis mag, liegt mit diesem Hörgenuss goldrichtig.

Montag, 23. September 2013

[REZENSION] Grabestille

Redakteur: Yvonne Müller

Titel: Grabesstille (OT: Silent Girl)
Autor: Tess Gerritsen
Übersetzer: Andreas Jäger
Verlag: Blanvalet
Reihe: Jane Rizzoli 9
Ausführung: Taschenbuch, 448 Seiten



Autor:
Die chinesisch stämmige Tess Gerritsen arbeitete erfolgreich als Ärztin, bevor sie sich ihrer Jugendleidenschaft besann und anfing, Romane zu schreiben. Der Durchbruch gelang ihr mit Die Chirurgin. Kaum jemand vereint seit vielen Jahren so gekonnt wie sie erzählerische Raffinesse mit medizinischer Detailgenauigkeit und psychologischer Glaubwürdigkeit der Figuren. In Grabesstille greift sie erstmals die Geschichten und Mythen auf, die ihre chinesische Mutter ihr früher erzählte. Tess Gerritsen lebt mit ihrer Familie in Maine.


HERBSTWIND

Vor 19 Jahre wurde das chinesische Restaurant "Red Phoenix" zum Schauplatz eines furchtbaren Amoklaufs. Wu Feiming, asiatischer Koch des Restaurants, tötete vier Menschen und anschließend richtete er sich selbst. Ein Fall der viele Fragen offen gelassen hat und einige Geister bis heute nicht zur Ruhe kommen lässt...
Ich mustere sie von Kopf bis Fuß, und ich sehe magere Schultern, sehe Hüften, so schmal, dass die Bluejeans kaum. Halt findet. »Es geht nicht darum, was du tun musst«, antworte ich. »Es geht darum, was du sein musst.« Langsam gehe ich auf sie zu. Bis zu diesem Moment hat sie keinen Grund gesehen, mich zu fürchten. Warum auch? Ich bin nur eine Frau. Aber jetzt sieht sie etwas in meinen Augen, und es lässt sie einen Schritt zurückweichen.
»Hast du Angst?«, frage ich sie leise.
Ihr Kinn ruckt in die Höhe, und sie entgegnet mit gespielter Tapferkeit: »Nein.«
»Das solltest du aber.«
Da ist es nicht verwunderlich, dass diese Fall wieder aufgenommen wird, als ein abgetrennte Hand bei der "Boston Ghost Tour", auf den Spuren von Schauplätzen grausamer Verbrechen, gefunden wird. Detective Jane Rizzoli und ihr Partner Barry Frost werden zum Fundort gerufen und bald darauf findet man auch die Leiche die zu Hand passt. Bei weiteren Untersuchungen finden sie Adressen im Navigationsgerät der Toten. Eine Adresse führt zu dem Polizisten Louis Ingersoll, welcher bereits pensioniert ist und die zweite Adresse führt zu der Kampfsportschule von Iris Fang, der Mann damals ein Opfer des Amokläufers war und gleichzeitig auch sein bester Freund. Detective Jane Rizzoli sucht Iris Fang auf, die bis heute davon überzeugt ist, das Wu Feiming nicht der Amokläufer ist. Bei weiteren Ermittlungen sticht Jane Rizzoli auf einige Ungereimtheiten und so nimmt der Fall eine ungeahnte Wendung für alle...

"Grabesstille" ist ein gelungener 9. Fall, der Rizzoli/Isle Reihe, der diesmal mehr Detective Jane Rizzoli als Hauptfigur ins Licht rückt.
Autorin Tess Gerritsen verlässt auch mit diesem Thriller, wie schon bei "Totengrund" die gewohnten Strukturen und Handlungsorte. Schauplatz ist diesmal Chinatown, wo vor vielen Jahren in einem Restaurant ein Amoklauf stattfand. Immer zum Jahrestag des Verbrechens erhalten die Familien der Opfer eine Karte in der steht, dass der wahre Täter noch frei herumläuft.
Tess Gerritsen lässt ihre zwei Figuren Rizzoli/Isle diesmal Stadtteil Chinatown ermitteln. Die Polizei ist hier nicht gern gesehen und zum Sprechen ist keiner bereit. Kein leichtes Unterfangen für die Ermittler um in dem Fall Klarheit zu bringen.
Welche wahre Gründe hinter dem neuen Fall stecken, wissen Rizzoli/Isle genauso wenig, wie der Leser, sie kommen nur langsam zum Vorschein. Jedoch bekommt man als Leser unter anderem auch Einblick in das Leben von Iris Fang, die nach der Wahrheit sucht und da ihre ganz eigenen Methoden anwendet.

Besonders gut sticht im Buch hervor, dass die Autorin Tess Gerritsen sehr viel Sorgfalt auf Recherchen und ihre Charaktere verwendet hat, besonders die Thematik rund um chinesische Mythen wird hier spannend dargestellt. Unterschiedlich Figuren stellen die Perspektiven und Schauplätze zu diesem Mordfall und seinen Umständen dar. So stehen im Mittelpunkt nicht nur die Ermittler, sondern auch Schicksale einiger Figuren, die mehr als undurchsichtig sind.
Die Handlung des Thriller reißt einen innerhalb der ersten Seiten mit, man liest parallel, das heißt man erfährt einiges zu dem Fall und den Ermittlungen, aber zu den einzelnen Personen und deren Spannungen und Geheimnisse.
Wie das Ende der Geschichte aussehen könnte, bleibt bis zum Finale ziemlich unklar, denn für Spekulationen lässt die Autorin viel Raum. Als Leser stellt man so seine Vermutungen, doch man liegt nicht immer richtig. Sehr geschickt sind die überraschenden Wendungen wieder eingebaut.

Wie schon bei den Rizzoli/Isle Vorgängern, hat dieser Thriller „ Grabesstille“ einen unwiderstehlichen Sog und sorgt für nervenzerreißende Spannung! Wieder eins dieser Bücher, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, bis man es beendet hat.

Reihen-Info:
1. Die Chirurgin - The Surgeon
2. Der Meister - The Apprentice
3. Todsünde - The Sinner
4. Schwesternmord - Body Double
5. Scheintot - Vanish
6. Blutmale - The Mephisto Club
7. Grabkammer - The Keepsake / Keeping the Dead
8. Totengrund - Killing Place / Ice Cold
9. Grabesstille - Silent Girl
10. Abendruh - Last to Die

[REZENSION] So wie Kupfer und Gold

Redakteur: Anette Leister

Titel: So wie Kupfer und Gold (OT: Strands of Bronze and Gold)
Autor: Jane Nickerson
Übersetzer: Ursula Höfker
Verlag: cbt
Reihe: -/-
empfohlenes Lesealter: ab 13 Jahre
Ausführung: Hardcover, 448 Seiten



Autor:
Jane Nickerson hat mit ihrer Familie viele Jahre lang in einem großen alten Haus in Aberdeen im Bundesstaat Mississippi gelebt, wo sie als Kinderbibliothekarin arbeitete. Ihre Liebe galt immer den Südstaaten, "den alten Zeiten", Schauergeschichten, Häusern, Kindern, dem Schreiben und interessanten Bösewichten. Jetzt lebt sie mit ihrem Mann in Ontario, Kanada. "So wie Kupfer und Gold" ist ihr großartiges Debüt.


SO WIE KUPFER UND GOLD

"So wie Kupfer und Gold" ist eine Adaption des Blaubart-Märchens, das unter anderem durch die Gebrüder Grimm als auch durch Charles Perrault bekannt ist. Jane Nickerson hat dieses Märchen als Kind häufig gelesen und war jedes Mal verstört. Kein Wunder also, das ihre Version des Blaubart-Themas ebenso düster und beklemmend daherkommt wie die klassischen Vorbilder.

Jane Nickersons Schreibstil ist ausschweifend und detailverliebt, ihre Adaption klassisch. Die Geschichte ist atmosphärisch dicht und verströmt einen düsteren Charme. In ihrer Blaubart-Version kommt das junge Mündel Sophia zu ihrem reichen Patenonkel Bernard de Cressac in eine alte Abtei, die er Stein für Stein in England hat abbauen und in den Südstaaten Amerikas wieder hat aufbauen lassen. Dieser Spleen ist nur einer von vielen Hinweisen, dass es sich bei Bernard de Cressac nicht um den fürsorglichen und spendablen Patenonkel handelt, wie ihn Sophia in ihrer Kindheit kennengelernt hat. Hinter der charismatischen Fassade versteckt sich ein düsterer und verstörter Charakter, der eine Vorliebe für Frauen mit rotem Haar hat. Zu Beginn fühlt sich Sophia noch umgarnt von dem Charme ihres Patenonkels und ist begeistert und geblendet von den schönen und kostspieligen Geschenken, die er ihr macht, so dass sie sich zunächst in ihn verliebt. Sophia scheint naiv und kommt nicht immer sympathisch beim Leser an, da der Leser viel früher den Schein hinter der Fassade Bernard de Cressac erkennt und nur ungläubig den Kopf darüber schütteln kann, wie sich ein Mädchen von so viel Geschmeide nur dermaßen blenden lassen kann. Doch nach und nach blickt auch Sophia hinter die Maske ihres Patenonkels, und das nicht nur dank ihres eigenen Gespürs, auch vier Geister helfen ihr die Fassade ihres Onkels Stück für Stück freizulegen...

Die Geschichte spielt Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in den Südstaaten, zur Zeit der Sklaverei. Neben dem Blaubart-Thema ist deshalb auch die Sklaverei - und die Frage, ob ein Mensch über andere Menschen bestimmen darf - in Jane Nickersons Roman ein großes Thema. Bernard de Cressac vertritt hier den klassischen Befürworter der Sklaverei und Sophia entwickelt unter anderem deswegen nach und nach eine Abneigung gegen ihn, weil sie durch seine impulsive und ungerechte Art verstärkt auf die unmenschliche Behandlung der Schwarzen aufmerksam wird. Sie stammt ursprünglich aus Boston und hatte vor ihrem Leben bei ihrem Patenonkel keinerlei Berührungspunkte zur Sklaverei.

Der Verlag empfiehlt "So wie Kupfer und Gold" ab 13 Jahren, auf Grund der sehr düsteren Stimmung, die selbst mir als Erwachsenen eine große Beklemmung verursacht hat (und dazu geführt hat, das ich in der Hälfte des Buches tatsächlich ans Ende linsen musste, weil ich die Anspannung nicht mehr ertragen habe) und der sexuellen Note, die sich im Laufe der Handlung zwischen Bernard de Cressac und Sophia entwickelt, würde ich das Buch mit einer Altersempfehlung ab 15-16 Jahren ansetzen. Insbesondere, da die sexuelle Note nicht romantisch-schön, sondern auf Grund der Situation und des Charakters eher abstoßend-widerlich daherkommt.

Fazit:
Das Buch nimmt gefangen und fesselt, denn die detaillierten Beschreibungen lassen das düstere Ambiente so klar vor dem inneren Auge erscheinen, dass man aus dem Schaudern gar nicht mehr herauskommt. Für Freunde von düsteren Märchen in klassischer Adaption ein absolutes Muss!

Sonntag, 22. September 2013

[RUND UMS BUCH] Neu in KW38 / Anette


Dies und das

Tatsächlich blieb mein Briefkasten in dieser Woche leer bis auf eine große Büchersendung an Leserundenexemplaren für unsere erste Kochrunde im Katze mit Buch Forum "Suppen, die glücklich machen".
Wäre schön, wenn sich noch ein paar Mitglieder in unserem heimeligen Forum einfinden würden :)
Ab Donnerstag, den 26.09. lesen wir gemeinsam mit Corina Bomann ihr aktuelles Jugendbuch "Der Spiegel der Göttin", erster Teil der Samuraiprinzessin-Trilogie. Vielleicht mag ja noch jemand mit seinem Buch dazustoßen und sich mit den anderen Leserundenteilnehmern und der Autorin dazu austauschen.

[REZENSION] Herbstwind (Hörspiel)

Redakteur: Yvonne Müller

Titel: Herbstwind
Autor: -/-
Sprecher: Thomas Schmuckert u.a.
Verlag: Universal Folgenreich
Reihe: Dorian Hunter 21
Ausführung: Hörspiel, 72 Minuten, 1 CD



Sprecher:
Thomas Schmuckert, Jürgen Prochnow, Peter Woy, Gerlinde Dillge, Frank Glaubrecht, Evelyn Gressmann, Manfred Liptow, Frank Felicetti, Evamaria Bath, Maria Mägdefrau, Uwe Hügle, Gudo Hoegel, Carla Becker, Marianne Bernhardt


HERBSTWIND

Dämonenkiller vs. Geisterjäger

Wegen einer sehr mysteriösen Handyaufnahme der Beerdigungsunternehmer Howard Little gesprochen hat, macht sich Dorian Hunter auf den Weg, um der Angelegenheit nach zugehen.
Seine Ermittlungen führen den Dämonenkiller zu einem Altersheim. Auf dem Weg dahin, macht Dorian Bekanntschaft mit einem Mann, der genauso die dunkle Seite bekämpft wie er. Doch dies ahnt er nicht und so kommt es zu einem sehr interessanten Zusammentreffen zwischen Dorian Hunter und John Sinclair.

"Herbstwind" ist Folge 21. aus der Mystery-Reihe "Dorian Hunter - Dämonen-Killer" und ist bei Folgenreich erschienen. Diesmal muss Dorian eine Spur verfolgen, die ihm zu einem Altersheim führt, dabei kreuzt seinen Weg, den von John Sinclair.
"Herbstwind" ist in einem Crossover mit der John Sinclair Folge "Ein Leben unter Toten" erschienen. In jeder Folge wird aus der jeweiligen Perspektive erzählt, was für eine sehr skurrile und famose Unterhaltung sorgt.

Eine bekannte Sprecherriege setzt dieses Hörspiel hervorragend um. Natürlich ist Thomas Schmuckert wieder als Dämonen-Killer Dorian Hunter unterwegs. Der Geisterjäger John Sinclair wird natürlich Frank Glaubrecht gesprochen und man hat den bekannten Schauspieler Jürgen Prochnow an Bord für diese Folge geholt, der dem Doc Rawson, seine Stimme leiht. In weiteren Rollen des Hörspiels sind Evelyn Gressmann, Manfred Liptow, Peter Woy und Gerlinde Dillge zu hören.

Sound und Effekte sind prima dem Storyverlauf angepasst und schaffen die perfekte Kulisse für dieses Hörspiel und dem Zusammentreffen von Dorian Hunter und John Sinclair. Durch das Zusammenspiel der Musik bekommt die ganze Szenerie, eine sehr unheimliche und dunkle Atmosphäre, was die Geschichte bestens untermalt.

Mit "Herbstwind" wird Hörspielgenuss fürs Ohr garantiert.

Reihen-Info:
01 "Im Zeichen des Bösen"
02 "Das Henkersschwert"
03 "Der Puppenmacher"
04 "Das Wachsfigurenkabinett"
05 "Der Griff aus dem Nichts"
06 "Freaks"
07 "Amoklauf"
08 "Kinder des Bösen"
09 "Im Labyrinth des Todes"
10.1 "Der Folterknecht - Die Nacht von Nancy"
10.2 "Der Folterknecht - Hexenhammer"
11 "Schwestern der Gnade"
12 "Mädchen in der Pestgrube"
13 "Wolfshochzeit"
14 "Jagd nach Paris"
15 "Die Teufelsinsel"
16 "Der Moloch"
17 "Das Dämonenauge"
18 "Kane"
19 "Richtfest"
20 "Devil's Hill"
21 "Herbstwind"

Mehr unter: www.folgenreich.de

Samstag, 21. September 2013

[AKTION] KeinBuch und Mixtvision suchen BESTE FREUNDE

Das KeinBuch sucht BESTE FREUNDE! Bei der aktuellen Aktion zum KeinBuch BESTE FREUNDE sucht der Mixtvision Verlag die schönsten KeinBuch-Bilder. Zu gewinnen gibt es einen actiongeladenen Tag für Zwei sowie 5 KeinBuch-Freundschaftspakete mit dem KeinBuch BESTE FREUNDE.

Werde zum Besten KeinBuch-Freund und gewinne ein besonderes Action-Erlebnis mit deinem BESTEN FREUND!

Das KeinBuch BESTE FREUNDE ist da und bietet KeinBuch-Aufgaben im Doppelpack für Dich und Deinen besten Freund. Haben Du und Dein bester Freund auch ein einzigartiges KeinBuch geschaffen? Oder bist Du der beste Freund Deines KeinBuchs?

Dann zeig's uns und werde zum Besten KeinBuch-Freund! Schick uns einfach bis zum 30.09.2013 Dein Lieblingsbild von Deinem KeinBuch per E-Mail an deinbuch@keinewebsite.com.

Wir stellen die Bilder vom 01. bis 07.10.2013 auf Facebook zur Wahl: Ihr entscheidet, wer zum BESTEN FREUND gekürt wird!

Als Hauptpreis winkt Dir ein erlebnisreicher Tag mit Deinem BESTEN FREUND!
Du kannst wählen, ob Ihr gemeinsam
• Tragschrauber fliegt
• einen Survivaltag erlebt
• auf der Straße Kart fahrt (ab 18 Jahren und nur mit Führerschein)
• oder Bodyraftet

Solltest Du den Hauptpreis gewonnen haben, wirst Du nach Ende des Gewinnspiels von uns benachrichtigt und darfst Dir selbst aussuchen, welchen Gewinn Du wann einlösen möchtest (bis 31.08.2014). Die An- und Abreise musst Du selbst übernehmen.

Unter allen Einsendungen verlosen wir außerdem 5 KeinBuch-Freundschaftspakete mit dem KeinBuch BESTE FREUNDE.

Natürlich dürfen auch gerne schon vorhandene Bilder vom KeinBuch eingesendet werden!

Alle Infos gibt es unter https://www.facebook.com/KeinBuch oder unter http://www.keinewebsite.com/.

Wir freuen uns auf viele kreative KeinBuch-Bilder!

(Quelle: Pressemitteilung)

[REZENSION] Die Bräute des Vampirs (Hörspiel)

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Die Bräute des Vampirs
Autor: Jason Dark
Sprecher: Erzählerin: Alexandra Lange
Übersetzer: -/-
Verlag: Lübbe
Reihe: Sinclair Classics 15
Ausführung: Hörspiel, ca. 60 Minuten, 1 CD



Autor:
Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Aufgewachsen ist er in Dortmund.
Eigentlich hatte er Journalist oder Reporter werden wollen, aber auf Wunsch seiner Eltern erlernte er einen "anständigen" Beruf und wurde Chemotechniker. Nebenbei begann er zu schreiben.
Kleine Geschichten, nie einen Roman. Das änderte sich, als er 1966 zur Bundeswehr eingezogen wurde. Da schrieb er seinen ersten Roman, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei-Verlag.
Anfang 1973 gab er seinen Beruf als Chemotechniker auf und trat als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei-Verlages ein. Er schrieb weiterhin Romane - für die Krimiserien Cliff Corner, John Cameron, Jerry Cotton, Kommissar X und Franko Solo, aber auch für Western-Reihen, u.a. für Lassiter.
Als der Bastei-Verlag eine neue Reihe auf dem boomenden Gebiet des Horrorromans plante, wurden Autoren gesucht, die die ersten Romane schrieben. Helmut Rellergerd schrieb Band 1 der neuen Reihe, den ersten Sinclair-Roman.
Ab diesem Zeitpunkt drehte sich das Erfolgskarussell immer schneller. Bald mußte Jason Dark, wie sich der Autor nun nannte, jeden Monat vier Heftromane und ein Taschenbuch schreiben. Die Sinclair- Serie wurde zu einer der meistverkauften Roman-Serien in Deutschland.
Im Jubiläumsjahr 1997, in dem der 1000ste Heftroman seiner Sinclair- Serie erscheint, erfüllt sich für ihn ein Traum, den wohl jeder Autor träumt: seine Romane werden verfilmt.

Sprecher:
Alexandra Lange, Dietmar Wunder, Santiago Ziesmer, Robin Brosch, Freya Trampert, Walter Wiegand, Katharina von Keller, Achim Schülke, Constantin von Jascheroff, Gerd Rigauer, Gudo Hoegel, Bodo Wolf, Jürgen Holdorf, Dieter Schaad, Nadine Wrietz, Franz Gustavus, Wolfgang Draeger, Frank Felicetti, Nicolas König, Hasso Zorn


DIE BRÄUTE DES VAMPIRS

Vampire, verschwundene Frauen und ein Gefangenentransport, der sein eigentliches Ziel niemals erreicht. Wie hängen diese Dinge wohl zusammen? Diese und mehr fragen muss John Sinclair dieses Mal im Kampf gegen das Böse beantworten, denn ein Mann treibt sein Unwesen, der einen ungeheuerlichen Plan verfolgt. Wenn ihn überhaupt jemand stoppen kann, dann der Geisterjäger. Sinclair muss alles geben und mehr, um der Situation Herr zu werden...

„[...]Und dann noch die Ausbrecher, John. Plus Helfer. Das ist zu viel für einen Mann.“
„Aber Sie haben ja nicht bloß einen Mann. Sie haben einen Mann und ein Kreuz!“
(Track 10)

Gegen Vampire hat John Sinclair bereits gekämpft, doch auch in dieser Welt hat jeder so seine Eigenheiten. Daher lassen sich bei Weitem nicht alle Vampire, oder solche, die glauben welche zu sein, über einen Kamm scheren. Und schon gar nicht lassen sie sich mit ein und derselben Methode bekämpfen. Daher sollte man nicht glauben, dass sich alles wiederholt, nur weil man einem ähnlichen Gegner gegenüber steht wie schon einmal.

In seiner gewohnt lässigen, leicht genervten Art, nimmt John Sinclair den Kampf auf. Bei allem Sarkasmus wird jedoch durchaus deutlich, dass er seine Aufgabe sehr ernst nimmt und weiß was sein Handeln bedeutet beziehungsweise bedeuten kann. Je nachdem, ob er erfolgreich ist oder eben nicht.

Dieses Mal hat er es wieder einmal mit einem Exemplar zu tun, das man nicht richtig einschätzen kann, aber keinesfalls unterschätzen sollte. Alles läuft im Grunde irgendwann bei dieser Person zusammen, auch wenn anfangs nicht jeder Handlungsstrang darauf hindeutet. Einige Ereignisse hängen lange Zeit in der Luft, man weiß nicht so recht sie einzuordnen, darf sie aber nicht gleich nach dem Hören wieder vergessen, denn man darf sicher sein, dass alles nochmal aufgegriffen wird. Bis zum Showdown gibt es die ein oder andere Überraschung, so dass dem Hörer nie langweilig wird.

Inhalt und Soundeffekte sind sehr gelungen aufeinander abgestimmt, die Atmosphäre ist sogleich spürbar. Man hat sogar das Gefühl, das ein oder andere Mal würde es einen kalten Windhauch geben, obwohl das gar nicht möglich ist. Bei dieser Folge stimmt einfach alles, so dass man sie gerne auch mehr als einmal hört.