Montag, 18. November 2013

[REZENSION] Sternenzimmer und andere Hotelgeschichten

Redakteur: Christiane Demuth

Titel: Sternenzimmer und andere Hotelgeschichten
Autor: François Loeb
Übersetzer: -/-
Verlag: Allitera
Reihe: -/-
Ausführung: Taschenbuch, 160 Seiten



Autor:
François Loeb (geboren 1940 in Bern), lic. oec. Universität St. Gallen, leitete von 1975 bis 2005 das von seinem aus Freiburg im Breisgau stammenden Urgrossvater gegründete Berner Traditionskaufhaus LOEB. Nach politischen Mandaten in Gemeinde und Kanton sass er von 1987 bis 1999 im Schweizer Nationalrat. Heute lebt er im Schwarzwald, schreibt und publiziert Kurzgeschichten und Erzählungen. Im Allitera Verlag erschien von ihm die Erzählung »Lea und Siegfried« (2012).


STERNENZIMMER UND ANDERE HOTELGESCHICHTEN

Wie sehen Sie Hotels? Wie nehmen Sie die Angestellten wahr? Ist ein Hotel wirklich nur ein Ort, den man auf einer (Durch-)Reise besucht oder verbirgt sich dahinter weit mehr? Haben Sie sich jemals Gedanken darüber gemacht was geschieht, wenn die Türen sich schließen oder gar, wenn es Nacht wird? Nein? Das sollten Sie aber, denn es gibt wahrhaftig mehr zu entdecken als die oft farblose Hülle uns glauben machen will.

Jetzt bin ich mit meinen Notizen auf Seite tausendsiebenundachtzig angekommen, mein Lederbuch besitzt einen unheimlichen Seitenhunger! Da tritt das Gegenteil eines Schicksalsschlags ein – helfen Sie mir doch bitte, wie lautet das Gegenteil des Schlags? Eine Schicksalsstreicheleinheit, ein Schicksalsglücksfall – fällt Ihnen auch auf, wie viel mehr negative als positive Ausdrücke unseren Wortschatz dominieren? (S. 51)

François Loeb ist ein wahrer Meister der Worte. Dies beweist er in 28 Kurzgeschichten mehr als deutlich. Bildgewaltig und abstrakt, man kann sich seinen Schilderungen einfach nicht entziehen.

Immer wieder sind es andere Hauptprotagonisten, deren Erlebnisse mit dem Leser geteilt werden. Zumeist weiß man nicht einmal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, alt oder jung, aber das ist auch überhaupt nicht wichtig. Kaum, dass die ersten Worte verklungen sind, zählt nur noch das Geschehen allein, die Entwicklung, das Unfassbare. Realitätsfern trifft es wohl von Zeit zu Zeit, aber wer weiß schon wirklich was des Nachts möglich ist in einem Hotel. Hat sich je jemand gewagt die tiefsten Geheimnisse zu ergründen?

Die Geschichten sind meist zwischen drei und fünf Seiten lang, so dass sie gut häppchenweise, ob zu Hause oder unterwegs, genossen werden können. Oft ist es auch sinnvoll nach einer Geschichte eine kurze Pause einzulegen oder zumindest innezuhalten, um das gerade Gelesene zu verarbeiten. Auch wird man den Geschichten nicht gerecht, wenn man sofort die nächste liest, denn die vorherige wirkt noch immer nach, somit könnte man sich gar nicht richtig auf etwas Folgendes konzentrieren oder vollends einlassen. Der Autor weiß mit Worten umzugehen, so dass nicht immer sofort alles zu erfassen oder zu verstehen ist. Hin und wieder muss man sich bemühen, den Zusammenhang nicht zu verlieren.

Dieser Kurzgeschichtenband ist nichts für zarte Gemüter, man muss immer mit dem schlimmsten rechnen, wobei es sich meistens um Gedankenspiele handelt. Doch diese sind oft grausamer als nackte Brutalität. Wer es sich zutraut und gewappnet ist, sollte dieses Buch als Begleiter für die nächste Reise einplanen.

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